Demon Pond (Rapid Eye Movies)

Posted: December 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Zwar gab es auch schon vorher formalexperimentelle Exkursionen im Schaffen Miikes, doch mit einer klassischen Theateraufführung war wohl nicht unbedingt zu rechnen. Miike sucht in seiner Inszenierung dabei nicht die polarisierende Konfrontation mit dem Medium, also etwa anhand eines direkten Bühnentransfers seiner Schocktaktiken aus berüchtigten Werken wie „Audition“, „Ichi – The Killer“ oder „Izo“, sondern bewegt sich durchaus in den Konventionen der Theaterregie. Wie schon bei Lars von Triers vergleichbaren Experimenten gibt es jedoch eine perspektivische Kameradramaturgie, die im minimalistischen Bühnenbild dem Treiben der Schauspieler folgt, von denen einige Gesichter auch in seinen Filmen zu finden sind. Inhaltlich balanciert Miike gekonnt komische und dramatische Züge im Kontext einer Legende, in der mythische und reale Welt koexistieren, was auf Dauer natürlich nicht gut gehen kann. Ein sehr schöner Stoff, mit dem Miike ohne zu moralisieren menschliche Gesellschafts- und Kulturtradition auseinandernimmt und ein paar Seitenhiebe in Richtung der Imperialisten aus Übersee gibt es noch obendrauf.

De:Bug 12/06


Dear Wendy (Legend Home Entertainment / Universum)

Posted: July 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Seitdem dieses Gipfeltreffen der beiden Oberdogmatiker Thomas Vinterberg (Regie) und Lars von Trier (Skript) letztes Jahr Premiere hatte, gehen die Meinungen immer noch weit auseinander. Besonders die Kinogänger und Filmkritiker in den USA sind zunehmend irritiert über die sarkastische Hartnäckigkeit, mit der die Dänen in ihren Filmexperimenten die dunklen Traditionen der amerikanischen Gesellschaft sezieren. Weniger statisch-bühnenhaft als von Triers „Dogville“, aber nicht minder allegorisch, mythisierend und konsequent inszeniert Vinterberg ein fiktives Provinznest, in dem jugendliche Außenseiter an Waffen geraten und darüber die schwärmerische Gang der „Dandies“ formieren. Sie sehen sich als bewaffnete Pazifisten mit einem sinnstiftenden Fetisch, doch schon bald durchsetzt die Kraft des Werkzeuges das Gruppengefüge, jede Pistole wird getauft, der Gang durch die Straßen wird breitbeiniger, die Hormone sprießen und der unweigerliche Kugelhagel lauert schon. Eine gut besetzte Initiationsgeschichte, die trotz ihrer distanzierten und artifiziellen Stilistik Wirkung erzielt. Amerikaner sind eben nicht gut mit Ironie und noch schlechtere Verlierer.

De:Bug 07/06