Manuel Tur & Dplay – Rest Your Senses / Lobata (Drumpoet Community)

Posted: September 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Der heimische Deep House-Aufschwung, Aufzucht und Hege. Die stolzen Eltern bei Innervisions sind schon zu anderen Gestaden aufgebrochen, doch Manuel Tur und Dplay verweilen nach ähnlich gelagerten EPs auf Freerange und Compost Black Label noch eine Runde in satter Deepness mit dem Morgengrauen im Anschlag und Wärme im Herzen. So klingt die moderne Wehmut nach dem Überschwang, nach gegenseitigen Blicken des Einvernehmens quer über die Tanzfläche und dem latenten Gefühl, dass man sich durchaus noch zu einem weiteren Kollektivdrama aufschwingen könnte, sofern es sich so anfühlt wie hier.

De:Bug 09/07


Running Back

Posted: April 6th, 2007 | Author: | Filed under: Texte Deutsch | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Seit 2001 gibt es das Label Running Back, das einst von dem DJ und Journalisten Gerd Janson und Thorsten Scheu alias Glance gegründet wurde, um Freunden und dem eigenen Deep House-Aktivismus eine Plattform zu bieten. Die Veröffentlichungen von Scheu selbst als Second Life und Soul Supply sowie dem mysteriösen Mute waren sporadisch, aber fein und von der tiefen Überzeugung geprägt, mit der von Frankfurt aus südwärts der Sound immer weiter betrieben wurde, als anderswo im Lande die Klangsparsamkeit ausgerufen wurde. Deep Houser sind eine beharrliche Spezies, und abermals werden in dieser Tradition wieder Standards mit Breitenwirkung gesetzt, die Berlin-Karlsruhe-Achse Innervisions oder auch Stir 15 strahlen aus, und in Clubs wie Inner City und Liquid wird die Erfahrung umgesetzt und neue Gefolgschaft konvertiert. An der Grundprämisse von Running Back hat diese Wiederkehr von Deepness nichts geändert, doch Jansons zunehmendes Profil hinter den Decks und als agiler Kulturaktivist bedeutete auch eine stetige Erweiterung des Freundeskreises, wodurch der Backkatalog unweigerlich Fahrt aufnahm. Die letzte Mute EP sickerte bereits in Checker-Kreise im Ausland, mit dem zurückgelehnten Briten Mark E wurde mit gutem Wissen und Gewissen die Tür zur gegenwärtigen Discoaufarbeitung durchschritten und mit der aktuellen Wiederveröffentlichung von vergriffenen Losoul-Tracks wird die Relevanz ursprünglicher Ideen im zeitlichen Vergleichstest demonstriert. Und es geht weiter voran: Mark E und Soul Supply kehren zurück, Todd Osborn und Toby Tobias kommen als Beteiligte dazu und es gilt als nicht ausgeschlossen, dass ein paar extraordinäre Spezialplatten der labeleigenen Sammlung nach längerer Hege als liebevolle Neubearbeitungen das Mittelmaß in den Edit-Fächern aufmischen könnten. Watch this space.

De:Bug o4/07


V.A. – Coast 2 Coast – Ron Trent (NRK)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Ron Trent verweigert sich immer noch der Art von Deepness, die er einst mit Teenager-Großtaten auf Djax-Up und dann vor allem mit Balance/Prescription auf die Welt losließ. Sein Beharren auf das behagliche Muckertum der Body & Soul-Blütezeit ist stoisch, auch nachvollziehbar aber eben auch ziemlich wertkonservativ und bewegt sich immer noch in diesen altbewährten Koordinaten zwischen Sound Factory Bar, Ethno-Roots-Verbundenheit du gediegenem Soul, mit Tracks von Anthony Nicholson, Cassio Ware, Kimara Lovelace etc. Das ist mittlerweile so durchdekliniert, dass sich das Fehlerpotential schon automatisch in Grenzen hält und erreicht demzufolge auch die angepeilte Anrührigkeit. Was die Deep House-Soldaten im großen Apfel sonst noch so antreibt, werden dann vermutlich Âme in der nächsten Runde dieser Compilation-Serie demonstrieren.

De:Bug 04/07


Don Disco & Jeremiah / Projam – The Whistle Song / Into The Groove (Running Back)

Posted: March 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Eine wirklich feine Idee, diese Tracks von Peter Kremeier alias Losoul aus der Konkursmasse von Grow! bzw. dem Guidance-Ableger Crucial zu fischen und dem aktuellen Status Quo von House in die Speichen zu werfen. Die zehn Jahre Altersunterschied hört man ihnen jedenfalls kaum an. Stoisch ausrollende Schieber mit optimaler Platzaufteilung und der Gewissheit im Funk zu sein sind das, mit dem einen Ohr an der Vergangenheit von Deep House aus Übersee, und dem anderen an der reduktionistischen Zukunft, die sich später flächendeckend in deutschen Metropolen in fortschreitend-minimalistischer Formatierung zusammenkrümmen würde. Der Groove, der dabei zuweilen verlustig ging, hier ist er, in vorbildlicher Haltung.

De:Bug 03/07


Kathy Diamond – Over (Permanent Vacation)

Posted: March 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , | No Comments »

Das Label Permanent Vacation ist eine Adresse geworden, nach der man im Dunstkreis von Disco-Wiederkehr und zeitgemäßem Deep House Ausschau halten sollte. Noch haben die Kathy Diamond trifft Maurice Fulton Boogie-Wunderwaffe „All Woman“ und die schönen Antena-Remixe das Programm lange nicht verlassen, da folgt bereits Kathys neuester Treffer und ein Album soll im April folgen. Da kann man sich denn auch getrost drauf freuen, denn die Engländerin ist hier ebenfalls weit im Plus. Die Prelude-Andacht ist nun einem melancholischem House-Szenario gewichen, das sich in nächtlicher Totalaufnahme in ein pralles Drama aufschwingt. Man zeigt kongenial Mut zu dramatischem String- und Orgeleinsatz, ohne mit dessen Wucht den traurigen Trotz zu erdrücken. Wenn du den Club verlässt, und dir der Regen ins Gesicht peitscht, hast du das hier im Kopf.

De:Bug 03/07


It – Women In Toilet (Electro-Choc)

Posted: January 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

 

Nur gelegentlich gibt es Sichtungen vom Franzosen Stefan Manceau, der einst vor zehn Jahren in Detroit das Label Starbaby gründete, das er jetzt in seiner Heimat weiterführt. Dabei finden sich nicht nur bemerkenswerte Eigenproduktionen, sondern auch Veröffentlichungen und Remixe von Fabrice Lig, Dan Curtin und Morgan Geist im übersichtlichen Backkatalog. Für das französische Label mit dem dusseligen Namen nun also dieser Track, der verhalten an „Rej“ erinnert, vor dessen Opulenz aber stets auf weniger befahrene Straßen ausweicht, auf denen sich versprengte Spuren zu einem kribbeligen Funk zusammenschließen. Für Stefan Goldmann hingegen scheint das nur eine Startformation zu sein, denn sein Remix macht sich zielsicher in die Tiefe davon und ist dabei so umsichtig konstruiert, dass clevere Geräuschtransformationen und angezählte Melodieschlieren zwischen Vorder- und Hintergrund Kreise ziehen können. Das bewegt sich dann so kompakt voran als hätte man modernem Deep House zwischen Berlin und New York gerade noch rechtzeitig mit einem Stahllineal auf die Finger gepatscht, bevor sich das Arrangement ausladend zum großen Gefühl hochduseln konnte. Formstark.

De:Bug 01/07


Foremost Poets – Reasons To Be Dismal? (Nu Groove)

Posted: November 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Von allen Exzentrikern im House ist Johnny Dangerous ganz weit oben in der Thronfolge und dies ist sein erstes Opus. Kaputte Spuren von Love Committee und Eddie Kendricks trudeln durch ein psychedelisches Meisterwerk in vier Aufzügen, in dem Phaser auf gut Glück in die Dunkelheit schießen, die Basslines sich mindestens vom Kern der Erde in die sündigen Großstädte zurückwühlen und die Tastenklänge sich meilenweit in ungeahnte Tiefen schlieren, wobei darüber der Schöpfer dieser wahrhaft erschütternden Musik ungerührt über unser aller sterbliche Hoffnung und Verdammnis philosophiert. Die archaische Steintafel des Deep House, you better believe.

De:Bug 11/06


ISoul8 – Balance (Sonar Kollektiv)

Posted: July 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Der Italiener Enrico Crivellaro alias Volcov betreibt die angesehenen Labels Archive und Neroli, mit Anbindung an Londoner Broken Beats und beseelten Deep House aus Detroit und New York. Von dort holt er sich auch zahlreiche Versatzstücke, die im Verbund aber überwiegend wie ein verschollenes Artist-Album klingen, das Naked Music nicht mehr rausgebracht hat. Also Soul der eher summt als brüllt und Tiefe die eher vordergründig fließt als hintergründig abtaucht. Alle beteiligten Vokalisten wurden anscheinend exakt nach dieser Prämisse ausgewählt und der satte Schönklang folgt trockenen Fußes. Diese ganze Vollmundigkeit tritt schon selbstbewusst auf, aber wenn sich wie bei dem großartigen Instrumental-Ausreißer „How I Feel“ ein abseitiger Weg anzubieten scheint, schaltet sich danach der vorgebaute Limiter ein.

De:Bug 07/06


V.A. – Electric Pussycat (BBE)

Posted: April 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Irgendwie rumort es im einstmals rein spirituell-afrozentrischen Gebälk der New Yorker Deep-House-Community vom Schlage Body & Soul. FKs letzter Essential Mix war fast durchgehend pumpend elektronisch, Joe Claussell geht mit seiner Mix-CD „Translate“ ab von von den Roots und hin zur Digi-DJ-Ästhetik und jetzt Ibadan-Macher mit diesem Set, angeblich live im Club „Electric Pussycat“ in Brooklyn mitgeschnitten. Statt Authentizitäts-Live-Mucker-Anspruch mit angepeilter samstagnächtlicher Erleuchtung werden jetzt Smoking und Fliege angezogen und der Anspruch heißt „Electronic Cabaret“. Das klingt dann so, als hätte man die Rush Hour von Dixon at Inner City und Mayer at 672 zusammengezogen. Rej, Brutalga Square, Carl Craigs Darkness, Leave My Head Alone Brain und Mathew Jonson und smarter Acapella-Einsatz obendrauf. Die hiesige technoide Uminterpretierung von Deep House zieht wahrlich globale Kreise und die Hippies haben vorerst das Gebäude verlassen.

De:Bug 04/06


Caucasian Boy – Northern Lights (Strictly Rhythm)

Posted: February 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Crispin J. Glover hatte eine Vision von House, in der Acid und Deep House eng umschlungen über den Abspann von Wild Pitch tanzten. Zuerst erblickte „Northern Lights“ auf seinem eigenen Label Matrix die Nacht, ein bockiger 303-Groove, in dem sich plötzlich Himmel öffnen und Meere weiten, um dann in einem wuchtigen Crescendo alles in Schutt und Asche zu legen, an das man vorher geglaubt hatte. Auf der Strictly Rhythm-Ausgabe kommt dieses Erlebnis kongenial in zwei Kapitel dosiert, auf das man den Gehalt dieser nachhaltigen Erfahrung rechtmäßig unter den Brüdern und Schwestern verteilen möge.

De:Bug Online 02/06


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