Rewind: Justus Köhncke über “Play Loud”

Posted: January 25th, 2010 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Im Gespräch mit Justus Köhncke über “Play Loud” von den B-52’s (1979).

Kannst Du Dich noch daran erinnern wie und wann Du auf die B-52’s gestoßen bist? War die Band eine prägende Jugendliebe von Dir?

Absolut. Anfang 1980, als ich 13 war, kam meine 2 Jahre ältere Patchworkfamilienschwester Corinna von einem zweijährigen Intermezzo bei ihrem leiblichen Vater in Berlin zurück in unseren mittelhessischen Provinzschoß der Patchworkfamilie (die derzeit ja noch lange nicht so hieß) – nicht ohne die heiße Ware ihrer Mauerstadt-Teenieclique: Ian Dury, The Specials, The Police (tja, auch) und: The B-52’s „Play Loud“. Ich war gerade dem Hitparadeausdemradioaufcassettemitschneiden hin zum Cooleleutehörenjaalbenvontollenkünstlern entwachsen, da kamen mir diese Empfehlungen gerade recht. Tatsächlich kann ich noch heute viel für die erste Specials, „New Boots And Panties“ von Ian Dury & The Blockheads und unser Thema, „Play Loud“, tun. Corinna liebe ich nach wie vor heiß und innig, sie ist Wissenschaftlerin des psychologischen Fachs in Heidelberg, und findet poptechnisch nurmehr Abba, die Carpenters und Anett Louisian gut, von der sie meint, ich müsste die doch auch toll finden, wegen der einfühlsamen deutschen Texte, woran ich mich ja auch versucht hätte. Aber das nur am Rande.

Warum hast Du Dir ihr Debüt „Play Loud“ ausgesucht? Was macht das Album so wichtig für dich?

Wichtig ist natürlich, siehe oben, die (pop-)frühkindliche Prägung mit 13, aber andererseits nenne ich hier ja nun auch nicht „Regatta De Blanc“ (von Police, aus derselben Tranche). Denn „Play Loud“ ist für mich über die Jahre einfach nur gewachsen als besonderes Gewächs, das sie ist, diese Platte – später mehr dazu.

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Whirlpool Productions – Brian de Palma

Posted: July 23rd, 2009 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Irgendwie kam House in Deutschland lange Jahre nicht in die Gänge. Nix Massenbewegung, nix Exportpotential, nix Sponsorenzielgruppe. Es gab zwar ausreichend Clubs, DJs und Produzenten, die sich von Anfang an mit House beschäftigten und den Sound hegten und pflegten, aber man studierte erstmal eingehend was da kistenweise importiert wurde und verschob den eigenen Einsatz auf später. Die Italiener hatten sich da schon längst zusammengeklaubt, was sie für die sonnigen Fantasiewelten ihrer Großclubs brauchten, in Holland und Belgien wollte man sich schon bald von dem amerikanischem Ausgangsmaterial emanzipieren, und in Großbritannien atomisierte die Hype-Presse bereits alle verfügbaren Stilmöglichkeiten zu Subgenres. In Deutschland hingegen wurde noch eine Weile analysiert, bis sinnigerweise der Dancefloor-Ableger vom Diskursstichwortgeber L’Age D’or diese Phase für beendet erklärte und sich alsbald beherzt daran machte, lose orientiert an der noch relativ jungen House-Historie anderer Länder, eine Reihe von sehr eigenständigen und funktionstüchtigen Veröffentlichungen zu starten. „Brian de Palma“, passend benannt nach dem Regisseur mit den dollsten Nachtclubsequenzen, ist sowohl der erste Höhepunkt als auch eine wegweisende Schnittstelle dieser Entwicklung. Hans Nieswandt, der damals in Worten wie kein Anderer auf den Punkt brachte was an House so wunderbar ist, Eric D. Clark, der immigrierte Glam-Faktor mit dem irritierenden Soul, und Justus Köhncke, der romantische Raketenwissenschaftler des Ganzen, wollten nicht länger zuschauen und nahmen sich ihre gesammelten Nightlife-Erfahrungen, ihre erheblichen Plattensammlungen, ihre durchdefinierten Popforderungen und ihren unverbrauchten Enthusiasmus für die Sache an sich, und bauten mit taufrischem Idealismus an ihrer Musik. Das allzu Offensichtliche wurde dabei vermieden, Mel Tormé oder Steely Dan kamen in die Samplebank, und nicht schon wieder Loleatta Holloway. Und obwohl hier und da DJ Pierre oder DJ Sneak als Inspirationsquelle hervorlugten, bekam man ihn hin, den eigenen Sound. Eine elastische Funkyness, eine lässige Dosis smarter Referenzen, und eine grundsympathische Einstellung im Umgang mit dem Groove. Mit jedem ihrer späteren Alben vergrößerten sie genauso schlüssig und schlau den Spielraum, den sie sich mit diesem Album eröffneten, mit oftmals ebenso sperrigen wie überraschenden Resultaten zwischen Can-Studio und surrealer Charts-Kurzkarriere. Aber diese Verbindung von Kopf und Tanzfläche war nicht mehr ganz so ausschlaggebend, und ich habe das vermisst. Die weitere Laufbahn der drei nach dem Ende von Whirlpool Productions gestaltete sich dann gleichermaßen erwartet wie unerwartet, und es ist gut zu wissen, dass sie allesamt immer noch voll drin sind in der Chose.

de:bug 07/09


Playing Favourites: Till von Sein

Posted: February 11th, 2009 | Author: | Filed under: Interviews English | Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

> Backroom Productions – Definition Of A Track ( New York Underground Records) 1988

A rare tune from 1987. Indeed nothing but a track.

I knew this from the vinyl edition of the DJ-Kicks by Terranova. At that time it fit right in with what they were trying to represent with that compilation. I used to play this track regularly back then, it was very good for warming up.

So you actually know this for quite some time then.

Yeah, of course! I was not into Terranova that much, but the compilation had some brilliant tracks on it. East Flatbush Project and such.

This has some kind of Hip Hop vibe to it, too. But it does not exactly sound like 1988.

No, and I didn’t know that (laughs).

Would you still play it?

Definitely. I don’t know when and for what occasion but it is a class track.

It somehow reminds me of the bonus beats they used to have on the flipside of old House records.

Yeah, but bonus beats have gone out of fashion a bit, apart from Hip Hop. Argy had some for that Sydenham track “Ebian” on Ibadan last year. But I think it is not really relevant anymore for the current generation of House producers.

The percussive elements really distinguish the sound of that era from today’s productions. Lots of handclaps, or here it’s rimshots.

My problem is that I don’t really like all these percussion sounds from drum machines. I prefer sampled real instruments. This is probably some classic Roland drum machine, like a 606. I would take the bassdrum and hi-hats from somewhere else. The toms of these old machines are always cool, but the bongo sounds for example are not for me. I wouldn’t use that for my productions. I couldn’t do these 100 % authentic references. I think it’s supercool to listen to in a Prosumer record for example, but I couldn’t do that.

You got qualms about doing something like that?

No (laughs)! I’m just working on a new track for which I sampled an old Amen-break. I don’t care, if I like it I use it. This kind of break is in 90 % of all Drum and Bass tracks and nobody cares, so I don’t care either.

> Phortune – Unity (Jack Trax) 1988

This is an old track by DJ Pierre, from his Acid House days. But it is different to most tracks he produced back then. It is pretty deep.

It’s great. Awesome vibe for 1988, I could listen to this all day. It doesn’t tranquilize my feet, it’s not boring, it’s perfectly right. And I would grin from ear to ear if I would hear this in a club.

Some of its sounds have aged really well.

I really like this. I think it’s a pity that there are not so many tracks with great basslines at the moment. There are a lot of simple, functional basslines without much of a melody. Of course it’s effective and some current tracks need some of these dominating, functional elements, but a track like this for example needs a bit more, and I miss that. It’s also simple, but it has more and different harmonies. I like that, it gets me hooked. I would love to buy this on Beatport (laughs)!

Yes, that could be difficult. Read the rest of this entry »


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