Oft genug hat man eine Stimmung in der nur kompromissloser Lärm hilft und man eine Platte braucht, die einem mit ungebremster Wucht den Kopf gerade rückt. Ich habe dafür stets dieses großartige, 1988 erschienene Album parat, funktioniert immer. Selten war ein Bandname unprogrammatischer, World Domination Enterprises brachten es nur auf ein paar Singles, ein Studio- und ein Livealbum, aber das macht rein gar nichts, mehr hätte man auch gar nicht verkraften können. Der Sound von World Domination Enterprises ist so massiv, dass es schon fast lächerlich ist. Bass und Schlagzeug sind eine einzige Wand, und dazu kommt dann noch eine Gitarre die in ungefähr so klingt, als würde sie nicht gespielt, sondern mit einer Flex gescratcht. Dazu hat Keith Dobson die weltcoolste Stimme und Haltung, die man sich dazu hätte ausdenken können, und sprechsingt sich hämisch durch seine linken Texte, allesamt triefend vor Zynismus und hinterhältigem Humor. Stilistisch wird Hip Hop, Industrial, Flash Rock, Post Punk, Disco und Dub von hinten in die Beine gegrätscht und selbst die Coverversionen (LL Cool J, U Roy und Lipps Inc.) klingen wie der fiese Auswurf einer kleinstadtgroßen Großfabrik im Ostblock der 70er Jahre. Es schadet einfach nie, wenn man einzigartig ist.
Und hier noch das spinnerte Manifest von der Coverrückseite: “WARNING Last year WORLD DOMINATION ENTERPRISES employed over 5 billion people in making 1.4 million brand names in over 700 territories – WORLD DOMINATION ENTERPRISES the global employer Last Year WORLD DOMINATION ENTERPRISES manufactured and sold 1.4 million different brand names to over 5 billion people in over 700 territories – WORLD DOMINATION ENTERPRISES the home of international commerce Every year millions of people become dead maimed or diseased as a direct result of our ambitious expansion programmes – a small price to pay for increased profits – WORLD DOMINATION ENTERPRISES getting bigger by sucking you drier”
World Domination Enterprises – Let’s Play Domination (Product Inc.)
War das Treffen von Woolfy und Projections auf der letzten Maxi noch vollends Disco beim Barte des Propheten Harvey, schleicht sich nun beim Album auch der frühere Dunstkreis von Guidance Recordings ein, mit House-Stimmungen der gediegenen Variante und den ganz entspannten Mädels am Mikrofon. Erfrischend, dass das jetzt nicht mehr verleugnet werden muss. Als nächstes können sich dann die Neo-Deep-House-Traditionalisten und die Retro-Rock-Disco-Futuristen in die Arme fallen ein ganz großes Fass aufmachen. Hier scheint es jedenfalls noch nicht darum zu gehen, hier geht es um den vollfeisten Kraut-Dub-Wohlklang, broader than broadway, higher than the sun, river deep and mountain high, live at Pompeji, das volle Programm. Auf dem Cover kreist ein kugelblitzender Fisch um Jabbas Hauptquartier, in dem vermutlich gerade Jon, Vangelis, Arthur Russell und Herb Alpert einhüten. Ich mag ja diese unbeschwerte Bekennung zum Prog-Pomp, solange man die großen Gesten mit etwas Ironiebruch rutschfest macht. Sonst wäre es wohl besorgniserregend.
Beim fünften Album der Blaktroniks ist der Titel wahrlich Programm, es geht um Soul. Das Gefühl von Hitsville Detroit, und nicht Hitfabrik Mark Ronson. Es geht um Einkehr, Glaube, Asyl, trotzende Rückzugsgebiete in grimmigen Umgebungen, und nicht um Divenhände, Booty und überkandidelte Vehikel. Den Bogen von ihren verschachtelt störanfälligen Digibeats und -sounds zum Inner City Blues schlägt man anhand von Edward Robinson, ehemals Soul-Crooner in 60’s Motor Town und Vater von Kollektivgründer Edd Dee Pee. Wenn er die intensive Stimme erhebt, geht die Konfrontation der Gegensätze von klassischer Soul-Tradition und den Gesetzmäßigkeiten reduziert-untergrundigen Hip Hops geradezu bestechend klar auf: Aus den Stimmen des Sängers und der MCs klingt unterschiedliches Erleben, aber das gleiche Ziel. Daneben gibt es ein Manifest, das zu Heuchlertum und Minstrelisierung in der Sache Stellung bezieht (hallo, Flavor Flav), Nebenauftritte von Sister Gudrun Gut und Moritz von Oswald, entsprechende Remixe stehen auch noch an. Die Überfälligkeit vom Ganzen ist frappierend, das soll und muss Schule machen.
Apokalypse-Elektro mit Verbandskasten im Lieferumfang und der Lizenz zum Löten. Das Abwasserrohr aus dem er ans Tageslicht tritt führt etliche Kilometer durch endlose Katakomben zu verschollenen Laboratorien, in denen sich Maschinen schäbigster Bauart zu einem Eigenleben entschlossen haben, nachdem sie mit wackeligen Teleskoparmen ein vermodertes Masterkontrollprogramm von Newcleus und Skinny Puppy aus der Kitteltasche des verstorbenen Ingenieurs gefischt haben, der schon als Narbengewebe mit dem Drehhocker und der Tastatur verschmolzen war. Wenn es wenigstens irgendeine Lichtquelle geben würde, könnte das barmherziger klingen, aber selbst die letzten Infrarotzellen sind schon lange verreckt und meisten Restenergiereserven gehen für Rhythmus und Bass drauf, der Rest ist Klanggebritzel in den letzten Spasmen. Skynet-Disco-Code, auf ewig in der Zeit herumgeschickt.
Das Leben hält Momente bereit, in denen man nichts dringender braucht als einen pfeilschnellen Hi-NRG-Torpedo, der mit billigen Sequencern und schmierigen Verlockungen den Hochkulturballast im Kopf versenkt und als sexy Glitzerstrahl direkt in die Nacht fährt. Soif De La Vie haben mit diesem Wunderwerk der Lehre von Moroder, Cowley und Orlando noch ein Kapitel hinzugefügt, das es gehörig in sich hat. Auf zehn Minuten Länge gibt es hier das volle Programm der dynamischen Disco-Futuristik und dazu derrwischt eine Frau, vor der man wirklich Angst bekommt und doch, ihrer Willkür möchte man sicher jederzeit ausliefern, zumal der letzte Wille schon längst sturmreif geschossen ist. So ist das bei wahren Göttinnen.
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