Irgendwie kam House in Deutschland lange Jahre nicht in die Gänge. Nix Massenbewegung, nix Exportpotential, nix Sponsorenzielgruppe. Es gab zwar ausreichend Clubs, DJs und Produzenten, die sich von Anfang an mit House beschäftigten und den Sound hegten und pflegten, aber man studierte erstmal eingehend was da kistenweise importiert wurde und verschob den eigenen Einsatz auf später. Die Italiener hatten sich da schon längst zusammengeklaubt, was sie für die sonnigen Fantasiewelten ihrer Großclubs brauchten, in Holland und Belgien wollte man sich schon bald von dem amerikanischem Ausgangsmaterial emanzipieren, und in Großbritannien atomisierte die Hype-Presse bereits alle verfügbaren Stilmöglichkeiten zu Subgenres. In Deutschland hingegen wurde noch eine Weile analysiert, bis sinnigerweise der Dancefloor-Ableger vom Diskursstichwortgeber L’Age D’or diese Phase für beendet erklärte und sich alsbald beherzt daran machte, lose orientiert an der noch relativ jungen House-Historie anderer Länder, eine Reihe von sehr eigenständigen und funktionstüchtigen Veröffentlichungen zu starten. „Brian de Palma“, passend benannt nach dem Regisseur mit den dollsten Nachtclubsequenzen, ist sowohl der erste Höhepunkt als auch eine wegweisende Schnittstelle dieser Entwicklung. Hans Nieswandt, der damals in Worten wie kein Anderer auf den Punkt brachte was an House so wunderbar ist, Eric D. Clark, der immigrierte Glam-Faktor mit dem irritierenden Soul, und Justus Köhncke, der romantische Raketenwissenschaftler des Ganzen, wollten nicht länger zuschauen und nahmen sich ihre gesammelten Nightlife-Erfahrungen, ihre erheblichen Plattensammlungen, ihre durchdefinierten Popforderungen und ihren unverbrauchten Enthusiasmus für die Sache an sich, und bauten mit taufrischem Idealismus an ihrer Musik. Das allzu Offensichtliche wurde dabei vermieden, Mel Tormé oder Steely Dan kamen in die Samplebank, und nicht schon wieder Loleatta Holloway. Und obwohl hier und da DJ Pierre oder DJ Sneak als Inspirationsquelle hervorlugten, bekam man ihn hin, den eigenen Sound. Eine elastische Funkyness, eine lässige Dosis smarter Referenzen, und eine grundsympathische Einstellung im Umgang mit dem Groove. Mit jedem ihrer späteren Alben vergrößerten sie genauso schlüssig und schlau den Spielraum, den sie sich mit diesem Album eröffneten, mit oftmals ebenso sperrigen wie überraschenden Resultaten zwischen Can-Studio und surrealer Charts-Kurzkarriere. Aber diese Verbindung von Kopf und Tanzfläche war nicht mehr ganz so ausschlaggebend, und ich habe das vermisst. Die weitere Laufbahn der drei nach dem Ende von Whirlpool Productions gestaltete sich dann gleichermaßen erwartet wie unerwartet, und es ist gut zu wissen, dass sie allesamt immer noch voll drin sind in der Chose.
Mix with some German house music favourites, compiled and mixed for Motion FM radio.
Whirlpool Productions – The Cold Song (Ladomat 2000) Tiefschwarz Feat. Oezlem – Never (Four Music) Cassy – Night to Remember (Perlon) Sensorama – Quarzzeit (Ladomat 2000) DJ Linus – Pleasure (Freudenhouse) Losoul – Sunbeams And The Rain (Playhouse) Dntel – (This Is) The Dream Of Evan And Chan (Superpitcher Kompakt Remix) (Plug Research) Superpitcher – Happiness (Kompakt) Blumfeld – Tausend Tränen Tief (Loverboy Mix) (Rough Trade) Round Two – New Day (Main Street) Blumfeld – Neuer Morgen (Vredus Remix) (Wea) Jürgen Paape – So Weit Wie Noch Nie (Kompakt) Commercial Breakup – Walking Back Home (Ladomat 2000)
1948 In the years after WWII the idea of a ‘European Community’ emerged to secure peace and economic cooperation
1957 Belgium, France, Germany, Italy, Luxembourg and The Netherlands club together and create the European Economic Community (EEC)
1973 Denmark, Ireland and UK join the EEC
1979 The first European Parliament elections take place and the Single European Currency Unit was introduced (later to become the Euro)
1981 Greece joins EEC
1986 Portugal and Spain join the EEC
1991 the EEC is renamed the European Union (EU)
1995 Austria, Finland and Sweden join the EU
2002 The Euro is introduced in 12 of the EU member states
2004 On May 1st 10 new member states join the EU. On June 10th, European Parliament elections take place in the UK
2005 UK takes its turn as President of the European Council of Ministers
2007 Bulgaria and Romania set to join the EU
2009 Druffmix 34 – The D.H.S. Rave Chronicles: Continental Europe
Greyhouse – New Beats The House (R&S) B-Sides – The Darkness Revisited (Music Man) Radical Rob – Monkey Wah (R&S) House Of Venus – Dish And Tell (Champion) Rebel MC – Tribal Base (Euro Mix) (Desire) Sunday Adams – Oohh Ohh Ah Ha I Wann Feel It (Container) 2000 And One – Mono Bass (Eevo Lute) Exposure – Love Quest (Stealth) Terrace – Seventh City (Djax-Up-Beats) Tune – Extra Sensory (R&S) Speedy J – Rise (Plus 8) Format #1 – Solid Session (ESP) Mental Overdrive – Theme Of St. Baafs (R&S) Complex – Dream World (Fragile) Wladimir M – Evil (Eevo Lute) Fortune & Fame – Is This Your Life (Stealth) Diamonds & Pearls – Perspective (Stealth) Terrace – Round Up (Djax-Up-Beats) The Morning Glory Seeds – Feels Like Heaven (Djax-Up-Beats) Choice – Acid Eiffel (Fragile) Metro Dade – The Andor Voyage (Music Man) Speedy J – Journey (Plus 8) DJ Le Roy – Yo Te Quiero (Palmares) Sueno Latino – Sueno Latino (BCM)
Mix with current record store finds and some old favourites. Pretty much what I was playing in clubs around that time.
Africans With Mainframes – Micro-Electronique Daniel Wang – On The Moon RV Feat. Los Updates – Baile Prostitune – Lotions DFA – Cause Of Suffering $tinkworx – MKB Pépé Bradock – Path Of Most Resistance The Foster Kidz – Butterscotch Jack Peñate – Tonight’s Today Afefe Iku – Mirror Dance Terre’s Neu Wuss Fusion – A Crippled Left Wing Soars With The Right Bang The Party – Bang Bang You’re Mine Johnny Dangerous – How Deep / Deep Mental Marcello Napoletano – A Prescription Of Love Chez Damier – Sometimes I Feel Like Danell Dixon – Dance Dance Portable – Ok Then DJ Sprinkles – Grand Central Pt. 1 (MCDE Bassline Dub) Newworldaquarium – Trespassers (541 Dub) Obsolete Music Technology – My Neurosis Cabin Fever Trax- Don’t You Know Tony Lionni – Found A Place Yukihiro Fukutomi – Open Our Eyes Rolando – The Afterlife
Theo Parrish – Space Station Bocca Grande – Bremen Orchestra Allen Wright – Talking Heads Sneaky Tim – Mental Kombat Freaks – Mindless Funk Levon Vincent – Solemn Days DJ Qu – Air’s Force Peverelist – Funktion (Shed Remix) Millie & Andrea – Temper Tantrum Intrinsic – Dream Express In Sync – Storm Lil Louis & The World – I Called U (Why’d U Fall) Mind Control Music – M.C.M. Steve Poindexter – Feen For Rhythm Traxx – Mysterio Jody Fingers Finch – Jack Your Big Booty Marvin Dash – MD Dolby A – Knack Armando – Don’t Take It Mutant Beat Dance – In A Daze Steve Poindexter Presents Andreas Gehm – My So Called Robot Life The Circle Jerks – 2 Far Gone Junior Rafael – 4 All Da Men In My Life Millsart – Inner-Self DJ Bone – Circus World Omar S – Blown Valvetrane Kissing The Pink – The Last Film (Medusa Edit)
Das Label von Danilo Plessow alias Motor City Drum Ensemble und Sebastian Gaiser alias Mujaba meldet sich zurück, und das mit einer EP, die dem ollen Deep House-Klepper einen ordentlichen Stock zwischen die Beine wirft. „Whichflower?“ ist ein eigenwilliger Groover, der mit dem klassischen Logic-Acapella Vertrautheit antäuscht, um sich dann über verdrehte Beats und ungewöhnlich geschichtete Flächen in andere Gefilde davonzumachen. Als hätte man zeitgemäßen Deep House mutwillig ein Bein gestellt und beim Versuch den Unfallhergang im Studio nachzubilden wäre etwas ganz Anderes entstanden, das viel faszinierender ist. Das gilt auch für die B-Seite „Aclaime“, aber hier werden die tradierten Strukturen noch ein Stück weiter lädiert. Dubbige Ansammlungen von Flächen, die sich wie feiner Nieselregen festsetzen und einzelne Spuren von erheblichen transformierten Instrumenten ziehen versonnen aneinander vorbei, und entladen sich plötzlich in einem psychotisch summenden Zwischenfall. Wirklich ausgezeichnet.
“Travel The Earth” ist im Original ein nächtlicher Zen-Garten im Wolkenbruch, in dem sich im Hintergrund die Mönche in höhere Bewusstseinszustände trommeln, Claps peitschen unvermittelt quer in die Idylle, irgendjemand tupft anmutig eine traurige Gitarre dazwischen, und darüber sirren fremdartige Sounds wie übergroße Insekten. Alles fließt, tropft und prasselt ineinander. Der totale Trip. Labelchef John Dalys Remix klingt vergleichsweise mächtiger und lässt dunklen Bass und Acid durch die meditative Szenerie schlingern, erzielt aber ebenfalls diesen fahlen Sog. Gegen das hier sieht der monatliche Deep House-Durchschnitt in der Tat wie mickerigster Krüppel-Bonsai aus.
Berlin’s Finest Hunee schreitet auf seiner EP für W.T. auch als Produzent majestätisch die Ländereien zwischen Spezial-Disco und -House ab, die er als DJ schon seit geraumer Zeit gehörig im Griff hat. „Tour De Force“ ist ein verspulter Premium-Boogie auf Billy Frazier-Fundament, der sich mit einem beachtlichem Soundarsenal auf einen langen Weg macht, etliche Haken schlägt und dann unvermittelt in schönsten Lichtungen auftaucht. Bei „Cut Down Trees“ hüpfen die Beats und Basslines wie aufgekratzte Spatzen auf dem Telegraphenmast übereinander und werden periodisch von Abendsonne-Flächen gebändigt, und gute Freunde von Cajual und Relief grüßen im Vorbeigehen von unten herauf. Auf der anderen Seite der grandiose Tiefflieger „Rare Silk“, der sich in der Originalversion an Boo Williams, und im Remix an Chez Damier und Ron Trent anlehnt, und dabei verdammt blendend aussieht.
John Campbell und Jarvis Whitehead bewegten sich in einer skurrilen, von ihnen bis in das letzte Detail durchdesignten Parallelwelt zum aufgeregten Synthpop-Treiben von 1986. Ihren mittelgewichtigen Hit „Driving Away From Home“ hatten sie vermutlich nicht ganz aus Versehen, wie der schon sehr griffige Titel dieses Albums nahe legt. Man betrat beim Hören wie durch eine Luftschleuse ihren blaustichigen Episodenfilm, welcher mit einem Soundtrack ausgestattet war, der mit allen Stilelementen zwischen Country, Folk, Latin und New Wave versetzt werden konnte, ohne auch nur eine Sekunde diesen zugleich kühlen als auch heimeligen, vor allem aber irritierend unverwechselbaren Grundklang zu verlieren, zu dem Campbell mit dieser ausnehmend angenehmen Erzähl- und Singstimme verschiedene Szenarien durchspielte. Ob es um Ausfahrten in die Umgebung ging, Sinnkrisen von Vertretern, Freunde in der Kneipe, Abschwung in verregneten Industriegebieten, schwüle Straßenfeste in der Fremde, oder schlicht um den Raum den man zum Leben braucht, und wie man ihn ausfüllt, stets nimmt Campbell die Rolle des unmittelbaren Erzählers ein. Ein introvertierter Beobachter und voyeuristischer Melancholiker, der Situationen mit präzisen oder komplexen, wie auch ironischen oder versponnenen Worten so treffsicher nachfühlbar macht, dass man in jeden Song nach kürzester Zeit hineinfällt wie Alice in den Kaninchenbau, obwohl das Album eine stringente Atmosphäre hat, die gleichzeitig irgendwie distanziert und dennoch hermetisch ist. Vier Jahre später fuhren sie die Popverpflichtungen des Debüts bei ihrem zweiten, mindestens ebenso brillanten Album „Song“ auf ein Minimum herunter und reisten so tief in ihre eigene Welt, dass kaum noch jemand folgen mochte. Wahrscheinlich wäre es mal wieder dem einen Hit zu verdanken, wenn es nach all den Jahren noch jemand versucht. Aber Hauptsache, es versucht noch jemand.
Kaum ein anderer in der Clubkultur hat sich so eingehend und brillant mit den Wirrnissen der Liebe beschäftigt wie Lil Louis. Als seine Weggefährten und die Fanbasis sich noch die Köpfe über seine beiden durchweg genialen EPs auf Dance Mania den Kopf zerbrachen, warf er sich vollends in sein Lieblingsthema und verkaufte 1989 Abermillionen von seinem Liebesakt „French Kiss“ an Menschen, denen es weder etwas ausmacht, im Club massiv angestöhnt zu werden, noch dazu in Zeitlupe rauf- und runtergefahren zu werden (ich erinnere mich immer gerne an den Videoclip, wo Aufziehspielzeuge die Tempowechsel nachzappeln). „I Called U“ erzählt kurz darauf die Geschichte danach, und die fünf Versionen ergeben die narrative Struktur eines Mini-Konzeptalbums, in dem Louis die Rolle des von einer abgelegten Liebe Verfolgten einnimmt. „The Conversation“ ist dieser eigenwillige Jazz-House-Track, in dem er ihr am Telefon mit deutlichen Worten klarzumachen versucht, dass ihre Beziehung beendet ist und aus welchen Gründen. Er ist dabei jedoch mit einer offensichtlich hoch neurotischen Gegenspielerin konfrontiert, die seine rationalen Argumente mit bedröhnter Aufdringlichkeit ignoriert. Im Zwischenspiel „But U Went To The Party“ flüchtet Louis aus dieser Sackgasse in den Club, um dann bei „The Story Continues“, einem böse pumpenden Track mit fiebrigem Saxofon, den ganzen Stress auf der Tanzfläche zu bewältigen. Das nächste Zwischenspiel „A Series Of Events“ schildert jedoch die Rache der Zurückgewiesenen, die nach vergeblicher Kontaktaufnahme über Telefon die Clubs absucht, um dann ihre ganze Besessenheit an seinem Auto auszulassen. „Why’d U Fall“ ist der Epilog, in dem Louis sein Unverständnis gegenüber der ganzen Situation in einem unfassbaren Track entlädt, dessen schlingernde Leitmotive noch über Jahre durch die House- und Technogeschichte geistern sollten. Diese Platte ist ein immerwährendes Totschlagargument gegen die Skeptiker, die Clubmusik pauschal konstatieren, nicht über Partyimperative und Funktionalitätsstrukturen hinauskommen zu können, und das Gefühlsleben von Lil Louis war zu jener Zeit derart aufgewühlt, dass er diese Themen noch auf zwei ganzen nicht minder herausragenden Alben zu verarbeiten suchte, bevor er lange Zeit in Schweigen verfiel. Doch er war ganz und gar nicht untätig, und hat all die Jahre an seinem Großprojekt „Two Sides To Every Story“ gearbeitet, einem Buch, dass seine gesamte Odyssee nach der wahren Liebe chronologisiert, und einer CD, die aus Sicht einer Frau darstellen soll, wie ist, sich mit jemanden wie ihm einzulassen. House braucht solche Typen mehr denn je, aber wirklich.
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