Running Back

Posted: April 6th, 2007 | Author: | Filed under: Artikel | Tags: , | No Comments »

Seit 2001 gibt es das Label Running Back, das einst von dem DJ und Journalisten Gerd Janson und Thorsten Scheu alias Glance gegründet wurde, um Freunden und dem eigenen Deep House-Aktivismus eine Plattform zu bieten. Die Veröffentlichungen von Scheu selbst als Second Life und Soul Supply sowie dem mysteriösen Mute waren sporadisch, aber fein und von der tiefen Überzeugung geprägt, mit der von Frankfurt aus südwärts der Sound immer weiter betrieben wurde, als anderswo im Lande die Klangsparsamkeit ausgerufen wurde. Deep Houser sind eine beharrliche Spezies, und abermals werden in dieser Tradition wieder Standards mit Breitenwirkung gesetzt, die Berlin-Karlsruhe-Achse Innervisions oder auch Stir 15 strahlen aus, und in Clubs wie Inner City und Liquid wird die Erfahrung umgesetzt und neue Gefolgschaft konvertiert. An der Grundprämisse von Running Back hat diese Wiederkehr von Deepness nichts geändert, doch Jansons zunehmendes Profil hinter den Decks und als agiler Kulturaktivist bedeutete auch eine stetige Erweiterung des Freundeskreises, wodurch der Backkatalog unweigerlich Fahrt aufnahm. Die letzte Mute EP sickerte bereits in Checker-Kreise im Ausland, mit dem zurückgelehnten Briten Mark E wurde mit gutem Wissen und Gewissen die Tür zur gegenwärtigen Discoaufarbeitung durchschritten und mit der aktuellen Wiederveröffentlichung von vergriffenen Losoul-Tracks wird die Relevanz ursprünglicher Ideen im zeitlichen Vergleichstest demonstriert. Und es geht weiter voran: Mark E und Soul Supply kehren zurück, Todd Osborn und Toby Tobias kommen als Beteiligte dazu und es gilt als nicht ausgeschlossen, dass ein paar extraordinäre Spezialplatten der labeleigenen Sammlung nach längerer Hege als liebevolle Neubearbeitungen das Mittelmaß in den Edit-Fächern aufmischen könnten. Watch this space.

De:Bug o4/07


Arp Aubert – Yasminnje

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

„Yasminnje“ erschien erst als vermummter Melancholiker, der sich im Morgengrauen dann unvermutet doch als sich in scharfen Bewegungen wiegender Herzensbrecher entpuppt. An seine Ausstrahlung wirst du dich erinnern, wenn er schon längst wieder weg ist. „Nipplegate“ ist eine zierliche, kapriziöse, neurotische Schöne, die immer woanders wieder im Blickfeld auftaucht, aber für diesen Moment wieder alle Blicke auf sich zieht. „Gulden Bull“ ist am Rand aufgetaucht, und er hatte genau wie du das Bedürfnis nach einem schwelgerischen Innehalten in all der kurvigen Funkiness. Für diese drei Momente wart ihr alle wie Brüder und Schwestern.

De:Bug 04/07


Designer Imposter – Good News (Rubaiyat)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Designer Imposter ist ein Mädchen aus New York City mit guten Platten und sie ist ungehalten. Das kann so nicht weitergehen. Wo sie vorbei schaut und weg hört, überall der gleiche Mist. Da macht sie nicht mit. Sie macht unromantischen Gulli-Dub, mit Ansage, und das klingt vorder- und hintersinnig, rechtschaffen und unterstützenswert. Pink Alert hingegen sind zwei prima Jungs aus Süddeutschland und sie haben den verschollenen Bobby Konders House Dub von Althea & Donna gefunden, der in der Konkursmasse von Nu Groove schon verloren schien. Das Master-Tape war leider ziemlich hinüber, aber sie haben es liebevoll rekonstruiert. Diggen lohnt sich eben.

De:Bug 04/07


Efdemin – s/t (Dial)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Das ist das Schöne am gegenwärtigen Status von Hochqualitätstechno. Man kann sich inmitten eines Kollektiverlebnisses herumkatapultieren lassen, ohne ästhetische Grundüberzeugungen und genrespezifische Geschmacksprinzipien zu verraten. Jemand wie Efdemin hat errechnet, wie man einen großen Raum mit Klang komprimiert, ohne dabei das Ravesignalrepetitorium abzuklappern. Effizienz kann wieder klug sein, Referenzen sind nicht nur Rückspiegel und die Musik ist ein Maßstäbe setzender, futuristischer Skyscraper mit Panoramablick auf den Fortschrittsballungsraum, in dem der Produzent von der Eingangshalle bis zur Antennenspitze jedes Detail abgewogen hat und sich jetzt nach der Einweihung auf den Schirmen anschaut, wie sich sein Konzept in allen Räumen als Drama und Glück fortpflanzt. Um die Überforderten kümmert sich diskret der Sicherheitsdienst.

De:Bug 04/07


Imatran Voima – Welfare State Of Mind (Mighty Robot Recordings)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

In Finnland ist der Bass einfach zu weit von Miami entfernt, um eine wohlgemute Ärsche und Titten-Connection als Manifesto in die Welt zu pumpen, hier scheitert man schon beim Einholen der Stütze. Die erbeuteten Schemata gibt man aber auch nicht mehr her. Im Gegenteil. Volle Entkernung, Billigschnaps und Billigcomputer, mit einem ziemlich fiesen Rausch im Schlepptau, der irreparable Folgeschäden haben wird. Für diesen Krach wurden Autos quasi erfunden, die bei geleertem Tank und erneutem Sonnenaufgang am Stadtrand zurückgelassen werden.

De:Bug 04/07


Kathy Diamond – Miss Diamond To You (Permanent Vacation)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Der benebelte Tüftler und seine fragile Muse in einem Aufeinandertreffen, das so gut zusammenläuft wie das Flüssigmetall beim T-1000 und den Post-Disco-Konflikt fast im Alleingang löst. Im gegenseitigen Einvernehmen scheint vor allem die Dosierung so schlüssig wie seit Urzeiten nicht mehr gehört. Nicht zu viel Boogieismus, zu viel tragisches Epos, zu viel Track, zu viel Song, zu viel Effektgarnitur, zu viel Referenzschläue, zu viel Spacetroopertum, zu viel Divenhand, zu viel Traditionsgewissen, aber eben auch nicht zu wenig, und vor allem so viel überlegene Komprimierung. Das lässt sich vermutlich kaum wieder- aber auch nicht überholen. Jetzt heißt es vorrausichtlich auf unterschiedlichen Missionen Hello Yellow Brick Road und den Giftschrank übereiliger Major-Labels überfüllen.

De:Bug o4/07


Romanthony – Falling From Grace (Azuli)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Gleichermaßen von dem Sexgnom aus Minneapolis und dem Leibhaftigen von ganz oben angeleitet, wagt sich Romanthony in der opulentesten Phase seines Exzentrikertums weit in die Schattenseiten des nichtigen Daseins vor, dort wo nur der Geist und das Wort das Chaos zu erhellen vermögen. Er ist der Coolste unter den Getriebenen, und er ist entschlossen seine alttestamentarische Botschaft in dein unwürdiges Ohr zu nageln. Zitternd unterwirft er sich der Gnadensprechung, gleichermaßen auf Erlösung und Verdammnis hoffend, doch er wirft einen lustvollen Seitenblick auf diejenigen, die verwirrt am Scheideweg erschauern und vergeblich auf eine Weisung hoffen. Tony Humphries und die Murk Boys konnten begreifen, um was es hier geht und sie waren stark genug, diesen unwegsamen Pfad zu betreten. Als sie wieder zurückkehrten, hatten sie diese dunkle Botschaft mitgebracht und alles vorher Bestehende war wie ausgelöscht.

De:Bug Online 04/07


The Student Body Presents – Boxes (Rubaiyat)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Die merkwürdigen Miasha Williams und Eric Porter bewegen sich in einem schwankenden Gebilde zwischen heiserem U-Bahn-Schacht-Soul, CBGB’s/Knitting Factory-Attitüde, verfrickeltem Hipster-Hop und antiker Downtown-Performance-Kunst und haben dabei ein irgendwie ansteckendes Selbstbewusstsein. Sie lehnen Ampeln bestimmt kategorisch ab. Manchmal haben sie ein bisschen das verworrene Punky’s Dilemma aller nachgeborenen Apologeten, aber wenn sie fast beiläufig auf den Großstadtüberlegenheitskomplex pochen, entwickeln sie eine legere Nachtschattensouveränität und taggen den richtigen Teil der Nachbarschaft/Galerie/Lesung/Aufführung/Ceremony/AfterAfterhour.

De:Bug 4/07


V.A. – Coast 2 Coast – Ron Trent (NRK)

Posted: April 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Ron Trent verweigert sich immer noch der Art von Deepness, die er einst mit Teenager-Großtaten auf Djax-Up und dann vor allem mit Balance/Prescription auf die Welt losließ. Sein Beharren auf das behagliche Muckertum der Body & Soul-Blütezeit ist stoisch, auch nachvollziehbar aber eben auch ziemlich wertkonservativ und bewegt sich immer noch in diesen altbewährten Koordinaten zwischen Sound Factory Bar, Ethno-Roots-Verbundenheit du gediegenem Soul, mit Tracks von Anthony Nicholson, Cassio Ware, Kimara Lovelace etc. Das ist mittlerweile so durchdekliniert, dass sich das Fehlerpotential schon automatisch in Grenzen hält und erreicht demzufolge auch die angepeilte Anrührigkeit. Was die Deep House-Soldaten im großen Apfel sonst noch so antreibt, werden dann vermutlich Âme in der nächsten Runde dieser Compilation-Serie demonstrieren.

De:Bug 04/07