Rustie aus Glasgow hat Dubstep aus dem angestammten Lebensraum weggeschossen, und demonstriert, dass sich der Zeitlupensound prima mit Detroiter Hochhausschluchten-Elektro-Einflüssen und nervösen Krach-IDM-Soundgechoppe kreuzen lässt. Erhebt sich streckenweise noch nicht über das chaotisch-begeisterte Erstentwurfsstadium, aber wenn bei „Pendulum“ der Flüssigbasszerrer auf die belgischen Ravestabs trifft, sollten alle Haarspraydosen abgefackelt werden. Sonst Ortswechsel.
Das Leben hält Momente bereit, in denen man nichts dringender braucht als einen pfeilschnellen Hi-NRG-Torpedo, der mit billigen Sequencern und schmierigen Verlockungen den Hochkulturballast im Kopf versenkt und als sexy Glitzerstrahl direkt in die Nacht fährt. Soif De La Vie haben mit diesem Wunderwerk der Lehre von Moroder, Cowley und Orlando noch ein Kapitel hinzugefügt, das es gehörig in sich hat. Auf zehn Minuten Länge gibt es hier das volle Programm der dynamischen Disco-Futuristik und dazu derrwischt eine Frau, vor der man wirklich Angst bekommt und doch, ihrer Willkür möchte man sicher jederzeit ausliefern, zumal der letzte Wille schon längst sturmreif geschossen ist. So ist das bei wahren Göttinnen.
Das deutsche Charmebolzen-Label hat sich überraschend die Tinte von Detroits Soundmurderer höchstselbst aufs Papier setzen lassen, oder auch Starski & Clutch oder auch TNT, Osborne, Osbourne etc. Weniger überraschend, dass es hier nicht um seine vornehmlichen Multitaskingfelder geht, sondern um House, den man in seiner Machart im Flickenteppich-Labelsystem des Früh90er-New York verorten könnte. Schmackes auf die Claps, Bounce auf den Beat, Silberschimmer in die Stabs und alles versonnen mit Bass, 303 und Tastennoodlings geschmeidig geschmirgelt. Die andere Version von „Bingata“ ist altertümlicher Cut-Up-Disco, wie er sonst eigentlich nur noch bei Soundstream zu finden ist, damit bin ich unbedingt solidarisch. Die hauseigene Supergruppe Pink Alert nutzt obendrauf die günstige Gelegenheit, sich per Remix mit viel Kontext-Expertise in Dub abermals in die Wahrnehmung derer zu komplimentieren, die einen guten Burrell von einem schlechten unterscheiden können. Sehr guter Schnitt, das behalten wir gleich an.
Die Stücke von Antena, erstmals 1982 als Album auf dem Les Disques Du Crépuscule veröffentlicht, bieten einen prima Nährboden für Nachbearbeitungen zwischen Il Discotto, Amnesia-Rekapitulationen, Benelux-Wavepop und Gardasee-Discoexperimenten und diese sind hier alle auf dem Mannschaftsfoto versammelt und jonglieren die imaginativen Urlaubsimpressionen zum Beat. Joakim und Todd Terje stolzierten schon im Spotlight durch die Clubs, beispielsweise Lexx und Escort zogen angemessen nach und hier gibt es noch die würdige Nachhut obendrauf, in Form von den Chromatics, Enne, Steve Yanko (dessen “The Boy” Mix auch noch als 12″ rauskommt) und vor allem Pink Alert, die “Joppo+Eno” so freundlich dubpoppig und melodiegewandt in Balearik tunken, dass man nur dankbar sein kann für all die vorwiegend bewölkt aufgewachsenen Mitteleuropäer, die sich darbend früher, jetzt und zukünftig quer durch die Musikgeschichte zur Sonne komponieren. Die deutsche Entsprechung wäre vielleicht “Ich werde in der Sonne immer dicker” der Zimmermänner in den richtigen Händen, nur so als Vorschlag.
Greg Wilson war erwiesenermaßen der DJ, sich schon zeitig um die Einführung von Electro in die britische Clublandschaft kümmerte. Diese Platte war ein Exponat auf der Compilation „UK Electro“ und einer seiner ersten Gehversuche im Studio. Das Ergebnis hat zwar noch die Klangästhetik der amerikanischen Originale, bewegt sich aber schon eher in einem Groove, zu dem man wenig später in Chicago House sagte, garniert mit Sci-Fi-Flächen, zerhackten Ansagen, seltsamen Stammesgesängen und einer ausgefuchsten Dramaturgie. Das Stück passte hervorragend in den langen Abschied von Disco auf dem Weg zu neuen Gefilden, wurde dann aber schmählich fallen gelassen als ungekannte Helden aus Übersee ihre Rumpelmaschinen auf vollen Schub schalteten. Man kann nur mutmaßen was Wilson so alles angestellt hätte, wenn er damals am Ball geblieben wäre, aber die Aktivitäten nach seiner späten Rückkehr haben dann ja so manches Versprechen eingelöst.
Während die nachberufenen Cosmic/Balearic-Botschafter mit zunehmender Verzweiflung auf den Flohmärkten die definitive B-Seite einzukreisen versuchen, fängt Dimitri from Paris wieder am anderen Ende an und kontextualisiert mit erwiesener Buddel-Expertise die vernachlässigten Geschwister von Dr Buzzard in seine fixe Idee von Glamour. Der Titel dieser Compilation ist etwas arg geraten, aber die Musikauswahl ist mitnichten nur oberflächliche Tanzorchester-Disco-Opulenz mit Choreinlagen sondern bietet einige wirklich bemerkenswerte Facetten zwischen ausladenden Broadway-Arrangements, Instant-Karibik-Exotik und B-Liga-Philly. Von Astrud Gilberto, der Ritchie Family und Paul Mauriat mal abgesehen, durchweg Spezialistenfunde, mit einer properen Dosis Soul im Glitz und nicht wenig Schmackes im Groove. Im Gesamteindruck eine prächtige Mischung aus der Sleaze-Phase der New Yorker Tanzpaläste der 70er und Oberklassecamp mit Unterklassemitteln. Hier werden die Satinblousons kunstvoll verknotet, Schulter schmiegt sich an Schulter und jede Hustle-Formation bekommt mit klingendem Kristall ihren Tribut. Für übersensibilisierte Geschmacksvorgeber vielleicht des Guten zuviel, für Geschmacksgestresste vielleicht fast eine Befreiung.
I recorded this as a guest mix for the website of my dear friend Michael Joyce aka Truly-Madly, who was then a true aficionado of all things deep. He became a famous DJ much later than me, but once he did (and he is probably more famous than I ever was by now) he seemed to have deleted the mix from his website to cover up traces of my influence throughout his career. Story of my life.
Ok, kidding. Love ya, Trudy!
Picture is my old friend Jan Carter Boche (left) and me leaving one of our favourite kebap shops in our hometown Kiel. We never did eat anything anything there, but they had cheap and cold beer. I loved that “Escape” shirt, bought in London sometime in the early 90s. I instantly wore it to the next fish and chips shop right after I purchased it, and the elderly woman behind the counter asked me if her food was so bad that I wanted to run away. Not THAT bad.
Sensory Elements Vol 1 – Explain It Infra-Red – Love Honey Funtopia Feat. Jimi Polo – Do You Wanna Know? Beautiful People – I Got The Rhythm (Club Mix) Underground Inc. – Magie Noire (Rick Lenoir Mix) Ronald Burrell – Quiet Song Jovonn – It’s Gonna Be Right (Be Smoove Dub) Debbie Gibson – One Step Ahead (Masters At Work Mix) Ecstasy Boys – Seven Steps To Heaven Language – Tranquility Bass Liquid Variety – The Best Part Of The Trip (The Best Part) Boo Williams – Home Town Chicago Glenn Underground – May Datroit Tribute – Rain (Dub) Stardust – Love Will Find A Way (Sweet Embrace Mix) Aphrodisiac – Just Before The Dawn (Exclusive Remould)
I do not remember too well how this mix came into being. Most probably I needed some relief from playing sets mainly meant for dancing purposes. The vibe is nocturnal, in parts even a bit disturbing. The title of the mix is taken from the monologue of the killer in the movie “Klute”, also used in the Clock DVA track included here. For some reason I am absolutely neither the paranoid type nor do I believe in conspiracies. But I love culture that deals with paranoia and conspiracies.
Howard Shore – Welcome To Videodrome Clock DVA – Sonology Of Sex Ennio Morricone – The Thing: Humanity Part 2 (Excerpt) Talking Heads – Drugs Aphrodite’s Child – The Wakening Beast Clock DVA – The Connection Machine Brian Eno & David Byrne – Mea Culpa (Mr. K Edit) Jerry Goldsmith – The Piper Dreams Lalo Schifrin – Amityville Frenzy Cerrone – Strip-Tease Suzy Q – Makes You Blind Alan Parsons Project – Lucifer Lalo Schifrin – Scorpio’s Theme MC 900 Ft Jesus – Falling Elevators Grace Jones – Walking In The Rain (Remixed Version) Suicide – Diamonds, Fur Coat, Champagne Associates – Matter Of Gender Yello – The Evening’s Young Buzzcocks – Radio Nine Soft Cell – Kitchen Sink Drama
Trotz diverser wunderbarer Stücke hatte Gary Numan unter den Post Punk-Elektronikern immer diesen Anflug latent peinlicher Theatralik, seine Kunstmenschelei war zu überschminkt und er entkräftete seine postmodernen Themen einer schönen Automatenwelt mit etwas zu verkrampften Posen. 1985 tat er sich mit Bill Sharpe zusammen, der aussah als hätte er von vornherein jegliche Anforderungen an Stylekonzepte verworfen, und sie kombinierten Numans Nölstimme und diesen schimmernden House-Prototyp zu einem wahrhaftigen Glanzmoment, der merkwürdigerweise mehr artifizielle Alterslosigkeit und Serienperfektion suggerierte als sämtliche Soloversuche Numans zuvor. Diese Möglichkeit haben leider beide nicht begriffen und drifteten fortan in Mittelmäßigkeit ab, jeder auf seine Weise.
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