Caucasian Boy – Northern Lights (Strictly Rhythm)

Posted: February 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Crispin J. Glover hatte eine Vision von House, in der Acid und Deep House eng umschlungen über den Abspann von Wild Pitch tanzten. Zuerst erblickte „Northern Lights“ auf seinem eigenen Label Matrix die Nacht, ein bockiger 303-Groove, in dem sich plötzlich Himmel öffnen und Meere weiten, um dann in einem wuchtigen Crescendo alles in Schutt und Asche zu legen, an das man vorher geglaubt hatte. Auf der Strictly Rhythm-Ausgabe kommt dieses Erlebnis kongenial in zwei Kapitel dosiert, auf das man den Gehalt dieser nachhaltigen Erfahrung rechtmäßig unter den Brüdern und Schwestern verteilen möge.

De:Bug Online 02/06


KC Flightt – Planet E (RCA)

Posted: February 6th, 2006 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , | No Comments »

Ich gebe zu, Hip House war nicht gerade ein Ausbund an lyrischer Tiefe, doch wenigstens seine Partytauglichkeit ist absolut zu Unrecht in Verleugnung geraten. Bei dieser Platte jedoch passierte eine verblüffende Harmonie von Wumms und Hirn. KC Flightt, der Hip House-New Jersey-Repräsentant, nimmt die Perspektive des Besuchers aus dem Weltraum ein, der seine bissigen Beobachtungen der weißen („Group A“) und schwarzen („Group B“) menschlichen Spezies im urbanen Lebensraum in sein Logbuch notiert. Das erinnert an „Cities“ von den Talking Heads, doch es ist deren „Once In A Lifetime“ das hier als Sample über eine Acidline sinniert, die brummt wie eine Motte im Wandschrank, die über Nacht auf dreißigfache Größe mutiert ist. David Byrne hatte im Videoclip einen Gastauftritt. „And who got the pay? Well, eventually Group A.”

De:Bug Online 02/06


Burnt Friedman & Jaki Liebezeit – Secret Rhythms 2 (Nonplace)

Posted: January 6th, 2006 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , , | No Comments »

Dies ist der Nachfolger des ersten ‘Secret Rhythms’-Albums von 2002 und abermals gelingen Friedman und Liebezeit schöne Exkursionen zwischen Elektronika und Jazz. Liebezeit ist und bleibt ein Ausnahme-Schlagzeuger, der kompakt die vielen melancholischen Klänge zusammenhält, die Friedman aus seinem Archiv beigibt. Die beiden wissen ziemlich genau, wie man die Inhaltstoffe dosiert. So klingen die getragenen Momente nicht tranig und die komplexen Momente nicht verfrickelt. Für diesen winterlichen Flow hätten sie auch keinen geeigneteren Gastsänger finden können als David Sylvian, der auf ‚The Librarian’ ganz der wehmütige Crooner sein darf, der er immer sein sollte. Dieses Album sollte man am besten allein in einem verfallenden Landsitz hören, in dem einzigen Raum der noch beheizt ist.

De:Bug 01/06


Carl Craig – The Album Formerly Known As… (Rush Hour)

Posted: January 6th, 2006 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , | No Comments »

Irgendwie hatte sich bei mir das Cover des originalen Albums “Landcruising” von 1995 im Kopf verhakt, weil es der Musik so gut entsprach. Städtische Lichtquellen wischen halluzinogen am Blick durch das Autofenster in der Nacht vorbei, auf dem Weg durch die nächtliche Inner City. Die Musik bewegte sich ähnlich romantisch sicher in einem Assoziationsfeld von Kraftwerk-Klassik, General Motors-Ästhetik und Detroit-Techno-Moderne. Ich war damals etwas überrascht von den vielen wohlklingenden Flächen, die direkt an den Vangelis-Soundtrack von Blade Runner anmuteten, im Verbund mit dem zappeligen Funk der Rhythmen. Das klang wie eine schlussendliche Liebeserklärung an die Stadt und die eigene Vision von Sound. Ich weiß nicht ob Craig mit der damaligen Rezeption unzufrieden war, vielleicht geht es ihm im Moment auch um eine angemessene Verwaltung vergangener Großtaten angesichts einer Flut von Bootlegs und Unzugänglichkeit im Backkatalog. Auch sein mythenumranktes Label Retroactive ist wieder aktiviert, da werden so einige Internet-Wucherer hadern. Wie wichtig ihm “Landcruising” ist, zeigt diese CD, kein bloßer Reissue, sondern Aufarbeitung, Version, ergänzt mit neuen Stücken, die wohl aus der entsprechenden Entstehungsphase stammen. Und es ist genau so chromblitzend erhaben und klassizistisch wie beim ersten Hören, ohne Einschränkungen.

De:Bug 01/06


The Considerate Builders Scheme – Exit To Riverside (Combination)

Posted: January 6th, 2006 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , | No Comments »

Justin de Nobrega aus Kapstadt visiert ganz entschlossen die Union von Hip Hop und Elektronika an und verheddert sich dabei etwas in den genretypischen Gegebenheiten. Auf der elektronischen Seite des Unterfangens hapert es ein bisschen an wagemutiger Klangforschung und bei dem Hip Hop fehlt der kaltschnäuzige Bums. Die Tracks sind groovy und präzise aber etwas zu eindimensional, um an wahrscheinliche Vorbilder wie Prefuse 73 oder Timbaland heranzureichen. Es bleibt dieser Gesamteindruck von weder noch. Ein paar Rhymes wären in diesem Fall vielleicht die Lösung gewesen.

De:Bug 01/06


V.A. – Culture Club Volume 4 (News)

Posted: January 6th, 2006 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , , | No Comments »

Synthie-Disco hat ja eine lange Tradition in den Beneluxstaaten und der Megamix ebenso. Wenn die Erben von Telex und Ben Liebrand sich dann mittels DJ-Software ans Werk machen, kommt daher wohl unweigerlich etwas heraus wie diese Mix-Compilation, der umfassende Mash Up-Rundumschlag, das Feuerwerk der guten Laune. Auf der ersten CD von Starski & Tonic gehen in etwa Früh-House-Klassiker von Tyree, Risse oder KC Flightt mit Booka Shade, Les Rhythmes Digitales und Oliver Koletzki Hand in Hand, mit ein bisschen Disco von Chilly und Moroder obendrauf, immer tüchtig draufgehalten. Stark angetrunken kann das dein Main Floor sein. Die zweite CD von TLP geht dann runter auf ein bisschen jiggy Hop, Pop und Disco. Zwischen Luniz, Stretch, Terence Trent D’Arby, Diana Ross und Michael Sembello geht alles. Stark angetrunken kann das deine Betriebsfeier sein.

De:Bug 01/06


V.A. – Vampyros Lesbos (Crippled Dick Hot Wax)

Posted: January 1st, 2006 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , , | No Comments »

Um ein paar Stücke erweiterte Neuauflage des Albums von 1995, welches seinerzeit half die Renaissance von Easy Listening und Trash-Soundtracks anzukurbeln, während der man so manchen Musikinteressierten mit Hugo Strasser-Platten unter dem Arm über den Flohmarkt pirschen sah. Natürlich gibt es nach wie vor in diesem Feld zwischen Käseigel-Tanzparty, Dinnerjackett, Library-Musik, B-Movie-Scores und genuinen Autoren der leichten Unterhaltung unzählige Perlen des Genres zu ergattern, aber das Thema hatte sich irgendwann ausgehypt und man beschränkte sich wieder auf übergroße Genies wie Bacharach. Ob das jetzt noch mal funktioniert, ist fraglich. In Verbindung mit den Nackedei-Vampiretten in den Filmen Jess Francos ist das einfach schöner als isoliert von dem ganzen Unsinn. Zwar hat Ennio Morricone einige seiner schönsten Soundtracks für Softpornos geschrieben, aber dies ist wenig mehr als Beschallung für das Unterbewusstsein. Für Anhänger puristischer Funktionalität (und säuischer Covergestaltung).

De:Bug o1/06


Master C&J Featuring Liz Torres – Can’t Get Enough: The Classics And More (Trax)

Posted: December 7th, 2005 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Master C&J, alias Carl Bias und Jesse Jones, haben den Test der Zeit oft besser überstanden als ihre Weggefährten der Chicago-House-Frühphase, weil sie sich bereits rechtzeitig nicht vollends auf Jack-Parolen, Handclap-Orgien und Cheapo-Synthies geworfen haben. Ihnen gelang regelmäßig etwa genau die goldene Mitte zwischen Kenny Jammin Jason und Larry Heard, also ein früher, dunkel gefärbter Deep House-Entwurf mit genügend Drive und Bass zum Tanzen. Ihre Trumpfkarte war aber die Verbindung ihrer zeitlos schönen Grooves mit der ungewöhnlichen Stimme und Street-Credibility von Liz Torres, zu ihrer Blütezeit eine echt eigentümliche Diva, deutlich mehr Pavement als Penthouse, die selbstbewusst ihren Claim zwischen Geschlechterrollen-Problematik, Straßenrealität, drogigem Club-Hedonismus und vor allem viel zupackendem Sex absteckte. Leider setzte sich bald danach für lange Zeit flächendeckend das Diven-Modell von etwa Kym Mazelle durch, La Torres ist seit den frühen 90ern völlig verschollen und geistert nur noch regelmäßig als Zitat irgendwo zwischen LFO, Beltram und Dub-House durch die Maschinen. Auch wenn diese Musik in Liebhaberkreisen immer noch sehr verehrt wird, eine Retrospektive war längst überfällig. Hier ist sie also, in ihrer ganzen sleazigen Pracht, still playing mind games.

De:Bug 12/05


Finn Johannsen – Jackin’ Planets

Posted: December 6th, 2005 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , , | No Comments »

A guy asked me if I could provide a guest mix for his show Jackin’ Planets at a Berlin radio station called shouted.fm. Sadly I forgot his name, but he asked me very politely and I liked both the name of his show and the name of the station, so I agreed. To be honest I might have been in the mood to record a mix of some old school techno faves, and I just jumped to the occasion. Anyway, here is the result.

LFO- Freeze
Constant Ritual – Hard Way To Come
Paperclip People – Jerry Lewis (Mayday Mix)
Mark Imperial – I Can Feel The Music (Chicago Street Mix)
Eddie Flashin’ Fowlkes – Liquid Disaster
Gemini – Festival
Cybersonik – Revelation 928
Adolfo – Do I (Ivan Iaccobucci 4 A.M. Mix)
Psyance – Andromeda’s Dance
Laurent X – Drowning In A Sea Of House
KC Flightt – Planet E (Acid Drop Mix)
Chrome – My Reflection
Prince – The Future (Remix)
Octave One – Black On Black
Yazoo – Bring Your Love Down (Didn’t I)
N.Y. House ‘N’ Authority – Fort Green House
Metro – Straphanger
Urban Tribe – Eastward (Forme Remix)
Model 500 – Pick Up The Flow
ABC – The Greatest Love Of All (Mayday Mix)


Coldcut – Everything Is Under Control (Ninja Tune)

Posted: November 7th, 2005 | Author: | Filed under: Mixes | Tags: , , , , , , , | No Comments »

Schon bei ihren ersten Veröffentlichungen zur goldenen Ära des Samplings gab es neben den Hits diesen Anflug des halbgaren Sammelsuriums, doch diese Rückmeldung ist in der Originalversion wirklich schauderhaft. ‚Politischer’ Agit-Prop-Rap mit Wummerbeats und Jon Spencer an der Schweißgitarre, das will so unbedingt rocken und dabei noch die korrekte Message haben, dass peinlich berührt sein ansatzlos in pures Fremdschämen übergeht. Trevor Jackson als Underdog, Solid Groove, DJ Kentaro und die Qemists versuchen es zwischen Entschlackung, Tanzflächenoptimierung, Turntablism-Kinkerlitzchen und Jump Up, doch aus dem Bruckheimer will einfach kein Autorenkino werden. Immer noch zuviel dumpfer Bratz drin.

De:Bug 11/05


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