Katelectro vs Jauzas The Shining – Plug (Mighty Robot Recordings)

Posted: April 4th, 2009 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Die Electro-Gralshüter aus Glasgow mit einer weiteren feinen EP, die sachkompetent und fanorientiert die Möglichkeiten des Genres nutzt. „Art Of Noise“ ist detroitig und scoremäßig verdüstert, „Plug“ verbindet im Original denselben Sound mit Frau/Mann-Rezitation frei nach Liaisons Dangereuses (Monologe in Tracks kriegen mich immer, besonders in französischer Sprache), der Mix von Ottomatique ist der passende Gegenpol der traditionellen italienischen Süßspeisenverlockung. Das klingt alles schon sehr gut, aber richtig sensationell wird es mit dem Mix der schon verloren geglaubten Ultradyne, die ansatzlos zum rohen Zauber ihrer frühen Warp-Veröffentlichungen zurückfinden und dunklen Techno ins Rennen schicken, in dem es an allen Ecken und Kanten rumort und pulsiert. Allerorten wird ihm wieder gehuldigt, dem altvorderen Wumms. Toll.

De:Bug 04/09


Quarion / Session Victim – Treats Vol. 1 (Retreat)

Posted: April 4th, 2009 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Session Victim und Quarion legen für ihr neues, gemeinsames Vinyl-Label mit dieser Split-EP einen Start nach Maß hin. Quarions „A Night At Zukunft“ ist eine liebevolle Hommage an den gleichnamigen Züricher Club und schon etwas länger die Geheimwaffe seiner Live-Auftritte. Eine Funkbombe mit einem beeindruckend dicken und originären Groove und hypnotischen Soundwirbeln am zeitgemäßen Ende von Detroit, die sich kathartisch in einem First Choice-Breakdown entladen. In einer guten und gerechten Welt sollte das flächendeckend die Tanzböden maßregeln. Extra löblich: das Ganze gibt es auch noch als Bonus Beats für DJs, die so etwas noch zu schätzen wissen. Und das sollten wahrlich wieder mehr werden. Auf der anderen Seite demonstrieren Session Victim auf der Grundlage von Billy Fraziers „Billy Who?“, wie man das leidige Thema Edits gewinnbringend angeht. Anstatt Arrangements vage historisch verpflichtet beizubehalten und Grooves mixkompatibel einzuzwängen und somit letztendlich bei einem für alle Lager unglücklichen und wackeligen Endresultat vermeintlicher Authentizität zu enden, stellen sie einfach alles auf den Kopf und setzen es anschließend zu einem beherzten House-Schwinger mit Disco-Erbe zusammen, der nichts weiter sein will als eben genau das. Spitzenplatte.

De:Bug 04/09


Session Victim – The Joy Of Painting (Hairy Claw)

Posted: April 4th, 2009 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Session Victim alias Matthias Reiling und Hauke Freer fahren für Bear Entertainments Sublabel die im House-Revival mittlerweile etwas überstrapazierten Merkmale des Genres auf die kleinsten gemeinsamen Nenner herunter, die man für einen funktionierenden House-Track braucht: Bass, Beat und Samples. Damit ergibt sich ein Umkehrschluss zu derzeit gängigen Entwicklungen. Wo ehemalige Minimalisten ihre Tracks neuerdings mit House-Mitteln aufplustern und damit in einem stilistischen Nirgendwo landen, reduzieren Session Victim House auf den Track-Grundzustand, der per se mit minimalen Ausgangsbedingungen auskommt, aber so schon immer Bestandteil der House-Historie war. Dass die beiden sich in selbiger gut auskennen führt denn auch dazu dass dieser entschlackte Ansatz völlig ausreicht um alle vier Tracks effizient auszustatten. Reinkultur ohne Rückblick, und ein schöner Schulterschluss.

De:Bug 04/09


The Juan MacLean – The Future Will Come (DFA)

Posted: April 3rd, 2009 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Eigentlich möchte man The Juan MacLean die Vergleiche zu Hercules & Love Affair ersparen, von denen sie vermutlich schon genervt waren lange bevor dieses Album überhaupt in die ersten Produktionsphasen gelang, aber es geht nicht ohne. Ähnlich wie die Konsensüberflieger der letzten Saison halten die Labelkollegen ihre Zeitmaschine bei individuell erlesenen Referenzpunkten an, sacken den jeweiligen Präferenzklang ein, und setzen ihn dann in der Gegenwart konsequent zweckoptimiert zu einem postmodernen Popentwurf mit größtmöglicher Heißigkeit zusammen, in dem sich alle schon vorher gekannt haben. Wozu Raw Silk, Armando und „Being Boiled“ auf mehrere Tracks verteilen, wenn das nicht auch schon in einem zusammengeht? Überhaupt Human League, der Call and Response-Trick von Philip mit Susanne und Jo wird hier flächendeckend von John und Nancy übernommen, und die Haltung gleich mit. Dazu House- und Technopioniertum aus Chicago, Detroit und New York, der große englische Synthiepopsiegeszug der frühen 80er, die Wave-Abteilung von Italo, die Glitzerecke von No Wave, Munich Disco, Lime, alles was schockt und blinkt, Samples in nachgespielt, sowie obendrein nicht zuletzt die ganzen zeitgenössischen Produktionsergebnisse all derer, die das in den letzten Jahren schon immer geliebt haben. Selbst die eigenen Ideen klingen, als hätte sie schon jemand anders gehabt. Tja, und wenn das Potpourri dann wieder so viel beschwert unbeschwerten Spaß macht wie hier, macht das auch alles rein gar nichts.

De:Bug 04/09


V.A. – Perspectives 01 (Room With A View)

Posted: April 3rd, 2009 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Ein neues Label aus Hamburg, betrieben von Phil Dairmount, das sich dem großen House-Erbe der Stadt verpflichtet fühlt. Allerdings nicht dem Erbe das schnell als „zu schwul“ in Form von Vocal House mit fahlem Pomp und schwachen Songs zur Zielscheibe des sich formierenden Techno-Gegenlagers wurde. Vielmehr geht es um die Zeit als alles House war, und Techno nur eine weitere Variante davon. Und nun wo die in langjähriger Abgrenzungsarbeit errichteten Kategorisierungen wieder eingerissen werden, kann man diese Haltung wohl getrost als gutes Timing bezeichnen. Für den guten Zweck ließ sich dann auch der alte Besen Austin Bascom alias Abacus reaktivieren, dessen Großtaten auf Fragile, Prescription und Guidance sich hier mit „The Answer“ gut nachempfinden lassen. In Dunkelheit grabender House mit Botschaft, der langen Anlauf nimmt und dann alle Anwesenden im Club umrennt. Auch Sasse besinnt sich auf seine alten Tage und beschwingt mit sphärischem Acid, der alte und neue Traditionen an eine üppige Tafel setzt. Den Ausklang gibt Superbads schräges „Brethren“, das sich anhört als hätte Richie Hawtin einen übergebliebenen Fuse-Track aus dem Archiv mit einer Spielzeugmelodie versehen. Interessanter Einstand.

De:Bug 04/09


Interview: Motor City Drum Ensemble

Posted: January 9th, 2009 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , | No Comments »

Die Divenschnipsel und die wohligen Flächen können bei vielen Trittbrettfahrern der House-Wiederkehr nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der aseptische Grundklang nur schwerlich mit den tradierten Grundfesten des Sounds vereinbaren lässt, und sich entsprechend auch nur rudimentär von der Preset-Beliebigkeit der TechHouse-Schwemme der letzten Jahre unterscheidet. In der Flut solcher Missverständnisse ragen schon seit geraumer die Produktionen vom Stuttgarter Boy Wonder Danilo Plessow heraus, der eben genau jene notwendige Emotionalität und Dreck in seine Tracks impft. Die Geschichte mit House und dem Feeling halt.

Wobei es eigentlich seit der Teenie-Genese von etwa Ron Trents Frühwerk nicht weiter verwundern sollte, dass jemand in jungen Jahren schon dieses Feeling aufweist. “Das Thema mit dem Alter ist zwar schon in Inverse Cinematics-Zeiten überstrapaziert worden, aber trotzdem: ich habe schon sehr früh angefangen, Musik zu machen. Erst am Schlagzeug, dann mit billigen Software-Sequencern. So sind die ersten Releases auf Pulver entstanden. Durch Jazzschlagzeug und die Liebe zu Hip Hop und das Finden von Samples begann die Suche nach Jazzplatten. Ich bin in einer Kleinstadt mit nur einem Plattenladen aufgewachsen, aber da der Typ auf Death Metal spezialisiert war, konnte ich mit Schülergeld an einige Schätze kommen. Unter meinen ersten fünf LPs waren John Coltranes “Love Supreme”, The Awakening auf Black Jazz Records und auch Moodymanns “Silent Introduction”, wobei mir letztere erst mit 15, 16 Jahren, nach dem ersten Clubbesuch, so richtig als Meisterwerk bewusst wurde. Das war noch in den Anfangszeiten des Internets, d. h. man hatte noch nicht die Möglichkeiten in Sekunden an jedes Release zu kommen, war auch gut so. Ich hatte also nur meinen kleinen Mikrokosmos aus wenigen Platten, die ich immer wieder hörte, und ich hatte Glück, die richtigen für mich zu erwischen.“ Read the rest of this entry »


Lullabies In The Dark – Iridium (Permanent Vacation)

Posted: December 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Die zweite 12” von Lullabies In The Dark auf dem Münchner Label nimmt sich ein Herz und langt hin mit den Rockismen wo andere zurückzucken. Die Akustische mit der verträumten Hypnosemelodie im Hintergrund täuscht schwelgendes Gemeinschaftsgefühl an, aber dann sind selbst die holzigen Beats akustisch geschneidert, die Synth-Loops schütteln das Gebräu auf, und dann knallt er der Korken, in Form des breitbeinigsten Schweinerockgitarrensolos seit man auf Ibiza noch zu der James Gang über den Bong stolperte. Und dann Abbruch, alle fallen übereinander. Fantastisch. Superpitcher bemüht sich sehr tapfer, den ganzen Irrsinn auf emotionales Poppertum herunter zu destillieren, aber er steht letztendlich etwas konsterniert als einziger in Daunenjacke unter lauter Wildleder auf dem Happening. Aber Claude Hooper Bukowski und George Berger sind in Hair am Ende auch gute Freunde geworden.

De:Bug 12/08


Massimiliano Pagliara – Transmissions Florales (Balihu)

Posted: November 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Daniel Wangs Label Balihu hat ohne Zweifel jede Menge Boden bereitet für die Space Cadets der gegenwärtigen Auseinandersetzung mit Disco und Artverwandtem. Dennoch hielt sich Wang in all dem Hype vornehm zurück, mal abgesehen von der Ilya Santana 12“ von 2004, die seinem Konzept von Disco allerdings sehr offenkundig und detailgetreu schmeichelte, und seiner EP als Oto Gelb von letztem Jahr, einem wunderlich-charmantem Statement zur Edit-Kultur und seiner Leidenschaft für Orchestrales. Den Weg des Hauses beschreitet nun der in Berlin lebende Italiener Massimiliano Pagliara fort, der schon seit einiger Zeit als DJ mit Expertenwissen und Archivar eines stetig anwachsenden analogen Geräteparks von sich reden macht. Das sind natürlich die besten Voraussetzungen und in der Tat sind hier alle mit dem Label assoziierten Klangkoordinaten an Ort und Stelle. Kaskaden verträumt modulierender Synthies prasseln ringsumher herab, kompakt zusammengezurrt von 808-Beats und Boogie-Licks, und erwecken Bilder von zufriedener Künstlichkeit und romantischem Futurismus. Blumig fürwahr, diese Übertragung, mit leuchtenden Farben und Liebe im Herzen.

De:Bug 11/08


Matt Flores – Into The Night (Farside)

Posted: November 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Der Titeltrack ist eins dieser umfangreichen Akkordepen, kitschfrei, aber immer noch eine Schippe drauf. Eine Showtreppe in House, nach oben beschritten, und dann sind da noch mehr Stufen. Da wird man ganz benommen von. Der lässige Funk mit Slap, in den sich das Stück gen Ende entblättert, an dem bleibt man dann ganz plötzlich hängen. Da könnte man glatt mehr von haben, denkt man so bei sich. Und „Tectonic Moves“ auf der Rückseite macht dann tatsächlich genau da weiter. Der Track macht sich auf einem griffigen Boogie-Fundament locker, lässt die Sounds dubbig darüber wischen und hat dabei einen schöneren Bart in der Disco als so manch andere in der Schublade. Der Dub im Gespann mit Ingo Sänger fühlt sich im Prinzip sehr ähnlich an, aber die darüber wischenden Sounds sind eben noch dubbiger. Im Ergebnis ein Fotofinish.

De:Bug 11/08


Joaquin „Joe“ Claussell – Un.Chained Rhythums (Sacred Rhythm Music)

Posted: October 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Man dachte schon die Schlüsselfiguren der New Yorker Body & Soul-Szene hätten der Spiritualität, Trommeln und Traditionsforschung vorerst auf Wiedersehen gewunken und sich dem Treiben auf den Konsenstanzflächen zugewandt, der Brückenschlag zu weltweiten Weiterentwicklungen von Deepness in Techno und House schien vollbracht. Consciousness-Supremo Claussell geht auf diesem ausladenden Konzeptdoppelalbum aber nicht nur zu dem afrozentrischen Motherland-Esoterik-Jazz-Perkussion-Wohlklang-Komplex zurück, er setzt noch etliche Schippen drauf. Regnerische Urwälder voller gniedeliger Gitarrensoli, schwelgerischer Klaviere und wabernder Bläser, dazu voller Streichereinsatz, bedeutungsschwangere Interludes und es wird auf alles draufgehauen was einen Resonanzkörper hat. Dazu gibt es seitenweise prätentiöse Manifeste über Reisen, Ursprünge und überhaupt den ganzen Kosmos. Es klingt aber trotz aller Konsequenz und Dichte ungebrochen nach der Gediegenheit und Penibilität überzeugter Fusionmucker. Die unerreichte Alternative hierzu prüfe man bei Romanthonys spinnerter Achterbahnfahrt „Romanworld“ nach.

De:Bug 10/07


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