Seit House Mitte der 90er Jahre die Großraumclubs eroberte, befindet sich House mit Gesang in einer erheblichen Schaffenskrise. Wo vorher Hymnen mit schönen Melodien mit Armgeruder im Club mitgesungen wurden, herrscht nun Überforderung hinsichtlich der Diva plus Kirchenchor-Standards und Unterforderung hinsichtlich der Tatsache, dass in dieser Konstellation nicht mehr eingängige Songs in der Tradition von Soul und Disco benötigt werden, sondern nur noch einschüchternde Breitwandspiritualität. Und wenn mich später heute noch ein Blitz aus dem Himmel treffen mag, der Gospel ist schuld. Dabei gibt es eigentlich genug Beispiele, wie man das Thema für alle Seiten gewinnbringend angeht ohne sich in imperativen Grußformeln auf Filterdiscobasis für die Handtaschenklientel zu erschöpfen oder gleich die ganz große Messe abzuhalten. Lovesongs zum Beispiel, die einfach so schön und wahrhaftig sind, dass der Himmel nicht erst beschrieen werden muss damit er sich öffnen möge. Bei dieser Platte von 1992 macht er das jedenfalls ganz von selbst. Ursprünglich von Mood II Swing zur ihrer besten Schaffensperiode ausgetüftelt, machen Masters At Work in ihrem Remix aus dem Song eine herzerweichende Erklärung an die bittersüße Hilflosigkeit, die nur die ganz große Liebe auszulösen vermag. Elegant schwingt er dahin, dieser Track, von wenig mehr zusammenhalten als einem genialen Klavierakkord und diesem überzeugenden Hilferuf von Silvano, der mich aus etwas rätselhaften Gründen immer an eine Garage-Version von Chris Isaaks “Wicked Game“ erinnert. Aber rätselhafte Assoziationen sollte man niemals verleugnen.
Oft genug hat man eine Stimmung in der nur kompromissloser Lärm hilft und man eine Platte braucht, die einem mit ungebremster Wucht den Kopf gerade rückt. Ich habe dafür stets dieses großartige, 1988 erschienene Album parat, funktioniert immer. Selten war ein Bandname unprogrammatischer, World Domination Enterprises brachten es nur auf ein paar Singles, ein Studio- und ein Livealbum, aber das macht rein gar nichts, mehr hätte man auch gar nicht verkraften können. Der Sound von World Domination Enterprises ist so massiv, dass es schon fast lächerlich ist. Bass und Schlagzeug sind eine einzige Wand, und dazu kommt dann noch eine Gitarre die in ungefähr so klingt, als würde sie nicht gespielt, sondern mit einer Flex gescratcht. Dazu hat Keith Dobson die weltcoolste Stimme und Haltung, die man sich dazu hätte ausdenken können, und sprechsingt sich hämisch durch seine linken Texte, allesamt triefend vor Zynismus und hinterhältigem Humor. Stilistisch wird Hip Hop, Industrial, Flash Rock, Post Punk, Disco und Dub von hinten in die Beine gegrätscht und selbst die Coverversionen (LL Cool J, U Roy und Lipps Inc.) klingen wie der fiese Auswurf einer kleinstadtgroßen Großfabrik im Ostblock der 70er Jahre. Es schadet einfach nie, wenn man einzigartig ist.
Und hier noch das spinnerte Manifest von der Coverrückseite: “WARNING Last year WORLD DOMINATION ENTERPRISES employed over 5 billion people in making 1.4 million brand names in over 700 territories – WORLD DOMINATION ENTERPRISES the global employer Last Year WORLD DOMINATION ENTERPRISES manufactured and sold 1.4 million different brand names to over 5 billion people in over 700 territories – WORLD DOMINATION ENTERPRISES the home of international commerce Every year millions of people become dead maimed or diseased as a direct result of our ambitious expansion programmes – a small price to pay for increased profits – WORLD DOMINATION ENTERPRISES getting bigger by sucking you drier”
World Domination Enterprises – Let’s Play Domination (Product Inc.)
Dieses 1979 in Zusammenarbeit mit der Downtown NYC-Bastion ZE Records erschienene Mini-Album ist in der Tat so chic dass es schmerzt und räumt nonchalant alle möglichen Punkte auf der nach oben offenen Hipster-Skala ab. Eigentlich als Begleitgruppe von Marie Girard konzipiert, ein Jahr später erschien ebenfalls auf ZE mit einem souveränen hellblauen Lacoste-Polo auf dem Cover das legendäre Debütalbum als Marie et les Garçons, inszenieren sich die Jungs hier als die naiven französischen Gäste der New Yorker Post-Punk-Disco-Szene, sozusagen der Brückenschlag zwischen Les Bains Douches und Danceteria. Ungläubig werden mit Accent die Skyscraper bestaunt und der ganze Glitz der darunter auf Straßenlevel schäumt (25th Street! Broadway!), aber gleichwohl sind die Pariser als feste Größen in der Schicki-Zwischenwelt ihrer Heimat bestens ausgestattet (die Straßenkehrer from outer space-Outfits auf dem Cover? Les Garçons sont habillés par Jean-Carles de Castelbajac). Damals zollten sich die Premiervisagen der Alten und Neuen Welt noch den gebührenden Respekt und deswegen sind sie auch alle für dieses transatlantische Joint Venture zusammengekommen: Ramona Brooks singt im Hintergrund, die ZE-Supremos Esteban und Zilkha produzieren, Bob Blank nimmt auf und DJ Tom Savarese mischt ab. Die Fotos der illustren Beteiligten auf dem Innersleeve rahmen ein Textfeld in dem sich zigmal „Danse-Dance-Danse-Dance“ wiederholt. Für die verständnislosen Außenstehenden fällt nur Häme ab: „Watch the critics when I dance with you, we’re so with it.“ Für den Rest gilt: “Dance, dance, let the French boy dance“. Mehr Geschenk als die Statue of Liberty, und wesentlich besser angezogen.
“Never be ashamed to write a melody that people remember.” (Burt Bacharach)
Mel Tormé – Walk On By Dionne Warwick – Who Is Gonna Love Me Lou Johnson – The Last One To Be Loved Jimmie Rodgers – The Windows Of The World Jackie DeShannon – A Lifetime Of Loneliness Johnny Mathis – Odds And Ends Dionne Warwick – Walkin’ Backwards Down The Road Pitney – Fool Killer Jimmy Radcliffe – (There Goes) The Forgotten Man Burt Bacharach – I’ll Never Fall In Love Again Gene McDaniels – Tower Of Strength Dionne Warwick – Window Wishing The Cyrkle – It Doesn’t Matter Anymore Stephanie Mills – Loneliness Remembers (What Happiness Forgets) Dionne Warwick – Are You There (With Another Girl) Sergio Mendes & Brasil ’77 – Walk The Way You Talk Burt Bacharach – And The People Were With Her Stephanie Mills – Living On Plastic Burt Bacharach – Don’t Go Breaking My Heart Dionne Warwick – Do You Know The Way To San José Anita Harris – London Life Dionne Warwick – Looking With My Eyes Burt Bacharach – When Will You Bring Your Sweet Love To Me Dionne Warwick – As Long As There’s An Apple Tree Stephanie Mills – Please Let Go Dionne Warwick – Paper Maché The 5th Dimension – Living Together, Growing Together Burt Bacharach – Something Big Dionne Warwick – I Say A Little Prayer The Searchers – This Empty Place Burt Bacharach – Pacific Coast Highway Burt Bacharach – My Little Red Book Jill O’Hara – Knowing When To Leave Buddy Greco – Always Something There To Remind Me Dionne Warwick – Promises, Promises Burt Bacharach – Monterey Peninsula Burt Bacharach – The Things I Will Not Miss Bobby Vee – Be True To Yourself Herb Alpert & The Tijuana Brass – Theme From Casino Royale Burt Bacharach – Freefall Tom Jones – Promise Her Anything Burt Bacharach – Reflections Burt Bacharach – The World Is A Circle Burt Bacharach – The Sundance Kid Burt Bacharach – South American Getaway
“For Burt, the 5th ‘B in no particular order – Beethoven, Brahms, Berlin, Bach and Bacharach.” (Ira Gershwin)
Matt Monro – Alfie Burt Bacharach – No One Remembers My Name Burt Bacharach – I Might Frighten Her Away Stephanie Mills – All The Way To Paradise The Walker Brothers – Make It Easy On Yourself Robin Wilson – A House Is Not Home Burt Bacharach – One Less Bell To Answer Burt Bacharach – Us Burt Bacharach – Wanting Things Tommy Hunt – I Just Don’t Know What To Do With Myself Herb Alpert – The Guy’s In Love With You Burt Bacharach – Lost Horizon Burt Bacharach – I Took My Strength From You Dionne Warwick – If I Ever Make You Cry Burt Bacharach – The Young Grow Younger Every Day Burt Bacharach – The Balance Of Nature Burt Bacharach – Seconds Herb Alpert – To Wait For Love Dusty Springfield – The Look Of Love Burt Bacharach – I Come To You The Carpenters – (They Long To Be) Close To You Burt Bacharach – Another Spring Will Rise Dionne Warwick – Here I Am Stephanie Mills – The Way I Feel About You Burt Bacharach – Trains And Boats And Planes Al Martino – I’m A Better Man Burt Bacharach – Hassbrook Heights Shirelles – It’s Love That Really Counts (In The Long Run) Jackie De Shannon – Come And Get Me Jack Jones – Wives And Lovers The Drifters – Let The Music Play Chuck Jackson – Any Day Now Burt Bacharach – All Kinds Of People Stephanie Mills – I See You For The First Time Jackie DeShannon – What The World Needs Now Is Love Burt Bacharach – Nikki Nancy Wilson – Reach Out For Me Andy Williams – Raindrops Keep Fallin’ On My Head Roland Shaw & His Orchestra – Let The Love Come Through Dionne Warwick – Any Old Time Of The Day The Stylistics – You’ll Never Get To Heaven (If You Break My Heart) Stephanie Mills – If You Can Learn How To Cry Dionne Warwick – Don’t Make Me Over Cilla Black – Anyone Who Had A Heart Burt Bacharach – Long Ago Tomorrow
Irgendwie kam House in Deutschland lange Jahre nicht in die Gänge. Nix Massenbewegung, nix Exportpotential, nix Sponsorenzielgruppe. Es gab zwar ausreichend Clubs, DJs und Produzenten, die sich von Anfang an mit House beschäftigten und den Sound hegten und pflegten, aber man studierte erstmal eingehend was da kistenweise importiert wurde und verschob den eigenen Einsatz auf später. Die Italiener hatten sich da schon längst zusammengeklaubt, was sie für die sonnigen Fantasiewelten ihrer Großclubs brauchten, in Holland und Belgien wollte man sich schon bald von dem amerikanischem Ausgangsmaterial emanzipieren, und in Großbritannien atomisierte die Hype-Presse bereits alle verfügbaren Stilmöglichkeiten zu Subgenres. In Deutschland hingegen wurde noch eine Weile analysiert, bis sinnigerweise der Dancefloor-Ableger vom Diskursstichwortgeber L’Age D’or diese Phase für beendet erklärte und sich alsbald beherzt daran machte, lose orientiert an der noch relativ jungen House-Historie anderer Länder, eine Reihe von sehr eigenständigen und funktionstüchtigen Veröffentlichungen zu starten. „Brian de Palma“, passend benannt nach dem Regisseur mit den dollsten Nachtclubsequenzen, ist sowohl der erste Höhepunkt als auch eine wegweisende Schnittstelle dieser Entwicklung. Hans Nieswandt, der damals in Worten wie kein Anderer auf den Punkt brachte was an House so wunderbar ist, Eric D. Clark, der immigrierte Glam-Faktor mit dem irritierenden Soul, und Justus Köhncke, der romantische Raketenwissenschaftler des Ganzen, wollten nicht länger zuschauen und nahmen sich ihre gesammelten Nightlife-Erfahrungen, ihre erheblichen Plattensammlungen, ihre durchdefinierten Popforderungen und ihren unverbrauchten Enthusiasmus für die Sache an sich, und bauten mit taufrischem Idealismus an ihrer Musik. Das allzu Offensichtliche wurde dabei vermieden, Mel Tormé oder Steely Dan kamen in die Samplebank, und nicht schon wieder Loleatta Holloway. Und obwohl hier und da DJ Pierre oder DJ Sneak als Inspirationsquelle hervorlugten, bekam man ihn hin, den eigenen Sound. Eine elastische Funkyness, eine lässige Dosis smarter Referenzen, und eine grundsympathische Einstellung im Umgang mit dem Groove. Mit jedem ihrer späteren Alben vergrößerten sie genauso schlüssig und schlau den Spielraum, den sie sich mit diesem Album eröffneten, mit oftmals ebenso sperrigen wie überraschenden Resultaten zwischen Can-Studio und surrealer Charts-Kurzkarriere. Aber diese Verbindung von Kopf und Tanzfläche war nicht mehr ganz so ausschlaggebend, und ich habe das vermisst. Die weitere Laufbahn der drei nach dem Ende von Whirlpool Productions gestaltete sich dann gleichermaßen erwartet wie unerwartet, und es ist gut zu wissen, dass sie allesamt immer noch voll drin sind in der Chose.
Mix with some German house music favourites, compiled and mixed for Motion FM radio.
Whirlpool Productions – The Cold Song (Ladomat 2000) Tiefschwarz Feat. Oezlem – Never (Four Music) Cassy – Night to Remember (Perlon) Sensorama – Quarzzeit (Ladomat 2000) DJ Linus – Pleasure (Freudenhouse) Losoul – Sunbeams And The Rain (Playhouse) Dntel – (This Is) The Dream Of Evan And Chan (Superpitcher Kompakt Remix) (Plug Research) Superpitcher – Happiness (Kompakt) Blumfeld – Tausend Tränen Tief (Loverboy Mix) (Rough Trade) Round Two – New Day (Main Street) Blumfeld – Neuer Morgen (Vredus Remix) (Wea) Jürgen Paape – So Weit Wie Noch Nie (Kompakt) Commercial Breakup – Walking Back Home (Ladomat 2000)
1948 In the years after WWII the idea of a ‘European Community’ emerged to secure peace and economic cooperation
1957 Belgium, France, Germany, Italy, Luxembourg and The Netherlands club together and create the European Economic Community (EEC)
1973 Denmark, Ireland and UK join the EEC
1979 The first European Parliament elections take place and the Single European Currency Unit was introduced (later to become the Euro)
1981 Greece joins EEC
1986 Portugal and Spain join the EEC
1991 the EEC is renamed the European Union (EU)
1995 Austria, Finland and Sweden join the EU
2002 The Euro is introduced in 12 of the EU member states
2004 On May 1st 10 new member states join the EU. On June 10th, European Parliament elections take place in the UK
2005 UK takes its turn as President of the European Council of Ministers
2007 Bulgaria and Romania set to join the EU
2009 Druffmix 34 – The D.H.S. Rave Chronicles: Continental Europe
Greyhouse – New Beats The House (R&S) B-Sides – The Darkness Revisited (Music Man) Radical Rob – Monkey Wah (R&S) House Of Venus – Dish And Tell (Champion) Rebel MC – Tribal Base (Euro Mix) (Desire) Sunday Adams – Oohh Ohh Ah Ha I Wann Feel It (Container) 2000 And One – Mono Bass (Eevo Lute) Exposure – Love Quest (Stealth) Terrace – Seventh City (Djax-Up-Beats) Tune – Extra Sensory (R&S) Speedy J – Rise (Plus 8) Format #1 – Solid Session (ESP) Mental Overdrive – Theme Of St. Baafs (R&S) Complex – Dream World (Fragile) Wladimir M – Evil (Eevo Lute) Fortune & Fame – Is This Your Life (Stealth) Diamonds & Pearls – Perspective (Stealth) Terrace – Round Up (Djax-Up-Beats) The Morning Glory Seeds – Feels Like Heaven (Djax-Up-Beats) Choice – Acid Eiffel (Fragile) Metro Dade – The Andor Voyage (Music Man) Speedy J – Journey (Plus 8) DJ Le Roy – Yo Te Quiero (Palmares) Sueno Latino – Sueno Latino (BCM)
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