Nach langer Stagnation ist die Disco-Geschichtsschreibung mittlerweile in vollem Gang. Gültig waren auf Jahre hin die in der klassischen Ära entstandenen Werke von Kitty Hanson und Albert Goldman, doch nun ist genug Zeit verstrichen, um sich genauer mit dem diffusen Phänomen Disco zu befassen, was angesichts der Hartnäckigkeit der mit dem Sound und dem Lifestyle verbundenen Traditionen und Mythen auch durchaus angebracht erscheint. Peter Shapiro, Wire-Autor und Verfasser von einigen dieser Rough Guides im Taschenformat, hat gegenüber dem eher systematisch-informativen Ansatz von Brewster/Broughton und der detailliert-eingrenzenden Herangehensweise von Lawrence den Ehrgeiz, Disco in möglichst viele kultur- und sozialgeschichtliche Einzelteile zu zerlegen. Er greift sich Aspekte wie beispielsweise Wurzeln, Musik-Charakteristika, Sexualität oder Kultur-Kontext heraus und gibt dann mittels eigener Analysen oder Interviews alles wieder, was ihm im direkten Zusammenhang erwähnenswert erscheint. Dementsprechend ist der Text keine linear-chronologische Abfolge der Geschehnisse, sondern ein Gesamtbild, das sich bei allen Zwischenhalten die erforderlichen Informationen und Schlussfolgerungen zusammen sammelt. Das hat den Vorteil, dass er sich nicht in nerdiger Ausführlichkeit verzettelt und dennoch eine komprimierte Annäherung schafft, in der alle wichtigen Namen und Ereignisse fallen. Gebündelt mit einem enthusiastischen Stil bis zum häufigen Fan-Superlativ fängt er den Laien auf, der angesichts der gebotenen Informationsfülle den Faden verlieren könnte und grenzt sich gegenüber den Konkurrenten im Forschungsgebiet ab, indem er aktuelleren Themen wie Hi-NRG, Euro-, Italo- und Cosmic Disco sowie Post-Punk den angemessenen Raum einräumt und einen Epilog zum aktuellen Stand der Dinge im Gespräch mit Daniel Wang anschließt. Somit als Kompletteinführung für Novizen als auch als Informationsergänzung für Kenner geeignet.
Die Loosefingers EP tauchte in vielen Playlists vor allem wegen der beiden Acid-Tracks auf, die gerade gut in die gegenwärtigen Adaptionen des frühen Chicago-Sounds passen. War es Absicht, diesen als Reflektion deines Stils das ruhige Stück „When Summer Comes“ gegenüber zu stellen?
Ja. Das ist ein Stück, was eher auf lange Sicht angelegt ist. Das die Leute auch noch in Jahren hören und darüber nachdenken. Die Acid-Tracks sind da schon vordergründiger, aber ebenso wichtig. Mir macht das schon noch Spaß, mit Acid herumzuprobieren. Ich bin nach wie vor abenteuerlustig. Neulich habe ich mit einem Sänger herumgejammt, das klang wie ein bisschen wie Mick Hucknall oder Bono mit Acid-Sounds (lacht.). Über die Jahre hat sich einiges in diese Richtung angesammelt.
Es gibt also noch reichlich Reserven.
Ich habe hunderte derartiger Tracks gemacht. Es ist auch geplant, ähnliches Material als Loosefingers Album heraus zu bringen, welches dann auf Alleviated erscheinen soll. Read the rest of this entry »
Let me give you some context here. In 2004 I was located in Berlin for one year. I made my master at university in my hometown before my move, where I was studying German and English/American literature, and I had a focus on movie history. I arrived in Berlin trying to get a hook in film journalism, but apart from writing movie reviews for de:bug magazine it never really took off. Some friends from back home were working for de:bug, and since I was looking for a job they asked if I wanted join in. First I was an editor for their extensive section of reviews, then I started writing my own. I also made friends with other fine and interesting people, and I started to enjoy the Berlin clubs more and more also. In short, I was back in nightlife again. When I moved to Berlin I was ready to stop DJing, and now due to new DJ friends like Hunee, Stefan Goldmann or Gerd Janson I was persuaded and motivated to pick it up again. One of the regular nights that I really enjoyed and went to often was Inner City, a house night Dixon set up at the Weekend club. You have to understand that at that time house music in a more traditional sense was pretty much dead in Berlin, and Inner City put it back on the map. There was a common feeling of resurgence among regular guests like me, and slowly something evolved from it. The most prominent sign was the label Innervisions by Dixon and Âme. The sound of the label was actually a tad too slick for me, but it felt good to be part of something that was gaining momentum and had impact potential. In 2005 Dixon asked me if I could contribute a guest mix for the Innervisions label website, and I recorded this mix for the purpose. In hindsight I already knew that their career would take off soon, and it would have been wiser to do a mix that highlighted my capabilities as a club DJ, but my timing throughout my years as a DJ was mostly more determined by what I was just in the mood for than by what would most likely pay off well (later several of my booking agents were quite desperate about my urge to keep my freedom to do what I felt I should do rather than develop a signature sound that was easier to sell), so I wasted the opportunity and just mixed some personal downtempo and house faves. Is it balearic? I’d say yes, somehow, but who cares.
Der Journalist, Cartoonist und Schriftsteller Haden-Guest betreibt mit The Last Party eine persönliche Aufarbeitung New Yorker Nightlife-Kultur von der Eröffnung der ersten Disco Clubs Mitte der 70er Jahre bis zu den Großclubs Mitte der 90er Jahre. Schwerpunkt und Fallbeispiel ist dabei der Aufstieg und Niedergang vom Studio 54 bzw. dessen Betreibern Steve Rubell und Ian Schrager. Als eine Art mehr oder weniger beteiligter Chronist Tom Wolfe’scher Prägung und regelmäßiger Gast gelangt er zu detaillierten Eindrücken vor und hinter den Kulissen und schob damit eine Wiederbelebung öffentlichen Interesses an der klassischen Disco-Ära an, die dann auch Hollywood 1998 mit den Filmen Studio 54 und Last Days Of Disco aufgriff. Ein Blick in den Index offenbart augenblicklich, worum es dem Autor geht; musikalische Protagonisten und DJs stehen in einem ausgeprägten Missverhältnis zu all den Celebrities, die den Ruf der Discoclubs als Hort von Glitz und Glamour begründeten. Auf eine Schwadron von Anekdoten über Truman, Bianca, Liza und Andy kommen nur ein paar über Nile, Larry oder Richie Kaczor, immerhin der langjährige Resident DJ des Studio 54. Francis, Nicky, Walter oder Francois finden gar nicht erst statt. Die Musik als Soundtrack des Ganzen gerät sehr arg zur Hintergrundbeschallung. Dennoch gelingt Haden-Guest bei allem Namedropping eine authentische Darstellung des Promi-Faktors und der nächtlichen Exzesse, beides natürlich auch ein wesentlicher Bestandteil des Phänomens Disco. Vor allem am Beispiel von Steve Rubell und dem Clubkid-Killer Michael Alig erhält man interessante Einblicke in drogenvernebelte Hybris und dessen Konsequenzen, denn beträchtliche Episoden des Buches befassen sich mit den gerichtlichen Auseinandersetzungen der Nightlords mit den Behörden, welche letztendlich die heutige repressive Situation nach Guiliani vorwegnahmen. Haden-Guests snobistisch-abgeklärter Kolumnenstil transportiert den Hedonismus und die Skandale angemessen und sehr unterhaltsam und auf all die Dramen zwischen Samtkordel und Katakomben des Studios gibt es durchaus auch Einblicke auf die andere Seite der Discokugel, da er seiner Szene-Entourage auch in alternative Läden wie Mudd Club, Mine Shaft oder Hurrah’s folgt. Wenn auch sein Augenmerk eher auf Neil Bogarts Casablanca Records liegt, fällt dann eben auch Michael Zilkhas ZE Records ab. The Last Party ist folglich eine prächtige Sittenchronik, die bei allem Klatsch einen Gutteil an Disco-Wissen abwirft, ich wusste zum Beispiel vorher nicht, dass Kevin Kline bei Cristinas ‚Disco Clone’ den männlichen Part sprechsingt. Plattensammler und Kulturhistoriker mit dem Schwerpunkt DJ-Kultur müssen dennoch weitgehend woanders nachschlagen.
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