Lindstrøm & Prins Thomas – Lindstrøm & Prins Thomas

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Nach dem andauernden Ritt auf der Welle allgemeinen Wohlwollens folgt hiermit das opulente Update der norwegischen Sicht auf Space-Disco im Albumformat. Es wird nicht explizit gesamplet, aber eine Menge Bausteine lassen sich ziemlich genau in einer langen Linie von Paten verorten, die ausgehend von Giorgio Moroder Disco mit einer guten Dosis Weltraumromantik-Arpeggios versehen haben bis hin zu den moderneren Entwürfen von Larry Heard, Daniel Wang oder den Idjut Boys. Von diesen Vorlagen fehlen etwas die Virtuosität, der naive Charme, der Boogie oder der Dub, was aber durch folkig-krautrockige Psychedelia und Frühelektronik-Einflüsse im Sinne eines durchgehenden Wohlklangs aufgefüllt wird. Da wird sich schon zuweilen etwas hippiesk versäuselt, so als hätte man beim Studieren der originalen Cosmic-Mixtapes die eklektischen Ausreißer für die Tanzfläche übersprungen. Wenn man das als vorläufige Manifestierung einer zeitgemäßen Sicht auf Balearic ansieht, möchte man schon etwas mehr Brüche, Humor und Schub vorschlagen. So bleibt ein konsequentes und entspanntes Konzeptalbum zur aktuellen Blütezeit des Edits, es wird sich zeigen wie gut das altert.

De:Bug 11/05


Roy Ayers – Mystic Voyage / I Am Your Mind Part II (BBE)

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , , , | No Comments »

Dies ist der dritte Teil der EP-Serie zum anstehenden Remix-Album im Frühjahr 2006 und er klingt formidabel. Für die Drum And Bass-Gemeinde bauen Marky & XRS exakt den Vocal-Clubhit, den man von ihnen erwarten konnte. Auf diesen sonnendurchfluteten Flow haben sie quasi ein Abo, dass geht ihnen flugs von der Hand, ist aber auch immer noch sehr schön anzuhören. Etwas gewagter sind die restlichen Adaptionen. Jeremy Newall gelingt ein 1A spaciger Boogie, der an die guten Tage von Clubsoul erinnert, steht wohl wieder unmittelbar vor der Tür. Mr V macht aus “In Your Mind Part II” zwei schöne TechHouse-Versionen, die sich rechtmäßig im Umfeld der guten Seite von San Francisco Deep House und Londoner Boompty niederlassen können. Pepe Bradock geht auch in die Tiefe, aber wesentlich weiter, bis er schon dunkel-psychedelische Gefilde vorstößt, in denen der Groove mit allen Bauteilen reduziert und seziert wird, um als kühner Entwurf wieder an die Oberfläche zu kommen. Beeindruckender House-Dub, in großen Buchstaben. Lobenswert bei allen Beiträgen ist zudem die fehlende Scheu vor den originalen Vocals, das wird nach Bedarf auf Ayers selber oder auf die Gastsängerinnen konzentriert, aber immer smart.

De:Bug 01/05


V. A. – Freak Show (Gigolo)

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Ein erschlagendes Manifesto als 150. Release mit drei Stunden Doku, Clips, Live-Gigs und Interviews des gesamten Stammbaums. ‚Freak Show’ zeigt, wie sich Hell mit all seinen Frisuren weltweit an den Reglern festwippt, Entourage und Kollegen immer drum herum. Die Kamera hält schon in der wohl nicht zufällig bestens dokumentierten Frühphase so entschieden auf diverse Hip-Accessoires (Roller Skates, Schampus, Autorückspiegelgebamsel, wilde Tanzflächenkostümierungen usw.) als hätte man das Imperium schon immer geahnt. Wie selbstverständlich hat er sich erfüllt, der Traum des Kindes vom eigenen Spielzeugladen, in dem es originalgetreue Versionen von allem gibt, was der Hell’schen Vision von Glam und Spaß je entsprochen hat. Alles ist so bruchfrei durcharrangiert, dass das grandios-scheußliche Pullover-Video von den Twins fast schon mahnend daran erinnert, was an Schlimmen in der Gegenwart bereits das Fundament für die Label-Erfolgsgeschichte der Zukunft sein könnte. Im Referenzsystem Gigolo altert die kreischige Mischung aus Performance-Kink, Disco-Elektronik und Gunther Sachs beim Zusehen, jedoch sehr kurzweilig. Es gibt auch (noch) genug ernstzunehmende Ideen zum Abfedern.

De:Bug 11/05


V. A. – Gilles Peterson Presents The BBC Sessions (Ether)

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

So einem hartnäckigen Geschmacksverfechter wie Peterson, der höchstwahrscheinlich nichts Peinliches besitzt oder in der Kneipe mitsingt, könnte man leicht saturierte Musikverwaltung anheften, aber auf dieser Zusammenstellung von exklusiven Aufnahmen aus Sessions seiner Worldwide-Radioshow aus den letzten fünf Jahren sind ganz schön verschrobene Nummern drauf. Natürlich entspricht ein Gutteil der illustren Gäste Petersons bewährter Idee von gut abgehangenen Vibes zwischen Clubsoul, Nu Jazz und Hip Hop im Bandformat aber neben Peven Everett, Amp Fiddler, den Roots oder Dwele haben eben auch Spektrum und Matthew Herbert im Studio herumgejammt. Es ist sympathisch, dass hier etwa ein ziellos-schrulliger Studioauftritt von den Neptunes vertreten ist, eine eher grauenvolle Klampfennummer von Beck oder ein trunkener Roots Manuva im Low Key-Modus. Da fällt dieser schlimme Jamie Cullum, Pharrells „Frontin’“ covernd, fast gar nicht auf. Diese Stücke, die nicht auf Knopfdruck der Erwartungshaltung entsprechen, machen mehr Spaß als die Vertreter, die sich immer noch dankend in diese latent esoterischen Acid Jazz/Talkin’ Loud-Koordinaten verabschieden. Denen will man wirklich langsam den Rhodes wegnehmen.

De:Bug 11/05


Various – Motown Remixed (Motown)

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Wenn die ganzen flinken Deckchamps sowieso auf Horden von Mixtapes Beats unter die Originale schrauben und die Editierwut längst den Backkatalog erreicht hat, kann man die Aufpolierung ja auch offiziell in Auftrag geben, mit Betonung auf poliert. Wie dann zu erwarten war, haben Talkum-Soul-Traditionalisten hier wenig zu lachen, Barhocker-Soul-Nicker um so mehr. Für letztere wurde auch sichergestellt, dass nicht allzu viele Tracks aus dem gesicherten Chart-Hit-Kanon herausfallen und dass bei einigen Uptempo-Originalen die verschwitzte Energie soweit gedrosselt wird, dass nix überschwappt. Bei dieser wie auch anderen Remix-Retrospektiven liegt der Schwerpunkt auf der funkigen Seite, dass lässt sich so gut ins heutige Soundspektrum rüberholen. Übrig bleibt zumeist ausreichend sich verbeugender Vibe, aber meistens so gut abgehangen, dass man nach dem reichlichen Essen einen Kurzen haben möchte. Tagessieger erwartungsgemäß Kenny Dope gegen Gladys Knight und DJ Spinna gegen Eddie Kendricks, im breiten Mittelfeld Paul Simpson, Jazzy Jeff, ?uestlove, Z-Trip und andere. Für Deutschland überrascht DJ Friction mit einem handlichen Jackson 5-Acapella und die Marketing-Abteilung hat sich für die Weihnachtsfeier mit Turntablerocker gegen Edwin Starr einen Wunsch erfüllt.

De:Bug 11/05


V. A. – Solid Steel Presents Bonobo – It Came From The Sea (Ninja Tune)

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Bonobo aus Brighton mit dem neuesten Kapitel aus der Mutter aller eklektischen Mix-Shows. Geboten wird überwiegend freundlicher Broken Beat mit mehreren Eigenproduktionen sowie Leihgaben im Feld von Nat Adderley, Trouble Man bis Amon Tobin. Mit stilistischer Kohärenz geht es um vor allem Funk und Nu Jazz, im Gegensatz zu den Vorgängern aber mit deutlich weniger Mash-Up-Appeal. Genau diese Freistilübungen fehlen aber auch ein wenig, in den ganz gefälligen Momenten fühlt man sich so fast in zeitgeistige Lebensgefühl-Werbespots transportiert. Irgendwie werden in diesem Kontext nie Inspirationsquellen benutzt, die ein wenig unzugänglicher sind. Jazz darf beispielsweise aber gerne anstrengend sein. Es ist aber schlüssig wie hier ein bestimmtes Spektrum abgetastet wird, man will ja auch nicht immer überrascht werden.

De:Bug 11/05


DJ Naughty – One Night In Berlin (Eskimo Recordings)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Der Alt-Gigolo mit dem schon immer etwas flexibleren Spektrum, sich der Hauptstadt im Mix annähernd. Inwiefern das jetzt repräsentativ ist, möge der interessierte Hörer im Vergleich mit dem favorisierten Club abgleichen. Laut Naughty verlangt der Anlass aufzuzeigen, wie schön sich neuerer Electro-House-Boompty der Marke Tiga, Vitalic, Ewan Pearson, M.A.N.D.Y., Thomas Anderson und ähnlichem mit ein paar originalen Perlen der elektronischen Seite von Disco und House aus der Jack-Phase verbinden lässt. Für den Sequencer in der Disco stehen hier eingangs einer von Rick James’ unbedarfteren Momenten (‚In My House’), Proto-Balihu-Space-Kitsch von Patrick Cowley (‚Sea Hunt’) und schöner Italo von Eleanor Academia, für Jack halten Bam Bam, J.M. Silk und das unverwüstliche Boller-Acapella von ‚Love Can’t Turn Around’ hin. Tatsächlich ergibt das durchaus Sinn, die Originale machen es vor und die Fortführungen berufen sich darauf. Etliche Tracks sind zudem von Naughty zweckdienlich editiert worden, Zeichen der Zeit erkannt. Unterstreicht die Auswahl der Old School-Tracks jetzt deren Zeitlosigkeit und die Auswahl der neueren Tracks deren legitime Nachfolgerschaft? Tatsächlich ist in diesem Mix die Anordnung und die Soundangleichung so weit fortgeschritten, dass ein zeitlicher Kontext keine wirkliche Rolle spielt. Auf der Basis kann man dann locker die geeigneten Eckpfeiler Disco, Synthiepop, Techno, Electro, Jack, EBM, Acid, Garage und Indierock (Chikinki in der Rolle des gewagten Ausreißers) zueinander führen ohne dass man gravierend ins Stutzen kommt. Das ist dann kohärent, funktioniert und folgt im angemessenen Umfang der gegenwärtigen diffusen Auffassung von Dancefloor-Glam. Ich weiß nicht, ob das Phuture-hafte MCing zwischendurch Naughty höchstselbst ist und ob das nur auf der Promo ist, fand ich charmant

De:Bug 10/05


Groove Junkies – House Of Om (Om Records)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

In punkto House aus San Francisco haben es Naked Music mit etwas orientierungslosen Anbiederungen vorerst verbockt aber bei dem anderen örtlichen Franchiseunternehmen dampft der Choo Choo Train stoisch weiter gen Garagehausen. Gefällig unauffällig präsentieren die Groove Junkies (toller Name) einen Mix, der auf zwei CDs die Phasen eines Clubsets von 10 P.M. bis 4 A.M. suggerieren will. Beim Versuch gravierende Unterschiede beim ersten Set auszumachen, möchte ich mich darauf festlegen, dass erstmal eine gewisse Soulfulness ausgerufen werden musste, sachte sinnstiftend unterstützt von Ausrufen an alle die jemals unnervig Saxofon, Gitarre oder Rhodes bedient haben, also voll Jazz sind. Die Tanzfläche füllt sich dann wenn sich zunehmend vor den Urahnen verbeugt wird, erkennbar an den perkussiven Elementen. Den anderen Altvorderen wird mit etwas Disco gehuldigt, aber noch nicht übertreiben. Etwas Rio noch dazu, für diese beschwingte Leichtigkeit. Ab 1 A.M. dann ab dafür, die Ingredenzien siehe exakt die drei Stunden davor, jetzt aber mit mehr Schmackes. Nun wird weniger gesungen, da ist man fast erleichtert, denn Garage ohne gute Songs kann ja so trist sein. Stattdessen gibt es mehr Anweisungen, als Acapella von ‚Moonraker’ bis ‚Walking On Sunshine’ und diversen Chants. Die Effekt-Plugins werden jetzt ausprobiert. Die Tracks kommen insgesamt von Leuten wie Miguel Migs, Blaze, DJ Spen, Knee Deep und ähnlichem Kaliber. Kerri Chandler einmal mehr mit Bar A Thym, Reese Project mit einem geradezu erschütternden Zeugnis verlorener Magie. Alles unverhohlen hohl, stockkonservativ und spießig bis ins Mark und in etwa so funky wie Shakatak.

De:Bug 10/05


Pigna People – Let Em Talk (Pigna)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Album von den Labelverantwortlichen Marco Passarani, Francesco De Bellis und Mario Pierro, das ein paar bereits veröffentlichte und neue Produktionen versammelt, inklusive Bonus Mix CD mit den Perlen des Backkataloges. Die Tracks holen sich wie gehabt die besten Klänge aus einem Referenzsystem irgendwo zwischen Vince Clarke, Tony Carrasco, Steve Poindexter und Carl Craig und setzen diese in ein Modell, das in seiner klatschenden Stromlinienförmigkeit durch die Bank nach vorne geht und fast lässig den Mangel an Verständnis und Können bei anderen Leuten mit den gleichen Vorbildern unterstreicht. Wo bei so mancher oldschooligen Neu-Produktion nur noch Stereotypen verwaltet werden, gehen Pigna People vor allem erstmal von sehr zeitgemäßen Rhythmen aus, auf die dann in entspannter Vorsortierung die Sounds montiert werden, die du an den älteren Platten in deiner Sammlung immer so geliebt hast. Dass das so gut hinhaut kann daran liegen, dass bei den Stücken nicht Epochenausschnitte für sich selbst bleiben, sondern frei kombiniert werden. Der grundlegende Groove ist keine Reminiszenz, sondern ein eigener Entwurf und darauf tummelt sich, was gerade passt. Acid trifft Electric Funk, Italo trift Detroit und Virgo trifft Yazoo. Das ist alles offen genug dargelegt, um ansteckend zu wirken, ist aber auch clever genug arrangiert um dem vordergründigen Nummernrevue-Charakter aus dem Weg zu gehen, der bei anderen Retro-Produktionen neueren Datums schon ab Werk geliefert wird. Die Naivität und die schlampige Funkiness mancher Vorbilder findet man nun nicht mehr, aber trotzdem, dieses Album zeigt den nötigen Respekt und hat gleichermaßen ausreichend Auslage in der eigenen Frischetheke.

De:Bug 10/05


Roy Ayers – Tarzan / Funk In The Hole Remixes (BBE)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »

Die erste von drei Doppel-EPs, sozusagen der Vorwaschgang des Anfang nächsten Jahres erscheinenden Albums ‘Virgin Ubiquity – Remixed’. Das Erbe des Altmeisters soll natürlich würdig gepflegt werden, also lässt man nicht David Morales ‚Running Away’ für den Main Floor aufbocken, aber IDM-Dekonstruktionen stehen auch nicht gerade an. Eher schon fragt man bei Osunlade an, ob er nicht aus ‚Tarzan’ seinen patentierten hüpfenden Deep House bauen kann, mit afrozentrischer Anbindung und eingebauter Spirituell-Garantie. Das wird Freunde auf den esoterischeren Tanzflächen der Metropolen finden, daher auch gleich in zwei Versionen. Für den Nu Yorica-Bereich macht Aloe Blacc von Stones Throw aus ‚Liquid Love’ einen relaxten Latin-Shuffle, die Platinum Pied Pipers denken sich ‚Funk In The Hole’ als kompakten Jazz Funk Boogie der sich ulkig zäh im Groove dahin zieht, Sunshine wird von Amalgamation Of Soundz eigentlich nur mit etwas prägnanteren Slow-Jam-Beats versehen, Nicolay denkt sich ‚Funk In The Hole’ als kompakten Jazz Funk Boogie der noch ein paar zackige Disco-Strings und Keyboard-Schwurbel à la Manzel in petto hat und Jeremy Newall zum Abschluss noch mal Boogie, in seiner Authentizität glatt als huldigender Re-Edit durchgehend. Das alles ist überwiegend so penibel am Erwartungshorizont austariert, dass man sich fragt ob ein bisschen Main Floor oder Dekonstruktionen wirklich zuviel Salz in der Suppe gewesen wären.

De:Bug 10/05


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