In discussion with Modyfier on “Twin Peaks” by Angelo Badalamenti (1990).
What was your first encounter with Angelo Badalamenti? Did you notice the music when “Twin Peaks” was originally aired?
It was when the first season debuted in the spring of 1990. I was eleven and used to watch the show regularly with my parents. It made quite an impression on me. It was around that time that I started to become aware of abstractions and my mind wandered into the incredible world of intangible things. The show was the perfect guide, pulling me further into this exploration. I’d like to say that I didn’t notice the music apart from the imagery (because together, I think they make up the show), but I can’t. The first season soundtrack (on cassette) was one of the earliest albums I ever bought. I loved the access the music provided. Listening to it, I’d immediately be transported to Twin Peaks.
Did you have the instant impression that your fascination with the soundtrack would outlast the TV experience as a singular work of art? Can it be held apart from the series?
“Twin Peaks” is best when experienced the way it was meant to be: as a moving picture with sound. While it is possible for each to exist without the other, they lack full form. For example, if you listen to the soundtrack on its own, it is constantly evoking imagery from the show. It reaches out for it, plucking it ripe from the memory branches of your mind. Badalamenti is successful in painting Lynch’s vision precisely with his composition.
As far as my ‘fascination’ with the soundtrack, I’d reiterate that I think it is best when listened to in the context of the show. For that reason, I don’t think it has outlasted the experience of the series. The characters and places have a dark beauty and frank oddity that are created as equally by Badalamenti’s music as they are by Lynch’s imagery and narration. For me, the soundtrack is so much more than merely associative. There is a symbiosis that makes me think cymatics are at play. When things are put into motion in “Twin Peaks” (when characters and places interact in different combinations) events begin to happen that are outside of the rational. A door is opened into an unexplainable dimension that is conveyed through the important combination of picture and sound.
In discussion with Justin Strauss on “Computer World” by Kraftwerk (1981).
Can you still remember the first time you ever heard Kraftwerk?
Yes. I think the first time I heard them I was 17 years old, in England, recording an album for Island Records with the band I was in at the time, Milk n Cookies. I heard the song “Autobahn” on the radio there and remember thinking how different and cool it sounded than anything else out there. I bought a copy of the 7″ while I was there.
What made you decide for “Computer World” out of the many legendary albums? Do you agree with many critics and fans that they were at there creative peak with this?
Although I love all their albums, “Computer World” for me was just the best. Perfect in every way. I totally agree that this was their “masterpiece”.
Im Gespräch mit Falko Brocksieper über “Disco” von den Pet Shop Boys (1986).
Wie kamst Du erstmalig mit den Pet Shop Boys in Kontakt? “West End Girls” im Radio, in jungen Jahren?
Ich habe eine zwei Jahre ältere Schwester, deren beste Freundin hatte auch wiederum eine zwei Jahre ältere Schwester, und über diese zähe Nahrungskette gelangte einiges an kredibler Popkultur schließlich zu mir. Das waren zwar auch mal Sachen wie Wham! oder so, aber auch Depeche Mode, The Smiths, und eben Pet Shop Boys. Da muss ich etwa zehn Jahre alt gewesen sein. Ein eigenes Kassettenradio hatte ich erst gegen Ende der 80er. Die Mitschnitt-Zeit fing für mich also erst etwas später an.
Hattest Du generell eine Schwäche für den Synthpop dieser Zeit, und die Pet Shop Boys waren eine Facette davon, die Dir besonders gut gefiel?
Auch davor schon, auf diversen NDW-Compilations, die in unserer Familie kursierten, übten die Synthie- und Drummachine-geprägten Lieder eine große Faszination auf mich aus. Irgendwie Knöpfe drücken und Sachen bedienen erschien mir weitaus reizvoller als das handwerkliche Beherrschen eines Musikinstruments. Der Synthpop der 80er traf also ebenfalls diesen Nerv, auch wenn mein Fanverhalten da wenig systematisch war, geschweige denn von irgendwelchem Wissen gekennzeichnet. Ein eigenes Radio besaß ich wie gesagt nicht, das elterliche hochwertige HiFi-Equipment war tabu, und ich durfte auch eigenartigerweise ziemlich lang keine Bravo lesen. Mir kamen also nur einzelne Songs gelegentlich zugeflogen – wenn nicht von Freunden, dann etwa im Supermarkt, oder aus einem vorbeifahrenden, sportlich lackierten Ascona. Da gab es so ein paar schnauzbärtige Jungs in Netzhemden einige Straßen weiter, die schraubten an ihren Autos rum und hörten dabei Sachen wie Trans-X “Living On Video” oder Shannon “Let The Music Play”. Meistens wusste man aber natürlich nie wer/was/woher das jetzt war. Welches Lied nun von Bronski Beat, und welches von Kim Wilde war, das erfuhr ich oft erst Jahre später.
Die Pet Shop Boys aber weckten schon beim ersten Kontakt mein ganzheitliches Interesse. Neben der Musik gefiel mir auch einfach diese seltsame Unnahbarkeit und ihr nüchternes Auftreten. Gott weiß wie bunt auftoupierte Haare und komische Anziehsachen fand ich dagegen als Kleinstadt-Kind eher verstörend – damit wollte ich lieber nichts zu tun haben. Die Perücken- und Hut-Eskapaden der Pet Shop Boys kamen ja dann erst später, in den 90ern.
Was mich ebenfalls von Beginn an reizte, war das ganze Setup der Band, bzw. dass es eben gar keine richtige Band war, sondern nur zwei Leute, von denen der eine sogar nur sang. Denn das hieß ja, dass der andere Typ da hinten die ganze Musik quasi ganz alleine macht mit seinen Keyboards, von denen er teilweise sogar mehrere um sich stehen hatte. Ich nahm an, dass diese Geräte unglaubliche Komplexität und Leistungsumfang besitzen mussten, und dass derjenige ein Genie sein muss, der all das beherrscht und dabei auch noch so lässig rüberkommt. Von technischen Errungenschaften wie Playback ahnte ich also nichts.
Rydims – Rydim#2 (Version) (Nu Groove) Mike Shannon Feat. Fadila – Under The Radar (Ricardo Villalobos Mix) (Cynosure) Soylent Green – Low Pt. 1 (Playhouse) The Prince Of Dance Music – E-3, E-6, Roll On (City Limits) Badawi – Dstry<All>Prfts (Shackleton Remix) (Cargo Records) Hertsi – Oodi Sähkölle (Sähkö) Da Sampla – The Rider (Moods & Grooves) Wax – 30003 B (Wax) DJ Duke – Escape From New York B2 (Power Music) Never On Sunday – Urban Rains (430 West) Laurent X – Drowning In A Sea Of House (House Nation) Keith Tucker – It’s A Mood (Seventh Sign) Dettmann – Vertigo (Vincent Kunth Remix) (Ostgut Ton) Nature Boy – The Major Enemy (Black Label) 4th Measure Men – The Need (Henry Street Dreams Mix) (Multiply) Foremost Poets – Reasons To Be Dismal? (Instrumental Version) (Not On Label) Buzzin Cuzzins Feat. Romanthony – Let Me Show You Love (Approach To Temple) (Azuli) Raudive – Sienna (Macro) Instra:mental – Let’s Talk (Naked Lunch)
FCL – Let’s Go Seven (We Play House) Ramadanman – Glut (Hemlock) Scuba – You Got Me (Hotflush) To Rococco Rot – Fridays (Shackleton’s West Green Rd Remix) (Domino) Monolake – Alaska (Substance Remix II) (Monolake / Imbalance Computer Music) Low Res – Amuck (Sublime) Oni Ayhun – OAR004A (Oni Ayhun) Julia Decay – Untoward (Scandinavia) Rhythim Is Rhythim – Kaos (Juice Bar Mix) (Transmat) DJ Bone – No Sleep (True To Da Roots) (Sect) Mr. G – Life (One Dark Late Saturday) (Moods & Grooves) The Oliverwho Factory – Rain 5th Wave (Madd Chaise Inc.) Moodymann – Analog:Live (KDJ) Grand High Priest – Mary Mary (We-Ze Records) Shake – Psychotic Tango (Frictional) Spencer Kincy – Don’t Stop (Cajual) The Closer – Strong Meets The Weak (KMS) Bim Marx – Stronger (Stilove4music)
Derrick Carter war lange Zeit ein mehr als verlässlicher Garant für sehr individuelle House-Musik. Zu Gründungszeiten von Classic Mitte der 90er war er noch ganz in den Schnittmengen von Chicago und Detroit verhaftet, dann dauerte es aber nicht lange, bevor er in zahlreichen Eigenproduktionen und Remixarbeiten den Sound perfektionierte für den er auch heute noch steht: ein eigenwilliger Funk, stets versehen mit bouncigen technoiden Versatzstücken, einer Art hintergründiger Deepness, die sich nur schwer mit den anderen großen Melancholikern des Genres vergleichen ließ, und vor allem einer gehörigen Portion Exzentrik. Sein Haltung und seine Inhalte waren eigenbrötlerisch verschroben, stets sehr klug und entwickelten auf dem Fundament seiner Tracks oft eine merkwürdige nachhaltige Qualität. Oft wandte er eine ähnliche Herangehensweise wie seine Zeitgenossen an, bei Disco-Dekonstruktionen etwa, aber er machte daraus etwas ganz Eigenes. Sei es über mit Referenzen gespickte Tracktitel, über eine smarte Sample-Auswahl, und natürlich seine Art, über das eigene gesprochene Wort einen mindestens doppelten Boden einzubauen. Man schien meistens beim Hören seiner Musik die Gelegenheit zu haben, in die Gedankenwelt von Jemandem einzutauchen, dessen Idee von Clubmusik bei eingelösten Funktionalitätsgeboten nicht bereits eingelöst war. Vielmehr erschloss sich erst von dort aus eine komplexe Betrachtung subjektiver und objektiver Zusammenhänge, die weit über das Maß hinausging, mit dem andere Produzenten ähnliche Felder beackerten. Carter gab sich nicht damit zufrieden, mit leicht identifizierbaren Reminiszenzen eine Vertrauensbasis herzustellen, er bog bis dahin ein paar Mal um die Ecke, und lenkte das Gesamterlebnis dann mit seinen Texten in ganz andere, unerwartete Bahnen. Am besten gelang ihm das auf seinen EPs auf Classic, wie „Nü Pschidt“ oder „Unterschrift“ und anderen 12“s, dort wagte er sich am weitesten in die eigenen Ideen vor, und von dort kam er auch mit den interessantesten Tracks zurück. Für mich persönlich ist „Shhh!“ immer noch eine seiner besten Platten. Ein für ihn typischer, hüpfender Groove, den man aber 2001 nicht mehr unbedingt in dieser Frische und Qualität von ihm erwartet hätte. Darauf setzt er einen Monolog, laut Labelcredits in einem Hotelzimmer geschrieben, dessen Text weit über die leeren Hüllen hinausgeht, die man sonst im Club zu hören kriegt: „ It’s quiet now, and as I think my thoughts alone, I try to keep my head straight, but I think I’m too far gone. For in this silence, the truth ringes even louder. A constant grinding begging recognition of its power“. Und so geht es weiter, immer tiefer in die eigene Psyche. Die Musik dazu scheint fast wie ein Echo der Nacht davor, als der Erzähler noch in ganz anderen Gemütszuständen war, und dies ist der fällige Comedown, der in seiner Gegensätzlichkeit umso härter trifft. Zusätzlich verstört, dass Carter dabei den Erkennungswert seiner Erzählstimme fast auf Heliumniveau hochpitcht. Ein dunkles, klaustrophobisches und psychedelisches Ausnahmewerk entstand somit, immer noch unvergleichlich, immer noch tief beeindruckend. Als Coda gibt es dann „What Happened To The Music?“, ein Slowmotion-Disco-Groover, aus dem heutzutage vermutlich jemand einen dieser gedrosselten Housetracks gemacht hätte, die gerade so in Mode sind. Bisschen schickes Sample dazu, ein paar bewährte, möglichst warme Akkorde, verknappte Auflage, fertig ist die Laube. Derrick Carter reicht hingegen die Dualität zwischen dem bitteren Gehalt des originalen Songs von den Trammps und der extraüberzeugenden Slickness seines neu untergebauten Grooves, um darauf hinzuweisen, dass man eine Menge falsch machen kann, wenn man Alt und Neu aufeinandertreffen lässt. Er muss es damals schon geahnt haben, aber vielleicht nicht in diesem Ausmaß.
Im Gespräch mit Riley Reinhold über “Blank Generation” von Richard Hell & The Voidods (1977).
“Blank Generation” ist ein absoluter Punk-Klassiker. Kannst Du Dich noch daran erinnern, wann Du den Song zum ersten Mal gehört hast? Hattest Du eine Punk-Sozialisation in Deiner frühen Jugend?
Ich hab das Album gehört bei Freunden von mir. Gehört ist falsch, gesehen…weil vorspielen wollten sie mir das nicht. Die waren alle älter und hörten richtigen Rock, Südstaaten-Rock, Lynyrd Skynyrd, Deep Purple, Queen, und die Platte hatten sie im Cut-out-Shop vom Saturn ergattert (damals ein Paradies für Andersdenkende!), wo ich auch einige seltene Platten gekauft habe, die keiner wollte. Nun, sie konnten nichts damit anfangen, ich glaube es ging gar so weit, dass sie die Platte anwiderte. Wäre ich nicht dort gewesen, wäre die Platte in den Mülleimer gewandert und ich hätte nie was von ihm gehört. Ja nicht ganz, ich bin akribisch was die Historie von Musik angeht und habe noch nie der Musikindustrie Glauben geschenkt, das die wirklich erkennen können was cool ist. Das ist sicher auch der Antrieb gewesen, selbst mal ein Label wie Traum zu gründen.
Warum hast Du Dir diesen einen Song ausgesucht, und nicht das ganze dazugehörige Album? Wird in “Blank Generation” schon alles gesagt?
Ich würde sagen, dass hat damit zu tun, das erstens “Blank Generation” mit der beste Song von ihm ist, aber auch weil ich das Format 7“ liebe und ich damit viel Leidenschaft, ungetrübte Leidenschaft verbinde. Danach kam nichts mehr was mir so viel Freude bereitet hat. Ich bin denen nachgejagt und hab geschwitzt. Klingt doof, weiß ich.
Je mehr unausgegorene Plugin-Plucker-Tracks mit Stoppuhrvorhersehbarkeit heutzutage die Vertriebswege blockieren, desto überlebensgrößer erscheint rückblickend die Phase Mitte der 90er Jahre bis ins nächste frühe Jahrtausend, als Playhouse mit fast jedem Release die Erwartungen vor sich her trieb. House bekam einen neuen Anstrich der bis heute nachwirkt, jedoch heute nur noch selten so gut klingt. Die Diskrepanz erscheint umso größer, je mehr Produzenten gerade meinen, sich mit einer halbgaren Deepness abmühen zu müssen, weil es der Konsens gerade vorgibt. Es scheint nur zu oft, als würden viele stereotype Flächen, viele spießig getaktete Rhythmen, viele pseudoversonnene Brüche und viele Frickelversuche von etlichen Ideen ausgezählt werden, die etwa Isolée oder Roman Flügel schon vor langen Jahren hatten. Und eben LoSoul. Peter Kremeier war der cool ruler. Er setzte das Hypnoseträchtige von Wild Pitch, die Tiefe von Prescription, die Discodekonstruktionen von Cajual und die reine Lehre von Larry Heard in einen völlig originären Sound um, der nur noch Spuren seiner Vorgänger aufwies, aber zu gleich wirkenden Resultaten kam. Seine Hypnoseträchtigkeit kam von einer fast stoischen Beharrlichkeit, nicht von einer gen Höhepunkt gesteuerten Dramaturgie, seine Tiefe kam vom Gesamteindruck der Einzelteile, über lange Hörminuten verinnerlicht, seine Discoreminiszenzen waren bis zur Unkenntlichkeit dekonstruiert, aber massiv und funky, und seine Lehre war selbst rein genug um fortzubestehen. Ähnlich wie bei Isolées Debütalbum vom gleichen Jahr konnte auch „Belong“ nicht auf volle Länge den hohen Erwartungen der vorherigen 12“s entsprechen, da fehlte ein wenig das durchgehend Zwingende und die Kohärenz, die das Format nun mal erfordert, aber zumindest eine Hälfte der Tracks ist nach wie vor gut. Und zwar so gut, dass der Rest überhaupt nicht ins Gewicht fällt. „Taste Not Waste“ oder „Depth Control“ sind zeitlose, dunkle Anschauungsbeispiele dafür, wie man Reduktion mit Druck verbinden kann, ohne auch nur einen Moment an Intensität zu verlieren. „Overland“ ist gleichzeitig das Naheliegendste und das Entfernteste, was man mit „Billie Jean“ anstellen konnte. „You Can Do“ zieht Kreise um seinen Loop bis nur noch Schönheit übrig bleibt, und „Sunbeams And The Rain“ setzt dieser Schönheit ein Denkmal im Maßstab einer himmelhohen Statue, ebenso überraschend pur traditionalistisch wie erwartet konsequent weitergehend. „Belong“, in der Tat.
Recent Comments