Wie andere Pioniere vor allem amerikanischer Großstadtherkunft, mag sich auch Francois Kevorkian nicht mehr auf den Lorbeeren seiner älteren und jüngeren Vergangenheit voller Studio- und Clubgroßtaten ausruhen, auch wenn sie sich quer durch die Musikgeschichte ziehen. Wie schon seine letzte Mix-Kompilation „Frequencies“, beweist auch dieser opulente Dreierpack, dass er sich auch prima als Legendenfaktor in den Line-ups der internationalen Ravepaläste und Festivalzelte macht und seine Erfahrungswerte im Umgang mit Fluss und Klang sich nicht mit heutigen Peaktime-Maßstäben reiben müssen. So bleibt man around. Leider gibt es von ihm aber auch vergleichbar viele Studio- und Clubgroßtaten, die diese Selektion an Originalität in den Schatten stellen, so zielsicher und klangerfahren er den Hit Sound of Now hier auch verweben mag. Wenn einem so dezidiert „Masterpiece“ entgegenprangt, ist man etwas verwundert ob der vielen zeitgenössischen Allzweckwaffen, deren Zeitlosigkeit sich in vielen Fällen wohl noch beweisen muss. Ich will gar nicht unterstellen, dass ihm das Geknarze, Gefräse und zuweilen Getrance nicht auch am Herzen liegt, aber diese Kompilation nimmt immer dann an Intensität und Überzeugungskraft zu, wenn er sich auf deepes, dubbiges, eklektizistisches und auch klassisches Terrain begibt. Zwiespältig.
Adam X war in den amerikanischen Technoclubs der frühen 90er einer der Zuständigen für die harte Knute und das ist er, mittlerweile in Berlin angelandet, auch geblieben. Stilistisch ist seine musikalische Heimat hingegen nun die Musik, die früher von kräftigen Kerlen in schweren Tretern, Tarnklamotten und Spiegelglassonnenbrillen in findig rasierten Köpfen von den verdrogten Clubs in Beneluxländern bis in unzugängliche Kellerkabuffs in Osteuropa ausbaldowert wurde. EBM, Electro, und wer unter Industrial nicht die fies-experimentelle Schule von etwa Throbbing Gristle versteht, sondern den Stechschritt von Front 242 und Konsorten, wird auch das dazu sagen. Altmodisch martialisch werden einem diese Tracks durchs Gehör geschrammt, mit gelegentlichen Ablenkungen aus dem Endzeitunheil zwischen Detroit und Sheffield. Verhält sich im Post Punk-Erbe wie anderswo Northern Soul zu Disco.
Fernab jeglicher Laptopresetbeengungen und Clubkulturdiktate hat sich Stefan Aschermann alias Beatvox in einem Wust von Kabeln, analogen Synthies, Schlaginstrumenten und 4-Spurgeräten eingemümmelt und koordiniert offensichtlich unbeirrt seine leicht abseitige und selbstgenügsame Sicht der schön klingenden Dinge, die aus so einem Setup entstehen können. Das kullert, zappelt und torkelt manchmal wie absichtlich wieder falsch zusammengesetztes Spielzeug auf frischen Batterien mit rumpeliger Grandezza durchs Terrain, in anderen Momenten meint man zu hören, dass Bob Moogs Zauberlehrling in dessen Abwesenheit emsig alle Geräte ausprobiert, obwohl es ihm ausdrücklich untersagt wurde. Soll er gerne noch eine Weile weitermachen damit, denn Probieren geht über Studieren.
Mighty Robot Recordings aus Glasgow sind definitiv in jungen Jahren in den Zaubertrank aus WBMX, Italo und Electro gefallen und befeuern seitdem konsistent die Heavy Rotation des Cybernetic Broadcast System und aller Gleichgesinnten mit wissenden Preziosen. English Electric stellt hier die Schnittstelle zwischen Munich Disco und Carpenter/Howarth her und lässt nachtschattige Flächen mit geschmeidigem Sequencer-Boogie zusammenschwappen, bis man nur noch verwischte Lichter in urbanen Problemzonen und futuristische Fortbewegungsmittel im Kopf hat. Zugang gewährt.
Lullabies In The Dark sind Vito de Luca von Aeroplane und Jim Adam, und Marie und Elise können sich glücklich schätzen, denn die ihnen gewidmete Serenade ist ein ambitionierter Grenzgänger zwischen entrückter Space-Rock-Psychedelia und melancholischem Boogie, in dem Glocken und Gitarren erklingen und sich Fuchs und Hase einvernehmlich Gute Nacht wünschen. Der Remix von Aeroplane schickt das Ganze als beherzten, dickbassigen Midtempo-Groover auf den Tanzboden, auf dem man sich einbildet, fluoreszierende Partikel würden als Sternschnuppen auf alle herunterfallen. „Code 7429“ verbindet verblüffend kongenial zeitgenössische Discolehre mit Ravesignalen der alten Schule. Da werden sich sowohl Beardo-Discoteers als auch Rave-Traditionalisten grün und blau ärgern, das nicht schon vorher gewagt zu haben. First come, first serve.
I do not remember why I did this mix, but after a string of mixes revisiting my past days, here at last was one with then (mostly) new music I played in clubs. I recorded it for Ali Tillett’s Warm booking agency. I do not recall if there were talks about me joining them of if it was just one of many favours I did for friends and friendly people asking me for mixes. If you think I tend to care more about recording mixes than my actual DJ career you are probably right. The mix title is probably me making fun of that. Contained here is Tuomi – The Expense Of Spirit, the third release of the label Macro which I co-founded with Stefan Goldmann a year earlier. I just wanted to mention that.
Snoop Dogg – Sexual Eruption (Instrumental) Phatt Pussycat – Hold It Down Netto – Like Ghosts Mad Imbecile – Waiting For A Brain Mujaba – Fuelta I:Cube – Prophetization Syclops – Where’s Jason K 2020 Soundsystem – Scott Sounds Namlook – Subharmonic Atoms (Pépé Bradock Remix) Omar S – Psychotic Photosynthesis Tuomi – Expense Of Spirit Contra Communem Opinionem – Dreamin 21st Century Body Rockers – Ease Into The Dance Hercules And Love Affair – Blind (Frankie Knuckles Vocal) Osborne – 16th Stage
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