Roy Ayers – Tarzan / Funk In The Hole Remixes (BBE)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , , , , | No Comments »

Die erste von drei Doppel-EPs, sozusagen der Vorwaschgang des Anfang nächsten Jahres erscheinenden Albums ‘Virgin Ubiquity – Remixed’. Das Erbe des Altmeisters soll natürlich würdig gepflegt werden, also lässt man nicht David Morales ‚Running Away’ für den Main Floor aufbocken, aber IDM-Dekonstruktionen stehen auch nicht gerade an. Eher schon fragt man bei Osunlade an, ob er nicht aus ‚Tarzan’ seinen patentierten hüpfenden Deep House bauen kann, mit afrozentrischer Anbindung und eingebauter Spirituell-Garantie. Das wird Freunde auf den esoterischeren Tanzflächen der Metropolen finden, daher auch gleich in zwei Versionen. Für den Nu Yorica-Bereich macht Aloe Blacc von Stones Throw aus ‚Liquid Love’ einen relaxten Latin-Shuffle, die Platinum Pied Pipers denken sich ‚Funk In The Hole’ als kompakten Jazz Funk Boogie der sich ulkig zäh im Groove dahin zieht, Sunshine wird von Amalgamation Of Soundz eigentlich nur mit etwas prägnanteren Slow-Jam-Beats versehen, Nicolay denkt sich ‚Funk In The Hole’ als kompakten Jazz Funk Boogie der noch ein paar zackige Disco-Strings und Keyboard-Schwurbel à la Manzel in petto hat und Jeremy Newall zum Abschluss noch mal Boogie, in seiner Authentizität glatt als huldigender Re-Edit durchgehend. Das alles ist überwiegend so penibel am Erwartungshorizont austariert, dass man sich fragt ob ein bisschen Main Floor oder Dekonstruktionen wirklich zuviel Salz in der Suppe gewesen wären.

De:Bug 10/05


V.A. – Chromeo Presents Un Joli Mix Pour Toi (Eskimo Recordings)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Chromeo aus Kanada mit einem eleganten Mix, dessen Trackauswahl sich auf die Zeit konzentriert als Disco schon etwas länger synthetisiert war und sich die nächste Stufe mit Electro bereits ankündigte, Ausblick auf frühen House inbegriffen. Also in etwa der Sound, den ein junger Jellybean propagierte, von der Kanzel die junge Madonna auf der Tanzfläche fixierend, New York-Freestyle der frühen 80er mit Pop- und Latin-Anbindung und reichlich Street Cred. Alle stilprägenden Elemente sind ausreichend vorhanden; effektbeladener, körperloser Harmoniegesang, Space-Effekte, seifige Synthsounds, knackige Rhythmen, ein letzter Rest Nile Rodgers-Funkiness bevor die Breakdancer ganz übernehmen. Hier und da Saxophonsprengsel und ein Gitarrensolo und Claps, Claps, Claps. Die Zusammenstellung bewegt sich informiert zwischen Evergreens von Elektrik Funk, Sharon Redd, Kleeer, Herbie Hancock und späteren Electro-Protagonisten wie Michael Jonzun und Warp 9. Dazu gibt es ein paar Pop Artists im passenden Club Mix wie Robert Palmers The System-Coverversion, The Jets oder die Brit-Funk-Dandies Modern Romance und ein paar schöne Checker-Hits von Chemise oder David Grant. Vielleicht hätte man das aus Authentizitätsgründen auch im Stil von den Latin Rascals oder Shep Pettibone im wilden Megamix durchhämmern können um dem Gefühl von der Fahrt ins Funhouse möglichst nahe zu kommen aber so wie Chromeo die Stücke hier slick blenden und cutten hat alles genug Luft, um sich dauerhaft im Gehör festzusetzen. Und dann fühlt man sich schon angestiftet, bei der nächsten Digger-Ausfahrt diese obskuren 80er 12“s von irgendwelchen Latino-Typen etwas genauer in Augenschein zu nehmen.

De:Bug 10/05


V.A. – Extra (Studio K7)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , | No Comments »

Die Umschichtung der Formatprioritäten und die Klingelton-Krise der Musiksender haben eine fruchtbare Brache hinterlassen, in der sich das Medium Musik-Clip nun mehr und mehr als Special-Interest DVD wieder findet. Kreative Speerspitzen mit krediblem Backstock wie Jonze, Gondry, Cunningham und Konsorten setzen sich die Retrospektiven gleich selber, von Paradise Garage, Sheffield-Wave bis hin zu Genialem Dilettantismus bekommt jede einflussreiche Periode der Popgeschichte ihre Dokumentation. Da die Viacom-Familie seit geraumer Zeit sowieso eher jeden Quatsch außer Musikvideos sendet, bietet es sich natürlich an, Sendungen wie Electronic Beats als Slices fortzuführen oder wie hier eine ‚Selection Of Outstanding Electronic Music Videos’ zu kompilieren. Es stellt sich die Frage, ob elektronische Musikclips per se schon künstlerischen Renegatentum-Mehrwert innehaben weil man sie im Fernsehprogramm mit der Lupe suchen muss. Bestimmt das Nischendasein auch die Freiräume in der Konzeption und wie nutzt man das? Die Clips auf dieser DVD bieten recht vielfältiges Anschauungsmaterial, doch manchmal fragt man sich, warum die Regisseure jedem Glitch visuell entsprechen müssen oder ob die Bildsprache da eigentlich wirklich so advanced ist wie sie tut. Die vorhandenen Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit werden zuweilen von den Infos im Booklet erst recht unterstrichen, wo man mit Superlativen und Referenzen von Eisenstein, Caspar David Friedrich bis Warhol eingebettet in einen großzügigen popkulturellen Kontext, nur so um sich schmeißt. Tatsächlich muten aber, wenn auch auf dem technisch neuesten Stand, einige Clips wie Coverversionen von Stephen R. Johnson oder Godley & Creme an, versetzt mit Mandelbrot-Flair (Bleip – Clicks), quietschbuntem Allerlei oder Stop And Go-Trickrobotern wie von Ata Tak (Bogdan Raczynski – Ahou Bouken). In narrativen Momenten orientiert man sich zuweilen an Dunkel-Tech-Paranoia vom Schlage eines Darren Aronofsky (Slam – Alien Radio). Wong Kar-Wai punktet souverän mit einer 1:1 Direktübertragung seiner Kinoarbeiten für DJ Shadow, das schöne Gebrüder Grimm meets Kompakt-Video vom Superpitcher ist enthalten, die Imbisstypen in Richard Anthonys Clip für Garniers rotgesichtigen Mann sind immer noch lustig und Designers Republic haben für Funkstörung einen formschönen Update von Sign Of The Times fabriziert, inklusive Nerd-Statistiken und schamloser Promotion, in grauer Vorzeit ja mal Sinn und Zweck des Mediums. Nun aber ist es Art, baby, in your face.

De:Bug 10/05


V. A. – Wicked Weekend (Slip ‚N’ Slide)

Posted: October 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Für alle die sich fragen, was britische Lizenznehmerlabels der gehobenen Mittelklasse heute so treiben, hier ein Zwischenstand. Aseptisch zusammen geschoben von einem Dienstleister namens Christian Larsson wird munter das möglichst heftige Wochenende ausgerufen, welches natürlich total f-u-n-k-y ist. Daraus ergibt sich ein Purgatorium aus Elementen, die Engländer schon immer wahnsinnig aufregend und wochenendhaft fanden: Klimperpianos, ausladende Breaks mit Trommelwirbeln und zerhackten Divenstimmen, dazu filtrige Disco-Harmonien die so weit von ihren Quellen entfernt sind, dass man nicht mal mehr von Samples sprechen kann. Erstaunlich wie man so störrisch an dem Großraumsound der mittleren 90er Jahre festhalten kann, der Phase also als House komplett ideenfrei vor sich hin polterte. Der Tod der Superclubs war eine Falschmeldung, es will nicht enden. Wie um die unerschütterliche Effizienz dieses grinsdämlichen Mahlstroms endgültig zu demonstrieren, rauschen ein paar Namen wie Eric Kupper, Blaze, Paul Johnson oder Kerri Chandler vorbei, mit denen man voreinst die gehobenen Tickets im Clubtourismus verbunden hat und nicht die Holzklasse. In diesem Format macht das alles keinen Unterschied. Eigentlich kann sich niemand sicher sein, dass nicht demnächst zu seinen Klängen fröhlich die Handtasche umrundet wird. Die Hipster, die zur Zeit die Wiederkehr des eklektischen Balearic-Sounds der stilprägenden alten Schule als nächste Zündstufe wissender Kulturverwaltung betreiben, sind wohl vorerst noch auf verlorenem Posten.

De:Bug 10/05


Finn Johannsen – Digging Your Same Old Scene

Posted: October 6th, 2005 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: | No Comments »

If you had your formative years in terms of music in the late 70s and early 80s, of course you cannot shake off Synthpop. I gladly never tried. Do not look for deep crate digging results here, this is just me revisiting turning on the radio and feeling blessed to hear someting like this. Pop perfection.

Human League – Life On Your Own
Malcolm McLaren – Madam Butterfly
Pet Shop Boys – Love Comes Quickly
The Blow Monkeys – Digging Your Scene
The Art Of Noise – Beat Box (Diversion One Excerpt)
Matia Bazar – Ti Sento
Animotion – I Engineer
Blancmange – Living On The Ceiling
Yello – Lost Again
Eurythmics – Love Is A Stranger
Depeche Mode – Enjoy The Silence
It’s Immaterial – Space
Kate Bush – Experiment IV
Virna Lindt – Whistle Wind
Roxy Music – Same Old Scene
A.R. Kane – Love From Outer Space
The The – Uncertain Smile


Interview: DJ Minx

Posted: August 9th, 2005 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , , | No Comments »

Was war der Ausgangspunkt für die Enstscheidung in der Detroiter Musikszene aktiv zu werden?

Der Entschluss DJ zu werden war von meinem grundsätzlichen Interesse an Musik bestimmt, in allen Facetten. Ich begann mich für elektronische Musik zu interessieren aufgrund stilistischer Merkmale und vor allem wegen der Art, wie diese Musik die Leute berührt hat. Wo sonst bekommt man schon eine solche Bandbreite an Genres, alle zusammengefasst in einem Groove mit derartig viel Schwung? Platten wie Mr. Vs ‘I Got Rhythm’ oder Mike 303s ‘St. Sylvestre’ bleiben wohl ein Leben lang in meiner Kiste.

Du hast diverse Radiosendungen gemacht, unter anderem das weithin bekannte Format Deep Space Radio. Was für Kontakte und Einflüsse kommen aus diesem Zeitraum?

Kevin Saunderson war ein maßgeblicher Einfluss. Er hat mich immer unterstützt, zuerst gefiel ihm meine Radio-Stimme, dann respektierte er auch meine ganzen sonstigen Aktivitäten. Wenn Leute aus anderen Ländern Detroit einen Besuch abstatteten, brachten Derrick May und Juan Atkins die Zeit auf, sie für ein Treffen mit mir ins Studio zu bringen. Read the rest of this entry »


Peter Shapiro: Turn The Beat Around – The Secret History Of Disco (Faber And Faber)

Posted: August 7th, 2005 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Nach langer Stagnation ist die Disco-Geschichtsschreibung mittlerweile in vollem Gang. Gültig waren auf Jahre hin die in der klassischen Ära entstandenen Werke von Kitty Hanson und Albert Goldman, doch nun ist genug Zeit verstrichen, um sich genauer mit dem diffusen Phänomen Disco zu befassen, was angesichts der Hartnäckigkeit der mit dem Sound und dem Lifestyle verbundenen Traditionen und Mythen auch durchaus angebracht erscheint. Peter Shapiro, Wire-Autor und Verfasser von einigen dieser Rough Guides im Taschenformat, hat gegenüber dem eher systematisch-informativen Ansatz von Brewster/Broughton und der detailliert-eingrenzenden Herangehensweise von Lawrence den Ehrgeiz, Disco in möglichst viele kultur- und sozialgeschichtliche Einzelteile zu zerlegen. Er greift sich Aspekte wie beispielsweise Wurzeln, Musik-Charakteristika, Sexualität oder Kultur-Kontext heraus und gibt dann mittels eigener Analysen oder Interviews alles wieder, was ihm im direkten Zusammenhang erwähnenswert erscheint. Dementsprechend ist der Text keine linear-chronologische Abfolge der Geschehnisse, sondern ein Gesamtbild, das sich bei allen Zwischenhalten die erforderlichen Informationen und Schlussfolgerungen zusammen sammelt. Das hat den Vorteil, dass er sich nicht in nerdiger Ausführlichkeit verzettelt und dennoch eine komprimierte Annäherung schafft, in der alle wichtigen Namen und Ereignisse fallen. Gebündelt mit einem enthusiastischen Stil bis zum häufigen Fan-Superlativ fängt er den Laien auf, der angesichts der gebotenen Informationsfülle den Faden verlieren könnte und grenzt sich gegenüber den Konkurrenten im Forschungsgebiet ab, indem er aktuelleren Themen wie Hi-NRG, Euro-, Italo- und Cosmic Disco sowie Post-Punk den angemessenen Raum einräumt und einen Epilog zum aktuellen Stand der Dinge im Gespräch mit Daniel Wang anschließt. Somit als Kompletteinführung für Novizen als auch als Informationsergänzung für Kenner geeignet.

De:Bug 08/05


Finn Johannsen – Let’s Make This Precious

Posted: May 17th, 2005 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , | No Comments »

If there was one music missing in those Berlin days it was disco. Meaning disco in nearly all its forms. It was just not happening, anywhere. I was among a few people like Daniel Wang, Hunee, Nomad, Benji DF or Emil Doesn’t Drive trying to change that. We set up nights in small clubs, parks, warehouses, temporary and private spaces. It did not matter. All that mattered was that we could try to fill this void, and actually we achieved that. This mix is a good example for how this burgeoning scene was approaching the topic. Sets were not specialized in certain disco styles yet, you just played what you felt playing and threw anything into a big pot and stirred it

Dexys Midnight Runners – T.S.O.P.
Tracie Young – Invitation
Adele Bertei – Build Me A Bridge
Angela Parisi – Wherever Forever
Propaganda – Frozen Faces
M + M – Song In My Head (Dub Mix)
Modern Romance – Nothing Ever Goes The Way You Plan
400 Blows – Breakdown (Re-Interpreted)
Konk – Machina Jam
Raul Orellana – The Real Wild House (Wild Passion Mix)
Chris Rea – On The Beach (Summer ’88)
It’s Immaterial – The Sweet Life
Yello – Vicious Games (Vicious Remix)
Miharu Koshi – Ryugujo No Koibito
Peter Jacques Band – Fly Like The Wind
The Manhattan Transfer – Twilight Zone/Twilight Tone
Roxy Music – Angel Eyes
Herbie Mann – Etagui (Instrumental)
Elbow Bones & The Racketeers – You Got Me High


Finn Johannsen – Hip This House

Posted: May 11th, 2005 | Author: | Filed under: Mixes | No Comments »

It seems unfair to me that italo disco/house is in its approximately 10th revival now, for example, yet hip house never really came back. I absolutely loved it right from the start and I will never stop fighting for its full rehabilitation. When it entered the club soundtrack it was so much fun. House in the late 80s was still not the global phenomeon it was to be. It still felt like a continuation of disco, and acid house came about as a vital booster, but it still had the traits of a fad, however important and popular it was. But anyone has to admit, the idea to combine a fresh club sound like house with the promising commercial potential of another popular sound like hip hop totally made sense. Ok, not many hip house records had lyrics that exceeded mere dancefloor imperatives, nor had they really skilled rappers. But it could have been better, it was just not given enough time to develop. Anyway, here are some personal hip house favourites. They (still) kick!

De La Soul – Say No Go
King Bee – Back By Dope Demand
Roxanne Shanté – Go On Girl
TDP – Ladies (Let’s Go)
Unique 3 – Musical Melody
Sugar Bear – Don’t Scandalize Mine
Simon Harris – Another Monsterjam
Tyree Featuring JMD – Move Your Body
Mr. Lee – Get Busy
2 Houss People – Baby Wants To Move You
Double Trouble & Rebel MC – Just Keep Rockin’
DJ Mink – Hey! Hey! Can U Relate
The Minutemen – OK Allright
Jungle Brothers – I’ll House You
2 In A Room – Wiggle It
Rob Base & DJ E-Z Rock – Get On The Dancefloor
Doug Lazy – H.O.U.S.E.
Tyree – House Music Is My Life
Fast Eddie – Hip House
KC Flightt – Planet E
Shadows J – Hip This House
K.A. Posse – Dig This


Interview: Larry Heard

Posted: May 9th, 2005 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , | No Comments »

Die Loosefingers EP tauchte in vielen Playlists vor allem wegen der beiden Acid-Tracks auf, die gerade gut in die gegenwärtigen Adaptionen des frühen Chicago-Sounds passen. War es Absicht, diesen als Reflektion deines Stils das ruhige Stück „When Summer Comes“ gegenüber zu stellen?

Ja. Das ist ein Stück, was eher auf lange Sicht angelegt ist. Das die Leute auch noch in Jahren hören und darüber nachdenken. Die Acid-Tracks sind da schon vordergründiger, aber ebenso wichtig. Mir macht das schon noch Spaß, mit Acid herumzuprobieren. Ich bin nach wie vor abenteuerlustig. Neulich habe ich mit einem Sänger herumgejammt, das klang wie ein bisschen wie Mick Hucknall oder Bono mit Acid-Sounds (lacht.). Über die Jahre hat sich einiges in diese Richtung angesammelt.

Es gibt also noch reichlich Reserven.

Ich habe hunderte derartiger Tracks gemacht. Es ist auch geplant, ähnliches Material als Loosefingers Album heraus zu bringen, welches dann auf Alleviated erscheinen soll. Read the rest of this entry »


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