Jhelisa – Primitive Guide To Being There (Infracom)

Posted: April 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Eigentlich tauchen gerade wieder die Perlen des Frühneunziger-Clubsouls auf, da hatte Jhelisa Anderson als Teil von Soul Family Sensation und später alleine mit dem Hit ‚Friendly Pressure’ eine veritable Habenseite, bevor sie sich jahrelang als Gastsängerin in die schicken Studios größerer Stars verabschiedete. Sie geht mit diesem Album zurück zu den Wurzeln, aber nicht zu denen ihrer Karriere, sondern zu denen ihrer Kultur. Die Koordinaten sind alte Bekannte wie Südstaaten inklusive Sumpf, Motherland, Nina Simone, Ungerechtigkeit, Zupfinstrumente, Multikultur, Blues, Bars in denen man noch rauchen darf und gehobene Jazzfestivals. Dazu gibt es eine passende DVD mit einer Dokumentation, welche die Sängerin in New Orleans begleitet. So weit, so gediegen. Ich ziehe in diesem Fall ‚I Don’t Even Know If I Should Call You Baby’ vor.

De:Bug 04/06


Loka – Fire Shepherds (Ninja Tune)

Posted: April 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Ungebrochen ist die Begeisterung der Engländer für psychedelisch entrücktes 60’s/70’s Jazz Rock-Gegniedel, sleazy verhallte Soundtracks und Library Music. Die entsprechenden Flohmarktkisten dürften mittlerweile für die nächsten Dekaden geplündert sein. Loka aus Liverpool gehen nach bisher dünn gesäten Veröffentlichungen (ein Compilation-Beitrag und eine EP) auf ihrem Debütalbum voll Wah Wah-Prog, im Rhythmus schwergängig gebrochen und im Arrangement breitwandig aufgeplustert. Es gibt nicht so viele Soloausflüge, dafür einen geschäftigen Schlagzeuger und dunkle Streicherkaskaden für Cineasten. Suggeriert eine minutiös geplante Jam Session für ein ausgewähltes Publikum, ist aber interessanter als das letzte Album ihrer Labelchefs.

De:Bug 04/06


Riot In Belgium – The Acid Never Lies (Relish)

Posted: April 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Vocoder trifft Sequencer-Bassline, trifft Kuhglocke, trifft Orchester-Stabs, trifft Syndrums, in der gefühlten 7549. Auflage. Vielleicht etwas poppiger als bei vergleichbaren Exponaten, aber wohl auch nicht origineller. Ich glaube kaum, dass das in Belgien oder auch anderswo Krawalle auslöst. Der Acid-Anteil war bis Redaktionsschluss nicht zu finden.

De:Bug 04/06


Swayzak – Route De La Slack (Studio!K7)

Posted: April 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Opulenter Rückblick, über die CDs ‘Remixes’ und ‘Rarities’ verteilt. Das Duo ist ja eine verdiente Größe im Bereich Micro House, was auf der Insel vielleicht gar nicht derartig holprig-usurpierend kategorisiert worden wäre, wenn man dort deutsche Produktionen reduzierter Bauart nicht so lange ignoriert hätte. Dieses unübliche Versäumnis sollte man Swayzak aber nicht anlasten, die zwischen Clicks, Rave, Electro, Dub und gelegentlichen Indie-Anwandlungen seit jeher absolut solide dubbig plocken und bleepen, mal poppig, mal dark und meistens deep. Dieses breite Spektrum lässt in solch geballter Ladung zuweilen etwas eigene Identität vermissen aber es ist auch schön nachzuhören, was die Laptops der beiden alles so über die Jahre ausgespuckt haben, hat sich ja denn auch ein verlässliches Markenzeichen draus entwickelt. Und das muss man auch erstmal hinkriegen.

De:Bug 04/06


V.A. – Electric Pussycat (BBE)

Posted: April 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Irgendwie rumort es im einstmals rein spirituell-afrozentrischen Gebälk der New Yorker Deep-House-Community vom Schlage Body & Soul. FKs letzter Essential Mix war fast durchgehend pumpend elektronisch, Joe Claussell geht mit seiner Mix-CD „Translate“ ab von von den Roots und hin zur Digi-DJ-Ästhetik und jetzt Ibadan-Macher mit diesem Set, angeblich live im Club „Electric Pussycat“ in Brooklyn mitgeschnitten. Statt Authentizitäts-Live-Mucker-Anspruch mit angepeilter samstagnächtlicher Erleuchtung werden jetzt Smoking und Fliege angezogen und der Anspruch heißt „Electronic Cabaret“. Das klingt dann so, als hätte man die Rush Hour von Dixon at Inner City und Mayer at 672 zusammengezogen. Rej, Brutalga Square, Carl Craigs Darkness, Leave My Head Alone Brain und Mathew Jonson und smarter Acapella-Einsatz obendrauf. Die hiesige technoide Uminterpretierung von Deep House zieht wahrlich globale Kreise und die Hippies haben vorerst das Gebäude verlassen.

De:Bug 04/06


Baby Ford – Ooo, The World Of Baby Ford (Rhythm King)

Posted: March 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Es schien schon bei seinem Debüt „Fordtrax“ so, als hätte Peter Ford etwas anderes für Acid House im Sinn als die räudigen Vorläufer aus Chicago, womit er den Hang der englischen Auslegung zu mehr Pop- und Glamversprechungen im 303-Regime anführte. Sein zweites Album war dennoch ein unerwartetes Erlebnis. Der dünnste Elektroniker aller Zeiten legte sich kühn zwischen Wigan Casino, T-Rex, Shoom, Garage, Disco und Strand- und Wiesenidyll quer und wollte beherzt mit diesem Entwurf in Richtung Top Of The Pops davonpreschen. Ich hätte ihm das Leben des Superstars aus vollem Herzen gegönnt, doch es sollte nicht sein. Stattdessen konvertierte er das Konzept auf seinem dritten Album in einen letzten krachig-düsteren Post-Aids-Trauma-Latex-Konfrontationskurs und verabschiedete sich anschließend bis heute in die Reduktion.

De:Bug Online 03/06


Isolée – Western Store (Playhouse)

Posted: March 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Sammlung älterer Veröffentlichungen von 1997 bis 2003, bewegt sich soverän zwischen gut gealtert und gut weiterentwickelt. Ein schönes Echo der ersten Zündstufe von Minimal/Tech House, das völlig zu recht retrospektiv ausgewertet und zum Klassiker geadelt sein muss. Es gibt auch immer noch viel zu entdecken bei all den perkussiven Verschachtelungen, unerwarteten Melodien und dem Bernard Sumner-Gesang auf “Initiate II”. “Beau Mot Plage” gibt es im epischen Freeform Mix, der seinerzeit ja rund um den Erdball erschallte, soviel Dankbarkeit muss sein. Wer so konsequent voranschreitet wie Isolée, sollte jederzeit mal kurz innehalten dürfen.

De:Bug 03/06


Mike Shannon – Possible Conclusions To Stories That Never End (Scape)

Posted: March 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Sachte hingetupfte Twilight-Hybriden vom Macher der Labels Cynosure und Revolver, seine Dani heißt Anais und mäandert sich auf vier Tracks angemessen lasziv durch diesen Film, der irgendwie David Lynch anpeilt und doch eher bei Luc Besson landet. Wenn schon verruchte Atmosphäre und Minimal meets Jazzbesen, dann vielleicht lieber so verschroben, dass es von sich aus schon mysteriös wirkt. Bis dahin bleibt das Copyright bei Badalamenti.

De:Bug 03/06


Telex – How Do You Dance? (EMI)

Posted: March 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Nach den ganzen Remix-Packungen und historisierenden Huldigungen haben sich die belgischen Synthpop-Pioniere nun für ihr eigenes Update tatsächlich wieder an die Geräte gesetzt. Der Humor ist der gleiche geblieben und manifestiert sich wie gewohnt vor allem in merkwürdigen Coverversionen, freundlich dass sie dabei neben Rock-Dekontruktionen (“On The Road Again”/”Jailhouse Rock”/”La Bamba”) auch die soundmäßigen Weggefährten Sparks zu ihrer Moroder-Phase grüßen und die eigenen Landsleute mit dem Grand Prix-Abräumer “J’aime La Vie”. Telex wissen anscheinend genau, was gerade als schick gilt. Dem Sound of Now wird wird nicht hinterhergehinkt, aber dennoch ist das alles noch so plastikpoppig und sympathisch-naiv wie einst. Für Freunde alberner Melodien und abstruser Ideen.

De:Bug 03/06


Caucasian Boy – Northern Lights (Strictly Rhythm)

Posted: February 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Crispin J. Glover hatte eine Vision von House, in der Acid und Deep House eng umschlungen über den Abspann von Wild Pitch tanzten. Zuerst erblickte „Northern Lights“ auf seinem eigenen Label Matrix die Nacht, ein bockiger 303-Groove, in dem sich plötzlich Himmel öffnen und Meere weiten, um dann in einem wuchtigen Crescendo alles in Schutt und Asche zu legen, an das man vorher geglaubt hatte. Auf der Strictly Rhythm-Ausgabe kommt dieses Erlebnis kongenial in zwei Kapitel dosiert, auf das man den Gehalt dieser nachhaltigen Erfahrung rechtmäßig unter den Brüdern und Schwestern verteilen möge.

De:Bug Online 02/06


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