The Pale Fountains – … From Across The Kitchen Table

Posted: June 23rd, 2010 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Disco-Ausgrabungsgebiete scheinen langsam aber sicher den Weg von Northern Soul zu beschreiten. Von der Ursuppe der klassischen Ära ausgehend wurde von recherchefreudigen DJs und Sammlern mittlerweile jedes Spezialthema ausgeweidet, was nicht bei drei auf den Bäumen war, der Kanon hunderter Stilverzweigungen steigt stetig im Preis, ist aber sowieso keine Herausforderung mehr, da schon erschöpfend in den gängigen Spezialforen durchgewunken. Es ist schon zuweilen etwas sehr überbemüht, wie nun entlegene Nischenphänomene und die dazugehörigen Produzenten für das Checker-Repertoire der Party herhalten sollen, auch wenn sie zur Zeit ihrer aktiven Phase nicht die geringste Aufmerksamkeit erlangt haben, ob rechtmäßig , oder berichtigenswert. Fest steht, vieles von dem was da noch in hintersten Kisten schlummern mag, ist eventuell der heiße Scheiß mit dem man vor der Konkurrenz mächtig Eindruck schinden kann, vieles bringt aber heute auch nur ungefähr drei Gleichgesinnte pro Veranstaltung dazu, Blicke wissender Zustimmung vom Rand der Tanzfläche herüberzunicken. Das ist natürlich nur für sehr egozentrische DJs eine Genugtuung, denen die Abgrenzung wichtiger ist als anderen Menschen im Club Freude zu bereiten, die Mehrheit auf der Party hält es höchstwahrscheinlich schlichtweg für Unvermögen. Für Individualisten mit Sendungsbewusstsein gibt es aber immer noch viel zu entdecken, zum Beispiel britische Musik der 80er mit zurückhaltender Funkyness und überhaupt nicht zurückhaltender Popgeste. Natürlich sind Bands wie Aztec Camera, Orange Juice oder Haircut 100 nicht unbedingt speziell, aber die wunderbaren 12“-Versionen ihrer Songs sind es offenbar schon, denn sie sind kaum im Clubkontext zu hören, sie bleiben von hingeluschten Edits und verknappten Laserprint-Cover-Bootlegs verschont, niemand mag dafür mehr bezahlen als den Bruchteil der Preise, welche die Spezialfunde auf den Kompilationen der Szenepräsis hochjubeln. Dabei ist es oft nicht nur gewollt, wie man die Tanzflächen mit verlängerten und kompakteren Versionen der eigenen Hits erobern wollte, es ist oft sehr gekonnt. Als Beispiel dafür soll hier die 12“-Version von „… From Across The Kitchen Table“ der Pale Fountains dienen, einer dieser Bands, die nur ein paar Singles und noch weniger Alben hinbekamen bevor sie in die Versenkung entlassen wurden, die aber auch eine dieser Bands sind, deren gute Songs man nie mehr aus dem Kopf bekommt. „… From Across The Kitchen Table“ ist in der Albumversion schon eine umwerfende Hymne, aber in der Maxiversion werden die 60er-Einflüsse im Arrangement etwas zurückgepfiffen, es gibt eine überaus kombinationsfreudige Synthiefläche, den Anfang kann man nun auf den Beat mixen, es gibt eine prima Disco-Backgroundsängerin, überhaupt bietet die Dramaturgie nun die Wendungen und Höhepunkte, die auch ein abwegiger Selektionseinfall benötigt um getanzt zu werden. Und das Schöne daran ist, dass es sehr sehr sehr viele andere Maxis aus dieser Zeit gibt, die diesem Kleinod in nichts nachstehen. Wer das als Indiediscoprototypenschrullen abtut hat wirklich nichts begriffen, das wollte alles mindestens in die Charts, und es wirklich nichts Schlimmes daran, ein großzügiges und smartes Pop-Statement einzuwerfen, und das Mitsingen großer Refrains beim Tanzen, das gilt es unbedingt zu erhalten, in jedem Kontext.

The Pale Fountains – … From Across The Kitchen Table (Virgin, 1985)

de:bug 06/10


Rewind: Traxx on “H.S.T.A.”

Posted: June 21st, 2010 | Author: | Filed under: Interviews English | Tags: , , , , , , , , | 1 Comment »

In discussion with Traxx on “H.S.T.A.” by Das Ding (2009).

How did you discover Das Ding? Were you aware of Danny Bosten’s productions before the reissue on Minimal Wave?

Tadd Mullinix (JTC) posted a video from Youtube of this group, that I thought I heard of before, but really couldn’t put my finger on.

I wasn’t aware of Danny Bostens’ productions until they came out on Minimal Wave. He released all his stuff on Tape-Cassette, and I’ve always been a vinyl head, so it must have slipped through.

What made you decide for this album? What makes it so important for you?

The music is just plain sick! And I really like the overall concept that doesn’t get stale. There is a poem on the back of the cover:

“The reassurance ritual has us actors in its play

a million times we repeated the words that we will say

and if its not tomorrow then it will be today

that words this way spoken will lead another way”

This pretty much covers everything that I like about this album. In our society things have a habit to repeat themselves over and over again. Be it fashion, art or music. Danny Bosten tried to break the borders of the genre that he was classified in back in that time. This is something that I can relate to, too.

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@ Hate #7

Posted: June 18th, 2010 | Author: | Filed under: Gigs | Tags: | No Comments »


Druffmix 43 – Our Own Kind Of Music

Posted: June 15th, 2010 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , | No Comments »

Nobody can tell ya
There’s only one song worth singing
They may try and sell ya
Cause it hangs them up
To see someone like you

You gotta make your own kind of music
Sing your own special song
Make your own kind music
Even if nobody else sings along

It can’t be nowhere
The loneliest kind of lonely
It may be
Just to do your thing is the hardest things to do

You gotta make your own kind of music
Sing your own special song
Make your own kind music
Even if nobody else sings along

And if you will not take our hand
Then we must be going, we’ll understand

The Love Unlimited Orchestra Presents Mr. Webster Lewis – Welcome Aboard
The Main Ingredient Feat. Cuba Gooding – Think Positive
Ronnie Dyson – If The Shoe Fits
The Terrell Company – Out On Fire Island
The Duncan Sisters – Boys Will Be Boys
Simple Minds – Promised You A Miracle
Urbaniax – Love Don’t Grow On Trees
Subject – Never Gonna Leave You
Phyllis Nelson – I Like You
Eleanor – Adventure
Matia Bazar – Ti Sento
Moses – Our Revolution
Erasure – Love To Hate You
Liza Minnelli – Love Pains
Kim Wilde – You Came
The Invincible Spirit – Push!
Information Society – Think
The Puppets – Way Of Life
F.M. Discussions – I’m In Love With The D.J.
Ian Dury & The Blockheads – Reasons To Be Cheerful
Cuba Gooding – Happiness Is Around The Bend
Aretha Franklin – Get It Right
Wings- Goodnight Tonight
Exile – Being In Love With You Is Easy
McGuinn, Clark & Hillman – Backstage Pass
Joel Diamond Experience – Heaven In The Afternoon
The Neil Cloud Orchestra – Time Of The Season
John Paul Young – Love Is In The Air
Mama Cass – Make Your Own Kind Of Music
Funkapolitan – Run Run Run
Tears For Fears – Pale Shelter
Icehouse – Street Café
Simple Minds – Love Song
XTC – King For A Day
Japan – All Tomorrow’s Parties
Hot Chocolate- Put Your Love In Me


Rewind: Peter Kruder über “Wish You Were Here”

Posted: June 14th, 2010 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Im Gespräch mit Peter Kruder über “Wish You Were Here” von Pink Floyd (1975).

Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie Du auf Pink Floyd gestoßen bist? War das noch in Deiner Jugend?

Ich war gerade mal 11 Jahre alt als mein Bruder, der damals für Bang & Olufsen im Service gearbeitet hat, mit einer neu erstandenen B&O-Anlage nach Hause kam. Als das Ding aufgebaut war, zog er eine in schwarzes Plastik gehüllte Platte aus einer Einkaufstüte, schlitzte vorsichtig die Plastikhülle auf und legte die Platte auf den Teller. Die B&O-Anlagen damals hatten keine ordinären Drehregler, sondern in Glas gefasste elegante Schieberegler, und den Volumenregler auf ein angemessenes Level geschoben schwebte mir dieser G-Moll-Akkord aus den Boxen entgegen und ich war von der ersten Sekunde an auf einen anderen Planeten transportiert.

Die blubbernden Synths im Hintergrund und die zarte Moog-Melodie, die nichts sagt außer dass sie einen noch mehr hineinzieht, waren mir damals total unerklärlich und ich war gefangen vor Aufregung über was auch immer als Nächstes kommen würde. Das Vier-Noten-Motiv der Gitarre war für mich dann der endgültige Beweis, dass ich mich in einem neuen Stadium meiner persönlichen Entwicklung befand und von da an gab es nur mehr Pre-Floyd und Post-Floyd in meinem musikalischen Universum.

Pink Floyd hatten einige wegweisende Alben vorzuweisen. Warum hast Du Dir “Wish You Were Here” ausgesucht? Was macht das Album so wichtig für dich?

Ich war natürlich total angefixt von dem Floyd-Sound, sodass ich mich dann sofort auf die Suche nach mehr begab. Das Taschengeld damals reichte nicht für mehr als ein Album alle vier Monate und wurde mehr in Singles investiert, meine Schulfreunde damals waren mehr bei Abba als bei Floyd. Ich hatte in meiner Schule zwei ausgezeichnete Professorinnen im Englischunterricht, beide aktive 68erinnen, die eine Unterrichtsstunde nutzten, um uns Pink Floyds „The Wall“ vorzuspielen. Da war er wieder, dieser Sound, diesmal mit mehr Text, und ich lief nach dem Unterricht nach Hause, köpfte das Sparschwein und ab in den Plattenladen. The Wall verließ die nächsten fünf Monate nicht mehr den Plattenteller und wöchentlich wurde eine andere Seite favorisiert. Ich war damals unsäglich schlecht in Englisch und verstand kein Wort, was mich nach einiger Zeit zum Wörterbuch greifen ließ um mir die auf den Hüllen gedruckten Lyrics Wort für Wort zu übersetzen. Am Ende des Jahres hatte ich eine Zwei in Englisch und wurde speziell für meinen drastischen Fortschritt im Unterricht gelobt. Von daher gesehen ist „The Wall“ für mich auch eine wichtige Floyd-Platte. Dass die Lyrics eigentlich schrecklich sind und als öffentlichen Therapiecouchplatz von Roger Waters missbraucht wurden, kam mir erst viele Jahre später und deswegen ist „Wish You Were Here“ auch meine  bevorzugte Platte im Floyd-Schaffen.

Das Album ist ja schon mit seinem sehr durchdachten Fluss darauf angelegt, dass man es als Ganzes hören sollte. Ist das die beste Art das Album zu hören, oder gibt es persönliche Highlights oder auch Aussetzer? Überstrahlt “Shine On You Crazy Diamond” die anderen Songs?

Diese Platte prägte für mich das Verständnis, dass ein Album durchgehend gehört werden sollte, oder vielmehr dass ein Album so gut sein muss, dass man es von Anfang bis zum Ende hören will. Der Fluss, der durch das Weglassen der üblichen Pausen zwischen den Songs entsteht, will gut überlegt sein und wie in diesem Falle mit genauester Präzision ausgeführt werden. Ganz im Gegensatz zu Jimi Hendrix, der das auch machte, aber die pausenlose Aneinanderreihung mit acidgetränkten Akzenten durchführte, wobei das genau so beeindruckend ist. “Shine On You Crazy Diamond”ist natürlich die Perle des Albums und ich finde es auch entgegen gesetzter Meinungen gut, dass es auf die beiden Seiten der Platte verteilt ist. Es gibt der Platte Bookends, wie man es im Englischen nennt, und das fordert das Wollen nach mehrmaligem Hören.

Wie würdest Du die Musik von Pink Floyd auf “Wish You Were Here” beschreiben? Ist etwa die Band hier noch in den psychedelischen Anfangstagen verwurzelt, oder ist das schon eine ganz neue stilistische Ebene? Welche maßgeblichen Elemente machen das Album aus?

Für mich liegt die Größe der Platte in dem, dass keine Note zu viel ist und jeder auch noch so kleine Sound an seinem exakt richtigen Platz sitzt. Die musikalische Darbietung ist in diesem Sinne ohne jegliches Fett und zeigt, dass sie hier die Meister ihres eigenen Genres wurden. Wo „Dark Side Of The Moon“ noch überladen ist mit Showoff-Effekten, ist hier nur mehr Dienliches am Start. Es ist auch die Balance zwischen den trippigen Undergroundsounds der Anfangstage und breiten Melodien so geschickt getroffen, dass es allgemein verständlich ist, ohne sich dem Kommerz hinzugeben. Ein interessanter Aspekt ist für mich auch, dass die Brüche in der Gestaltung nicht als aufzeigende Maßnahmen gesetzt wurden, sondern mehr um den Fluss zu beschleunigen oder zu entschleunigen. Aber ich fand es immer schon eleganter, den Hörer durch sublime aber zwingende Elemente in deine Ecke zu ziehen, als sie mit dem Prügel über den Kopf dahin zu zwingen.

Wie verhält sich “Wish You Were Here” zu “Dark Side Of The Moon”, dem ungleich erfolgreicheren Vorgängeralbum? Ist es eine logische Fortführung? Ist es eine Emanzipation, bzw. ein Fortschritt?

Ich sehe es als absoluten Fortschritt, mit einer zurückgenommen Effektivität letztendlich noch mehr zu erzielen. Nicht das „Dark Side Of The Moon“ eine schlechte Platte wäre, aber im Gesamten ist sie bei weitem nicht so in sich stimmig wie „Wish You Were Here“. Bei „Dark Side Of The Moon“ haben sie die Grenzen des Machbaren mehr als die der eigenen Entwicklungsfähigkeit gesucht, waren aber mit dem Glück beseelt, dass das genau zu der Zeit gefragt war.

Gemeinhin wird die Geschichte von Pink Floyd in mehrere Phasen eingeteilt, und “Wish You Were Here” markiert die Phase, in der sie ihren Status als eine der größten Rockbands konsolidieren konnten. Magst Du auch die früheren und späteren Arbeiten der Band? Es gibt ja beispielsweise nicht wenige Anhänger, die alles nach Syd Barrett weniger schätzen, und umgekehrt.

Arnold Layne  und diese Art des Musikmachens hat eine zeitbezogene Wichtigkeit. Bei mir verhält es sich da wie mit dem frühen Bob Dylan-Katalog. Ich verstehe und respektiere die immense Wichtigkeit, zu einem Zeitpunkt genau das laut auszusprechen was sich eigentlich alle denken, aber es verliert für mich durch die Akzeptanz der Veränderungen im Nachhinein die Aussagekraft. Im Frühwerk mit Syd Barrett ging es darum avantgardistische Musikformen mit Rock zu verbinden. Es lag damals in der Luft und die Floyd-Urbesetzung hat das auf den Punkt gebracht, nicht zu vergessen ist der visuelle Aspekt ihrer damaligen Liveshow.

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Rewind: Modyfier on “Twin Peaks”

Posted: June 7th, 2010 | Author: | Filed under: Interviews English | Tags: , , , , , | No Comments »

In discussion with Modyfier on “Twin Peaks” by Angelo Badalamenti (1990).

What was your first encounter with Angelo Badalamenti? Did you notice the music when “Twin Peaks” was originally aired?

It was when the first season debuted in the spring of 1990. I was eleven and used to watch the show regularly with my parents. It made quite an impression on me. It was around that time that I started to become aware of abstractions and my mind wandered into the incredible world of intangible things. The show was the perfect guide, pulling me further into this exploration. I’d like to say that I didn’t notice the music apart from the imagery (because together, I think they make up the show), but I can’t. The first season soundtrack (on cassette) was one of the earliest albums I ever bought. I loved the access the music provided. Listening to it, I’d immediately be transported to Twin Peaks.

Did you have the instant impression that your fascination with the soundtrack would outlast the TV experience as a singular work of art? Can it be held apart from the series?

“Twin Peaks” is best when experienced the way it was meant to be: as a moving picture with sound. While it is possible for each to exist without the other, they lack full form. For example, if you listen to the soundtrack on its own, it is constantly evoking imagery from the show. It reaches out for it, plucking it ripe from the memory branches of your mind. Badalamenti is successful in painting Lynch’s vision precisely with his composition.

As far as my ‘fascination’ with the soundtrack, I’d reiterate that I think it is best when listened to in the context of the show. For that reason, I don’t think it has outlasted the experience of the series. The characters and places have a dark beauty and frank oddity that are created as equally by Badalamenti’s music as they are by Lynch’s imagery and narration. For me, the soundtrack is so much more than merely associative. There is a symbiosis that makes me think cymatics are at play. When things are put into motion in “Twin Peaks” (when characters and places interact in different combinations) events begin to happen that are outside of the rational. A door is opened into an unexplainable dimension that is conveyed through the important combination of picture and sound.

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Rewind: Justin Strauss on “Computer World”

Posted: May 31st, 2010 | Author: | Filed under: Interviews English | Tags: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Comments »

In discussion with Justin Strauss on “Computer World” by Kraftwerk (1981).

Can you still remember the first time you ever heard Kraftwerk?

Yes. I think the first time I heard them I was 17 years old, in England, recording an album for Island Records with the band I was in at the time, Milk n Cookies. I heard the song “Autobahn” on the radio there and remember thinking how different and cool it sounded than anything else out there. I bought a copy of the 7″ while I was there.

What made you decide for “Computer World” out of the many legendary albums? Do you agree with many critics and fans that they were at there creative peak with this?

Although I love all their albums, “Computer World” for me was just the best. Perfect in every way. I totally agree that this was their “masterpiece”.

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@ Mellow Music Festival

Posted: May 24th, 2010 | Author: | Filed under: Gigs | Tags: , | 2 Comments »

Mellow open stage of Mellow Music Festival, Sofia on Sat May 29, 2010.

Running Order:

Clipper (DJ set)
Elektro Guzzi (live)
Finn Johannsen (DJ set)
Brandt Brauer Frick (live)


Rewind: Falko Brocksieper über “Disco”

Posted: May 24th, 2010 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Im Gespräch mit Falko Brocksieper über “Disco” von den Pet Shop Boys (1986).

Wie kamst Du erstmalig mit den Pet Shop Boys in Kontakt? “West End Girls” im Radio, in jungen Jahren?

Ich habe eine zwei Jahre ältere Schwester, deren beste Freundin hatte auch wiederum eine zwei Jahre ältere Schwester, und über diese zähe Nahrungskette gelangte einiges an kredibler Popkultur schließlich zu mir. Das waren zwar auch mal Sachen wie Wham! oder so, aber auch Depeche Mode, The Smiths, und eben Pet Shop Boys. Da muss ich etwa zehn Jahre alt gewesen sein. Ein eigenes Kassettenradio hatte ich erst gegen Ende der 80er. Die Mitschnitt-Zeit fing für mich also erst etwas später an.

Hattest Du generell eine Schwäche für den Synthpop dieser Zeit, und die Pet Shop Boys waren eine Facette davon, die Dir besonders gut gefiel?

Auch davor schon, auf diversen NDW-Compilations, die in unserer Familie kursierten, übten die Synthie- und Drummachine-geprägten Lieder eine große Faszination auf mich aus. Irgendwie Knöpfe drücken und Sachen bedienen erschien mir weitaus reizvoller als das handwerkliche Beherrschen eines Musikinstruments. Der Synthpop der 80er traf also ebenfalls diesen Nerv, auch wenn mein Fanverhalten da wenig systematisch war, geschweige denn von irgendwelchem Wissen gekennzeichnet. Ein eigenes Radio besaß ich wie gesagt nicht, das elterliche hochwertige HiFi-Equipment war tabu, und ich durfte auch eigenartigerweise ziemlich lang keine Bravo lesen. Mir kamen also nur einzelne Songs gelegentlich zugeflogen – wenn nicht von Freunden, dann etwa im Supermarkt, oder aus einem vorbeifahrenden, sportlich lackierten Ascona. Da gab es so ein paar schnauzbärtige Jungs in Netzhemden einige Straßen weiter, die schraubten an ihren Autos rum und hörten dabei Sachen wie Trans-X “Living On Video” oder Shannon “Let The Music Play”. Meistens wusste man aber natürlich nie wer/was/woher das jetzt war. Welches Lied nun von Bronski Beat, und welches von Kim Wilde war, das erfuhr ich oft erst Jahre später.

Die Pet Shop Boys aber weckten schon beim ersten Kontakt mein ganzheitliches Interesse. Neben der Musik gefiel mir auch einfach diese seltsame Unnahbarkeit und ihr nüchternes Auftreten. Gott weiß wie bunt auftoupierte Haare und komische Anziehsachen fand ich dagegen als Kleinstadt-Kind eher verstörend – damit wollte ich lieber nichts zu tun haben. Die Perücken- und Hut-Eskapaden der Pet Shop Boys kamen ja dann erst später, in den 90ern.

Was mich ebenfalls von Beginn an reizte, war das ganze Setup der Band, bzw. dass es eben gar keine richtige Band war, sondern nur zwei Leute, von denen der eine sogar nur sang. Denn das hieß ja, dass der andere Typ da hinten die ganze Musik quasi ganz alleine macht mit seinen Keyboards, von denen er teilweise sogar mehrere um sich stehen hatte. Ich nahm an, dass diese Geräte unglaubliche Komplexität und Leistungsumfang besitzen mussten, und dass derjenige ein Genie sein muss, der all das beherrscht und dabei auch noch so lässig rüberkommt. Von technischen Errungenschaften wie Playback ahnte ich also nichts.

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@ Drop Acid, Not Bombs

Posted: May 21st, 2010 | Author: | Filed under: Gigs | Tags: , , | No Comments »

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