Ist das Album für euch so eine Art Querschuss? Es ist ja schon ein Popalbum. Was für ein Statement wollt ihr damit vorlegen?
Georg: Wir haben schon vor, mit dieser Platte mehr Leute zu erreichen als mit dem was wir sonst machen, ohne uns zu verbiegen. Ich habe auch festgestellt, dass viele meiner größten Idole oder Einflüsse nicht aus dem Underground kommen, sondern eigentlich eher aus dem Mainstream, bzw. Underground heißt nicht immer, dass es was Tolles ist. Der Anteil von absolutem Oberschrott und guten Sachen ist genauso hoch wie im Mainstream. Daher haben wir alles rein gebracht was wir gut finden und uns vielleicht ein bisschen mehr an unseren Vorbildern orientiert, die Major Label Artists sind. Aber natürlich ist beispielsweise immer noch eine ordentliche Portion von dem drin, was Dixon auflegt. Wir haben einfach angefangen, es gestutzt und kompakt gemacht, sodass die Songs auch alleine stehen können.
Dixon: Das war auch wichtig für uns, wir wollten es hörbar machen. Wir haben ja recht lange dran gesessen. Vorher gab es einige Sketches und es gab öfters Momente wo wir uns gefragt haben: Kann man das so durchhören? Jetzt haben wir ein Album gemacht, das ich höre ohne zu denken, jetzt lege ich doch mal lieber die White Stripes ein oder die Map of Africa oder Amy Winehouse. Ich habe mir im Urlaub diverse CDs gekauft und fühlte mich gut als ich dann unsere CD eingelegt habe und die auch durchhören konnte. Mir ging es bis jetzt immer so, dass man, wenn man länger an Sachen gesessen hat, was bei uns meistens der Fall ist, es einfach nachher nicht mehr hören kann. Ich kann es noch hören. Ich kann es durchlaufen lassen ohne dass ich denke: Lass mich jetzt in Ruhe!
Georg: Das war bei mir auch so. Es ist auch ein Album, das ich zuhause hören kann wenn ich Freunde da habe ohne mich dabei unwohl zu fühlen, auch wenn vorher irgendeine High Production-Platte lief, oder Rock. Ich habe dann nicht das Gefühl, jetzt lege ich was Nerdiges auf, auf das nur ein paar bestimmte Leute stehen. Man muss nicht viel erklären, es läuft einfach und die Leute wissen worum es geht. Es löst etwas aus, vielleicht auch bisschen der Humor bei einigen Songs. Das war bei vielen anderen Sachen von uns nicht so. Die waren auch nicht unbedingt schwierig, mein Album war für viele auch ein Popalbum, aber sie gingen in eine bestimmte Richtung und waren auch lange nicht so ambitioniert. Ich habe mich auch vom Songwriting her viel bewusster da rangesetzt als bei meinem ersten Album. Read the rest of this entry »
Der finale Tusch der Neubearbeitungen zu Antenas Album “Camino del Sol”. Stimmig zusammengepackt die Mixe von Escort und Enne, die sich ziemlich genau an dem 80er-Jazzpop orientieren, den man damals ungnädig verstieß, als dieser etwas später nicht mehr nur mit Geschmäcklertum flirtete, sondern zu Acid Jazz verödete. Hier ist es aber noch die Vorstellung von Pool-Coolness und, aus denen etwa Everything But The Girls grandioses Debütalbum entsprang. „En Cavale“, das damalige Soloalbum von Antenas Isabelle, ging auch sehr kokett in diese Richtung weiter. Man kann zu alten Favoriten ja so ungerecht sein, da kommt das gerade richtig um die Wiedergutmachung einzuläuten. Der Prince Charming ist hier jedoch abermals der Mix von Pink Alert, der dir erst den Rücken eincremt und dich dann mit einem Gewinnerlächeln von der Liege ins Becken schubst. Der geheime Star unter den diesjährigen Sommerhits.
1990 wurden Samples noch nach Quantität eingesetzt und geloopte Breakbeats schlichen sich mehr und mehr in den Rave-Kanon ein. Dave Angel und Dave Dorrell nahmen sich unheilvoll biblische Wortschnipsel, eine sich sofort in den Ohren festsetzende Bassline und ordentlich Drumkick und legten dreist den Hit der Eurythmics darüber. Erstaunlicherweise funktionierte das Sound-Sammelsurium dieses frühen Mash Ups fabelhaft zusammen und überzeugte nach längerer Clubrotation auch die Urheber selbst, woraufhin der Bootleg schließlich als offizieller Remix veröffentlicht wurde. Von da an war Drum and Bass nur noch eine Frage der Zeit.
Der heimische Deep House-Aufschwung, Aufzucht und Hege. Die stolzen Eltern bei Innervisions sind schon zu anderen Gestaden aufgebrochen, doch Manuel Tur und Dplay verweilen nach ähnlich gelagerten EPs auf Freerange und Compost Black Label noch eine Runde in satter Deepness mit dem Morgengrauen im Anschlag und Wärme im Herzen. So klingt die moderne Wehmut nach dem Überschwang, nach gegenseitigen Blicken des Einvernehmens quer über die Tanzfläche und dem latenten Gefühl, dass man sich durchaus noch zu einem weiteren Kollektivdrama aufschwingen könnte, sofern es sich so anfühlt wie hier.
Die Buddelaristokraten aus NYC nach dem Gipfeltreffen mit ihrem japanischem Pendant DJ Muro erneut mit einer Mix CD auf BBE. Das wird auch in Zukunft so bleiben, die beiden haben für fünf Ausgaben „Off Track“ unterschrieben. Vormals hießen ihre regelmäßigen Archivbegehungen „On Track“ und waren als Breaks, Scratches und sonstige Schnipsel auf mehrere Mixtapes verteilt. In diesem Format werden die Funde respektvoller angegangen, erst ausspielen, dann crossfaden, hier und da ein sachter Edit. Kon gibt den funky Dance Cop, Amir den funky Jazz Cop. Beide wissen wie man ein Set strukturiert und dabei stilistisch variabel bleibt. Der genauere Blick auf die vertretenen Künstler macht der Reputation entsprechend wenig Sinn, man wurde ja nicht als Koryphäen des Offensichtlichen gebucht. Ebenso kryptisch: der Bronxbezug aus dem Titel. Mal sehen ob jetzt die anderen Boroughs nachfolgen, und wie sich das vielleicht unterscheidet. Und fast schade, dass die Jungs nicht mit der gleichen Expertise etwa No Wave oder obskure Samplehouseplatten erledigen, New York City hätte da ja noch einige andere Sammelgebiete in der Hinterhand.
Simon James und D-Hastie landeten mit Westcoast-Wohlfühlmusik bei Guidance und morphten später zu Bartdisco auf Rong. Diese Stücke orientieren sich liebevoll gleichermaßen an den flächigen Früh90er-Downtempohymnen und den psychedelischen 70er/80er-Softrock-B-Seiten, aus denen sich die frühere und die aktuelle Balearic-Begeisterung speist. Die Fülle der Referenzen macht leicht schwindlig, aber Space ist hier keine bloße Floskel und der Dub hält Wache. 24 Hour Chillout People.
Armand van Helden war nie der Subtilste und verhedderte sich meistens in wirren und überknalligen Novelty-Konstrukten von fragwürdiger Substanz, doch zuweilen glückten ihm durchaus Geistesblitze. Als Mole People klaubte er sich die dubbige Deepness von Basic Channel und den langen Atem der Dramaturgie von Wild Pitch zusammen und ließ darunter sein Beat-Patent à la „Zulu“ und „Witch Doctor“ traben. Heraus kam ein hypnotischer Klassiker, der den Test der Zeit souverän absolvieren konnte. Pragmatiker der er ist, erkannte van Helden das Potential dieses Entwurfes und benutzte ihn, nur unwesentlich abgewandelt, kurz danach für einen Remix von Barbara Tuckers Garage-Evergreen „I Get Lifted“ bevor er sich dann doch endgültig für das Plakative entschied.
Normalerweise wirst Du ja mit der Musikszene aus Detroit assoziiert, aber Du kommst ursprünglich aus Chicago. In Deinen DJ-Sets spielst Du viele Klassiker aus beiden Städten. Ist das Absicht, Deinen dortigen Background gleichermaßen zu repräsentieren?
Es hängt viel damit zusammen, dass ich anfangs sehr daran geschult wurde, wie man in Chicago auflegt, sozusagen meine Bildungsjahre als DJ. In den ersten fünf Jahren lernt man die Mehrheit von dem, was sich später als deine Stärke herausstellt. Danach kommt das Ego ins Spiel. Nach zehn Jahren hat mein sein Ego überwunden und es geht um die Auswahl selbst und man lässt die Musik übernehmen. In Chicago war es sehr einflussreich an einem Ort zu sein, an dem man viele Leute, die als Meister ihres Fachs zu betrachten sind, dabei beobachten konnte wie sie ihren Stil entwickeln. Dabei wusste man gar nicht, dass das gerade passiert. Diese Musik wurde dann später sehr ikonisch. Ich zog in den mittleren Neunzigern nach Kansas City, zur Universität, und dort war es sehr schwierig, an die ganzen neuen Sounds zu kommen. Ich bekam anständige Sachen, aber man hatte eher Zugang zu Hip Hop, Funk und Soul als zu den House-Platten, die zu der Zeit raus kamen. Meine Eltern zogen nach Detroit und in den Ferien ging ich dann dort in die Plattenläden und hörte dann all die Sachen, von deren Veröffentlichungen ich gar nichts wusste. Beat Freak, Blaze, Kerri Chandler. Zudem passierte auch eine Menge in Detroit, es gab Soiree und Track Mode, eine Menge Label machten zur gleichen Zeit Sachen und ich hatte soviel verpasst.
Es gab also viel Nachholbedarf.
Und ob. Ich bin dann immer zur Ferienzeit nach Detroit gefahren um mehr davon zu kriegen, und mehr und mehr und mehr. Schließlich lernte ich dann einen Typen kennen, der im Plattenladen arbeitete und das war Rick Wilhite und er fragte mich immer, ob ich sowas mögen würde, weil damals jeder in Detroit extrem auf Techno stand. Ich mag Techno aber es gab auch immer bestimmte Sachen, die ich lieber mochte, das kann ich gar nicht genau begründen. Rick hörte dann auf da zu arbeiten und der nächste der mich dort fragte ob er mir helfen könnte, so mit Afro und so, das war Kenny Dixon Jr. Ich zog dann nach dem College erstmal zu meinen Eltern nach Detroit und wohnte im Keller, ich hatte keine Kohle und wie das so ist mit College Kids, die Eltern fragen sich, was man mit seinem Leben anstellen will und ich legte in der Umgebung auf und den Leuten gefiel es, also dachte ich, das mache ich weiter. Ich denke, beide Städte sind musikalisch sehr zusammengebunden und ich sehe sie irgendwie als gleichen Ort. Es gibt entsprechende Traditionen in beiden Städten, der größte Unterschied ist, dasd Detroit traditionell mehr auf Melodie eingestellt ist und Chicago mehr auf Rhythmus. Das wechselt von Produzent zu Produzent. Manchmal hast du einen sehr perkussiven Detroit-Track und einen sehr melodiösen Chicago-Track, aber meistens treibt der Beat das Zeug aus Chicago an und die Melodie das Zeug aus Detroit. Die Beats in Detroit sind oft komplexer, weil sie auch als andere Einheiten in der Bauweise eines Songs benutzt werden, der Beat in Chicago ist meistens nicht so komplex, er ist einfach, sehr effektiv und sehr ansteckend. Es sind dann die Melodien, welche die verschiedenen Emotionen in den Track bringen, wohingegen die Melodien in Detroit sich um den Track herumwickeln und sich fast wie ein Beat verhalten, das ist ästhetisch sehr interessant. Dann gibt es merkwürdige Hybriden wie von K.Alexi, die irgendwo dazwischen liegen. Oder Leute wie Scott Grooves, die zwischen New York und Chicago sind, er ist ganz unbeschreiblich. Man hatte also zu der Zeit verschiedene Produzenten, die auf Eigenarten der Sounds in ihrer Entwicklungsphase trafen, bevor die Neunziger die Zeit war, wo beide Szenen sehr aktiv und fruchtbar waren. Man hatte da fast den Anfang der brillanten Karriere von Glenn Underground und seinem Output, weil zu der Zeit Cajual passierte, danach Prescription und Balance. Man hatte alle diese Produzenten, die den Grundstock von dem herausbringen konnten, was wir jetzt als House kennen. Wenn man den Vorteil hatte, an dieser Chicago-Herangehensweise geschult zu sein, bekam man anschließend keinen Respekt, wenn man als DJ nur Songs gespielt hat, die man mit dem Pitch angleichen konnte, denen Midi, Timing oder Sequencer beigefügt waren. Tracks mit Wechseln, Funk, Soul, Disco, wenn man das mixen konnte, zeigte das deine Fertigkeiten und du bekamst als DJ Respekt. Und jeder machte das, wirklich jeder. Es gab so viele Bedroom DJs in Chicago, das war schon fast lächerlich. Viele sind jetzt Mittdreißiger oder Vierzig und machen das immer noch, weil sie House lieben. Ich war gesegnet, weil ich meine Wurzeln verlagern konnte. Ich brauchte ein wenig Zeit, um in die Szene in Detroit zu kommen und jetzt bin ich ein bisschen der Außenseiter in Chicago. Aber weil ich dort eine Geschichte habe, ist es nicht so schlimm. In lebe in Detroit, ich gebe mein Geld da aus, meine Frau kommt von da, das ist jetzt mein Zuhause. So eine bewusste Sache ist das auch nicht, aber wenn ich ein Set zusammenstelle, wie jetzt z. B. für Berlin, dann weiß ich, dass es nicht so viel Sinn macht, viele Platten aus New York einzupacken, oder L.A., selbst aus anderen Teilen von Europa. Höchstens ein paar Tunes die passen, unbestritten sind und nicht so regional konnotiert sind. Es gibt aber auch einen bestimmten Anteil Geschichte, an den ich sehr gewöhnt bin und es ist manchmal einfacher bequemer für mich, entsprechende Songs zusammenzustellen und diese funktionieren auch als Referenz für Geschichte. Wenn ich einen Edit von „Jungle DJ“ spiele, ist das ein Hinweis an viele andere Tracks, die gerade im Umlauf sind. Ich kann zeitgemäße Stücke mit älteren Sachen mixen und eine Geschichte erzählen, so dass Leute, die auf eine Party kommen auf der ich spiele, nicht das Gefühl bekommen einer DJ-Performance beizuwohnen, sondern dass da etwas ist, das geteilt wird. Kommt rein und amüsiert euch. Weil es Geschichte ist, mit der ich gut vertraut bin, besteht eine gute Chance, dass ich das in einer Art präsentieren kann, die für euch annehmbar und unterhaltsam ist. Das ist so die Geisteshaltung die ich annehme, wenn ich mich als DJ vorbereite. Read the rest of this entry »
Clone geht ja schon eine ganze Weile zurück, und das Label steht für eine Menge unterschiedlicher Stile. Reflektiert das Deine eigene musikalische Vergangenheit?
Ja, das stimmt. Damals war das nicht ungewöhnlich, dass man sich für viele verschiedene Stile und Sounds interessiert hat. Viele Leute haben alles von Acid, Deep House bis hin zu härteren Sachen gespielt. Auch kommerziellere Sachen.
Und die Affinität zu Disco? Gerade Italo Disco hat ja eine große Tradition in Holland.
Ja, vor allem hier an der Westküste, um Rotterdam und Den Haag herum. Es ist etwas merkwürdig, aber Italo Disco war hier stets eine Arbeiterklassemusik. Musik, zu der die Arbeiter in den Industriegebieten am Wochenende feierten. Man wollte es sich nach einer harten Woche gut gehen lassen. Im Gegensatz dazu waren in Amsterdam New Wave und eher künstlerische Sachen populär, und es war etwas düsterer. Auf jeden Fall war Italo Disco in meiner Gegend sehr beliebt und wurde deshalb viel im lokalen Radio gespielt und in den meisten anderen Teilen Hollands auch. Das ist einer der Gründe, warum ich dazu einen engen Bezug habe. Read the rest of this entry »
(Patti Labelle’s “Eyes In The Back Of My Head” is heard from the hotel bar nearby…)
That’s a big song for us. I’ve got eyes, eyes in the back of my head, I got eyes. Some wicked song. Anyway…
We’ve got this section called legends. This is where we would like to present you.
Okay. (Waiter brings a bottle of champagne) Thanks … You can have some, too, what the hell. He should bring some more glasses. Could you bring some more glasses? Thank you. Okay. So, what do you want to know?
You’ve got a long history, but you just started a label. So it would be great to hear things of the past and what you plan for the near future too. If you have look at which kind of electronic music history people refer to, it’s mostly Detroit and Chicago and New York. When it comes to New York, it’s mostly Hip Hop. Not that much house. I think House is for a special crowd.
You mean currently? That what you feel it is currently?
Yeah. It seems like people don’t really recognize the long history of House music in New York and don’t give it the attention it deserves.
Well, I believe it’s inclusive of too many different types of other genres. That’s what. It’s like too big of an animal to control. I think it’s too big of a genre because it’s inclusive of too many other little parts for the investors to try to really build upon. What I mean by that is that it is fragmented into Soulful House, Latin House, so many different types of House. Forget about it. Everybody likes to hold their own part of House music historically, so much. They all feel equally important. And it’s just too big for, like, majors to really get behind. That’s what I believe. Read the rest of this entry »
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