Schon viel wurde über die bittersüße Emotionalität schwadroniert, die viele Technotracks aus Detroit verströmen. Jede versonnen stimmende Fläche im Verbund mit komplexen Rhythmen wurde dem fortschreitenden Verfall der Stadt angelastet, jeder Augenzeugenbericht von heimkehrenden Besuchern schien die Fernspekulation zu bestätigen. Eine ganze Produzentengeneration wurde so zum Synonym für den Degenerationsprozess ihrer urbanen Umwelt, und ihre Fähigkeiten diesen in Musik auszudrücken. Voll heftig da in Detroit, Downtown-Wüste, Komplettinsolvenz, Mad Max 4: Inner City Blues, wurde geschaudert, nur dort kann so eine Musik entstehen. James Pennington alias Suburban Night veröffentlichte allerdings schon mit seinen ersten Platten auf Transmat Töne die vermuten ließen, es sei alles noch viel schlimmer. Seine Welt ist zappenduster. Wenn die verzerrten Stimmen über den meilentief rumorenden Bass von „The Groove“ ihre Einwürfe machen, hat man das Gefühl man würde zwei Psychopathen belauschen, die mit einem Teleskop auf der Party im Hochhaus gegenüber Opfer ausspähen. „The Worlds“ handelte offenkundig von Welten, gegen die H.R. Gigers Visionen wie Urlaubspostkarten anmuten. „The Art Of Stalking“ klang wie ein Speer aus chromatischer Materie, der einem von unsichtbaren Gegnern so hart durch den Körper gejagt wird, dass es eine glatte Ein- und Austrittwunde gibt. Die Fantasie von James Pennington schien deutlich gestörter als die seiner Weggefährten, und er schien fest entschlossen, sie musikalisch direkt umzusetzen. Kaum nachvollziehbar, dass er einst Detroits Pop-Durchbruch „Big Fun“ mitzuverantworten hatte. Seine Eigenproduktionen waren weit von jeglichem Eskapismus entfernt, hier ging es mehr um unmittelbare Bedrohung, nächtlichen Einzelkampf und Hinterhalt. So erschien es nur konsequent, dass sich Pennington in der zweiten Welle von Detroit Techno der von industrieller Düsternis geschulten klanglichen Kriegsführung rund um Underground Resistance anschloss, und nicht den hoffnungschimmrigen Introspektiven der Belleville 3 plus Carl. Dort erschien seine Musik nicht mehr wie ein düsterer Querschläger, sondern vielmehr wie die Perfektion eines unheilvollen Aggregatzustandes, und die Einstands-EP „By Night“ wirkte fast wie ein erleichterter Befreiungsschlag, wenn es in dieser Musik so etwas wie Erleichterung geben würde. Gibt es aber nicht. „Echo Location“ klingt wirklich exakt wie Bruce Wayne Junior, der nach dem tiefen Sturz in die Höhle in ein Meer von Fledermausaugen starrt. „The Warning“ und „Nightvision“ bieten auch keinen Ausweg, eher tappt man noch tiefer in den lichtlosen Schlund. Der einzige Orientierungspunkt sind die strengen Rhythmen, die pure Funktion, der Rest sind nur noch flirrende, verwischte Klangwischer, die den Empfänger mit voller Absicht streifen, und man weiß schon, dass der finale Stoß demnächst kommen muss. Aber wann? WANN?
Suburban Knight – By Night EP (Underground Resistance, 1996)
Im Gespräch mit Sebastian Dresel über “Now Is Early” von Nicolette (1992).
Wie bist Du zuerst auf “Now Is Early” gestoßen?
Das war insofern einfach, als dass alles was auf “Shut Up & Dance” kam einfach Pflichtübung war. Aus irgendeinem, mir schlussendlich nicht erklärlichen, aber ausgesprochen glücklichen Umstand, hatten in unserem überschaubaren Mannheim schon Jahre zuvor einige Leute ein sehr feines Gehör für alles entwickelt, was in England so geschah. Interessant für mich ist diesem Zusammenhang aber vor allem auch das “Wo?” . Ich habe damals in der hiesigen WOM-Filiale (für diejenigen die sich nicht erinnern – eine Plattenladenkette namens „World of Music“) am so genannten “Vorspieltresen” gearbeitet. WOM war ein Franchise-Laden, was bedeutete, dass man in der Order deutlich autarker war als reine Filialen einer großen Kette, die teilweise zentral bestückt wurden. Und so war ausgerechnet eine WOM-Filiale mitten in Mannheim einer der am besten sortiertesten Plattenläden, die mir je über den Weg gelaufen sind.
Gregor “DJ. GO.D.” Dietz (der sich u. a. als “Brainstorm” auf R&S Records bemerkbar gemacht hat und mit seinem damaligen Partner auch die famosen TZ 8 und 9 verantwortet) – der, zu meinem immer noch anhaltenden Grauen, vor 4 ½ Jahren verstorbene großartige Freund, Musiker und DJ – hat die “Disco-Abteilung” (die Zusammenfassung der Stilistika in dieser Abteilung ist ein Thema für sich, auf das ich gleich nochmal komme) geleitet und Holger “Groover” Klein (der – das muss man auch unbedingt sagen, schlicht derjenige war, der “Breakbeats” in Deutschland vor jedem anderen gesportet hat) hat ebenfalls da gearbeitet. Ich stand also am Vorspieltresen und habe den ganzen Tag für alle möglichen Leute ihre Platten aufgelegt. Angesichts der anderen Abteilungen, die durchweg von ziemlichen Freaks bestückt wurden, war das eine wahnsinnige Vielfalt an Input für einen jungen Typen. So wird mir zum Beispiel Nirvanas “Nevermind” immer in erster Linie als eine Platte in Erinnerung sein, die zunächst einmal monatelang weitestgehend unberührt im Regal vergammelte, obwohl sie der zuständige Typ aber auch wirklich jedem aufzudrängen versucht hat. Ich gebe zu, dass ich an meiner Schule auch nicht mit Wissensvorsprung-Überheblichkeit gespart habe. Wollte ja monatelang keiner wissen.
Aber zurück zur Disco-Abteilung, in der dann die erste Stereo MCs oder Silver Bullet zusammen mit diesen ganzen Soul Sachen Marke Levert, zunächst auch dem ganzen Acid-Jazz-Katalog, C&C Music Factory, Archie Bell and the Drells, Mister Fingers, KLF, Chill Records oder Plus 8 und vor allem den ganzen wunderbaren ersten Warp-Records wie etwa Sweet Exorcists „Clonk“ in einer Ecke versammelt standen. Der damalige Manchester-Rave-Zusammenhang war bei Wave einsortiert und ich entsinne mich der Debatten, warum eigentlich. Zumal Holgers Blick auf Breakbeats sicher eher aus einem Zusammenhang entstand, der sich aus The Jam, Orange Juice, Clash und dem Factory Records-Backkatalog samt des ganzen On-U-Universums (den ich eher über die Depeche Mode Mixe und dann vor allem über Gary Clails wunderbaren „Emotional Hooligan“ erschlossen habe) und eben den späteren Manchester Bands speiste und quasi nahtlos daraus erwuchs.
Biz zum heutigen Tage scheint es mir nicht fraglich, warum sämtliche Nitzer Ebbs, Weathermen und Front 242s des Planeten damals eben nicht bei „Disco“ (und damit eben in der Nähe von Techno) einsortiert waren und insofern House, Techno und Breakbeat der Zeit immer auch „räumlich“ in einem Zusammenhang mit Soul und Hip Hop und Jazz standen. Insofern auch nicht verwunderlich, dass so Typen wie Talla später wieder nur Schrott gemacht haben. Irgendwie haben wir hier so eine Hacienda-Sozialisation nachempfunden ohne es genau zu wissen (zumindest ich nicht). Dass Holger dieses „It’s grim up north“ T-Shirt abgegriffen hat, schmerzt mich bis heute. Und wenn ich jetzt den Titel von Peter Hooks Buch lese „How Not To Run A Club“ dann fällt es schwer, das nicht auch auf’s Milk zu beziehen. Eine ausgesprochen wertvolle Erkenntnis übrigens, dieses immer wiederkehrende Phänomen des Dilettantismus.
Aber nochmal zur eigentlichen Frage. Auf „Now Is Early“ zu stoßen war zunächst keine Entscheidung aufgrund der Platte selbst. Ich kannte Nicolette vorher schon weil ich „O si Nene“ als 12“ gekauft hatte und das rauf und runter lief. Die B-Seite war ja zusätzlich mit einem „Strings of Life“ Sample bestückt, was eben auch den damals ja ganz eindeutigen, ja zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Detroit und England verdeutlicht. „Waking Up“ war ja auch noch früher und man wollte alleine des Remixes wegen die ganze Platte haben. Mal ganz abgesehen davon, dass „Waking Up“ dann im Milk zu den allabendlichen Putzlicht-Platten zählte. In einer Reihe mit „Loaded“, „Strings Of Life” (Beatless), M1s „Feel The Drums“ oder YBU’s „Soul Magic”. Ziemlich balearisch ging es da zu. Auch wenn ich dieses Wort damals sicher nicht verwandt habe.
Warum hast Du Dir dieses Album ausgesucht? Was macht es so wichtig für Dich?
Zum einen die bis zum heutigen Tage immer noch nicht annähernd ausgelotete Frage, wie aus dem „Dance“-Zusammenhang (oder wie man es auch immer nennen will) auch wieder der klassische „Song“ erwachsen kann. Also eine Art Rückwärtsbewegung im Disco-Historien-Sinne. „Now Is Early“ ist eine Signature-Platte einer Zeit, die ich für mich als irre prägend wahrgenommen habe. Es wäre schlicht verlogen zu behaupten, dass sie mir damals als so besonders aufgefallen sei, wie ich sie heute einschätze. Ich empfand das auf gewisse Weise als normal, mit Ansätzen konfrontiert zu werden, die mir unbekannt waren, mich begeistert, aufgeregt aber auch gefordert haben.
Vielleicht habe ich sie auch genau aus diesem Grund ausgesucht. Weil sie für Stilprägung steht und gleichzeitig immer solitär geblieben ist. Aufregend ist sie auch heute noch. Als Mike Skinner auf „Original Pirate Material“ bzw. auf „Sharp Darts“ fragte „’ave you ever ’eard a beat like this?“ habe ich mich schon denken hören: „yeah, mate! I ’ave. Kind of.“ Als ich über die Auswahl nachgedacht habe, habe ich mit meinem besten Kumpel King Kummi of D*ruffalo Fame auch über „Road To Nowhere“ von den Young Disciples gesprochen. Eine echt schwierige Entscheidung, weil „Road To Nowhere“ so unfassbar toll ist. Aber „Now is Early“ verbildlicht eben auch vieles, was mir Techno jemals bedeutet hat. Von ihr gehen so viele Pfade aus, dass ich sie kaum zusammenfassen kann.
Die Assoziationsketten reichen von King Tubby bis zu Grant Green auf Blue Note, den ich etwa zur selben Zeit für mich entdeckt habe. Auch die für mich absolut glasklare Logik hinter der Verbindung zu Two-Tone und so etwas erscheint mir weniger über Umweg meiner wunderbaren Vespa, als über eine tiefer liegende Ästhetik zu funktionieren. Ich würde das nicht Mod nennen, aber den Begriff im Sinne seiner modernistischen Bedeutung muss man schon mal fallen lassen. Wenngleich sicher weniger im Sinne besonderer modisch-zeitloser Vorlieben dieser Tage. Aber es erscheint mir heute schon irgendwie stimmig, dass ich meine musikalische Identität damals irgendwie als Daisy-Age-Raver-Pop-Scooter-Boy gesehen habe. Aber damals war ich schwer zerrissen, weil ich vermutlich lieber irgendetwas von all dem richtig gewesen wäre. Was aber auch irgendwie nicht ging. Man hat eben auf dem Weg ins Milk Toots & The Maytals gehört und auf dem Rückweg Inner City. Read the rest of this entry »
The Druffalo rave saga continues. This time round the Druffalo Hit Squad travels back to the classic sound of Motor City. No, we didn’t ask for permission.
Never On Sunday – The Journey (Retroactive) Constant Ritual – Hard Way To Come (Network) Psyche – Elements (Planet E) R Tyme – R Theme (Transmat) Mia Hesterley – Spark (Ten) Intercity – Out Of Control (KMS) Neal Howard – Perpetual Motion (Future Sound) Vice – Mindmelt (430 West) Suburban Knight – The Worlds (Transmat) Reese – Bassline (Fragile) H&M – Sleepchamber (Axis) M5003MB – The Cosmic Courier (Metroplex) Open House Feat. Placid Angles – Aquatic (Retroactive) Octave One – Octivate (430 West) Mayday – Nude Photo 88 (Kool Kat) Model 500 – Electronic (Metroplex) Blake Baxter – Forever And A Day (Ten) Esser – Forces (KMS) 69 – My Machines (Planet E) E Dancer – Feel The Mood (Incognito) Octave One – I Believe (Transmat) Underground Resistance – Hi Tech Jazz (Underground Resistance) Pod – Vanguard (Buzz) Inner City – Praise (Ten) Alien FM – Art Of Illusion (430 West) Psyche – Crackdown (Buzz) Paris Grey – Don’t Lead Me (Network) Never On Sunday – Urban Rains (430 West) New Birth – Don’t Blame The Young Folks (For The Drug Society)
This is a 70’s reggae track by Jackie Mittoo. It’s almost Minimal, very basic.
True. It’s got some Techno appeal, it’s just rhythm. That’s what I like about this Dub stuff, there are so many things you can recognize that were used later on in electronic music like House and Techno. Dub was so important for that.
So these ancient production techniques are still valid? There seems to be a direct line from Jamaica to today’s productions.
Yeah, I listen to Dub. I don’t listen to a lot, but I like some of it. But I like to use the state of mind of Dub in my music. It’s more a musician thing. I like to use the techniques of it. I’m getting more into the music, too. It’s amazing, the way they were mixing the bass and the drums in the 70’s. Really crazy.
They also put some emphasis on just doing tracks, not songs.
It really is the basis of what came afterwards, from Hip Hop to House to Techno. Drum and Bass also, of course. They all took elements from Dub, that’s really interesting.
> Yukihiro Takahashi – Walking To The Beat (Pick Up Records)
The next one is by Yellow Magic Orchestra’s Yukihiro Takahashi. A Synthpop track.
It is interesting. It has this kind of proto-House feeling. What I really liked was this crazy soprano sax solo at the end. It is almost like Free Jazz, for 30 or 40 seconds, and then it stops. That was quite bold.
I think he actually wanted to do some kind of pop hit though. The singer on this record is the one from the 80’s pop group Icehouse for example. But for a pop hit it is probably too weird.
I think the harmonies are built up quite traditionally, but this solo part really surprised me. It is almost like New York ‘s Post Punk era. Trying some new crazy stuff.
Maybe you should use some sax solo in a House track.
Well, I used to play sax in the past.
Really?
Yeah, for a long time. But I kind of really got tired of the sound and I don’t think I’m going to use it. But you never know. I started playing Alto Saxophone when I was 13 years old. I had tried piano a few years ago, but I wasn’t so much into it. I don’t remember why I chose saxophone, but I remember I wanted to do a wind instrument. With the saxophone, I learned to play jazz and I absolutely loved it! I began rehearsing with a few bands, mostly Jazz or Funk groups. When I discovered DJing, I was instantly hooked and I started playing less and less saxophone, until I quit around 2001. DJing, collecting and discovering music became more important for me. I dabbled into production around 1996, but got a home studio setup two years later. I remember that my main reason for producing was that I found that certain records were lacking something or were arranged in a way that I thought was not so effective. I was thinking “Hmm, the producer should have put this part first” or “the chord there doesn’t sound nice although the beat is dope”. After a while I just thought I should make my own tracks.
I remember that a lot of the early Deep House tracks used the same sax sound. Really flat and synthetic. They seldom used a real saxophone, always this cheap sound effect.
This is very early electronic music, from White Noise’s first album from 1969. They were among the first to use synthesizers in a rock context and their music became very influential later on. This particular track seems indeed way ahead of its contemporaries, and it is pretty wild.
I didn’t know that at all. I had problems listening through it, it is almost disturbing. From today’s point of view it maybe is not that overtly experimental anymore, but setting it into the time of its production, it is very cool.
There certainly was not much comparable music back then.
The sound is very good. They already had synthesizers? There is a lot of space in the production. If you would not have told me, I would never have guessed that it is so old. The arrangement and the noisy parts reminded me of destructed Amen breaks, totally distorted. Very interesting.
Quartz – Chaos
The next one is by Quartz from France . Also early synthesizer music, but within a disco context.
I was not into that at all. My calendar does not really start before 1990 or so. Even stuff like early Model 500, Cybotron, it is ok, but it’s not mine. I also can’t get into Kraftwerk. What has been called techno from 1990 on was what got me to listen to music consciously for the first time. I was never the one to check the influences on music that I like. I know Disco only from TV, Saturday Night Fever and such. I was never really interested in it.
Is that based on a basic antipathy towards the sounds of disco music?
There was a short period I found it exciting, around the time the filter and cut-up disco house arrived with DJ Sneak, all the sample stuff. But that was over pretty soon when all the records started to sound the same. So yes, it is based on principle that I don’t like the sounds too much.
So you were more interested in how a track was built on samples than where they came from?
Exactly. It was fascinating to me how all could be said in a loop that went for three minutes, if it was a cool one. Longer than that it could get boring. Of course you can’t compare that to what happens in the original disco track, there was more happening there than in house tracks, which only used bits. It was interesting that many people used the same samples and you became aware that there must some source for it. But sample based productions are not my philosophy. I never wanted to just use bits of other people’s music.
Those disco house records also did not always pay tribute to disco, they deconstructed it, and often in a not very respectful manner.
Not at all. It’s strange how American producers often deal with each other, all that stealing amongst themselves. But in the end we all benefited from that (laughs). Read the rest of this entry »
Beim fünften Album der Blaktroniks ist der Titel wahrlich Programm, es geht um Soul. Das Gefühl von Hitsville Detroit, und nicht Hitfabrik Mark Ronson. Es geht um Einkehr, Glaube, Asyl, trotzende Rückzugsgebiete in grimmigen Umgebungen, und nicht um Divenhände, Booty und überkandidelte Vehikel. Den Bogen von ihren verschachtelt störanfälligen Digibeats und -sounds zum Inner City Blues schlägt man anhand von Edward Robinson, ehemals Soul-Crooner in 60’s Motor Town und Vater von Kollektivgründer Edd Dee Pee. Wenn er die intensive Stimme erhebt, geht die Konfrontation der Gegensätze von klassischer Soul-Tradition und den Gesetzmäßigkeiten reduziert-untergrundigen Hip Hops geradezu bestechend klar auf: Aus den Stimmen des Sängers und der MCs klingt unterschiedliches Erleben, aber das gleiche Ziel. Daneben gibt es ein Manifest, das zu Heuchlertum und Minstrelisierung in der Sache Stellung bezieht (hallo, Flavor Flav), Nebenauftritte von Sister Gudrun Gut und Moritz von Oswald, entsprechende Remixe stehen auch noch an. Die Überfälligkeit vom Ganzen ist frappierend, das soll und muss Schule machen.
Da muss schon etwas Gewichtigeres in die Speichen geworfen werden als die Bestreikung fast aller öffentlichen Verkehrsmittel, um die goldene Nacht der diesjährigen Transmediale ins Wanken zu bringen. Das Aufgebot war einfach zu opulent. Dementsprechend füllten sich die grieseligen Hallen der Maria sehr zusehends und früh schon kam Bewegung auf. Thematisch war die Nacht in zwei Teile gefaltet. Hüben Techno in Dub, drüben House. Für Ersteres zeichnete die Modern Love-Posse verantwortlich, die in voller Mannschaftsstärke erschienen war. Angefangen mit einem schönen Set vom wie immer fulminanten DJ Miles, später Pendle Coven, Andy Stott und Claro Intelecto an den Laptops. Es ist auffällig, dass sich alle Beteiligten so unisono in diesen raureifigen, aufgeräumten Labelsound einfügen. Das wird wirklich konsequent durchgezogen und mittlerweile auch deutlich ansteckender dargeboten als beim letzten Berliner Gastspiel in der Panoramabar. Der rechtmäßige Star auf diesem Floor war aber natürlich Moritz von Oswald, der, in Begleitung von Max Loderbauer an einem wunderschönen Modularungetüm und Vladislav Delay an sämtlicher Perkussion, wieder einmal vorführte, wie man diesen Sound wirklich intensiv macht. Es war beeindruckend, und eher im Stil seiner aktuelleren Remixe und Produktionen als an Basic Channel-Traditionsverwaltung. Da kommt hoffentlich noch mehr. Auf dem anderen Floor brachte Kalabrese mit seinem mitunter wirklich etwas rumpeligen Orchester das Unternehmen in Gang. Nicht so bewegend wie auf Tonträger aber mit reichlich Charme ausgeführt, und als der Grime-Look der Sängerin dann auch unverhofft auf Grime-Bass traf, gab es kein Halten mehr. Leider wurde der Zug mit einer nervtötend langen Umbauphase aufs Spiel angehalten, doch dann kam Larry Heard. Und man merkt, dass er sich jetzt auch immer mehr als DJ wohl fühlt. Anfangs noch sichtlich nervös begann er wie eine etwas wackelige Ausgabe einer guten Inner City-Nacht und wurde dann immer doller. Clivillés & Cole, der Percolator, sogar Plastic Dreams. Herrlich. Zum Abschluss dann „Can You Feel It“, mit einer improvisierten, wundervollen Darbietung des Gesangsparts von Robert Owens. Alle sind zu Tränen gerührt, Heard eingeschlossen. In diese Stimmung passen anschließend Prosumer, Murat Tepeli und Elif Bicer perfekt, da wird fürwahr ein Kreis geschlossen. Das kann alles immer noch sehr viel Spaß machen.
Well, it was about time for another round, wasn’t it? In fact, we’ve been promised red hot sessions by wonderful people, but apparently those recordings are so complex and uncleared that they are still in production hell.
In the meantime, the Druffalo Hit Squad sat down, took some sips, pondered and went selecting. This time we decided to drop the tempo and go all epic. Monolithic beats, sweetest tunes and late night to early morning street cred, rhyming and scheming, with a pinch of stardust. We even went busy with the crossfader at some point, if only on one record. It’s a new technique we call “The Absorber Scratch” that will wreck competition worldwide and can only be used sparsely. The first one to locate it in the show gets a free round of kisses, hugs and Anchovy Bellinis at Berlin’s Roses pub on Oranienstr, next time we crawl there.
We are a problem that no one can fix, with Druffmix 6!
Alain Delon – Comme Au Cinema (Extended Version) Chaz Jankel – I Can Get Over It (If You Can Get Over Here) Bomb The Bass – Winter In July (Cosmic Jammer Club Mix) Digital Underground – Freaks Of The Industry Adina Howard – Freak Like Me (Remix Without Rap) Destiny’s Child – Girl (Single Version) Fresh 4 – Smoke Filled Thoughts MC 900 Ft Jesus – The City Sleeps (Album Mix) Young MC – I Come Off (Southern Comfort Mix) Leta Davis – Joey’s Groove Robert Palmer – Every Kinda People (Reproduction Extended) The Pasadenas – Reeling (Extended Version) Malcolm McLaren – Waltz Darling (Extended Version) The World’s Famous Supreme Team – Hey D.J. (Instrumental Version) Summer Slams – Mellow Moment Massive Attack – Daydreaming (Brixton Bass Mix) People Under The Stairs – Tuxedo Rap Pizzicato Five – Baby Love Child The Cover Girls – Wishing On A Star (Jeep 12”) Saint Etienne – Spring Grace Jones – Slave To The Rhythm (Blooded) Martine Girault – Revival Lalomie Washburn – Try My Love (Radio Mix Extended Vinyl Version) Richie Rich – Coming From London Dungeon Family – Trans DF Express (Club Mix) Maxi Priest – Peace Throughout The World (The Video Remix) Bobby Konders & Massive Sounds – Unity Banderas – This Is Your Life (Less Stress Mix) Massive Attack – Any Love (Larry Heard Mix) The Style Council – It Didn’t Matter Rufus & Chaka Khan – Ain’t Nobody (Hallucinogenic Version) Caron Wheeler – Livin’ In The Light (Brixton Bass Mix) The Sindecut – Tell Me Why (Part 2 – The Exchange) Saint Etienne – Only Love Can Break Your Heart (Kenlou B-Boy Beats) Eric B & Rakim – I Know You Got Soul (Vocal) Tony, Toni, Toné – Oakland Stroke (Brixton Club Mix) Intime – Second Sight Danny Tenaglia – World Of Plenty Chapter & The Verse – Which Way Is Up? Pressure Drop – You’re Mine (Album Version) Stereo MC’s – Two Horse Town Jesus Loves You – Love’s Gonna Get You Down Mr Fingers – What About This Love (Even Deeper Mix) Mica Paris – Young Soul Rebels (Original Version) Julia & Co – I’m So Happy Inner City – Hallelujah (Leftfield Glory Mix)
Seit 2001 gibt es das Label Running Back, das einst von dem DJ und Journalisten Gerd Janson und Thorsten Scheu alias Glance gegründet wurde, um Freunden und dem eigenen Deep House-Aktivismus eine Plattform zu bieten. Die Veröffentlichungen von Scheu selbst als Second Life und Soul Supply sowie dem mysteriösen Mute waren sporadisch, aber fein und von der tiefen Überzeugung geprägt, mit der von Frankfurt aus südwärts der Sound immer weiter betrieben wurde, als anderswo im Lande die Klangsparsamkeit ausgerufen wurde. Deep Houser sind eine beharrliche Spezies, und abermals werden in dieser Tradition wieder Standards mit Breitenwirkung gesetzt, die Berlin-Karlsruhe-Achse Innervisions oder auch Stir 15 strahlen aus, und in Clubs wie Inner City und Liquid wird die Erfahrung umgesetzt und neue Gefolgschaft konvertiert. An der Grundprämisse von Running Back hat diese Wiederkehr von Deepness nichts geändert, doch Jansons zunehmendes Profil hinter den Decks und als agiler Kulturaktivist bedeutete auch eine stetige Erweiterung des Freundeskreises, wodurch der Backkatalog unweigerlich Fahrt aufnahm. Die letzte Mute EP sickerte bereits in Checker-Kreise im Ausland, mit dem zurückgelehnten Briten Mark E wurde mit gutem Wissen und Gewissen die Tür zur gegenwärtigen Discoaufarbeitung durchschritten und mit der aktuellen Wiederveröffentlichung von vergriffenen Losoul-Tracks wird die Relevanz ursprünglicher Ideen im zeitlichen Vergleichstest demonstriert. Und es geht weiter voran: Mark E und Soul Supply kehren zurück, Todd Osborn und Toby Tobias kommen als Beteiligte dazu und es gilt als nicht ausgeschlossen, dass ein paar extraordinäre Spezialplatten der labeleigenen Sammlung nach längerer Hege als liebevolle Neubearbeitungen das Mittelmaß in den Edit-Fächern aufmischen könnten. Watch this space.
Kevin Saunderson verstand sich von Anfang an darauf, behände zwischen den klangforschenden Ansprüchen des noch frischen Detroiter Untergrunds und der glitzernden Verheißung von Disco zu rotieren. Inner City war auch wirklich so chromblitzend schöner Pop, dass ihm niemand nachtrug, in regelmäßigen Abständen seine experimentelle Verantwortung als Techno-Gründervater zu vernachlässigen. Er hatte eben auch in New York gelebt und noch die Paradise Garage im Kopf, und ab und zu musste das mit großem Aufwand raus. Diese grandiose Hymne ist der seltene Fall eines einträchtigen Schulterschlusses von Detroit und New Jersey, hier vertreten durch Tony Humphries, der seine emotionale Wucht nie verloren hat. Ein erster Entwurf zu wirklich ausladendem, wunderschönem Garage House in der reinsten Form, dessen Grandezza er später ebenso prächtig in der Gestalt des Reese Project fortschrieb.
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