Move D – Cube (Running Back)

Posted: October 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

David Moufang verbeugt sich vor seiner Heimatstadt. „Cube“ gilt der gleichnamigen Clubinstitution und lässt sich viel Zeit die Zutaten einzupendeln: eine simple, jedoch verblüffende Perkussionsschlaufe, ein jackiger Basslauf, verstreute dubbige Klangtupfer, dazu wildpitchige Strings. Natürlich kann man sich da reinfallen lassen, man wird garantiert aufgefangen und weitergeschubst, es klingen deutlich Erfahrungswerte durch. „Heidelberg Gals“ ist ebenjenen gewidmet, und die Mädels mögen es bei ähnlich ausladender Spieldauer wohl mit ein wenig mehr Schmackes, aber auch mit ein wenig mehr Licht und Wiedererkennungswerten bei den Akkorden. Freundlich versonnene Dubklänge über einer fidelen Bassline und Stimmengewirr, da grüßen Ron und Chez, die mittlere Periode.

De:Bug 10/08


Woolfy Vs. Projections – The Astral Projections Of Starlight (Permanent Vacation

Posted: October 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

War das Treffen von Woolfy und Projections auf der letzten Maxi noch vollends Disco beim Barte des Propheten Harvey, schleicht sich nun beim Album auch der frühere Dunstkreis von Guidance Recordings ein, mit House-Stimmungen der gediegenen Variante und den ganz entspannten Mädels am Mikrofon. Erfrischend, dass das jetzt nicht mehr verleugnet werden muss. Als nächstes können sich dann die Neo-Deep-House-Traditionalisten und die Retro-Rock-Disco-Futuristen in die Arme fallen ein ganz großes Fass aufmachen. Hier scheint es jedenfalls noch nicht darum zu gehen, hier geht es um den vollfeisten Kraut-Dub-Wohlklang, broader than broadway, higher than the sun, river deep and mountain high, live at Pompeji, das volle Programm. Auf dem Cover kreist ein kugelblitzender Fisch um Jabbas Hauptquartier, in dem vermutlich gerade Jon, Vangelis, Arthur Russell und Herb Alpert einhüten. Ich mag ja diese unbeschwerte Bekennung zum Prog-Pomp, solange man die großen Gesten mit etwas Ironiebruch rutschfest macht. Sonst wäre es wohl besorgniserregend.

De:Bug 10/08


Erobique – Endorphinmachine (Mirau)

Posted: October 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Carsten Meyer war immer schon mehr Disco und Flash Rock als alle zusammen, und nun ist zehnjähriges Jubiläum als charmantester Smoocher, gefürchtetster Tänzer und bekennendster Hedonist des Landes. In dieser Zeit hat er unzählige Tastenberge und Bühnen bezwungen, unzählige Studenten und Hauptstädte beleidigt und eine Supergruppe verschlissen. Seine angesammelten Fertigkeiten münden in etwa ziemlich direkt in „Endorphinmaschine“ ein, das nach anfänglichem Geleier, Gestotter und Gezicke in einem epochalen Discobreak gipfelt, dessen Herkunft so offensichtlich ist, dass sie mir partout nicht einfallen will, und eine punktgenaue Schnittmenge aus den Discoexperimenten der Frühphase von Ladomat 2000 und Roulé bildet. „Arf Patzo“ ist hingegen ein verwirrend disziplinierter Minimaltrack, dessen Spröde sehr effektiv von wiederkehrenden Keyboard-Kapriolen und fachfremden Shouts unterminiert wird. Vielleicht muss die angepeilte Spätkarriere als Kreuzfahrtschiffbarpianist erstmal über Rave gehen.

De:Bug 10/08


Homewreckers – American Ruhr (Unique)

Posted: October 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | 1 Comment »

Nach den letzten beiden Singles war die Tür zu denjenigen bereits aufgestoßen, die ihre Musik gerne möglichst viele Parameter aktueller Clubmusik abtastend wollen, und nun gilt es für die Homewreckers hereinspaziert auf Albumlänge. Raps, Claps, Soulabdrücke zwischen klassisch und derzeitig, ein bisschen Boogie, ein bisschen Deep House, Detroitansätze zwischen J. Dilla und Kenny Dixon. Blitzsauber produziert, nicht unbedingt geheimnisvoll, aber es wird sich durchgehend bemüht, bei den Tracks allzu gängige Stereotypen von Tiefe und Gehalt in Schach zu halten, mittels digitalen Schlieren und etwas Jazz im Unterholz, von Juan geteacht. In den Linernotes schlägt folglich Kodwo Eshun in einem fiktiven Dialog zwischen Henry Ford und Sam Dees die Brücke zwischen Ruhr Area und Motor City, und liefert damit die lustigste Geschichtsklitterung der letzten Zeit.

De:Bug 10/08


Interview: Recloose

Posted: September 9th, 2008 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , | No Comments »

Du bist zurück mit einem neuen Album, und es ist randvoll mit Referenzen an 80er-Electric Funk, Prince-Rhythmuspattern, Motown-Melodien. Wie ist es dazu gekommen?

Ich glaube das war ein Nebenprodukt davon in Neuseeland zu leben und diesen Sound zu vermissen, weil er sehr präsent in Detroit war. Es gibt viele entsprechende Radioshows, Clubs wo diese Art Musik gespielt wird, Fernsehshows. Ich habe diesen Sound vermisst, weil er in Neuseeland nicht besonders groß ist. Auch älter werden und sich an die Kindheit erinnern. Es spielt auch Nostalgie mit dabei, sich hinzusetzen und zu beschließen einen Prince-Sound nachzubilden und das ganze Programm.

Den Funk zurückbringen.

Ja, genau. Der Sound hat mir gefehlt, es war ein bisschen zu meinem eigenen Vergnügen. Read the rest of this entry »


Zerocrop – Painkiller (Zerocrop.com)

Posted: September 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Zerocrop hat mit Billie Ray Martin und dem most fashionable Hutmacher Justin Martin gearbeitet, mag Konzepte im Pop und ist damit auch schon im Berghain aufgetreten. Auf seinem letzten Album „Fucked“ ging es vornehmlich um Sex und Drogen, aber auch da bereits ohne diese Zweckhysterie und Billiginstrumentierung, die viele elektronische Popsachen heutzutage so lächerlich und belanglos macht, bitte konsultiert dazu vergleichsweise den letzten Bericht eurer Wahl über die Bunteklamottenprotestjugendband des Monats. Zerocrop ist viel dichter dran an den Guten in der Geschichte des Synthiepops als Horden von flüchtigen Nachfolgern, was vor allem daran liegt, dass er sehr gute Popsongs schreibt, diese mit einer sehr guten Popstimme singt und auch mit sehr guten Poparrangements ausstattet. Dazu kommen dann Texte, die überhaupt nicht Pop sind und sich intensiv und unromantisch mit dem zentralen Thema des Albums auseinandersetzen: Schmerz. In der Anstalt, im Gefängnis, im Glauben, im Krieg, in der Liebe, in der Nacht, im Abseits, im Kopf. Dazu dann aber diese schönen Melodien, die auf Drones, Pedal Steel, Cello und Rückwärtsschlaufen von Gitarren und Rhythmen treffen. Großartiges Album.

De:Bug 09/08


Dølle Jølle – Balearic Incarnation (Permanent Vacation)

Posted: September 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Jørn Pørn alias Dølle Jølle und Todd Terje sind keine einfachen Kunden. Als Shari Vari machen sie als DJ-Team und Veranstalter die Runde, schon ihre Namen sind ein Witz, sie sind die Hofnarren des norwegischen Disco-Hofs, und die Referenzen, die sie in ihr Schaffen einfließen lassen reichen von humorig bis unantastbar, von obskur bis allgegenwärtig. Die nordische Sehnsucht nach dieser goldenen Ära des balearischen Eklektizismus, in der alles ging, solange es nur dieses Soundideal und diese mythische Stimmung erzeugen konnte, die bringen sie oftmals genauer auf den Punkt als ihre Weggefährten. „Balearic Incarnation“ ist im bauschigen Original und im etwas intensiveren Terje-Remix nichts weniger als genau das, ein Konglomerat aus allen Inhaltstoffen, die jemals für das Genre ausgemacht waren, mit der Konsequenz echter Besessener ausgeführt, und doch mit genug Mehrwert, um seinen Zauber auch über diese Szene hinauszutragen. Die Praxis Feelgood.

De:Bug 09/08


Icasol – Ongou (Claremont 56)

Posted: September 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

DJ Mudds Spezialisten-Disco-Label hat sich einen Track vom deutschen Produzenten Icasol gesichert, der auch schon als Mujaba auf Four Roses Recordings ein paar funkelnde Deep House-Glanzlichter gesetzt hat. „Ongou“ hingegen ist ein lichtdurchfluteter Arpeggioboogie, der sich langsam über wohlige Strudel in einen stark erweiterten Bewusstseinszustand hinübergleiten lässt. Wer jemals über das Anschauen von Heißluftballons oder anderen freundlichen Schwebeobjekten über beeindruckender Landschaft ins Wonnedämmern geraten ist, ist hier mehr als gut aufgehoben. Die Idjut Boys verabschieden sich mit ihrem Remix vorerst von der eigenen Tradition von Disco in Dub, und markieren stattdessen tolldreist den vorläufigen Kulminationspunkt in Sachen überbalearischer, vollhippiesker Soft Rock-Ambience. Weit weit draußen.

De:Bug 09/08


Solomun – Compost Black Label #36 (Compost)

Posted: July 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Ohaueha, über ein plockeriges Rhythmusfundament schichtet Solomun bei „Don’t Cry“ Pianoläufe und dramatischen Streichereinsatz, als wolle er Faze Action für das Electro House-Jetzt updaten. Das hat seine zugreifenden Momente, hätte aber ruhig gerne noch dramatischer sein dürfen, wenn man schon mal dabei ist. „The Way Back“ bietet plastillinen House mit Âme im Hinterkopf und einer Eric Kupper-Gedächtnis-Solo-Orgel, sehr sauber, aber auch etwas zu sauber und irgendwie untief. „Somebody’s Story“ ist ein Zwitter der vorherigen Stücke mit Mut zur Opulenz, der unbeirrt die Restnacht aufrechterhält, während draußen schon die Vögel zwitschern und die Sonne wenig später knallen wird, als wäre sie zwischenzeitlich auf wenige Kilometer herangerückt.

De:Bug 07/08


Panthers – Goblin City (Permanent Vacation)

Posted: July 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Rock und Disco, die wackelige Allianz. Auf so viele glückliche Aufeinandertreffen zwischen No New York und ELO kommen mindestens ebenso viele unglückliche, manifestiert in etlichen Auftragsspezialmixen kredibler Discotypen seit Dekaden, die an beiderlei Zielpublikum vorbei, meistens nur in beinharten Hi-NRG-Clubs bzw. Traktordissen und ihren modernen Pendants ihren Zweck erfüllten. Man stelle sich das vor wie Al Pacino auf der Tanzfläche in „Cruising“: fremder Turf, ungewohnte Rituale, falsche Bewegungen. Insofern gehen Holy Ghost den richtigen Weg. Ein bisschen Gniedelgitarrenpart geht schon und das unterschwellige 70erRockglorienzeitgefühl vermischt sich ganz proper mit den weitflächigen Insignien von Jetztzeitdisco, vor allem wenn man einfach so unbedarft und referenzstressbefreit ins Rund feuert wie hier geschehen. Run Roc hingegen der flirrend-stoische Part, sein Mix jagt die Chants und den Bass durch einen Echostrudel und geht beherzt ein paar Schritte in Richtung Mittneunziger-Trance. Also ingesamt eine prima Platte für Beardo-Apologeten, die schon mal zu ganz anderen Sachen getanzt haben.

De:Bug 07/08


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