Session Victim alias Matthias Reiling und Hauke Freer fahren für Bear Entertainments Sublabel die im House-Revival mittlerweile etwas überstrapazierten Merkmale des Genres auf die kleinsten gemeinsamen Nenner herunter, die man für einen funktionierenden House-Track braucht: Bass, Beat und Samples. Damit ergibt sich ein Umkehrschluss zu derzeit gängigen Entwicklungen. Wo ehemalige Minimalisten ihre Tracks neuerdings mit House-Mitteln aufplustern und damit in einem stilistischen Nirgendwo landen, reduzieren Session Victim House auf den Track-Grundzustand, der per se mit minimalen Ausgangsbedingungen auskommt, aber so schon immer Bestandteil der House-Historie war. Dass die beiden sich in selbiger gut auskennen führt denn auch dazu dass dieser entschlackte Ansatz völlig ausreicht um alle vier Tracks effizient auszustatten. Reinkultur ohne Rückblick, und ein schöner Schulterschluss.
Eigentlich möchte man The Juan MacLean die Vergleiche zu Hercules & Love Affair ersparen, von denen sie vermutlich schon genervt waren lange bevor dieses Album überhaupt in die ersten Produktionsphasen gelang, aber es geht nicht ohne. Ähnlich wie die Konsensüberflieger der letzten Saison halten die Labelkollegen ihre Zeitmaschine bei individuell erlesenen Referenzpunkten an, sacken den jeweiligen Präferenzklang ein, und setzen ihn dann in der Gegenwart konsequent zweckoptimiert zu einem postmodernen Popentwurf mit größtmöglicher Heißigkeit zusammen, in dem sich alle schon vorher gekannt haben. Wozu Raw Silk, Armando und „Being Boiled“ auf mehrere Tracks verteilen, wenn das nicht auch schon in einem zusammengeht? Überhaupt Human League, der Call and Response-Trick von Philip mit Susanne und Jo wird hier flächendeckend von John und Nancy übernommen, und die Haltung gleich mit. Dazu House- und Technopioniertum aus Chicago, Detroit und New York, der große englische Synthiepopsiegeszug der frühen 80er, die Wave-Abteilung von Italo, die Glitzerecke von No Wave, Munich Disco, Lime, alles was schockt und blinkt, Samples in nachgespielt, sowie obendrein nicht zuletzt die ganzen zeitgenössischen Produktionsergebnisse all derer, die das in den letzten Jahren schon immer geliebt haben. Selbst die eigenen Ideen klingen, als hätte sie schon jemand anders gehabt. Tja, und wenn das Potpourri dann wieder so viel beschwert unbeschwerten Spaß macht wie hier, macht das auch alles rein gar nichts.
Ein neues Label aus Hamburg, betrieben von Phil Dairmount, das sich dem großen House-Erbe der Stadt verpflichtet fühlt. Allerdings nicht dem Erbe das schnell als „zu schwul“ in Form von Vocal House mit fahlem Pomp und schwachen Songs zur Zielscheibe des sich formierenden Techno-Gegenlagers wurde. Vielmehr geht es um die Zeit als alles House war, und Techno nur eine weitere Variante davon. Und nun wo die in langjähriger Abgrenzungsarbeit errichteten Kategorisierungen wieder eingerissen werden, kann man diese Haltung wohl getrost als gutes Timing bezeichnen. Für den guten Zweck ließ sich dann auch der alte Besen Austin Bascom alias Abacus reaktivieren, dessen Großtaten auf Fragile, Prescription und Guidance sich hier mit „The Answer“ gut nachempfinden lassen. In Dunkelheit grabender House mit Botschaft, der langen Anlauf nimmt und dann alle Anwesenden im Club umrennt. Auch Sasse besinnt sich auf seine alten Tage und beschwingt mit sphärischem Acid, der alte und neue Traditionen an eine üppige Tafel setzt. Den Ausklang gibt Superbads schräges „Brethren“, das sich anhört als hätte Richie Hawtin einen übergebliebenen Fuse-Track aus dem Archiv mit einer Spielzeugmelodie versehen. Interessanter Einstand.
Terry Hall – Sense Stereolab – Miss Modular The La’s – There She Goes Elvis Costello & The Attractions – Opportunity Superpanzer – Geheimer Star The The – Heartland Spandau Ballet – I’ll Fly For You The Waterboys – The Whole Of The Moon Lewis Taylor – Say I Love You XTC – The Loving Tears For Fears – Sowing The Seeds Of Love Tex & Erobique – People Of A Destimate Prefab Sprout – Electric Guitars Jack Peñate – Every Glance Tuxedomoon – In A Manner Of Speaking John Cale – I Keep A Close Watch Glenn Gregory – Perfect Day The Monochrome Set – Goodbye Joe David Sylvian – The Ink In The Well It’s Immaterial – The Better Idea Thomas Dolby – I Scare Myself The Special AKA – Racist Friend The Beat – Drowning UB40 – The Earth Dies Screaming Carmel – I’m Not Afraid Of You Matt Bianco – More Than I Can Bear Human League – Louise Pet Shop Boys – Hey Headmaster Osymyso – Fiver To Bigwig Saint Etienne – Hobart Paving The Style Council – Changing Of The Guard Robert Wyatt – At Last I Am Free
Gun Club – Sex Beat Buzzcocks – What Do I Get? The Messerschmitt Twins – Sleeping With The Radio On Joe Jackson – Steppin’ Out Thrash! – Time Will Tell Madness – Sign Of The Times The Divine Comedy – Your Daddy’s Car The Cure – Close To Me The Alljacks – Guilty Makin’ Time – Scarlet Sky Haircut One Hundred – Fantastic Day Aztec Camera – All I Need Is Everything Propaganda – Duel Veronika Fischer – Dann Ist Liebe Ein Teufelskreis Pulp – My Legendary Girlfriend Culture Club – Church Of The Poison Mind Fehlfarben – Tag Und Nacht Dexy’s Midnight Runners – Plan B / I’ll Show You Richard Ashcroft – A Song For The Lovers Blumfeld – In Der Wirklichkeit The Smiths – Stop Me If You Think You’ve Heard This One Before The Go-Betweens – Head Full Of Steam Julian Cope – Bill Drummond Said The Chrysanthemums – Bullshit The Prisoners – Whenever I’m Gone Mission Of Burma – Dirt That Petrol Emotion – Can’t Stop The Wedding Present – My Favourite Dress The Undertones – Teenage Kicks Orange Juice – Felicity Phoenix – Too Young Commercial Breakup – Holding On Everything But The Girl – Each And Every One The Clash – Lover’s Rock
Mix with some record purchases du jour, ranging between techno and house.
Santiago Salazar – Arcade Scuba – Ruptured (Surgeon Remix) Sound Stream – “Live” Goes On Equalized – Equalized 002 Raudive – Khaki Future Funk – Rhythm DJ Qu – Somethin’ Ta Feel Levon Vincent – Early Reflections Wireman – Armour André Lodemann Feat. Nathalie Claude – Searchin’ Portable – Release Quarion – A Night At The Zukunft Basic Soul Unit – Dank V.A. – Music Institute Anniversary Pt. 1 Track A2 International Pony – Bubble In The Bottle (Pépé Bradock RMX) DJ Sprinkles – The Occasional Feel-Good
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