Manifesto

Posted: July 16th, 2008 | Author: | Filed under: Features | Tags: , | No Comments »

Mediocrity is not a virtue.

There is a direct connection between the devaluation of music and artistic irresponsibility.

Status won’t necessarily last longer by being fully exploited.

Every trend you follow is trend less you could set.

For every older record you may disrespect, there is a blueprint you may imitate.

Every preset you use is an idea less that you could develop on your own.

If a virus wipes out every preset in existence, you might have to stop producing.

If you change your musical style, you could consider using the one you just left behind on the one you get into.

For every edit you make that just streamlines the original material, there is a DJ is capable of using just the original material you just deleted in the process.

Don’t release something that you won’t care about in the near future. You may block somebody who does.

You would be better off investing all you can afford into the mastering, distribution and design of the release you totally believe in, than investing the least possible into mastering, distribution and design of all the other releases you don’t really believe in.

Mixing is overrated; selection is not.

The performance aspects of digital DJing are alarmingly disproportionate to the convenience aspects of digital DJing.

Charts and playlists don’t oblige, they just give examples.

If you don’t earn enough money by DJing, you will not necessarily earn more if you start to produce.

If you don’t earn enough money by producing, you will not necessarily earn more if you start to DJ.

If you don’t earn enough money by producing and DJing, you will not necessarily earn more if you start a label.

There are more phrases to illustrate a positive feedback than “full support,” “top tune,” and “will play.”

Your demo as a Sendspace link in the MySpace inbox of the label of your choice will not give the impression that there is some thought behind your choice.

If you are not in the mood to party, stay in.

Pitchfork 07/08


Solomun – Compost Black Label #36 (Compost)

Posted: July 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Ohaueha, über ein plockeriges Rhythmusfundament schichtet Solomun bei „Don’t Cry“ Pianoläufe und dramatischen Streichereinsatz, als wolle er Faze Action für das Electro House-Jetzt updaten. Das hat seine zugreifenden Momente, hätte aber ruhig gerne noch dramatischer sein dürfen, wenn man schon mal dabei ist. „The Way Back“ bietet plastillinen House mit Âme im Hinterkopf und einer Eric Kupper-Gedächtnis-Solo-Orgel, sehr sauber, aber auch etwas zu sauber und irgendwie untief. „Somebody’s Story“ ist ein Zwitter der vorherigen Stücke mit Mut zur Opulenz, der unbeirrt die Restnacht aufrechterhält, während draußen schon die Vögel zwitschern und die Sonne wenig später knallen wird, als wäre sie zwischenzeitlich auf wenige Kilometer herangerückt.

De:Bug 07/08


Panthers – Goblin City (Permanent Vacation)

Posted: July 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Rock und Disco, die wackelige Allianz. Auf so viele glückliche Aufeinandertreffen zwischen No New York und ELO kommen mindestens ebenso viele unglückliche, manifestiert in etlichen Auftragsspezialmixen kredibler Discotypen seit Dekaden, die an beiderlei Zielpublikum vorbei, meistens nur in beinharten Hi-NRG-Clubs bzw. Traktordissen und ihren modernen Pendants ihren Zweck erfüllten. Man stelle sich das vor wie Al Pacino auf der Tanzfläche in „Cruising“: fremder Turf, ungewohnte Rituale, falsche Bewegungen. Insofern gehen Holy Ghost den richtigen Weg. Ein bisschen Gniedelgitarrenpart geht schon und das unterschwellige 70erRockglorienzeitgefühl vermischt sich ganz proper mit den weitflächigen Insignien von Jetztzeitdisco, vor allem wenn man einfach so unbedarft und referenzstressbefreit ins Rund feuert wie hier geschehen. Run Roc hingegen der flirrend-stoische Part, sein Mix jagt die Chants und den Bass durch einen Echostrudel und geht beherzt ein paar Schritte in Richtung Mittneunziger-Trance. Also ingesamt eine prima Platte für Beardo-Apologeten, die schon mal zu ganz anderen Sachen getanzt haben.

De:Bug 07/08


Motor City Drum Ensemble – Sun Sequence (Four Roses Recordings)

Posted: July 5th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Zum vierten Mal schiebt sich Four Roses nach vorn, zum zweiten Mal mit Danilo Plessow, der hier auf dem Titeltrack eine Sehnsucht nach flächendeckender Strobohypnose auslebt, mit erneut gewichtigen Ergebnissen. „Sun Sequence“ schwingt wie ein außer Kontrolle geratenes, überdimensioniertes Pendel über den Köpfen, stoisch und schwer. Die Sonne, um die es hier geht, hat nicht mehr viel Amtszeit vor sich und die Signale treffen mit einiger Verspätung, aber umso massiverer Wirkung ein. „Feel The Love“ ist ähnlich dunkel, kommt aber eher aus einem tiefen Gewölbe nach oben, wo es sich dann unvermutet als schwarzseidener Spotlight-Hustler entpuppt. Die Liebe, um die es hier geht, hat auch keine Zeit zu verlieren. Ein Blick muss reichen. Und reicht.

De:Bug 07/08


Herb LF – Sunliner (Farside)

Posted: July 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Herb LF kehrt zurück und verlängert den Höhenflug von Farside um eine weitere Katalognummer. Für all diejenigen, denen schon länger schwant, dass Deep House sich zur Zeit für den Konsensanschluss zu Techno zu oft in aseptischen Klängen verkalkuliert, gibt es hier einen äußerst wirkungsvollen Willkommensgruß. „Sunliner“ kreuzt im Blindflug Reese-Bass, Glockenspielohrwurm und warmes Flächenrauschen, das dürfte im richtigen Moment von der richtigen Hand am richtigen Ort in die Kategorie „schockierend“ fallen. Auch „Shake“ und „Down To The Sound“ gehen beherzt und weise mit den Zutaten um und haben noch dazu das Dub-As im Ärmel, ohne sich in Basic Channel-Konventionen zu veröden. Expertentum in frisch.

De:Bug 07/08


Hofuku Sochi – Real-Life Undersea Organisms (Eigenvertrieb)

Posted: July 4th, 2008 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Hofuku Sochi im Live-Modus-Video-Audio-Mix im Hamburger Angelklub, und der Titel ist Programm. Wo die Krautrock-Elektroniker den Weltraum erforschten, kehren Stachy und Co. vor der eigenen Küste und tauchen weit runter. Der Sound ist jedoch durchaus vergleichbar. Es rumort und wabert, romantisiert drehen Bleep-Spiralen ihre Runden, später rücken ziemlich funktionstüchtige Dub-Basslines ein und es wird die Party forciert. Der freundlichste Ambient seit The Orb, mit entprechend lustig-anachronistischer Bildspur voller Cyberplankton und Sinuskurven, die an die seligen Zeiten erinnern, als X-Mix auf VHS der heiße Scheiß war. Dafür gehört ihnen die Calypso anvertraut und sie sollen solange auf große Erkundungsfahrt gehen, wie sie es für nötig erachten.

De:Bug 07/08