V.A. – The Kings Of Techno (BBE)

Posted: October 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Gekrönte Häupter sind sie also denn offiziell mit dieser Kompilation, auch wenn sie sich bei der Auswahl der Abgaben ganz volksnah geben. Die Trutzburg heißt für beide Regenten Detroit. Sire Garnier kümmert sich hierbei um die ältere und jüngere Vergangenheit der Ländereien, wobei er ganz im Sinne der unlängsten Prunkkutschenfahrt mit Seiner Hoheit Mills ganz früh bei den Stooges, Aretha Franklin, den Temptations und Funkadelic anfängt und sich dann über die ehrwürdigen Vorfahren bis hin zu Dabrye und Arpanet vorarbeitet. Sire Craig wiederum gibt die Komplimente nach Old Europe zurück und sucht Einflüsse und Wechselbeziehungen bei Klassikern von etwa Visage, Nitzer Ebb, Kano und Yello, um dann schließlich bei Black Dog zu landen. Alle Zehnten sind gut gealtert und zu Recht im höfischen Vorratskeller und die beiden Majestäten klopfen sich bei der Zusammenstellung der Tafelrunde auch ein bisschen gegenseitig auf die erlauchte Schulter. Honi soit qui mal y pense. Klapp, Klapp…die Tänzer.

De:Bug 10/06


Basement Jaxx – Crazy Itch Radio (Edel)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Ich finde überladene Musik eigentlich prima und auf den verheißungsvollen EPs bis zum ersten Album passierte auch schon eine ganze Menge. Aber da gab es auch bewusste Gegenpole und Ruhephasen und der Stilmischmasch erschien wie ein gültiges Statement. Dann entschieden sie sich irgendwann das auf die Spitze zu treiben und wurden dabei nicht immer vielfältiger, sondern immer beliebiger. Die wissenden Eklektiker verrannten sich zu quietschbunten Grinsebären mit dauerhaftem Straßenkarnevalsapostel-Anspruch, abgesegnete Brixton-Multikulti-Wurzeln hin oder her. Es wurde viel auf einmal abgefeuert, aber letztendlich traf eigentlich auch nicht viel. Es bringt vermutlich nix aufzuzählen, was hier so alles erschallt, möglichst gleichzeitig. Da das hier eh eine rappelnde Radiosendung suggerieren soll, denk dir dein Lieblings-Spartenthema, es ist ganz bestimmt auch als Ganzes in den Gumbo-Topf geworfen worden. Der Schirmherr der Parade könnte noch Lord Kitchener sein, aber eben auch André Heller.

De:Bug 09/06


Der ewige Gärtner – Special Edition (Kinowelt)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Ein gegensätzliches Paar sind Justin Quayle (Ralph Fiennes) und seine Frau Tess (Rachel Weisz). Er ist ein gleichmütiger Bürokrat im Dienst Ihrer Majestät in Nairobi und entspricht meiner Überzeugung, dass Spione in ihrem Verwaltungsapparat ungleich wirkungsvoller anzuschauen sind als ihre sich vom Hubschrauber ins Casino abseilenden Kollegen. Sie ist eine Vollzeitaktivistin der enervierenden Art, immer auf der Suche nach der nächsten Ungerechtigkeit. Am Anfang des Films steht ihre Ermordung und er sucht nach den Zusammenhängen und einer Erinnerung von ihr, die er für immer behalten kann. Er stößt dabei auf Verwicklungen der Pharmaindustrie und der Diplomatie, welche in den Armensiedlungen ein wahrhaft zynisches Joint Venture unterhalten. Von da an führt der Weg über Verrat und Bauernopfer zu Machenschaften, die sich durch Idealismus höchstens vorübergehend beeinträchtigen lassen. Fernando Meirelles und John le Carré sind auf den ersten Blick auch eine ungleiche Paarung. Der Regisseur wurde mit dem großen kinetischen Brimborium seiner Ghetto-Studie „City Of God“ bekannt, der Autor der Vorlage mit kühlen Sezierungen internationaler Geheimdienstaktivitäten. Meirelles lenkt seinen Einfallsreichtum hier jedoch auf optische Akzente und narrative Verschachtelungen, die der bitteren Konsequenz der Handlung keine Kraft nehmen. Die Sonderauflage bietet eine reichhaltige Auswahl von Extras ( Making of, Deleted Scenes, Erweiterte Szenen, TV-Spots, Featurettes, Interviews, Szenen vom Dreh, Trailer) für einen ohnehin sehenswerten Film.

De:Bug 09/06


Lindsay J & Sneak Thief – Open The Door (Mighty Robot Recordings)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Teile der Glasgower Szene fungieren schon etwas länger als ideologischer Außenposten des Cybernetic Broadcast System von I-F und dessen vorwiegenden Soundkoordinaten Italo, Electro und WBMX. Nach bereits bemerkenswerten Releases von Ra-X, Voigt Kampff und Martin van der Vleuten folgt jetzt diese EP von Sneak Thief und Lindsay Joy-Griffin, deren Stimme sehr sweet an die großartige Rah Band erinnert. Im Original ist „Open The Door“ noch ein delikater Space-Lovesong, der dann in den Bearbeitungen von den Polygamy Boys, Truffle Club und Imatron Voima ebenso schön in die Gefilde von Dub-Boogie, Sewer Electro und futuristischem R&B übertragen wird. Die Vocoder sind auf sachte Verführung geschaltet, der Bass glitscht zufrieden und die 808 schnurrt wie die Tigerkatze. The long hot summer just passed me by.

De:Bug 09/06


Rotorik – Live At The Rotodrôme (Acido)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

 

Auf den vorherigen drei Releases des Labels Acido wurden auch schon auf höchst bemerkenswerte Art und Weise Parameter elektronischer Möglichkeiten abgeklopft, doch Rotorik macht wirklich Ernst. In seinem Kopf muss es wahrlich wüst zugehen. Anders als bei seinem Projekt TET, wo er auch mal in Tarnhose und fachgerechter Sonnenbrille EBM-Parolen in den Verzerrer jagt, geht es auf diesen sieben Tracks um experimentellen Techno für irrsinnige Tanzflächen, der unbequem und störanfällig durch die Echokammer kracht. Harter, aber auch sehr faszinierender Tobak, der wie eine archaische Gesteinsformation ewig lange Zeit über dem Tunnelausgang in der Ferne hing und dann doch irgendwann als chaotischer kleinteiliger Regen heruntergerauscht ist und keiner kommt jetzt mehr raus.

De:Bug 09/06


V.A. – 7“ Up (Crippled Dick Hot Wax!)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , | No Comments »

Diese Compilation schreibt sich auf die Fahne, dem Medium 7“ Inch den nötigen Respekt zu zollen und Vergessenes vor der endgültigen Vergessenheit zu bewahren. Das ist löblich, aber wird auch sonst flächendeckend und stilübergreifend auf dem Reissue-Markt praktiziert, ob man sich da speziell auf 7“s wirft, das Prinzip ist identisch. Der Trackauswahl zufolge geht es vor allem darum, einem bestimmten Sound Tribut zu zollen und zwar britischem Post Punk der Zeit von 78 bis 82, also die Hochphase von Rough Trade, Cherry Red, Y Records usw. Das bietet sich natürlich an, da der entsprechende US-Gegenpart im Schwung der 80er-Rückbesinnung schon fast erschöpfend aufgearbeitet wurde. Man möchte sich fast wünschen, dass diesen Songs ein ähnlich ruppiger Transfer in den heutigen Hip-Diskurs samt Clubanbindung erspart bleibt. Allerdings geht es hier nicht um Tanzflächen, sondern um exzentrische Popentwürfe, die man sich auf billigem Equipment ausdenkt, in grauen Städten mit Dauerregen. Da entsteht dann solch derangierter Synthpop wie der von Gerry & The Holograms oder Henry Badowski, Powerpop von den Moondogs und den Cult Figures, es gibt störrische Einzelkämpfer wie Mark Beer und Thomas Leer, aber auch zeitlos Großartiges wie die mythenumflorten Monochrome Set und Weekend. Alles immer noch so fein wie damals. Überhaupt damals.

De:Bug 09/06


V.A. – Collectors Series Pt. 1 – The Modernist – Popular Songs (Faith Recordings)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , , , | No Comments »

Diese neue Compilation-Serie soll ein Forum für Tanzmusikgeschichte werden, in dem Prominente ihre persönliche Auswahl präsentieren. Den Anfang macht Jörg Burger, der eine aussagekräftige Ansammlung poppiger Kölner Elektronik und Buddies zusammengestellt hat, gelegentlich eingestreute Lieblingszitatopfer wie Green Gartside, Paddy McAloon und Basic Channel inklusive (Zitat Promowisch: „Moritz von Oswald mit seinem brandneuen Future Classic Round Two“. Sauber!) Für einen Nicht-DJ hält Burger das Ganze sehr schön im Fluss, arbeitet eigene Exklusivproduktionen und Edits ein und beweist treffsicheren Sinn für Dramaturgie und Originalität. Da gibt es gar nichts zu beanstanden. Im Gegenteil, so manche Mix-CD in diesem Sektor liegt da abgeschlagen zurück. Musiker sind vielleicht die besseren Computerjockeys.

De:Bug 09/06


V.A. – Movements 2 (Perfect Toy Records)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Der aktuelle Stand deutscher Funkforschung unter Federführung von Tobias Kirmayer. Beim verschwisterten Buddelgebiet Northern Soul ließ man in früheren Tagen bei der Auswahl ja eher den Erhältlichkeitsgrad entscheiden, daher finden sich dann auch im Plattenregal beispielsweise Kent-Compilations mit gefühlten zwei Highlights und einem blassen Rest von Mitläufern, die sich allein über ihre Seltenheit anbieten. Die anderen Highlights, die man noch in petto hatte, wurden einfach knauserig über die nächsten Veröffentlichungen verteilt. Zu jener Zeit gab es allerdings auch nicht so viel Reissue-Konkurrenz in den entsprechenden Fachgebieten. Dementsprechend rutschen die 15 hier vertretenen, schwitzigen Raritäten ohne Ausfälle munter durch und decken dabei das ganze Stilspektrum ab.

De:Bug 09/06


Inner City – Pennies From Heaven (Virgin)

Posted: August 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , , | No Comments »

Kevin Saunderson verstand sich von Anfang an darauf, behände zwischen den klangforschenden Ansprüchen des noch frischen Detroiter Untergrunds und der glitzernden Verheißung von Disco zu rotieren. Inner City war auch wirklich so chromblitzend schöner Pop, dass ihm niemand nachtrug, in regelmäßigen Abständen seine experimentelle Verantwortung als Techno-Gründervater zu vernachlässigen. Er hatte eben auch in New York gelebt und noch die Paradise Garage im Kopf, und ab und zu musste das mit großem Aufwand raus. Diese grandiose Hymne ist der seltene Fall eines einträchtigen Schulterschlusses von Detroit und New Jersey, hier vertreten durch Tony Humphries, der seine emotionale Wucht nie verloren hat. Ein erster Entwurf zu wirklich ausladendem, wunderschönem Garage House in der reinsten Form, dessen Grandezza er später ebenso prächtig in der Gestalt des Reese Project fortschrieb.

De:Bug Online 08/06


Interview: Timmy Regisford

Posted: July 9th, 2006 | Author: | Filed under: Interviews Deutsch | Tags: , , , , , | No Comments »

Wie fühlt es sich an, ab und zu den angestammten Platz zu verlassen? Kann man das Shelter verpflanzen?

Ich mag es, gelegentlich New York zu verlassen und woanders aufzulegen. Es gibt weltweit mittlerweile immer mehr Leute, welche die Art von Soulful Music mögen, für die das Shelter steht. Ich habe auch eine Residency in Los Angeles und regelmäßig Auftritte in Japan oder England. Ich habe zudem einen Wohnsitz in Amsterdam, weil ich die Stadt einfach liebe und auf Jamaika, wo ich ursprünglich herkomme. In Deutschland war ich bisher nur einmal mit Stevie Wonder, dass hatte sich sonst einfach nicht ergeben. Ich kann mir aber gut vorstellen, öfter hier zu sein. Mir gefällt die Idee von fixen Außenposten fernab des ursprünglichen Clubs. Das reizt mich als Herausforderung. Es wäre schön, weltweit Basen für den Shelter-Sound einzurichten, daran würde ich mich gerne beteiligen. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Wie unterscheiden sich dann solche internationalen Auftritte von einer Nacht im Shelter? Muss man das musikalische Programm den Trends im jeweiligen Land anpassen?

Ich muss mich eigentlich gar nicht anpassen. Ich werde als Repräsentant des Shelter gebucht und ich spiele nur Platten, die ich auch dort auflege. Ich bekomme mit, was in den Clubs anderswo läuft, aber mir ist das oft zu hart, damit kann ich nicht viel anfangen. Ich achte auch nicht auf die ganzen Kategorisierungen, für mich ist das alles Dance Music und davon interessiere ich mich nur für die Art von Musik, die Deepness, Soul und vor allem Identität hat. Aus welchem Land oder von welcher Hautfarbe ist egal, es muss nur passen. Manchmal ist ein Set nicht so wie in New York, weil ich nicht soviel Zeit habe. Übermorgen lege ich beim Southport Weekender in England auf, da habe ich einen zweistündigen Spot. Dabei brauche ich meistens drei Stunden, bevor ich mich wohl fühle. Ich werde das daher nutzen, um unveröffentlichte Sachen zu spielen, aber ich ziehe einen anderen Rahmen vor. DJing war nie mein hauptsächlicher Lebensunterhalt. Ich war deswegen auch nicht gezwungen mehr herumzureisen als ich wollte. Das Shelter ist wie mein Wohnzimmer, da ist alles so, wie ich es haben möchte. Alle meine Platten sind da, die Anlage habe ich mir zusammengestellt und so weiter. Und mir gehört der Club, ich kann machen, was ich will. Ich lege hauptsächlich Soulful Dance Music auf, aber ich kann auch afrikanische oder brasilianische Musik spielen, Jazz, Blues. Wenn ich merke, wofür die Leute bereit sind, habe ich viel Spielraum. Das Shelter hat einen familiären Vibe, es geht nicht um Drogen oder Hipness, nur um Musik. So geht das Woche für Woche. Wenn ich mal nicht da bin, so wie jetzt gerade, legt Sting International auf, sozusagen mein Protegé. Es hat ein bisschen gedauert, bis die Leute mit ihm warm geworden sind, aber jetzt geht das sehr gut. Read the rest of this entry »


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