Soif De La Vie – Goddess Of Love (Uff-Zick)

Posted: July 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Das Leben hält Momente bereit, in denen man nichts dringender braucht als einen pfeilschnellen Hi-NRG-Torpedo, der mit billigen Sequencern und schmierigen Verlockungen den Hochkulturballast im Kopf versenkt und als sexy Glitzerstrahl direkt in die Nacht fährt. Soif De La Vie haben mit diesem Wunderwerk der Lehre von Moroder, Cowley und Orlando noch ein Kapitel hinzugefügt, das es gehörig in sich hat. Auf zehn Minuten Länge gibt es hier das volle Programm der dynamischen Disco-Futuristik und dazu derrwischt eine Frau, vor der man wirklich Angst bekommt und doch, ihrer Willkür möchte man sicher jederzeit ausliefern, zumal der letzte Wille schon längst sturmreif geschossen ist. So ist das bei wahren Göttinnen.

De:Bug Online 07/07


Todd Osborn – Bingata (Running Back)

Posted: July 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Das deutsche Charmebolzen-Label hat sich überraschend die Tinte von Detroits Soundmurderer höchstselbst aufs Papier setzen lassen, oder auch Starski & Clutch oder auch TNT, Osborne, Osbourne etc. Weniger überraschend, dass es hier nicht um seine vornehmlichen Multitaskingfelder geht, sondern um House, den man in seiner Machart im Flickenteppich-Labelsystem des Früh90er-New York verorten könnte. Schmackes auf die Claps, Bounce auf den Beat, Silberschimmer in die Stabs und alles versonnen mit Bass, 303 und Tastennoodlings geschmeidig geschmirgelt. Die andere Version von „Bingata“ ist altertümlicher Cut-Up-Disco, wie er sonst eigentlich nur noch bei Soundstream zu finden ist, damit bin ich unbedingt solidarisch. Die hauseigene Supergruppe Pink Alert nutzt obendrauf die günstige Gelegenheit, sich per Remix mit viel Kontext-Expertise in Dub abermals in die Wahrnehmung derer zu komplimentieren, die einen guten Burrell von einem schlechten unterscheiden können. Sehr guter Schnitt, das behalten wir gleich an.

De:Bug 07-08/06


Antena – Versiones Spéciales – Camino Del Sol (Permanent Vacation)

Posted: June 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Die Stücke von Antena, erstmals 1982 als Album auf dem Les Disques Du Crépuscule veröffentlicht, bieten einen prima Nährboden für Nachbearbeitungen zwischen Il Discotto, Amnesia-Rekapitulationen, Benelux-Wavepop und Gardasee-Discoexperimenten und diese sind hier alle auf dem Mannschaftsfoto versammelt und jonglieren die imaginativen Urlaubsimpressionen zum Beat. Joakim und Todd Terje stolzierten schon im Spotlight durch die Clubs, beispielsweise Lexx und Escort zogen angemessen nach und hier gibt es noch die würdige Nachhut obendrauf, in Form von den Chromatics, Enne, Steve Yanko (dessen “The Boy” Mix auch noch als 12″ rauskommt) und vor allem Pink Alert, die “Joppo+Eno” so freundlich dubpoppig und melodiegewandt in Balearik tunken, dass man nur dankbar sein kann für all die vorwiegend bewölkt aufgewachsenen Mitteleuropäer, die sich darbend früher, jetzt und zukünftig quer durch die Musikgeschichte zur Sonne komponieren. Die deutsche Entsprechung wäre vielleicht “Ich werde in der Sonne immer dicker” der Zimmermänner in den richtigen Händen, nur so als Vorschlag.

De:Bug 06/07


Syncbeat – Music (Streetwave)

Posted: June 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Greg Wilson war erwiesenermaßen der DJ, sich schon zeitig um die Einführung von Electro in die britische Clublandschaft kümmerte. Diese Platte war ein Exponat auf der Compilation „UK Electro“ und einer seiner ersten Gehversuche im Studio. Das Ergebnis hat zwar noch die Klangästhetik der amerikanischen Originale, bewegt sich aber schon eher in einem Groove, zu dem man wenig später in Chicago House sagte, garniert mit Sci-Fi-Flächen, zerhackten Ansagen, seltsamen Stammesgesängen und einer ausgefuchsten Dramaturgie. Das Stück passte hervorragend in den langen Abschied von Disco auf dem Weg zu neuen Gefilden, wurde dann aber schmählich fallen gelassen als ungekannte Helden aus Übersee ihre Rumpelmaschinen auf vollen Schub schalteten. Man kann nur mutmaßen was Wilson so alles angestellt hätte, wenn er damals am Ball geblieben wäre, aber die Aktivitäten nach seiner späten Rückkehr haben dann ja so manches Versprechen eingelöst.

De:Bug Online 06/07


V.A. – Cocktail Disco (BBE)

Posted: June 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Während die nachberufenen Cosmic/Balearic-Botschafter mit zunehmender Verzweiflung auf den Flohmärkten die definitive B-Seite einzukreisen versuchen, fängt Dimitri from Paris wieder am anderen Ende an und kontextualisiert mit erwiesener Buddel-Expertise die vernachlässigten Geschwister von Dr Buzzard in seine fixe Idee von Glamour. Der Titel dieser Compilation ist etwas arg geraten, aber die Musikauswahl ist mitnichten nur oberflächliche Tanzorchester-Disco-Opulenz mit Choreinlagen sondern bietet einige wirklich bemerkenswerte Facetten zwischen ausladenden Broadway-Arrangements, Instant-Karibik-Exotik und B-Liga-Philly. Von Astrud Gilberto, der Ritchie Family und Paul Mauriat mal abgesehen, durchweg Spezialistenfunde, mit einer properen Dosis Soul im Glitz und nicht wenig Schmackes im Groove. Im Gesamteindruck eine prächtige Mischung aus der Sleaze-Phase der New Yorker Tanzpaläste der 70er und Oberklassecamp mit Unterklassemitteln. Hier werden die Satinblousons kunstvoll verknotet, Schulter schmiegt sich an Schulter und jede Hustle-Formation bekommt mit klingendem Kristall ihren Tribut. Für übersensibilisierte Geschmacksvorgeber vielleicht des Guten zuviel, für Geschmacksgestresste vielleicht fast eine Befreiung.

De:Bug 06/07


Sharpe & Numan – Change Your Mind (Polydor)

Posted: May 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Trotz diverser wunderbarer Stücke hatte Gary Numan unter den Post Punk-Elektronikern immer diesen Anflug latent peinlicher Theatralik, seine Kunstmenschelei war zu überschminkt und er entkräftete seine postmodernen Themen einer schönen Automatenwelt mit etwas zu verkrampften Posen. 1985 tat er sich mit Bill Sharpe zusammen, der aussah als hätte er von vornherein jegliche Anforderungen an Stylekonzepte verworfen, und sie kombinierten Numans Nölstimme und diesen schimmernden House-Prototyp zu einem wahrhaftigen Glanzmoment, der merkwürdigerweise mehr artifizielle Alterslosigkeit und Serienperfektion suggerierte als sämtliche Soloversuche Numans zuvor. Diese Möglichkeit haben leider beide nicht begriffen und drifteten fortan in Mittelmäßigkeit ab, jeder auf seine Weise.

De:Bug Online 05/07


Tensnake – I Say Mista (Mirau)

Posted: May 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

“I Say Mista” ist im Original ein sehr unverkrampfter Digitaldiscogroover, der sich in eine glitzernde Fontäne morpht und dann sehr aufreizend mit den physikalischen Vorzügen an dir vorbei wackelt. Der Remix von Audiovision ist die exaltierte größere Schwester am Tisch im Halbdunkel, deren Blick jeden Annäherungsversuch während der Nacht unterbunden hat. Aber als sie getanzt hat, war sie atemberaubend und gefror alles um sie herum. „Look to the Sky“ ist ein kleiner Charmebolzen mit italienischen Vorfahren dem du nicht nachträgst, dass er deine neuen Schuhe ruiniert hat, während er links und rechts alle angebalzt hat. Bevor er kam, war es nicht so unterhaltsam hier.

De:Bug 05/07


V.A. – Can’t Stop Won’t Stop (Iridite)

Posted: May 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Methodology macht schwirrenden Technofunk, zu dem emotional überwältigte DJs jeden Knopf und Fader einzeln kaputtmachen. Die Signale prasseln ganz schön nah herunter, aber eine gedankenverlorene Melancholie hält einen Schirm über dir auf und von hinten stützen dich die unbehauenen Rhythmen. Eine eigenwillige Konstruktion, aber sie hält. Bei „Proton Donor“ von Max Planck zuckt der Acid in einer beträchtlichen Anzahl von spasmischen Strängen und doch können diese chaotischen Effektwindungen von einer mild-elastischen Melodie und einer fachgerecht montiertem 909 in Schach gehalten werden. Wenn es bei THX 1138 eine Discoszene gegeben hätte, in der die ganze Decke runterkommt, das hier wäre der perfekte Soundtrack.

De:Bug 05/06


V.A. – Made Up Words (Iridite)

Posted: May 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Rubadub in Glasgow ist ein großartiger Plattenladen, in dem hochqualitative Selektion und lange Erfahrung seit Jahren eine fidele Mission verfolgen. Dem dazugehörigen Label Iridite hört man die strenge interne Geschmackskontrolle an, da wird im Vergleich so mancher halbherzige Schnellschuss der Neo-Detroit-Denkmalpflege entschlossen des Feldes verwiesen. Jason Brunton setzt frostigem Tanzbodenfunktionalismus ein warmes Abendrot entgegen, durch das Akkorde, Flächen, Bassläufe und Stimmen wie alte Freunde wandern, die stets zusammengehalten haben und sich immer noch regelmäßig treffen, weil es keinen triftigen Grund gibt, warum das nicht so sein sollte. In den Tracks von Jamie Greer alias Simplon ist die Perkussion komplett zum Appell angetreten und flirrt als verwinkelter Funk ums Neon, bis die Sicherung durchbrennt. Erinnert ganz willkommen an die nervösen Momente von Rhythim Is Rhythim.

De:Bug 05/06


V.A. – Maiden Voyage (Compost)

Posted: May 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Die Münchner Clubnacht Maiden Voyage stand Pate für diese von Rainer Trüby, Theo Thoenessen und Roland Appel kompilierte Ansammlung von Spezialschnittstellen zwischen zackigem Boogie, sweetem Soul und slickem Jazz. Wer seine Disco gerne links vom Feld und grundhysterisch ausstattet, wird hier abrutschen, aber wer schon mal unter guten Menschen auf einer Weekender-Tanzfläche seine Moves gemessen hat, kommt hier nach Hause. In der Kiste sind u.a. Toto, James Mason, Debra Laws, Norman Connors, Diana Ross (Tenderness!!), Xavier, Alicia Myers, High Inergy, für die Gefühlsrekapitulation von Spots zwischen abends, nachts und frühmorgens ist also mehr als gesorgt. Warum sollte man auch die Modern Soul-Berichtserstattung allein den Briten überlassen, soweit kommt’s noch.

De:Bug 05/06


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