Wagon Cookin – Mallorca (Compost)

Posted: March 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

“Mallorca” ist im Original ein proper vorgetragener House-Track mit Ohrwurmakkorden, bis er sich etwas unnötig in Acid-Modulationen mit Höhepunktcharakter verheddert, auf die man in den Großdiscotheken der besagten Insel aber wohl wirklich nicht verzichten kann. Sasse nimmt sich diese Akkorde, addiert erkalteten Boogie statt wärmender Tiefe und kommt damit ganz funky davon. Marbert Rocel setzt auch auf Funk, gibt dem Arrangement jedoch etwas mehr Songcharakter und wohlgesetzte Brüche und übernimmt hier die erste Startreihe. Llorcas Remix von „Incredible“ kommt noch dazu und laviert halb entschlossen zwischen R&B-Harmonien und Deep House-Rave-Boompty-Acid. Dieser Kitschausbruch kurz vor Schluss, den hätten sie reiten müssen. Wenn man schon mal dabei ist.

De:Bug 03/08


V.A. – Movement (Iridite)

Posted: March 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Auch auf Iridites zweiter Veröffentlichung ein großer Wurf von Jason Brunton, diesmal mit trockenem Knister-Acid, der mit schönen tonalen Querschlägern kollidiert und sich in Richtung des seligen Armando Gallop verbeugt. Gerade hat man sich begeistert darauf eingelassen, da grätschen plötzlich von allen Seiten außer Kontrolle geratene Model 500-Basssequenzer mit Echokammeranschluss rein und stiften eine umwerfende Verwirrung, von der man sich gerne überfahren lässt. Auf der B-Seite lässt sich auch Rei Loci mit 303s ein, doch die Blubber-Basslines sind hier nur der Ausgangspunkt für eine exzellente deepe Unterwasserfahrt mit irrlichternden Dubeffekten. Alles kreist so einnehmend und intensiv umeinander, dass einem davon ganz schwummrig wird. Massive!

De:Bug 03/08


Robert Owens – Inside My World (Compost)

Posted: March 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Die EP zur LP, mit Produktionshilfe von Jimpster und Atjazz. Ersterer liefert eine etwas geschniegelte Mixtur aus Naked Music und Dubtechno, die er zur Sicherheit noch mit ziemlich klischeebelasteten Peaktime-Tricks auspolstert. Das hätte die Ausnahmestimme von Owens natürlich gar nicht nötig gehabt. Atjazz macht es etwas weitsichtiger und stellt einen polierten Downtempo-Groove zur Verfügung, der ein bisschen die Vermutung nahe legt, man könne in England die Renaissance vom Clubsoul der späten 80er gar nicht mehr abwarten. Er illustriert aber in jedem Fall die Vielseitigkeit von Owens’ Stimme, die vielleicht eher ganz wenig im Hintergrund braucht um zu glänzen oder etwas, das vom Gros seiner zahlreichen Gastauftritte als Sänger abweicht. Seine einzige Eigenproduktion vom Album, „Press On“, kommt ganz klassisch mit einer Botschaft, einer Fläche, einer Bassline und einem Piano aus und das funktioniert immer noch gut. Er sollte das in Zukunft unbedingt wiederholen, vor allem auch auf Albumlänge.

De:Bug 03/08


Mujaba – Prescriptions / Fuelta (Four Roses Recordings)

Posted: March 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Four Roses Recordings passieren nach der schönen EP vom Motor City Drum Ensemble Ende letzten Jahres nun fast schon im Schlendergang die letzten Kilometer gen Deepenhausen, wo schon ein ganzer Pulk im Zielbereich mit vollem Jubelarsenal erwartungsvoll die Ankunft erwartet. Für den Rest der Saison werden sie wohl zu den A-Teams gehören. Verantwortlich für den ungefährdeten Rennverlauf sind diese zwei verkopften House-Trips, beide entspannt im Tempo, aber mit Druck im Sound. Schon der Groove ruft Wild Pitch ins Gedächtnis, die Akkorde und Flächen gehen Echo über Dub, mit sehr verfänglichen Untertönen, die bei „Fuelta“ schon fast an eine Deep-Variante von „Jesus Loves The Acid“ erinnern, und es wird denn auch Schicht um Schicht intensiviert, bis man am Ende völlig endorphintrunken den Reißverschluss zum Zielfoto hochzieht. Grand!

De:Bug 03/08


Beanfield / Invisible Session – Tides / Till The End (Compost)

Posted: March 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Ripperton übernimmt die etwas undankbare Aufgabe „Tides“ zu remixen, nachdem Carl Craig damit schon ziemlich nachhaltig und lagerübergreifend gelandet war. Von diesem Ufer mag er sich dann auch nicht allzu weit entfernen. Etwas kühler im Gesamteindruck, etwas nach hinten erweitert, andere Bassline, den Gesang etwas ausgebaut und verschoben. Das ist aber alles nicht anders genug um nicht gerade dadurch das herauszustellen, was das Original so überzeugend vorgab: Aus wenigen Zutaten in einer ausgefuchsten Dramaturgie die totale Hymne machen. Auf der anderen Seite haben sich 7 Samurai als Panoptikum für ihren Remix von Invisible Sessions „Till The End“ wohl ein paar Notizen zu Innervisions gemacht, aber sie emanzipieren sich, indem sie ein herbstliches Piano mit ein paar verträumten Detroit-Flächen klüngeln lassen. Das klingt zuerst, als würde ein wenig der Zug fehlen, entwickelt sich dann aber zusehends ganz prächtig.

De:Bug 3/08


Jason Brunton – If You Can’t Beat ‘Em, Join ‘Em (Iridite)

Posted: March 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Schottlands feinstes Techno-Label legt nach längerer Funkpause nach und die Prämisse ist in diesem Fall immer noch Detroit, aber nur als Grundgefühl, verkrampfter Authentizitätszwang ist hier Fehlanzeige. Iridite-Supremo Brunton steckt auf „Mixed Metaphors“ ansteckend das Koordinatensystem seiner Vorlieben ab: eine bohrende modulierende Sequenzerpumpe fiebert mit nervösen Flächen um die Wette, hektische Perkussion hängt Sekunden dahinter. In klug kalkulierten Abständen trifft das zusammen und erzeugt eine Klangüberladung, die gleich danach ihrer nächsten Manifestierung entgegenarbeitet. Und man wartet schon freudig darauf. Marco Bernardi arbeitet das zu einer rasanten Vocoder-Electro-Nachtfahrt um, die gekonnt alle genrespezifischen Parameter erfüllt und dank der erwähnten Sequenzer noch einigen Mehrwert erreicht. Rei Loci alias Methodology dann mit einer gedubbten Version, die sich schlau um vordergründige Trippigkeit drückt und gehörig auf die Tube drückt. Dreimal doll.

De:Bug 3/08


Mark E – Slave 1 (Running Back)

Posted: March 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , | No Comments »

Mark E ist erwiesenermaßen jemand, der den Wust der Einflüsse und Klänge in seinem Kopf zu eigenständiger und überraschender Musik ordnen kann und damit ist er bei Running Back genau richtig. Auf seiner zweiten EP für das Label holt er konsequent weit aus. Er interpretiert beim Titeltrack „Lost Again“ von Yello als reduzierten, hypnotisch stampfenden Darkroomsubwoofertest und „Pulse Friction“ ist ein einziger Arpeggio-Strudel mit dunklen Weiten, der sich komplett kitschfrei mit DJ Pierre und Cajmere zum Soundaustausch verabredet hat. „Slave 1“ ist ein Midtempo-Knäuel mit zahlreichen Schlaufen aus Dub, Boogie und Deep House, das zuerst einem Zustand gepflegter Breite entgegen zu schliddern scheint, dann doch in ein fiebriges Crescendo umschwingt, um schlussendlich in seine Einzelteile zu verfusseln. Große Klasse, das alles.

De:Bug 03/08


Club Transmediale 08

Posted: February 9th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Da muss schon etwas Gewichtigeres in die Speichen geworfen werden als die Bestreikung fast aller öffentlichen Verkehrsmittel, um die goldene Nacht der diesjährigen Transmediale ins Wanken zu bringen. Das Aufgebot war einfach zu opulent. Dementsprechend füllten sich die grieseligen Hallen der Maria sehr zusehends und früh schon kam Bewegung auf. Thematisch war die Nacht in zwei Teile gefaltet. Hüben Techno in Dub, drüben House. Für Ersteres zeichnete die Modern Love-Posse verantwortlich, die in voller Mannschaftsstärke erschienen war. Angefangen mit einem schönen Set vom wie immer fulminanten DJ Miles, später Pendle Coven, Andy Stott und Claro Intelecto an den Laptops. Es ist auffällig, dass sich alle Beteiligten so unisono in diesen raureifigen, aufgeräumten Labelsound einfügen. Das wird wirklich konsequent durchgezogen und mittlerweile auch deutlich ansteckender dargeboten als beim letzten Berliner Gastspiel in der Panoramabar. Der rechtmäßige Star auf diesem Floor war aber natürlich Moritz von Oswald, der, in Begleitung von Max Loderbauer an einem wunderschönen Modularungetüm und Vladislav Delay an sämtlicher Perkussion, wieder einmal vorführte, wie man diesen Sound wirklich intensiv macht. Es war beeindruckend, und eher im Stil seiner aktuelleren Remixe und Produktionen als an Basic Channel-Traditionsverwaltung. Da kommt hoffentlich noch mehr. Auf dem anderen Floor brachte Kalabrese mit seinem mitunter wirklich etwas rumpeligen Orchester das Unternehmen in Gang. Nicht so bewegend wie auf Tonträger aber mit reichlich Charme ausgeführt, und als der Grime-Look der Sängerin dann auch unverhofft auf Grime-Bass traf, gab es kein Halten mehr. Leider wurde der Zug mit einer nervtötend langen Umbauphase aufs Spiel angehalten, doch dann kam Larry Heard. Und man merkt, dass er sich jetzt auch immer mehr als DJ wohl fühlt. Anfangs noch sichtlich nervös begann er wie eine etwas wackelige Ausgabe einer guten Inner City-Nacht und wurde dann immer doller. Clivillés & Cole, der Percolator, sogar Plastic Dreams. Herrlich. Zum Abschluss dann „Can You Feel It“, mit einer improvisierten, wundervollen Darbietung des Gesangsparts von Robert Owens. Alle sind zu Tränen gerührt, Heard eingeschlossen. In diese Stimmung passen anschließend Prosumer, Murat Tepeli und Elif Bicer perfekt, da wird fürwahr ein Kreis geschlossen. Das kann alles immer noch sehr viel Spaß machen.

De:Bug Online 02/08


Prosumer & Murat Tepeli – Serenity (Ostgut Ton)

Posted: January 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , | No Comments »

Mit ihrem ersten Artist-Album macht das Label zur Clubinstitution zum Zeitpunkt einer Wiederkehr der Grundfesten der House Music ein folgerichtiges Statement. Natürlich sind die Klänge hier an den Erfahrungswerten der langen Wochenenden am Wriezener Bahnhof geschult, aber eben auch an den trendresistenten Klassikern zwischen Endachtziger-Ausgangsmaterial aus Chicago und New York und deren Deep House-Fortführung wenige Jahre später, mit denen Prosumer seine Sets aus Prinzip spickt. Der Kitt ist hier aber nicht nur eine Unverfälschtheit und Direktheit im Grundgefühl des Sounds, sondern eben auch in der emotionalen Aussage. Es geht beiden offensichtlich nicht nur um eine detailsichere musikalische Umsetzung ihrer Überzeugungen in der Produktion an sich, sie setzen auch noch die passenden Songstrukturen obendrauf. Prosumer selbst und Elif Biçer sind eben auch die dafür notwendigen Interpreten, die sich adäquat zurückgenommen und durchgehend wunderschön mit den Wirrnissen der Nacht auseinandersetzen, womit sich dieses Album entsprechend zu einem konsequenten Gesamteindruck bündelt, der so manchem noch aktiven Protagonisten der Ursprungsgeneration dieser Musik schwer zu denken geben sollte. Serenity indeed.

De:Bug 01/08


DJ Pippi Vs. Willie Graff – Hyper Space (Drumpoet Community)

Posted: December 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Ibizas alter House-Haudegen DJ Pippi und Ibizas House-Wunderkind Willie Graff im Afterhour-Modus in Dub. Entfaltet sich etwas vorbei am epischen Sog, der vermutlich irgendwo zwischen Innervisions und verrauschtem Soft-Techno angepeilt war, aber schließlich doch an die Substanz von Labels wie Guerilla zu deren Trance-Phase erinnert. Rundum gibt es exakt diese Art hippiesker Rundumfreundlichkeit mitsamt huschigen Vocoder-Drogenkitscheinflüsterungen und schamlosen Breakdowns, für die nur überzeugte Vertreter von Großraumkollektivschwebezuständen im Morgengrauen unbefangen genug sind, das kriegt man in der Wäsche kaum noch raus.

De:Bug 12/07


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