Man könnte an dieser Stelle etliche wundervolle Platten bejubeln, die Victor Simonelli im Alleingang oder zusammen mit Tommy Musto Anfang der 90er gemixt und produziert hat. Zu dieser Zeit war er schon ein Veteran der New Yorker Clubmusik, die beeindruckende Liste von exklusiven Mixtape-Dokumenten auf seiner Webseite belegt umfassend mit welchen Legenden der Jahre vor und nach dem Discokollaps er bestens bekannt war. In seiner alten Nachbarschaft in Brooklyn hat man jedoch sehr unterschiedliche Lehren aus diesen Lehrjahren gezogen. Der an New York Freestyle geschulte, sehr samplefreudige Ansatz weiter Teile seines House-Bekanntenkreises scheint seinen Prämissen nicht entsprochen zu haben, denn seine Arbeiten waren geradezu mustergültige Beispiele für die Besinnung auf das Wesentliche. Eine Stimme, ein Groove, ein Dub, und alles auf gleicher Augenhöhe. Seine Beats waren prägnant, aber nicht zu aufdringlich, und seine Arrangements waren beneidenswert strukturiert, da sie nur mit wenigen aber dafür zwingenden durchgehenden Melodien soviel federnde Fahrt aufnahmen, dass dazu nur noch wenige punktgenaue Details hinzukommen mussten, alles andere hätte das geschmeidige Gleichgewicht als sinnlose Ornamente zerstört. Und wie einst Burt Bacharch mit Dionne Warwick, hatte Simonelli mit Joi Cardwell eine kongeniale Interpretin gefunden, die vergleichbar sophisticated, manierismenfrei und ungospelig seiner Musik den entscheidenden Assoziationsmehrwert und die Wahrhaftigkeit verleihen konnte, die sich aus dem entspannten Wesen ihres Gesangsstils im Kopf potenzierte. Joi Cardwell klang immer sexy, weil sie sich niemals an unrealistischen musikalischen und inhaltlichen Vorgaben und Konstellationen verhob. Und so ist “Goodbye” vielleicht der tröstendste Song, zu dem man den Part des Prellbocks einer ungleichen Beziehung wegtanzen kann. Der Moment der Erkenntnis ist gekommen, es gibt ein letztes Fazit, und dann wird endgültig klar Schiff gemacht:
“So here it is 4 a.m., and I’ve been thinking about all the things I can tell you. But I’m a lady and I’m always gonna be a lady. So I keep it simple. Goodbye.”
Miss Joi Cardwell – Goodbye (The Victor Simonelli Remixes) (Eightball Records, 1992)
Johnny Dynell war als DJ in den 80er Jahren eine Schlüsselfigur der Downtown New York Szene. In legendären Clubs wie Area, Mudd, Limelight, Pyramid und der Danceteria dirigierte er die Hipster-, Künstler- und Fashionista-Parade durch die Nacht. Danach trubelten House und die Club Kids durch die Stadt, und Dynell eröffnete 1990 mit anderen geschlechtlich undefinierten Glamgestalten den Club Jackie 60, der irgendwo zwischen Drag, Performance Art und reinem Wahnsinn die Vorlage für die Dekadenzkultur und Verhaltensabnormen der Großkathedralen späterer Jahre wie Tunnel, Sound Factory und Limelight bildete, und sich mit einer kuriosen Eigentribut-Deep-House-Conferencier-Platte namens „Jackie 60 Hustle“ und in Bälde auch mit Jackie 60: The Movie zelebrierte. Diese Platte hier ist aber nicht die vielleicht zu erwartende völlig überkostümierte Do’s and Don’ts-Liste mit viel zuviel Make-Up, sondern ein hymnischer Popstarversuch. Eine herzzerreißende Deep House-Ballade mit wahrlich fulminantem Personal: Arthur Baker produziert, Eric Kupper spielt, Victor Simonelli editiert, Jocelyn Brown, Connie Harvey und Tina B singen mit, und David Morales defmixt in seiner unverkennbaren Red Zone-Phase, die mit dem dicken Bass und den kühlen Flächen. Dynell füllt die Crooner-Pose überraschend gut aus, und das Ganze ist auch mit dem nötigen Ernst dargeboten, nur am Ende kommt ein gesprochener Part in dem der Sänger die Liebe seines Lebens zum Bleiben beschwört, und diese nur unbeschwert und gewissenlos in Richtung des nächsten Typen stöhnt. So war es damals, große Gesten und exaltierte Hinterhalte, aber man war von den ganzen Behauptungskämpfen noch nicht so abgestumpft, dass man nicht auch eine Platte wie diese hier in den Szeneklatsch werfen konnte.
Welcome to another Druffmix edition. The Druffalo Hit Squad is dedicating this one to the old school chapter of the International Disco Flamboyance Preservation Society. Never Surrender!
Charly Brown – The Twilight Zone DJ Spinna – Ladbroke Groove Deep Sensation – Can’t Give You Up Stan Francisco – Lover 2 Lover Les Claudettes – Alexandrie Alexandra Joey Negro – Universe Of Love Disco Elements – Muzik Takes Me Higher Solar House – Peace Of Mind Ratcliffe – Grape Soda Jasper Street Company – Music Rhythm Section Feat. Donald O – Do You Know Victor Simonelli Presents 21st Century Rockers – Ease Into The Dance Stevie Wonder – All I Do (Remix) Chubby Chunks – Testament One Terrence Parker – The More I Want Stacy Kidd – Lost Angels The Meat Men- All Locked Up Dino + Terry – Moon Dub Armand Van Helden Feat. Duane Harden – You Don’t Know Me Deep Sensation – Togetherness Deep Sensation – Soul Heaven Dazzle – You Dazzle Me (Kenny Dope Edit) Black Science Orchestra – Where Were You Kerri Chandler – Dizko Satisfaction Romanthony – In The Mix Brothers Of Soul – Disco Era
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