Danger
Posted: August 5th, 2012 | Author: Finn | Filed under: Texte Deutsch | Tags: Boris Dlugosch, Front, Hamburg, Klaus Stockhausen, Michi Lange | 1 Comment »Auf der ganzen Welt sind unzählige Clubs gekommen und gegangen. Es gibt aber nur wenige, die gehen und trotzdem bleiben. Hamburg hatte so einen Club. Und was für einen. Die unleugbaren musikalischen Impulse (von Disco ausgehend alles was auch heute noch zählt), die dafür zuständigen fantastischen DJs (und zwar alle, plus illustre Gäste), das unfassbare Publikum (alle alle alle sind gemeint), der ganze wöchentliche Wahnsinn (an mehreren Tagen der Woche), das ganze mythische Gesamtkunstwerk (jede Devotionalie ist ein Zeugnis ablegendes Artefakt geblieben).
Im Keller des Club im Heidenkampsweg 32, nähe Berliner Tor, sind mehr Erinnerungen geprägt worden als in anderen Clubs anderswo im Land, und anderswo sonst. Wahrhaftige Erinnerungen, gestützt von Worten und Taten derer, die dabei waren, und alles was erlebt wurde gerade deswegen weiterbestimmen, weil sie selber so davon so nachhaltig bestimmt worden sind. Wodurch eine Geschichte geschrieben wurde und wird, die wichtig ist, wegweisend, schillernd, imposant, neiderregend auch, und auch einschüchternd.
Die Erinnerungen sind tatsächlich immer noch so detailliert und unmittelbar da, als wäre in all den Jahren seit der Schließung dieses Clubs 1997 gar nichts weiter passiert. Natürlich ist eine ganze Menge passiert, aber nicht genug, um diese Party in den Köpfen der Augenzeugen von einst mit einer anderen Party zu ersetzen. Und viele dieser Augenzeugen haben danach nachweislich alle möglichen anderen Clubs ausprobiert. Aber dieser eine Club, der ist immer noch die erste Wahl, auch wenn er sich realistisch gesehen gar nicht mehr wählen lässt.
Je länger diese Erinnerungen zurückliegen, desto sentimentaler werden sie, und unsachlicher. Und sie werden immer unwirklicher für diejenigen, die den Club nur aus Erinnerungen anderer kennen. Daraus kann eine besserwisserische Haltung auf der einen, und eine ablehnende Haltung auf der anderen Seite entstehen. Das wäre aber niemals im Sinne des Clubs gewesen. Und darum gehört diese Legende auf den Prüfstand. Und zwar im vollem Umfang, und zwar möglichst bald.
Das aber ist nicht so einfach. Das Publikum von einst ist in alle Winde zerstreut, und auch wenn es nur diese Ankündigung braucht um sie wieder zu sammeln… Die Räume des Clubs, sie sind in der Zwischenzeit anders, zu anders. Es darf nicht versucht werden, das Spektakel dort zu rekonstruieren, weil es nichts mehr zu rekonstruieren gibt. Alles wurde mitgenommen, aufbewahrt, oder auch entsorgt. Oder schlimmer: umgebaut, entfremdet, entweiht.
Gleichwohl ist der Club noch so präsent, dass er durchaus wieder aufleben kann. Es müssen nur die dabei sein, die damals dabei gewesen sind, und zwar möglichst viele, und möglichst viele, die endlich dabei sein wollen. Und sie müssen die Legende gemeinsam prüfen.
Fast das komplette Personal von einst tut alles, damit das geschehen kann. Die DJs, Tür, Garderobe, Bar. Und: eine beachtliche Menge der Platten von damals warten ebenfalls auf ihren Einsatz. Nur die, die den Club 1983 gründeten, sind nicht mehr da. Weil sie nicht mehr leben. Sie können es nicht mehr erleben, was jetzt passiert. Was sehr sehr traurig ist, aber auch erklärt, warum sich alle Beteiligten so verdammt viel Mühe geben, dass diese einmalige Auferstehung des Clubs dreißig Jahre nach der Eröffnung sich des Anlasses würdig erweist, und hoffentlich darüber hinaus.
Und können wir jetzt endlich mal einen Namen hören?
Der Name ist Danger!, wie die Schilder die dann aufflackerten, wenn die Ekstase am größten war.
25.8.2012 ab 22:00h
Brandshof
Brandshofer Deich 114
Lasst es brennen.
Lasst uns brennen.
Sehr sehr bald!
@ Golem
Posted: February 29th, 2012 | Author: Finn | Filed under: Gigs | Tags: Golem, Hamburg, Jan Carter Boche | No Comments »
3.März / Hamburg / Golem (Krypta)
@ I Feel The Number 20
Posted: June 15th, 2011 | Author: Finn | Filed under: Gigs | Tags: Baalsaal, Hamburg, Rune Lindbæk | No Comments »Rewind: nike.bordom über “Brown By August”
Posted: July 12th, 2010 | Author: Finn | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: Berlin, Hamburg, Interview, Neil Landstrumm, nike.bordom, Rewind | No Comments »Im Gespräch mit nike.bordom über “Brown By August” von Neil Landstrumm” (1995).
Wie kamst Du zu “Brown By August”? War es ein Zufallsfund im Plattenladen, oder warst Du schon anderweitig darauf vorbereitet?
Ich habe zu der Zeit, als “Brown By August” 1995 rauskam, bei einem Musikvertrieb /-großhandel gearbeitet. Dadurch habe ich sehr viel Musik mitbekommen, die abseits des Mainstreams stattfand. Damals habe ich viele Veröffentlichungen von Warp und Rephlex gekauft, aber auch viel Acid, Djax-Up-Beats oder Synewave. Peacefrog kannte ich eigentlich durch die DBX-Releases. “Brown By August” ist natürlich eine ganz andere Kategorie, passte aber andererseits gut zu meinen früheren Vorlieben, Industrial und EBM, Musik die eher aggressiv und energetisch ist. Von daher hat das Album bei mir sofort Begeisterung ausgelöst.
Warum hast Du Dich für dieses Interview für das Album entschieden? Ist es exemplarischer Techno für Dich?
Die Entscheidung für eine Platte fiel mir ja alles andere als leicht, da es so viel Musik gibt, die mich zu einem bestimmten Zeitpunkt begeistert und rückblickend auch extrem geprägt hat. Die Liste möglicher Kandidaten wurde immer länger.
Was meine Entscheidung bestimmt hat, ist der Humor, den ich im Laufe der Jahre in dem Album entdeckt habe. Ich bin mir sicher, Neil Landstrumm hat bei der Produktion enormen Spaß gehabt. Diese Kombination von brachialer Musik und (Selbst-)Ironie finde ich sehr einzigartig, ich muss bei jedem Hören erneut schmunzeln.
Exemplarisch daran ist sicher der “Maschinen-Aspekt”: Pattern-basierte Strukturen ohne große Variationsbreite, eine limitierte Anzahl von Sounds, eben eine gewisse produktionsmittelbedingte Reduktion. Bei dieser Art von Musik liegt das Augenmerk natürlich mehr auf dem Sound als auf dem Arrangement. Und was an Maschinen so wunderbar ist: es ist nicht alles immer 100%ig tight im Tempo, die einzelnen Maschinen laufen nicht ständig völlig synchron. Auch wenn das nicht wirklich hörbar ist, es ist spürbar, dass da mehr Lebendigkeit drin ist, als bei reinen Computer-Produktionen. Read the rest of this entry »
Rewind: Johannes Ehmann über “Lupa”
Posted: March 1st, 2010 | Author: Finn | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: Düsseldorf, Groove, Hamburg, Interview, Johannes Ehmann, Juan Atkins, Kompakt, Moritz von Oswald, Palais Schaumburg, Rewind, ZE Records, Zukunft, Zürich | No Comments »
Im Gespräch mit Johannes Ehmann über “Lupa” von Palais Schaumburg (1982).
Wie bist Du auf Palais Schaumburg gestoßen? Hast Du sie zu ihrer Blütezeit in den 80ern entdeckt?
Ja, ich war 16, wohnte in Hagen bei meinen Eltern und ein Schulfreund spielte mir “Wir bauen eine neue Stadt” vor, die dritte Single. Das war etwa 1982. Dieser Schulfreund hatte reiche Eltern mit einer Villa nur aus Glas und Beton, spielte halbprofessionell Golf, trug immer schicke Polohemden – und hatte eine großartige Plattensammlung. Ich weiß noch, dass wir an dem Nachmittag außerdem noch etwas von Chic und Afrika Bambaataa gehört haben.
“Lupa” ist ein Produkt der zweiten Phase der Band, als Holger Hiller ausgestiegen war. Warum hast Du Dir dieses Album ausgesucht, und nicht etwa “Das Single-Kabinett” oder die erste LP? Gefällt Dir diese Phase aus bestimmten Gründen besser?
Komischerweise, wenn ich jetzt so zurück schaue, hat es mich scheinbar schon immer elektrisiert, wenn sich neue Popmusik aus dem Ruhrgebiet, Düsseldorf oder Hamburg mit amerikanischen bzw. afroamerikanischen Traditionen gepaart hat. Und auf „Lupa“ hat man beide Einflüsse, die wunderbar zusammengehen. Das Deutsch-Hölzerne, Schräge, Dadaistische und den rhythmischen Flow der New Yorker Latindisco-Szene durch Produzent Coati Mundi. Das ist einmalig und hört sich heute noch so gut an wie 1982, oder besser.
Read the rest of this entry »Rewind: Paul Frick über “…And The Circus Leaves Town”
Posted: February 1st, 2010 | Author: Finn | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: Hamburg, Interview, Kyuss, Paul Frick, Pink Floyd, Radio, Rewind | No Comments »
Im Gespräch mit Paul Frick über “…And The Circus Leaves Town” von Kyuss (1995).
Kannst du Dich noch daran erinnern, wie Du auf Kyuss gestoßen bist? Ist diese Musik eine lange Liebe von Dir?
Ich weiß noch, dass ich bei “City Music” am Ku-Damm im Metal Hammer geblättert hab, und dass das Vorgänger-Album “Sky Valley” dort Platte des Monats war. Das war 1994, mit 14 oder 15. Im Review stand, glaube ich, etwas von einer “Metal-Variante von Pink Floyd”… Das hat mich dann wohl geködert. Ich hab es mir angehört und war sofort von dem warmen, bassigen Sound eingenommen, und von dem unterschwelligen Blues. Sowohl “Sky Valley” als auch “…And The Circus Leaves Town” waren dann eine Zeit lang der Soundtrack meines Teenager-Lebens… Ich habe damals auch einige ihrer Songs und Riffs auf der E-Gitarre nachgespielt.
Warum hast Du Dir ausgerechnet “… And The Circus Leaves Town” ausgesucht? Was macht es zu DER Platte für dich?
Ich würde zwar nicht sagen, dass es DIE eine Platte ist, aber von meinen diversen All-Time-Favourites ist “…And The Circus Leaves Town” eine der wenigen, die ich immer ähnlich stark gespürt habe, die für mich auch eine Art innere Konstante über 15 Jahre hinweg darstellt, während sich mein Geschmack und meine Art Musik wahrzunehmen des öfteren stark geändert haben.
Den persönlich nostalgischen Faktor mal beiseite genommen, würde ich hervorheben: Den unglaublich organischen Sound. Die tiefen Bass-/Gitarrenflächen klingen so körnig und lebendig, und bei aller Verzerrung überhaupt nicht “hart”. Wie ein in den Tiefen kondensierter Blues. Josh Hommes Gitarrenspiel wirkt nie technisch oder virtuos, sondern hat bei allen Psychedelic-Anleihen immer etwas Reduziertes. Er und auch der Basser Scott Reeder bringen sehr intensive Stimmungen mit nur wenigen Tönen hervor, sind Meister der Andeutung. Alfredo Hernandez’ Schlagzeug ist wunderbar warm gespielt und aufgenommen, Lichtjahre von mechanischen Metal-Drums entfernt. Die fast ständig durchzischelnde, dreckige Cymbal-”Fläche” ist sehr charakteristisch für Kyuss und frequenztechnisch quasi die Ergänzung der tiefen Gitarren. John Garcias tolle Stimme ist grandios leise gemischt, manchmal eher eine Art sehnsuchtsvolle Andeutung in der Ferne… Man höre “El Rodeo”!
Der eigene Kyuss-Klang kommt auch besonders durch die Repetitivität der Stücke zur Geltung. Vielleicht ist diese Vertiefung in den Klang andersherum auch eine Konsequenz dieser Repetitivität. Eins ist hier jedenfalls ohne das andere nicht denkbar. Da wären wir eigentlich auch schon beim Thema Club-Musik…
Die Stärke dieser Musik liegt für mich im Zusammenspiel. Es können keine Songs sein, die einer schreibt und als Mastermind umsetzt. Es sind Kondensate aus langen Jams, aus einer gemeinsamen Stimmung im Raum (oder natürlich – wie die Kyuss-Legendenschreibung sagt – in der Wüste…) Für mich war und ist diese hypnotische Melancholie unwiderstehlich. Kyuss’ Musik ist extrem energetisch, ohne sich punktuell und forciert aufzudrängen.
Read the rest of this entry »Finn Johannsen – Promomix 001
Posted: January 2nd, 2010 | Author: Finn | Filed under: Mixes | Tags: Baby Ford, Foremost Poets, Front, Groove, Hamburg, LFO, Nicolette, Octave One, promomixes.com, Shut Up And Dance | No Comments »Promomixes was a website conceived by Todd L. Burns. The concept was that DJs do an application tape for a club they would have loved to play at. My choice was Front club in Hamburg, of course. The site had a number of incredible mixes, but is sadly defunct.
Mix recorded for promomixes.com
001 /// FRONT – Hamburg, Germany – 1990 /// [club] [dj] [tracklist] [download]
Dream 2 Science – My Love Turns To Liquid (Original Mix) (Power Move)
Foremost Poets – Reasons To Be Dismal? (City College Mixes) (SBK)
Lovechild – Sweet Ambience (Club Mix) (Strictly Rhythm)
Logic – The Final Frontier (Acoustic Mix) (Strictly Rhythm)
The Utopia Project – File #1 (Nu Groove)
Orbital – Chime (JZJ Oh Ya Mix) (FFRR)
Circuit Feat. Koffi – Shelter Me (Digital Mix) (Cooltempo)
Da Posse – In The Life (Keys Mix) (Republic)
Nexus 21 – Self Hypnosis (Network)
Heychild – Heychild’s Theme (Network)
Nicolette – Single Minded People (Shut Up And Dance)
Rhythim Is Rhythim – The Beginning (Transmat)
Break The Limits – Hypnotizer (Break The Limits)
LFO – LFO (Remix) (Warp)
N.Y. House’N Authority – Forty House (Nu Groove)
BFC – It’s A Shame (Fragile)
Octave One Feat. Lisa Newberry – I Believe (Vice Mix) (Transmat)
Baby Ford – The World Is In Love (Dub) (Sire)
The Beloved – The Sun Rising (Norty’s Spago Mix) (Atlantic)
Electronic – Getting Away With It (Extended) (Factory)
Sister Sledge – Thinking Of You (Atlantic)
Electribe 101 – You’re Walking
Posted: November 17th, 2009 | Author: Finn | Filed under: Rezensionen | Tags: de:bug, Electribe 101, Hamburg, London, Platte des Tages, Primal Scream, Rezensionen | No Comments »
1990 war in England ein Jahr wuseliger Umorientierung. Die Sommer der Liebe waren vorüber, Breakbeats standen in den Startlöchern um Acid House bei den Kornfeld-Raves abzulösen, Warp brachte Bleep und Clonks, in London und vor allem Manchester machte man sich daran Indiebands wie die Happy Mondays und Primal Scream mit den noch jungen Errungenschaften der Clubkultur zu versetzen, und UK Clubsoul rollte weiter. ”Electribal Memories“ von Electribe 101 brachte alle diese Umtriebe auf den Punkt, aber nicht im Sinne eines Konglomerats, das möglichst trendkonform alle verfügbaren Stilarten im Albumformat abklappert und dabei kaum über das klassische Popprinzip hinausgeht, ein paar Singles, ein paar Balladen und einen tristen Rest von Füllern zu versammeln. Electribe 101 begriffen ihr Album offensichtlich als ernstzunehmende Gelegenheit, Pop und Club nach ihren Vorstellungen zusammenzubringen, und setzten eher auf anhaltende Verehrung denn auf saisonale Hipness. Ihre Musik ist zwar eindeutig im damaligen Zeitgeschehen verwurzelt, doch die Hektik der Bestrebungen anderer, von der allgemeinen Dancefloorbegeisterung zu einem geregelten Einkommen zu gelangen, ist hier nicht zu finden. Vor allem bietet die kühle Metropolenmelancholie der Musik aber eine perfekte Plattform für die aus Hamburg stammende Sängerin Billie Ray Martin, die in einer Zeit, als Sängerinnen meistens entweder Disco-Überbleibsel auf dem dritten, oder austauschbare Radlerhosenhupfdohlen auf dem ersten Bildungsweg waren, eine Ehrfurcht einflößende Erscheinung war, eher von Nico und der dunklen Seite von Post Punk geschult, als von der imperativen Glückseligkeit gängiger Clubmusik. Billie Ray Martin interessiert sich überhaupt nicht für diese Traditionen, die Liebe von der sie in Tracks wie ”Tell Me When The Fever Ended“ oder ”Talking With Myself“ singt ist vor allem enttäuscht und verlassen, abseitig, einseitig und obsessiv. Und ganz besonders trifft das auf ”You’re Walking“ zu, wo die nächtliche Stadt nur noch hinterhältige Verlockungen bietet, und sich Liebe darin erschöpft, dem Objekt der Begierde nachzustellen, ohne jegliche Aussicht damit mehr zu erreichen als ein paar Schnappschüsse, um die hohlen Fantasien am Leben zu erhalten (eine Version des Tracks heißt nicht umsonst ”Peeping Tom Mix“). Es spricht aber auch für die Intensität der Musik von Electribe 101, dass ausgerechnet beim instrumentalen ”Ambient Groove Mix“ die meisten Schauer über den Rücken laufen. Ohne die Narration Martins wirkt der Track wie ein dunkel-fiebriger Soundtrack, und man findet sich unweigerlich selber in der Rolle des Stalkers wieder, der im günstigsten Observationsabstand seiner Zielperson durch den Regen folgt. Das ist als Hörerlebnis ziemlich harter Stoff, aber auch eines der beeindruckendsten Stücke jener Zeit. Und es sticht in der Popgeschichte heraus wie das Stilett im Stativ von Karlheinz Böhms Kamera in Michael Powells Psychopathenklassiker.
Tensnake – In The End I Want You To Cry (Running Back)
Posted: June 3rd, 2009 | Author: Finn | Filed under: Rezensionen | Tags: de:bug, Hamburg, Rezensionen, Running Back, Tensnake | No Comments »
Dieser irgendwie von Anfang völlig amorphe Stil mit den vielen windschiefen Kategorisierungen, der sich das Beste zwischen Produktionsarten von Disco bis gerade eben alles zu eigen machte, wird mittlerweile von vielen, die des Boogie-Tempos und der Glitzerreferenzen überdrüssig sind, zum Abschwung freigegeben. Tja, not yet, Kameraden. Not yet. Ein Stil, der sich aus so vielen anderen Stilen zusammensetzt, dass bequemes Schubladendenken keinen Sinn mehr macht, bietet natürlich Freiheiten, und Produzenten wie der Hamburger Marco Niemerski von Mirau sind überhaupt nicht willens, in die tradierten Genrekonventionen zurückzutrotten. Auf dieser EP für Running Back wirft er sich für diese Sache in die Vollen und zeigt den Skeptikern mit drei Tracks die lange Nase, die sich abermals ihr Klangarsenal von gleichermaßen entlegenen und nahe liegenden Quellen einholen, und die dazugehörigen Klischees liegenlassen. „In The End I Want You To Cry” ist entspannter Funk, der auf eine ganze Batterie von quer geschalteten Soundideen trifft, ohne auch nur einen Moment diffus zu wirken, „Holding Back My Love“ ist eine Il Discotto-meets-Compass Point-Ballade für die Überzeugungstäter unter den Frühmorgens-Romantikern und „The Then Unknown“ ist der überfällige Brückenschlag von Detroiter Mumpf-House zu klassischer Post-Punk-Elektronik (in der Variante sowohl Kunsthochschule als auch Gosse).
De:Bug 06/09




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