Dies ist der Nachfolger des ersten ‘Secret Rhythms’-Albums von 2002 und abermals gelingen Friedman und Liebezeit schöne Exkursionen zwischen Elektronika und Jazz. Liebezeit ist und bleibt ein Ausnahme-Schlagzeuger, der kompakt die vielen melancholischen Klänge zusammenhält, die Friedman aus seinem Archiv beigibt. Die beiden wissen ziemlich genau, wie man die Inhaltstoffe dosiert. So klingen die getragenen Momente nicht tranig und die komplexen Momente nicht verfrickelt. Für diesen winterlichen Flow hätten sie auch keinen geeigneteren Gastsänger finden können als David Sylvian, der auf ‚The Librarian’ ganz der wehmütige Crooner sein darf, der er immer sein sollte. Dieses Album sollte man am besten allein in einem verfallenden Landsitz hören, in dem einzigen Raum der noch beheizt ist.
Irgendwie hatte sich bei mir das Cover des originalen Albums “Landcruising” von 1995 im Kopf verhakt, weil es der Musik so gut entsprach. Städtische Lichtquellen wischen halluzinogen am Blick durch das Autofenster in der Nacht vorbei, auf dem Weg durch die nächtliche Inner City. Die Musik bewegte sich ähnlich romantisch sicher in einem Assoziationsfeld von Kraftwerk-Klassik, General Motors-Ästhetik und Detroit-Techno-Moderne. Ich war damals etwas überrascht von den vielen wohlklingenden Flächen, die direkt an den Vangelis-Soundtrack von Blade Runner anmuteten, im Verbund mit dem zappeligen Funk der Rhythmen. Das klang wie eine schlussendliche Liebeserklärung an die Stadt und die eigene Vision von Sound. Ich weiß nicht ob Craig mit der damaligen Rezeption unzufrieden war, vielleicht geht es ihm im Moment auch um eine angemessene Verwaltung vergangener Großtaten angesichts einer Flut von Bootlegs und Unzugänglichkeit im Backkatalog. Auch sein mythenumranktes Label Retroactive ist wieder aktiviert, da werden so einige Internet-Wucherer hadern. Wie wichtig ihm “Landcruising” ist, zeigt diese CD, kein bloßer Reissue, sondern Aufarbeitung, Version, ergänzt mit neuen Stücken, die wohl aus der entsprechenden Entstehungsphase stammen. Und es ist genau so chromblitzend erhaben und klassizistisch wie beim ersten Hören, ohne Einschränkungen.
Justin de Nobrega aus Kapstadt visiert ganz entschlossen die Union von Hip Hop und Elektronika an und verheddert sich dabei etwas in den genretypischen Gegebenheiten. Auf der elektronischen Seite des Unterfangens hapert es ein bisschen an wagemutiger Klangforschung und bei dem Hip Hop fehlt der kaltschnäuzige Bums. Die Tracks sind groovy und präzise aber etwas zu eindimensional, um an wahrscheinliche Vorbilder wie Prefuse 73 oder Timbaland heranzureichen. Es bleibt dieser Gesamteindruck von weder noch. Ein paar Rhymes wären in diesem Fall vielleicht die Lösung gewesen.
Synthie-Disco hat ja eine lange Tradition in den Beneluxstaaten und der Megamix ebenso. Wenn die Erben von Telex und Ben Liebrand sich dann mittels DJ-Software ans Werk machen, kommt daher wohl unweigerlich etwas heraus wie diese Mix-Compilation, der umfassende Mash Up-Rundumschlag, das Feuerwerk der guten Laune. Auf der ersten CD von Starski & Tonic gehen in etwa Früh-House-Klassiker von Tyree, Risse oder KC Flightt mit Booka Shade, Les Rhythmes Digitales und Oliver Koletzki Hand in Hand, mit ein bisschen Disco von Chilly und Moroder obendrauf, immer tüchtig draufgehalten. Stark angetrunken kann das dein Main Floor sein. Die zweite CD von TLP geht dann runter auf ein bisschen jiggy Hop, Pop und Disco. Zwischen Luniz, Stretch, Terence Trent D’Arby, Diana Ross und Michael Sembello geht alles. Stark angetrunken kann das deine Betriebsfeier sein.
Um ein paar Stücke erweiterte Neuauflage des Albums von 1995, welches seinerzeit half die Renaissance von Easy Listening und Trash-Soundtracks anzukurbeln, während der man so manchen Musikinteressierten mit Hugo Strasser-Platten unter dem Arm über den Flohmarkt pirschen sah. Natürlich gibt es nach wie vor in diesem Feld zwischen Käseigel-Tanzparty, Dinnerjackett, Library-Musik, B-Movie-Scores und genuinen Autoren der leichten Unterhaltung unzählige Perlen des Genres zu ergattern, aber das Thema hatte sich irgendwann ausgehypt und man beschränkte sich wieder auf übergroße Genies wie Bacharach. Ob das jetzt noch mal funktioniert, ist fraglich. In Verbindung mit den Nackedei-Vampiretten in den Filmen Jess Francos ist das einfach schöner als isoliert von dem ganzen Unsinn. Zwar hat Ennio Morricone einige seiner schönsten Soundtracks für Softpornos geschrieben, aber dies ist wenig mehr als Beschallung für das Unterbewusstsein. Für Anhänger puristischer Funktionalität (und säuischer Covergestaltung).
Master C&J, alias Carl Bias und Jesse Jones, haben den Test der Zeit oft besser überstanden als ihre Weggefährten der Chicago-House-Frühphase, weil sie sich bereits rechtzeitig nicht vollends auf Jack-Parolen, Handclap-Orgien und Cheapo-Synthies geworfen haben. Ihnen gelang regelmäßig etwa genau die goldene Mitte zwischen Kenny Jammin Jason und Larry Heard, also ein früher, dunkel gefärbter Deep House-Entwurf mit genügend Drive und Bass zum Tanzen. Ihre Trumpfkarte war aber die Verbindung ihrer zeitlos schönen Grooves mit der ungewöhnlichen Stimme und Street-Credibility von Liz Torres, zu ihrer Blütezeit eine echt eigentümliche Diva, deutlich mehr Pavement als Penthouse, die selbstbewusst ihren Claim zwischen Geschlechterrollen-Problematik, Straßenrealität, drogigem Club-Hedonismus und vor allem viel zupackendem Sex absteckte. Leider setzte sich bald danach für lange Zeit flächendeckend das Diven-Modell von etwa Kym Mazelle durch, La Torres ist seit den frühen 90ern völlig verschollen und geistert nur noch regelmäßig als Zitat irgendwo zwischen LFO, Beltram und Dub-House durch die Maschinen. Auch wenn diese Musik in Liebhaberkreisen immer noch sehr verehrt wird, eine Retrospektive war längst überfällig. Hier ist sie also, in ihrer ganzen sleazigen Pracht, still playing mind games.
A guy asked me if I could provide a guest mix for his show Jackin’ Planets at a Berlin radio station called shouted.fm. Sadly I forgot his name, but he asked me very politely and I liked both the name of his show and the name of the station, so I agreed. To be honest I might have been in the mood to record a mix of some old school techno faves, and I just jumped to the occasion. Anyway, here is the result.
LFO- Freeze Constant Ritual – Hard Way To Come Paperclip People – Jerry Lewis (Mayday Mix) Mark Imperial – I Can Feel The Music (Chicago Street Mix) Eddie Flashin’ Fowlkes – Liquid Disaster Gemini – Festival Cybersonik – Revelation 928 Adolfo – Do I (Ivan Iaccobucci 4 A.M. Mix) Psyance – Andromeda’s Dance Laurent X – Drowning In A Sea Of House KC Flightt – Planet E (Acid Drop Mix) Chrome – My Reflection Prince – The Future (Remix) Octave One – Black On Black Yazoo – Bring Your Love Down (Didn’t I) N.Y. House ‘N’ Authority – Fort Green House Metro – Straphanger Urban Tribe – Eastward (Forme Remix) Model 500 – Pick Up The Flow ABC – The Greatest Love Of All (Mayday Mix)
Schon bei ihren ersten Veröffentlichungen zur goldenen Ära des Samplings gab es neben den Hits diesen Anflug des halbgaren Sammelsuriums, doch diese Rückmeldung ist in der Originalversion wirklich schauderhaft. ‚Politischer’ Agit-Prop-Rap mit Wummerbeats und Jon Spencer an der Schweißgitarre, das will so unbedingt rocken und dabei noch die korrekte Message haben, dass peinlich berührt sein ansatzlos in pures Fremdschämen übergeht. Trevor Jackson als Underdog, Solid Groove, DJ Kentaro und die Qemists versuchen es zwischen Entschlackung, Tanzflächenoptimierung, Turntablism-Kinkerlitzchen und Jump Up, doch aus dem Bruckheimer will einfach kein Autorenkino werden. Immer noch zuviel dumpfer Bratz drin.
Passend zur Mark Stewart-Retrospektive auf Soul Jazz gibt es jetzt diese Werkschau von LeBlanc, ebenfalls Mitglied der Maffia, Tackhead, On-U-Sound und vormals Sugar Hill Gang. Zudem war er als Schlagzeuger, Programmierer oder Produzent an beeindruckend zahlreichen Veröffentlichungen beteiligt, das reicht von Mick Jagger bis Miles Davis. Entsprechend sind auf diesem Album kein Groove der nicht zupackt und kein Beat der nicht knallt. Alles ist supertight. Diese ganze monolithische Wucht zwischen Industrial, Dub, No Wave und Hip Hop ist wirklich einnehmend, auch die menschliche Stimme in Form von Agitprop-Schnipseln, Melle Mel und vor allem Bim Sherman fügt sich ansatzlos in die Gesamtfunktionalität. Gelegentlich ist das fast schon zu bolzig und in den Wummerfunk schleichen sich ein paar Rockismen zuviel ein, aber insgesamt kann das immer noch sehr gut dem standhalten, was man aktuell unter der Verbindung von knalligen Breakbeats, urbaner Funkiness und einer Botschaft versteht. Sample-Musik dieser Bauart wirkt natürlich nicht mehr so futuristisch wie in den 80ern, hat aber auch über den Prototypen-Status hinaus genug Relevanz.
If you had your formative years in terms of music in the late 70s and early 80s, of course you cannot shake off Synthpop. I gladly never tried. Do not look for deep crate digging results here, this is just me revisiting turning on the radio and feeling blessed to hear someting like this. Pop perfection.
Human League – Life On Your Own Malcolm McLaren – Madam Butterfly Pet Shop Boys – Love Comes Quickly The Blow Monkeys – Digging Your Scene The Art Of Noise – Beat Box (Diversion One Excerpt) Matia Bazar – Ti Sento Animotion – I Engineer Blancmange – Living On The Ceiling Yello – Lost Again Eurythmics – Love Is A Stranger Depeche Mode – Enjoy The Silence It’s Immaterial – Space Kate Bush – Experiment IV Virna Lindt – Whistle Wind Roxy Music – Same Old Scene A.R. Kane – Love From Outer Space The The – Uncertain Smile
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