Interview: Serge (Clone Records)

Posted: July 9th, 2007 | Author: | Filed under: Artikel | Tags: , , | 1 Comment »

Clone geht ja schon eine ganze Weile zurück, und das Label steht für eine Menge unterschiedlicher Stile. Reflektiert das Deine eigene musikalische Vergangenheit?

Ja, das stimmt. Damals war das nicht ungewöhnlich, dass man sich für viele verschiedene Stile und Sounds interessiert hat. Viele Leute haben alles von Acid, Deep House bis hin zu härteren Sachen gespielt. Auch kommerziellere Sachen.

Und die Affinität zu Disco? Gerade Italo Disco hat ja eine große Tradition in Holland.

Ja, vor allem hier an der Westküste, um Rotterdam und Den Haag herum. Es ist etwas merkwürdig, aber Italo Disco war hier stets eine Arbeiterklassemusik. Musik, zu der die Arbeiter in den Industriegebieten am Wochenende feierten. Man wollte es sich nach einer harten Woche gut gehen lassen. Im Gegensatz dazu waren in Amsterdam New Wave und eher künstlerische Sachen populär, und es war etwas düsterer. Auf jeden Fall war Italo Disco in meiner Gegend sehr beliebt und wurde deshalb viel im lokalen Radio gespielt und in den meisten anderen Teilen Hollands auch. Das ist einer der Gründe, warum ich dazu einen engen Bezug habe.

In Deutschland war das ähnlich. Als es mit Italo Disco losging war das keine Musik, die in den hippen Clubs lief. Es war nicht cool, die Musik zu mögen.

Ja, aber gerade in seiner frühen Periode war das sehr aufrichtige und ehrliche Musik. Holland war immer sehr schnell begeistert von neuer Tanzmusik, und es gab viele gute Shops dafür, welche die Musik aus Italien und den USA importierten. Labels wie Rams Horn lizensierten zudem Disco, Electro und all die neuen Stile. Deswegen kam House hier auch sehr früh in den Clubs und Radiostationen an und wir wuchsen alle damit auf. Es gab auch spezielle Dance-Shows in den landesweiten Radiosendern, in denen Megamixe gesendet wurden, die von Platten und Tapes zusammengecuttet wurden. Da hörte man dann alles von Il Discotto bis Man Parrish, es war sehr durcheinander. Eine Menge Leute mochten es nicht, weil es billige Tanzmusik war, mit wenig künstlerischem Anspruch. Aber ich bin darauf angesprungen.

Interessant, dass es damals schon diese Abgrenzung von Amsterdam gab. Das hat sich ja später in der House- und Technoära wiederholt.

Ja, aber ich glaube das ist in vielen Ländern so. Viele Künstler und Intellektuelle ziehen in große Städte, wie Amsterdam. Daraus ergeben sich andere Musikszenen. In den USA ist das beispielsweise ähnlich, siehe Detroit. Dort war man auch sehr an Italo Disco interessiert, und in New York war es eher New Wave und klassische Discomusik. Musik wurde überall zelebriert, aber eben unterschiedliche Arten.

Wer waren die DJs, die Dich damals beeinflusst haben? Leute wie Ben Liebrand zum Beispiel?

Nein, nicht wirklich. Es gab eine Radiosendung namens „Soul Show“, wo viel Disco, R&B und frühe Housemusik lief. Das war ein großer Einfluss für mich als ich noch zur Schule ging, auch wenn ich mich damals noch nicht so stark für Musik interessiert habe, sondern eher für Sport. Aber man hat halt viel Radio gehört und ich habe viel auf Kassette mitgeschnitten. Es gab auch diese wöchentlichen Mix Contests mit Mixen, die Leute zuhause aufgenommen hatten. Es war ein großer Einfluss, dass man somit obskure Sachen aus den Clubs zusammen mit bekannteren Hits hören konnte. Das waren meine ersten Kontakte mit Tanzmusik, im Alter von 14 oder 15, und es ergaben sich dann Vorlieben für bestimmte Sounds, über die ich dann später mehr herausfand. Man geht noch nicht hin, aber man hört die schräge Musik aus den Clubs und nimmt das auf. Dann gab es auch noch Radiosendungen aus Belgien, wo Front 242 und schräge Acid-Sachen gespielt wurden. Das war mehr an Wave und Electro orientiert, und experimenteller.

Wann hast Du dann gemerkt, dass Du Dich näher mit Musik beschäftigen willst?

So mit 16 oder 17 Jahren. Mir ging es noch nicht so sehr um Ausgehen, aber eine Freundin der Familie lebte in Amsterdam und in den Ferien habe ich sie manchmal dort besucht und eine Freundin von ihr arbeitete im Roxy. Das Roxy war der erste Club in Holland, wo ausschließlich House und Acid lief. Ich kannte House aus dem Radio und hörte von ihr Geschichten über den Club, also ging ich hin. Und die Musik, die dort gespielt wurde, hat mich total umgehauen. Danach war ich war am Haken und fing an die Platten zu kaufen. Der Club war ein prägendes Erlebnis für mich, eine verrückte, ganz neue Welt. Vorher hatte ich nur Radiosendungen gehört, aber im Club ging das ging viel tiefer. Acid, Chicago-Zeug, die frühen Detroitsachen, das hat mich total begeistert. Es war eine ganz neue Erfahrung, voller Kraft. Diese Jahre 1987 und 88 hatten eine große Wirkung auf mich, mit Musik die ich vorher noch nie gehört hatte. Sie hatte einen ganz neuen Groove, als würde sie aus einer ganz anderen Welt kommen. Es ist sehr seltsam, dass so viele junge Menschen das so nicht mehr erfahren können. Ich sprach mit jemandem, und er hatte diese Erlebnisse, die ich mit House und Techno gemacht hatte, nur mit Reggae. Ich hatte darüber nie nachgedacht, aber er kam aus einer Kleinstadt, und er hörte zum ersten Mal Reggae auf einer Party. Er war in den 70ern mit Lou Reed oder den Beatles aufgewachsen und auf einmal hörte er Dub und Reggae, und es ließ sich überhaupt nicht mit der Popmusik verbinden mit der er aufgewachsen war. Es war völlig anders. Andere Rhythmen, andere Basslines. So eine Berührung mit bis dahin noch nicht gekannter Musik kann eine große Wirkung haben. Eddy de Clercq war der DJ, der damals die ganze House-Bewegung in Holland lostrat, und er hat mich sehr beeinflusst. Er war auch ein Teilhaber vom Roxy. Er war der erste, der nur House gespielt hat, abstrakte und monotone Acidsachen, und viele mochten das am Anfang nicht, selbst das Tresenpersonal im Roxy. Dann wurde es auf einmal groß, auch in England, und ich war zufällig mittendrin.

Wie hast Du denn die Zeit unmittelbar nach dem Acid-Boom erlebt? Es gab ja diese Ermüdungsphase danach, als House schon als vorübergehende Mode schien, und dann formierte sich auf einmal alles neu.

Ich erinnere mich, dass es im Roxy merkwürdige Themenpartys gab, für deren Ausstattung viel investiert wurde. 1989 machten sie dann eine Veranstaltung namens „The Death Of Acid“. Es wurde zu populär und sie wollten nichts mehr damit zu tun haben. Dann kamen neue Stilarten wie Hip House und kommerziellere Sachen aus New York, wie z. B. Todd Terry. Es machte aber nichts, weil es normal war verschiedene Stile in einer Nacht zu spielen. Erst Doug Lazy oder Rebel MC, und dann was von Larry Heard, Derrick May oder Nu Groove. Es war sehr vielfältig, und es entwickelten sich neue Stimmungen und Energien. Es gab ein Auf und Ab von Peaktime und langsamen Phasen, und die Stimmung wechselte von nachdenklich zu euphorisch und zurück. Es gab verschiedene Emotionen in einer Nacht. Mir ist das immer noch wichtig. Ich kann nicht verstehen, warum manche Techno-DJs die ganze Nacht das Gleiche spielen. Man hat ja nicht die ganze Nacht die gleiche Gefühlslage. Um elf abends sind die Leute anders drauf als um fünf Uhr morgens, also sollte man auch unterschiedliche Musik spielen, und die Stimmung und Energie den Phasen der Nacht anpassen.

Aber früher hatten die DJs auch oft Residencies, in denen sie über eine ganze Nacht ein Set variieren konnten. Jetzt hat man als DJ meistens nicht so viel Zeit zur Verfügung.

Das stimmt, aber dennoch sollte man sein Set dem Ablauf der Nacht anpassen können. In einem kleinen, intimen Club sollte man andere Musik als in einem großen Club spielen. Ein Afterhour-Set sollte anders klingen als ein Set mitten in der Nacht. Wenn ich eine Party beginne, spiele ich anders als wenn ich sie beenden würde, egal wie lange ich auflege. Man kommt irgendwo um Mitternacht rein, und die Musik läuft schon mit über 120 bpm. Ich glaube das ist ein Fehler, den viele DJs machen. Das kommt ursprünglich aus der Zeit um 1991, als sich viele auf einen Stil festlegten. House wurde beliebt und splitterte sich in verschiedene Stile auf und man entschied sich für einen bestimmten davon, oder man ging zu härterem Acid oder Techno. Zu dieser Zeit kamen die Partys auf, bei denen dann die ganze Nacht nur noch ein Stil gespielt wurde und das war keine gute Entwicklung. Man legte sich auf bestimmte Rezepte fest und dann gewöhnten sich die Leute daran und wollten auch nichts anderes mehr hören als etwa harten Techno die ganze Nacht. Es war vielleicht eine natürliche Entwicklung, aber ich mochte diese Phase in den frühen 90ern nicht. In Holland teilte sich das komplett in härteren Techno aus Detroit und Belgien und diesen New Yorker House-Stil von Strictly Rhythm auf, und so entstanden zwei verschiedene Szenen. Aber es gab auch eine Gruppe dazwischen, von Leuten denen das egal war, ob es soft oder hart war. Die wollten nur die guten Sachen hören. Ich habe mir hartes Zeug aus Belgien gekauft, oder Underground Resistance, aber auch Strictly Rhythm oder Bobby Konders. Ich wollte es immer so haben, wie zu der Zeit als ich die Musik entdeckte, und ich kaufte alles was ich mochte, egal wie unterschiedlich es klang. Und ich glaube das kommt wieder zurück. Viele Leute kaufen sich Musik aus unterschiedlichen Stilrichtungen. Sie mögen beispielsweise Disco, Electro und ravige Sachen gleichermaßen.

Es scheint, als würden sich die ganzen kleinen Unterscheidungen der letzten Jahre wieder auflösen.

Genau. Kein Musiker oder DJ hat doch Spaß daran, fünfzehn Jahre das Gleiche zu spielen. Ich höre das oft von Leuten, die schon zehn Jahre oder länger im Musikbusiness sind. Sie sagen sie sehen das als ihren Beruf, und sie machen immer den gleichen Kram, und dann wird ihnen das langweilig und sie hören einfach auf oder stecken in kleinen Nischen fest. Und dann gibt es andere Leute, die sich dagegen entscheiden immer die gleiche Musik zu machen und sich weiterentwickeln, weil sie sich den Spaß daran erhalten wollen. Und sie lassen es darauf ankommen, ob man ihnen folgt oder nicht. Diese werden eher länger bei der Musik bleiben.

Wie haben sich denn Deine Überzeugungen und Ideen hinsichtlich der Musikbranche bei Clone niedergeschlagen?

Das kam ganz natürlich, indem ich beobachtete was um mich herum passierte und darüber nachdachte was mir gefiel und was nicht und dann hinterfragt habe warum das so war. Daraus erfolgte die Art und Weise, in der ich damals alles unternommen habe. Ich habe eigentlich nie darüber nachgedacht ein Label zu gründen. Aber nachdem ich einige Zeit aufgelegt hatte, begann ich Tracks mit Freunden zu machen und brachte das auf anderen Labels heraus. Dann fragte ich mich wie viele andere zu der Zeit, warum ich das nicht selber herausbringe, zum Spaß für mich und für Freunde. Ich mochte es bei den frühen Leuten aus Chicago, die Platten in geringen Stückzahlen veröffentlichten, und dachte das könnte ich auch machen. Das war der erste Schritt zum Label. Ich wollte nicht mehr Demos an andere Labels schicken müssen und ich wollte unabhängig sein. Ich wollte nichts Originäres oder Neues machen, weil ich wusste, dass eine Menge Leute das schon vor mir gemacht hatten.

Hat sich um Deine Aktivitäten dann ein Netzwerk ergeben, aus dem sich Clone entwickelt hat?

Ja, ein bisschen war das so. Ich war DJ in einem Ferienclub in Renesse, der für sechs Monate im Jahr geöffnet war, viele Deutsche aus dem Ruhrgebiet haben dort Urlaub gemacht. Es gab noch ein paar andere Clubs in der Gegend, und ein befreundeter DJ war dort aktiv und begann Musik zu machen und dann machten wir was zusammen, und ein paar andere Freunde kamen dazu. Dann schloss ich mich mit Ferenc alias I-F von Hotmix und den Jungs von Unit Moebius zusammen und hatte Kontakte mit vielen anderen DJs und Produzenten. Es war keine richtige Szene, aber zwischen den ganzen Labels für harten Techno und Gabber und denen für den normalen Clubsound gab es eine Lücke für andere Musik, in der nur Djax-Up und ein paar kleinere Labels aktiv waren. Mir gefielen eine Menge Sachen, die nicht in diese beiden großen Szenen passten, und die wollte ich herausbringen. Andere machten das auch, z. B. Jeff Mills mit Axis, Carl Craig mit Planet E oder B12 und Kirk Degiorgio in England. Das fand ich alles viel interessanter als nur Leute im Club zu unterhalten, die Clubszene war damals ziemlich langweilig. Es war eine natürliche Entwicklung, die der Musik folgte die mir gefiel. Ferenc machte seinen Plattenladen 1994 auf, und er schloss wenig darauf wieder. Daraufhin machte ich 1996 meinen Laden auf, weil es zu dem Zeitpunkt kaum gute Shops in Holland gab. Das Label gab es schon zwei Jahre früher.

War es Deine Absicht ein Label mit einem Shop zu verbinden?

Das war keine bewusste geschäftliche Entscheidung. Es war so wie mit dem Label. Es gab eine Lücke, die niemand ausfüllen wollte und ich fragte mich, ob nicht selbst einen Laden eröffnen sollte. Ich hatte gute Verbindungen. Ich war oft in Deutschland, wie z. B. bei Neuton in Frankfurt. Kompakt in Köln auch, und Submerge in Detroit. Wir verkauften unsere eigenen Platten an eine Menge Vertriebe. Ich bekam von den Vertrieben Platten für mich und ein paar Freunde und ich dachte ich sollte es versuchen, und so eröffnete ich diesen sehr kleinen Laden dafür. Ich hatte keine Ahnung, dass daraus ein größerer Shop werden konnte, oder sogar ein eigener Vertrieb. Auch den Vertrieb und den Verlag gründeten wir, weil es keine guten anderen in Holland gab. Ich sah was fehlte oder anderswo nicht gut war, und zog daraus Konsequenzen, und dann kam eins zum anderen. Später merkten wir, dass es keine brauchbaren Onlineshops gab, also haben wir selber einen gegründet. Und es gab andere, die das erfolgreich gemacht haben, siehe Hard Wax und Kompakt.

Wie ging das mit der inhaltlichen Ausrichtung vor sich? Gerade Hard Wax und Kompakt hatten ja auch einen bestimmten Sound.

Wir wollten uns aufgrund der Erfahrungen mit all diesen Szeneaufsplitterungen in Holland nicht auf einen bestimmten Sound festlegen. Es gab so viele Szenen, die sich über einen Sound definierten, und ich mochte das nicht. Es gibt so viel verschiedene gute Musik. Mit 16 oder 17 kaufte ich „The Poem“ von Bobby Konders von meinem letzten Geld, und ich zögerte, weil es sehr moody und nicht unbedingt clubtauglich war. Ich wollte schon lieber den gängigen Clubhit mitnehmen. Aber „The Poem“ wurde mit der Zeit eine meiner absoluten Lieblingsplatten, und sonst hätte ich vielleicht Quadrophonia mitgenommen oder so etwas. Aufgrund dieser Erfahrung wollte ich solche Fehler nie wieder begehen. Man sollte Platten kaufen, weil sie einem gefallen, nicht nach irgendwelchen Szenestatuten. Das Programm bei Clone orientierte sich natürlich an den eigenen Interessen und war dementsprechend vielfältig, und Electro und Disco waren ein Teil davon. Es gab aber natürlich auch Phasen, wo das anders war, und ich viel straighten Techno aufgelegt habe. Aber wir haben uns nie auf einen bestimmten Sound beschränkt, und diese Fokussierungen habe ich bei anderen Unternehmen der gleichen Art auch nie nachvollziehen können. Von einem künstlerischen Ansatz her mag es ja Sinn machen, sich über einen bestimmten Stil zu positionieren, aber ich war immer eher Musikliebhaber als Künstler. Ich wollte mich nie zwischen Disco und Techno entscheiden müssen, weil mir beides gleich viel Spaß machte. Ich wollte aus Clone nie ein Konzept machen, dass bestimmte ästhetische Anforderungen zu erfüllen hat. Und ich glaube wir haben länger überlebt als andere, weil wir uns auf all die verschiedene Musik konzentriert haben, die uns interessiert hat und uns dabei mitentwickelten. Wir hatten auch nie eine große Szene für das was wir tun, es war eher auf Underground-Party-Level und auf mehrere Städte verteilt, und die Leute dort waren verbunden. Wenn man eine Szene um einen herum hat, bietet das am Anfang vielleicht Sicherheit, aber man muss bestimmte Erwartungen erfüllen. Dann werden die Beteiligten älter und es nutzt es sich ab, neue Leute kommen dazu und finden es langweilig und es bleibt irgendwann nichts mehr übrig. Wir ziehen die Leute an, die es mögen, dass bei uns alles möglich ist.

Diese Haltung hat sich ja auch sehr bald beim Label manifestiert, wo dann Drexciya neben Discomusik zu finden waren, und auch bei den Aktivitäten vom Cybernetic Broadcast System, dass einen großen Einfluss auf die Disco-Renaissance hatte.

Ja, und das mit Drexciya war schon 1997. Mir kommt das wie letztes Jahr vor, aber es ist schon lange her. C-B-S kam später, aber es hatte tatsächlich eine große Wirkung. Es war aber nur ein weiterer Level, wir haben diese Disco- und Electrosachen schon in den 90ern gespielt. Wir waren immer nur daran interessiert uns selbst treu zu bleiben und nicht irgendeiner Szene. Man kann immer schon bald voraussagen, welche Szenen demnächst langsam zugrunde gehen werden. Sieh Dir beispielsweise Electroclash an. Wir hätten auch mehr so etwas in der Art von Dexters „I Don’t Care“ oder Adults „Hand to Phone“ machen können, und hätten damit gut Geld verdient, aber wir wollten uns nicht auf einen Trick beschränken.

Clone nimmt ja auch oft eine Art Kuratorposition ein und bewahrt Klassiker vor der Vergessenheit.

Ja, aber das sind auch alles Lieblingsplatten, die ich über die Jahre immer aufgelegt habe. Leute fragten mich danach und ich erzählte ihnen dann wie alt das teilweise schon war, und auch wie einflussreich. Und dann fiel mir auf, dass die meisten Anfragen beim Auflegen immer dann kamen wenn solche alten Platten liefen. Und die Leute wussten einfach nichts darüber. Und wenn sie die Anfänge in der Vergangenheit nicht kennen, wie wollen sie dann was für die Zukunft tun? Die Leute würden immer noch fortwährend das Rad neu erfinden, wenn sie nicht schon wüssten, dass das schon geschehen ist. Also habe ich diese Sachen wieder herausgebracht und viele hatten eine Menge Spaß daran.

Aber es gibt ja auch viele Experten, die ihr Fachwissen für sich behalten um sich darüber profilieren. Clone hingegen wollte es allen mitteilen.

Unbedingt, aber das war bei mir schon immer so. Im Plattenladen wollte ich die besten Platten immer mit den Kunden teilen. Ich wollte ihnen nie etwas vorenthalten. Für mich macht es keinen Sinn, für Exklusivität und Credibility gute Musik zurückzuhalten. Im Moment ist irgendwie alles exklusiv und jeder spielt etwas wochenlang vor dem Veröffentlichungsdatum. Und dann werde ich nach Platten gefragt die ich auflege, und diese Leute kommen regelmäßig in den Plattenladen und kennen es nicht obwohl sie viel kaufen. Sie haben es einfach nicht mitbekommen, weil es soviel Musik zur Auswahl gibt. Umso wichtiger ist es, die guten Platten in Umlauf zu bringen, auch alte.

Das ist dann ja auch eine niemals endende Mission, da zu den guten älteren Platten stets gute neue hinzukommen.

Genau, es hört nie auf. Es fällt so vieles einfach durch. Selbst Drexciya, eine ganze Generation kennt die gar nicht mehr. Ich denke die Leute auf dem Floor interessieren sich gar nicht für Exklusivität, sie wollen nur gute Musik hören. Viele Leute hören auch große Clubhits höchstens ein- oder zweimal die Woche und es reicht ihnen.

Was waren denn über die Jahre die signifikanten Entwicklungen für alle Unternehmen, die mit Clone zusammenhängen?

Wir hatten keinen Businessplan. Wir mussten noch nicht einmal wirklich Kalkulationen erstellen, weil wir immer genug Käufer für unsere Veröffentlichungen hatten. Also war alles was wir über die Jahre gemacht haben dadurch motiviert, dass wir unbedingt unabhängig bleiben wollten. Wir wollten nicht, dass jemand Einfluss auf unsere Aktivitäten nimmt oder sogar sein Veto bei Sachen einlegt, die wir gerne machen wollten. Jeder Schritt, den wir unternommen haben sollte uns noch unabhängiger machen, und so haben wir nach und nach alle Bereiche selbst abgedeckt: Promotion, Vertrieb, Verlag, Laden, Mailorder, Webseite, Clubnächte usw. Manchmal ist es sicher hilfreich mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten, aber wenn diese Pleite gehen oder sich nicht mehr mit Musik beschäftigen wollen, steht du wieder am Anfang. Also haben wir lieber eine kleine Organisation aufgebaut, die stark genug ist zu überleben, wenn es darauf ankommt. Im Moment hilft das natürlich, weil wir trotz geringerer Verkäufe weitermachen können. Es ist ein Luxus, nicht von anderen Unternehmen abhängig zu sein, aber dafür wir haben wir auch hart gearbeitet.

Dadurch, dass sich Clone so lange Zeit mit allen Aspekten des Musikbusiness befasst hat, wusste man ja auch aufgrund von Erfahrungswerten wo sich die Fallen befinden.

Genau. Ich habe einfach gelernt, dass man anfällig ist, wenn man sich nur auf wenige Einkommensquellen beschränkt. Wenn man nur einen Vertrieb macht, erlebt man gerade eine schwierige Zeit. Wenn man nur einen Laden macht, mit Musik die man mag, erlebt man gerade eine schwierige Zeit. Wir können Verluste bestimmter Teile von Clone mit anderen auffangen. Deswegen sind wir mittlerweile der einzige Plattenladen in Rotterdam, der noch nicht schließen musste. Bei Hard Wax, Kompakt oder Rubadub ist es ähnlich. Mit einem Backkatalog und etwas eigener Geschichte ist es einfacher, aber es gibt auch jüngere Unternehmen wie Flexx in Belgien, die mit diesem Ansatz erfolgreich sind. Man kann immer noch was anfangen.

Glaubst Du denn, dass noch Platz ist für Neugründungen und Wettbewerb?

Nun ja, es ist sehr merkwürdig im Moment. Da könnte es wohl wirklich schwierig sein, ehrlich gesagt. Die Verkäufe sind eingebrochen und das ganze Business ist gerade sehr seltsam. Normale Konsumenten und DJs kaufen ihre Musik völlig anders als noch vor nur drei Jahren, und die Outlets werden immer weniger. Vor nicht allzu langer Zeit hatte man noch einen Importladen in jeder mittelgroßen Stadt, und nun sie sind alle verschwunden. Damit gingen den Vertrieben viele Outlets verloren und es wurde schwieriger die Musik zu verkaufen, als etwa vor einigen Jahren. Es gibt einfach nicht mehr so viele Läden, in denen man Musik kaufen kann. Unsere Künstler sind keine großen Namen, oder verkaufen für eine gewisse Zeit viele Platten. Da ist es umso wichtiger Mail Order zu haben und gute Leute, die dem Kunden vermitteln können dass es gute Musik ist bei der es sich die Anschaffung lohnt, obwohl es unkommerziell ist, oder obskur. Viele gute Produzenten gehen unter, weil sie nicht gut vermittelbar sind. Sie starten ohne einen großen Hit und ohne großes Label. Und sie können nur wachsen, wenn die Leute was von ihnen mitkriegen. Theo Parrish hat auch klein angefangen, und dann haben DJs und gute Läden seine Musik unterstützt.

Du würdest also sagen, dass sich eher unbekannte, aber gute Musik immer noch durchsetzt, auch wenn es vielleicht eine Weile braucht?

Wahrscheinlich, aber es ist sicherlich schwieriger geworden. Deine Platte muss in den zehn wichtigen Plattenläden und Onlineshops zu finden sein, in denen die wichtigen DJs ihre Sachen kaufen. Und wenn du nicht auf den richtigen Partys spielst, oder dort hingehst und dich mit den Schlüsselfiguren bekannt machst, wird es schwierig.

Also harte Zeiten für Produzenten, die nur gute Musik machen, aber keine guten Verbindungen haben?

Nun, viele Nachwuchsproduzenten wissen vermutlich, wie man eine Verbindung zu Beatport herstellt oder zu anderen kleinen Vertrieben. Aber die wichtigen DJs in Berlin z. B. kaufen bei Hard Wax. Und wenn Hard Wax nicht beliefert wird oder deine Veröffentlichung eine unter Tausenden auf Beatport ist, wird es für die Leute schwierig, etwas über deine Musik zu erfahren. Es kommt einfach so unglaublich viel Musik raus. Wir hatten ein paar gute Platten im Vertrieb und im Laden, und wir waren sicher, dass sie groß werden würden. Jeder spielte sie, auch paar große Namen, von denen es auch großartiges Feedback gab. Und dann haben wir davon vielleicht jeweils 1000 Stück verkauft. Es ist wirklich merkwürdig gerade. Die großen Peaktime-Partytunes zum Hände in die Luft schmeißen werden genommen, das ist eine ganz andere Geschichte. Aber mit richtig guter Musik ist es schwieriger, da kann es manchmal Monate dauern bevor etwas zum Hit wird. Aber oft picken wir etwas Obskures auf und unterstützen es weil wir es mögen, und dann hängen sich andere Shops dran und es wird erfolgreich. Das liegt dann also nur an ein paar Leuten, dass eine Platte sich gut verkauft. Ich glaube viele Platten aus dem Disco- und Experimentalbereich kommen nur so an die Oberfläche.

Es ist keine gute Entwicklung, wenn Künstler gezwungen sind Kompromisse zu machen, damit sie überhaupt wahrgenommen werden.

Definitiv nicht. Es ist vielleicht einfacher, wenn du nur ein paar Clubtunes machen willst und dann langsam ein paar Extras auf die B-Seite packst. Eine Menge Leute interessieren sich gar nicht für Peaktime-Dancetunes. Ich kenne eine Menge Leute, die mit Musik Geld verdienen aber man muss sich klar machen, dass das meistens ein Nebenjob ist, oder ein Hobby. Aber mit ein paar Peaktime-Platten, die von ein paar wichtigen DJs gespielt werden, bekommt man plötzlich Features in der Hype-Presse, den Blogs und den Magazinen. Jeder will auf einmal einen Remix von dir und du sollst in großen Clubs spielen. Man kann so innerhalb von drei Platten von Tanzmusik leben.

Aber so etwas ist ja auch oft nicht von langer Dauer, weil es immer mehr Medien gibt die immer mehr neue Themen brauchen.

Absolut. Da hat es eine große Verschiebung gegeben. Mir fiel letzte Woche Mylo ein. Er hatte vor ein paar Jahren einen Riesenhit. Und jetzt hört man nichts mehr von ihm. Er war ein prima Kerl und hatte Spaß an der Musik, und er wurde als aufstrebender Produzent gehandelt. Danach hat er keine anständigen Platten mehr gemacht. Aber in diesen zwei Jahren hat er ein kleines Vermögen verdient. Ich habe keine Ahnung was er jetzt macht. Wahrscheinlich verdient er immer noch Geld mit Auflegen und Remixen. Mit ein bisschen Glück kann man gut Geld verdienen.

Du hast Anfang dieses Jahres in einem offiziellen Statement Deine Enttäuschung über diverse gegenwärtige Entwicklungen zum Ausdruck gebracht und verkündet, das Label Clone zu schließen.

Ja, es ging nur um das Label. Es hatte mir nicht mehr soviel Spaß gemacht. Ich war solange damit befasst und viele Leute schauten noch nach den Platten, aber weil das Label stilistisch so vielfältig geworden war, hatten wir verschiedene Gruppierungen von Leuten, die das Label verfolgten. Und die Fans von Techno auf Clone hassten beispielsweise Alden Tyrell und Disco. Und diejenigen, die sich mehr für die Electro- und Discosachen interessiert haben, mochten die Technosachen nicht. Ich mag diese kleinen Szenen nicht, aber wenn du jünger bist und dich mit der Musikevolution vertraut machst, ist es offensichtlich, dass du eine Wahl triffst und erstmal dabei bleibst: Ich mag Disco, ich werde ein Disco DJ. Ich könnte das nicht, aber ich kann es verstehen, wenn andere es so machen. Ich kann mich in denjenigen hineinversetzen, der sich für eine bestimmte Art von Musik entscheidet und das als DJ verfolgen will. Ich stand also verschiedenen Zielgruppen gegenüber, mit verschiedenen Ansprüchen und Erwartungen an das Label. Das wurde zu einer Barriere, die mir die Freiheit nahm bestimmte Stile und Platten zu veröffentlichen. Die Mina Jackson 12“ mit dem Mike Dunn Remix ist z. B. eine reine Clubplatte, die auch auf Defected gepasst hätte. So etwas hätte ich auf dem alten Clone Label nie herausbringen können, das hätte niemand verstanden. Es gab ein paar Vocal House-Platten auf Clone, aber die waren eher introvertiert und auch ein bisschen elitärer. Platten für ein Publikum, das sich mit Musik gut auskennt. Aber ich mag auch straighten Techno, oder Minimal, oder einfachen Acid. Ich fühlte mich blockiert von vor allem jüngeren Leuten, für die Clone ein Electrolabel war, oder ein Discolabel. Und ich bekam dann seltsame Reaktionen auf Sachen wie Marco Bernardi, die ich sehr mochte. Schöne Platte, aber ich dachte Clone wäre ein Discolabel oder was auch immer. Das gab mir ein komisches Gefühl und ich bemerkte auch, dass ich neue Platten auf Clone an bestimmte DJs schickte und mich fragte, ob ihnen das überhaupt gefallen wird. Ich kann Marco Bernardi nicht an einen beliebten Disco DJ schicken. Also stellte ich Clone als Label ein und ich bringe jetzt Platten die mir gefallen in verschiedenen Serien heraus. Jede hat einen anderen Dreh und andere Stimmungen, Haltungen, Empfindungen und auch andere Zielgruppen. Da wird es für bestimmte Leute wahrscheinlich deutlicher, was wir machen.

Denkst du dass das so weitergehen wird?

Ich weiß nicht. Ich habe mich entschieden, Clone so zu beenden wie es vorher war. Ich wollte was ändern, um tiefer in andere musikalische Bereiche vordringen zu können. Ich wollte wieder mehr Freiraum haben. Für Dubstep, Clubplatten, Experimentelles oder eben auch was ganz Neues. Wenn ich eine Rave-Platte habe, fange ich eben eine neue Serie an. Ich habe das in der letzten Zeit vermisst. Zudem arbeiten wir über lange Zeit mit Künstlern zusammen, aber auch mit jungen Nachwuchskünstlern. Ich sah da auch wieder Beschränkungen, weil jemand vielleicht erst in ein paar Jahren so gut ist wie Alden Tyrell oder Dexter, und die Produktion und das Arrangement noch nicht so perfekt ist. Dieser Jemand wird sich wahrscheinlich zu einem sehr guten Produzenten entwickeln und ich möchte es sowieso herausbringen, weil ich ihn und seine Musik mag. Jetzt ist so etwas viel einfacher als früher bei Clone. Manche Serien werde vielleicht zwei Platten haben, andere zwanzig, es wird vielleicht woanders jeden Monat was veröffentlicht. Ich weiß es noch nicht. Im Moment haben wir sechs Serien in verschiedenen Bereichen angefangen.

Wird es weiterhin so bleiben, dass es neben neuem Material auch Wiederveröffentlichungen von alten Platten geben wird?

Ja, wahrscheinlich. Mit den Reissues ist es gerade nicht einfach. Eine Menge 12“s, hinter denen wir her waren und die wir lizensieren wollten, sind mittlerweile schon als Bootleg erschienen. Der Vinylmarkt ist gerade sehr klein, also macht es keinen Sinn ein offizielles Release von einem Bootleg zu machen, der schon 1000 Stück verkauft hat. Da fallen einfach schon zu viele Verkäufe weg.

Da gräbt sich die Discoszene die eigene Grube und verdirbt den Markt für offizielle Releases, die die ursprünglichen Künstler beteiligen.

Das ist exakt was ich meine. Jede Szene zerstört sich nach einer Weile, und gerade ist es die Disco-Szene. Jemand ist erfolgreich mit Edits und dann machen es alle und es gibt einen riesigen Überfluss davon. Mit Techno und House ist aber auch so. Es gibt ein paar erfolgreiche Labels und DJs und auf einmal gibt es dreißig oder vierzig Labels, die das Gleiche machen und sie machen alles kaputt. Deswegen mag ich Szenen nicht. Sobald es zu eng und stickig wird, bleibe ich da weg.

Es gibt ja viele Beschwerden darüber, dass alle sich daran hängen was gerade populär ist und alles bald mehr oder weniger gleich klingt. Aber war das nicht immer so? Du hast vorhin Hip House erwähnt. Das war auch eine Weile populär und dann machte es jeder und es starb aus.

Stimmt, das hat es immer gegeben und es wird sich nie ändern. Aber ich habe bemerkt, dass nach dem Umbruch mit dem Label eine Menge Leute ins Grübeln kamen. Viele, die schon seit über zehn Jahren ein Label betreiben oder sich auch nur für Musik begeistern, meinten zu mir, dass sie auch an dem Punkt wären, wo es ein bisschen langweilig zu werden droht und etwas ändern wollen. Sie wussten nur nicht wie. Auch gut verdienende DJs mit großen Namen erzählen mir, dass sie von dem gelangweilt sind was sie machen. Ich denke man muss wieder dahin zurück, dass man einfach das macht was einem Spaß bringt. Und das war bei mir Musik herausbringen, ohne diesen ganzen Ballast an Promotion und Geschäftlichem und möglichst viel Profit. Denn was ist schon der große Unterschied zwischen tausend und zweitausend verkauften Einheiten? Das sind nur ein paar hundert Euro.

Möchtest Du denn mit diesem Beispiel Schule machen, damit sich auch andere Labels neu erfinden, die womöglich in ähnlichen Sackgassen stecken und es mehr neue Impulse gibt?

Nein, ich denke nicht. Es gibt z. B. viele Labels die jede Woche Platten veröffentlichen, die mehr oder weniger gleich klingen. Aber wenn sie die verkaufen und es ihnen Spaß macht, sollten sie das auch nicht ändern. Aber wenn ihnen das langweilig wird und sie mich als gutes Beispiel sehen, wäre ich damit glücklich. Aber jeder sollte seine eigenen Entscheidungen treffen. Jeder führt sein Leben und sein Geschäft auf unterschiedliche Art und Weise. Jeder bewegt sich in einem verschiedenen Umfeld und macht andere Erfahrungen mit Musik. Viele hören auf sich mit Musik zu befassen und schlagen andere Wege ein und andere Karrieren. Das ist völlig in Ordnung, aber mir macht Musik noch zuviel Spaß, sei es als Labelmacher oder als DJ. Ich möchte noch nicht damit aufhören. Es ist wieder spannend für mich. Ich war gerade im Urlaub und ich wachte mitten in der Nacht auf, weil kurz darauf die neuen Serien anstanden und die Platten reinkommen sollten. Ich habe mich total darauf gefreut, und es war bei neuen Releases länger nicht so. Neue Labeldesigns und andere Kleinigkeiten, das macht alles wieder mehr Spaß. Und das ist genau das was ich erreichen wollte.

Dann kann es so ja noch eine ganze Weile weitergehen.

Ich weiß es nicht, wahrscheinlich. Ich bin darin involviert und mir macht es Spaß, aber ich plane nicht so weit voraus. Ich möchte im Moment dabeibleiben und zwar so wie ich möchte. Das Letzte was wir bei uns angestoßen haben, war vor fünf Jahren der Digitalvertrieb. Nun hat das Fahrt aufgenommen und Teile von unserem physikalischen Vertrieb überholt. Viele Labels sprechen uns an, weil sie einen guten Digitalvertrieb suchen. Viele gehen direkt zu Beatport, aber wir haben von Beginn gute Beziehungen zu vielen Onlinestores geknüpft, wie iTunes, Beatport natürlich, Bleep, Rhapsody, Napster und vielen anderen. Das war der letzte Schritt in Richtung der digitalen Domäne. Das zahlt sich nun aus, denn wir haben unser eigenes Netzwerk und sind nicht von anderen Quellen abhängig. Wenn wir wollen, können wir das wahrscheinlich für eine lange Zeit machen, aber niemand kann in die Zukunft schauen. Es kommen auch so viele gute neue Platten raus. Ich liebe es wieder in den Shop zu gehen und mir die Neuveröffentlichungen anzuhören und ich schleppe jede Woche haufenweise Platten nach Hause. Das war lange Zeit nicht so, vor ein paar Jahren habe ich vielleicht eine oder zwei Platten die Woche gekauft. Jetzt muss ich mir wieder überlegen, was ich alles mitnehme. Und anderen Leuten geht das genauso. Die Leute interessieren sich auch wieder für Sachen, die sie vorher nicht so verfolgt haben, auch die DJs. Man ist überrascht welche DJs sich mittlerweile für welche Platten interessieren. Es sind seltsame Zeiten. Es gibt die ganzen negativen Aspekte mit all den Pleiten und Schließungen, und all den Musikern, die von der Musik nicht leben können. Aber auf der anderen Seite gibt es all die jungen Leute voller Energie, die tolle Platten machen. Vieles ist vielleicht nicht neuartig, und man hat es schon mal gehört, aber mir gefällt das trotzdem. Man hat gemischte Gefühle im Moment, vor allem Leute, die schon seit langer Zeit im Musikbusiness sind.

De:bug 07/09


One Comment on “Interview: Serge (Clone Records)”

  1. 1 A guide to Serge and Clone | Uncanny Valley said at 4:07 pm on December 10th, 2011:

    [...] mail order, digital shop and still a record store. As all German speaking readers can learn from this excellent interview with Finn Johannsen, Serge and his friends started all that by necessity. There was simply no good [...]


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