Die Jugend jeder Generation hat ein grundsätzliches Anrecht darauf, mit billigen Synthezisern und einer fragwürdig ernährten, aber hip aussehenden Rampensau exaltiert auf der Bühne herum zu zicken. Das ist schon seit Dekaden so, und besonders die Verhaltens- und Klangcodes vom Post Punk der 70er sind bis zu den heutigen Ausläufern weitergereicht worden. Sehr zum Leidwesen der nachfolgenden Epigonen gab es aber schon in den Anfangstagen dieser Ära Suicide, bei denen die heile Diner-Jugendkultur von „American Graffiti“ auf die kranke Welt der Lower East Side zu treffen schien, mit allen dazugehörig potenzierten Landestraumata und Billigstdrogen. Natürlich war das im Prinzip Rock ‚n’ Roll, aber die Musik war bis auf die Grundfesten monotonisiert und automatisiert, und von der üblichen Bandstruktur war nur noch Martin Rev übrig, der kaputte Sequenzen und Stakkatobeats zu Tracks zusammenfeuerte, die in ihrer eintönigen Souveränität schon verstörend genug waren. Aber dann war da ja noch Alan Vega, der es schaffte, sämtliche Rollenmuster und Interpretationstraditionen der an Vorgängern noch überschaubaren Popgeschichte von ungefähr Jerry Lee Lewis bis Lou Reed bis an den Rand der Erträglichkeit zu intensivieren. Ein einziges Gestöhne, Geheul und Gewimmer, von allem zuviel und alles gleichzeitig. Somit ergab sich bei Suicide ein mit nichts vergleichbares Gesamtpaket äußerster Konsequenz und Wahrhaftigkeit zwischen unverhohlen fieser Aggressivität und ziemlich ähnlich gelagerter Leidenschaft, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte. Bei „Radiation“ von dieser 12“ von 1979 sind diese Grundzüge alle im Schwung, Vega dekliniert sich halluzinierend zwischen den apokalyptischen Reitern und den archetypischen Mamas hindurch, dazu eine sägende Bassschlaufe, ein paar Dubschlinger und simpelste Casiobeats. „Dream Baby Dream“ hingegen demonstrierte, dass der Speed-Minimalismus von Suicide auch in Pop von berückender Schönheit ausarten konnte, man musste ihn lediglich um ein taumelndes Glockenspiel und eine sehr eingängige Melodieschlaufe ergänzen, dazu Vega ein paar Zeilen über die ewige Blumenkraft der Träume delirieren lassen, und alles so bedingungslos und undistanziert wie alles andere von ihnen davor auch. Vorher hatten sie schon Techno in der Vorbereitung, und nun auch noch den Popappeal desselben gleich mit dazu. Solche Visionen mögen sie für den Rest ihrer Karriere nicht aufrechterhalten haben, aber sie wurden seitdem in zahllosen Nachversuchen ungleich banaler verarbeitet, in der ganzen tristen Überladung von albernen Klamotten, flatterigen Slogans und lächerlichen Haltungen, die man seit Sigue Sigue Sputnik erdulden musste (und die waren vergleichsweise super).
Dieser irgendwie von Anfang völlig amorphe Stil mit den vielen windschiefen Kategorisierungen, der sich das Beste zwischen Produktionsarten von Disco bis gerade eben alles zu eigen machte, wird mittlerweile von vielen, die des Boogie-Tempos und der Glitzerreferenzen überdrüssig sind, zum Abschwung freigegeben. Tja, not yet, Kameraden. Not yet. Ein Stil, der sich aus so vielen anderen Stilen zusammensetzt, dass bequemes Schubladendenken keinen Sinn mehr macht, bietet natürlich Freiheiten, und Produzenten wie der Hamburger Marco Niemerski von Mirau sind überhaupt nicht willens, in die tradierten Genrekonventionen zurückzutrotten. Auf dieser EP für Running Back wirft er sich für diese Sache in die Vollen und zeigt den Skeptikern mit drei Tracks die lange Nase, die sich abermals ihr Klangarsenal von gleichermaßen entlegenen und nahe liegenden Quellen einholen, und die dazugehörigen Klischees liegenlassen. „In The End I Want You To Cry” ist entspannter Funk, der auf eine ganze Batterie von quer geschalteten Soundideen trifft, ohne auch nur einen Moment diffus zu wirken, „Holding Back My Love“ ist eine Il Discotto-meets-Compass Point-Ballade für die Überzeugungstäter unter den Frühmorgens-Romantikern und „The Then Unknown“ ist der überfällige Brückenschlag von Detroiter Mumpf-House zu klassischer Post-Punk-Elektronik (in der Variante sowohl Kunsthochschule als auch Gosse).
Eine anonym veröffentlichte EP, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum dunklen Techno von Ostgut Ton, Sandwell District und Scion Versions bewegt. Hier hat sich jemand wirklich eingehend damit beschäftigt, wie man aus pulsierendem Metall-Dub, rotierenden Frequenzen, entstellten Rave-Signalen und stoischen Grooves einnehmende Tracks formt. Dazu kann man entweder in kompletter Düsternis und Dauerregen über verlassene Bahngleise in Industriebrachen torkeln (ohne nach links und rechts zu gucken), wissentlich die letzten funktionierenden Geräte an Bord der gestrandeten Weltraummüllabfuhr zu Klump hauen (es holt einen ja sowieso niemand mehr ab) oder die anderen Tänzer auf der Tanzfläche des weltletzten Destruktiv-Balls zum ganz engen Engtanz auffordern (sofern man sie in dem ganzen Strobonebel überhaupt sehen kann). Wir vermuten gehörige Erfahrungswerte und positionieren neben dieses Wurmloch einen Melder.
> Love Unlimited Orchestra – Welcome Aboard (1981)
I found it interesting that this record sounded already a bit like what Metro Area were doing later on.
It is a very unusual track, especially for the time it was produced. There was not a lot then sounding like this. It almost has a housey touch, and a very beautiful atmosphere.
The track title is very telling, it is the perfect way to start a set.
Exactly, we did a show for betalounge.com once with Smith N Hack and used this as the first track.
The sound is very romantically space-like. Is this something you look for in disco? Some kind of futuristic touch?
Well, here it is a feature that definitely attracts me. I also like that it is so reduced. I like tracks that are special and unusual, like this. It is very straight, there is not too much happening in it.
Barry White kind of transformed his symphonic kitsch into something completely different with this production.
The beat almost sounds like it was sampled, very strange. I think it is a warm up bomb.
Your productions are normally not associated with sounds this mellow.
Yes, but this has this certain straightness to it, and I always like that. They hold this sequence for the whole track and just add strings and vocals, and the beat just goes on.
> El Coco – Cocomotion (1977)
This goes right back to your first Sound Stream 12”. I found it interesting that you just used a tiny weird loop, instead of its catchy bassline.
Yes, I often just get hooked on single parts and sample them. “Motion” was more like an edit. It is just a loop which then gets chopped up a bit. I like the loop because it holds the tension for so long, it’s very trippy.
But it is a very special approach to editing. You certainly were not aiming for authenticity or better DJ use.
It is kind of how it started. The first re-edits in Chicago for example. They looped bits and extended them until they developed a hypnotic quality. I think Ron Hardy initiated that. He rode a loop for several minutes and after a while it just sucked you in. This repetition also goes back to James Brown. His band played a riff for a while, then a break came on, and then it started all over again.
So you decidedly edit music to achieve a track-like quality?
Yes, definitely. With nearly all my productions I try to last long with little, and it is the same with other music I like. Simple tracks that don’t need much to hold attention for quite some time, instead of losing that after half a minute.
I remember hearing a Ron Hardy set a while ago, where he extended just the break part of Isaac Hayes “I Can’t Turn Around” for ages.
Yes, they reissued that tape edit recently. It sparked early house, like “Love Can’t Turn Around”. It is basically the same, they took the tape loop and replayed it with synthesizers, and some additional bassline and piano.
What do you think of edits that keep the arrangement of the original and just tweak the beats?
No. Something new has to be created in the process of editing. And as a DJ, I’d rather take a real drummer and fight my way through the timing. It’s funkier than a streamlined edit. That makes no sense to me. It’s okay if you have track with a wonderful part in it and then a break follows with guitars or something else you just don’t want to have. But an edit ultimately has to lead to something new.
Ihr habt ja schon einiges erreicht, obwohl das Label noch gar nicht so lange existiert. Was euch damals dazu gebracht Permanent Vacation zu gründen?
Tom Bioly: Im Juni 2006 kam die erste Compilation raus, also fast drei Jahre her. Wir haben uns damals bei Benji im Plattenladen kennen gelernt. Dann haben wir festgestellt, dass wir beide die gleiche Musik super finden und das, was wir machen wollten, gab es nicht so richtig.
Benjamin Fröhlich: Vor allen Dingen in Deutschland gab es das nicht.
TB: Ich habe damals bei Compost gearbeitet und wusste wie man das macht, ein Label zu gründen und was dazugehört. Und dann hatten wir beide die Idee, das mal auszuprobieren.
BF: Eigentlich hatten wir beide unabhängig voneinander vorher schon so eine Idee, und dann war es die logische Konsequenz es zusammen zu machen.
Sehr Old School, zwei Gleichgesinnte treffen sich im Plattenladen.
TB: Stimmt (lacht). Wir beide kannten ja viele Leute, die in dem Bereich unterwegs sind, DJ-Freunde oder über Compost, aber es ist dann schon etwas Besonderes jemanden zu treffen, mit dem man bei Musik geschmacklich zu 99% auf einer Linie liegt. Das ist meistens nicht der Fall.
BF: Aber es ist auch schwierig so was zu machen, wenn man darüber streiten müsste was man macht.
TB: Was wir machen ist ja auch ein bisschen spezieller, nicht so der Konsens-Sound, oder der TechHouse-Bereich, wo man sich vielleicht besser einigen kann. Read the rest of this entry »
Jigsaw – Sky High North End – Kind Of Life (Kind Of Love) Platypus – Dancing In The Moonlight Don Ray – My Desire Frankie Valli – Heaven Above Me Teri de Sario – Ain’t Nothing Gonna Keep Me From You Carrie Lucas – Keep Smilin’ Crown Heights Affair – I Don’t Want To Change You Fern Kinney – Love Me Tonite George McCrae – Don’t You Feel My Love Voyage – I Love You Dancer Patti Labelle – Get Ready (Back To The Music Box Edit) Donna Summer – Our Love Gary’s Gang – Makin’ Music Alba – Only Music Survives Jimmy Ruffin – Hold On To Your Love Phyllis Nelson – I Like You Jody “Fingers” Finch – Jack Your Big Booty Jomanda – I’ll Give It To You (Come Get It) Gallifré – Night Beats (House Rhythm) Dunamis feat. Sarah – You Can Make It Bim Marx – Stronger Jack Penate – Tonight’s Today
Die letzte Vinyl-Auskopplung vom brillanten Album “Midtown 120 Blues“, dessen wegweisende Strahlkraft man inmitten des großen aktuellen House-Einerleis gar nicht genug unterstreichen kann. Alle die das nicht tun, haben entweder ein schlechtes Gewissen oder warten darauf, dass endlich wieder was anderes saisonal ausgerufen wird, und sie sich nicht mehr mit diesen elendigen Harmonien abmühen müssen, diesem Tiefediktat, und überhaupt mit der ganzen Kratzbürstigkeit derjenigen, die den Wagen unbeirrt schon seit Jahren fahren auf den man gerade mal so halb aufspringen konnte. Natürlich richtet Thaemlitz seinen gerechten Zorn genau an diese Adressen, und wohl hat er seine Diskursideen schon viel komplexeren Kontexten eingeimpft, aber von der konsequenten Umsetzung seiner Kritik mit seiner eigenen Idee von House hätte sich in einer gerechten Welt so schnell keiner erholen können. Es sei denn, man redet sich mit einem wackeligen Aktualitätsgebot heraus und macht wieder hohle Party. Den Remixer von „Grand Central Pt. 1“ betrifft das jedenfalls keineswegs, denn Danilo Plessow setzt hier seinen Motor City Drum Ensemble-Höhenflug fort, und ersetzt ohne große Intensitätseinbußen die Fragilität des Originals mit dem massiven Bass-Wumms und House-Orgelakkorden des New York Sounds, mit dem man schon vor Jahren den Ignoranten ordentlich vor den Karren fahren konnte, die House pauschal als Luschenmusik ächteten. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
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