Crank (Universum)

Posted: January 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Der Tag des Syndikatsaufräumers beginnt ausbaufähig, man hat ihm im Schlaf ein Gift injiziert und er muss nun sehr viel Stress haben, damit er nicht einfach tot umkippt. Jemand ist verantwortlich, es gibt eventuell ein Gegengift. Diese Prämisse reicht schon, danach kann man mit diesem Film eigentlich alles anstellen, und Regie und Skript halten sich dann auch nicht länger mit unnötigen Reflektionen auf. Der Mann läuft unablässig, wie eine Gym-Version von Belmondo, nur ist es nun nicht mehr ein „Abenteuer in Rio“, sondern eines in GTA San Andreas. Dinge, die man eben so macht, damit man nicht runterkommt und abkratzt: es zuerst mit dem gesamten Energydrinksortiment des Eckladens probieren, dann lieber gleich das Substanzenkontingent eines Berghain-Wochendes rein in den Organismus, wahllos Leute hauen, dann mit wehender Dauerlatte die Stadt in Schutt und Asche legen. Da fallen fliegende Gliedmaßen an, flächendeckender Kameraheckmeck, Sexismus-Blutgrätschen und lauter echt toll verquaste Nebenprobleme. Jason Statham ist in der Lage, diesen irren Quatsch zu tragen, der Handlungsverlauf hat ein paar erstaunliche Störmanöver parat, und hätte man diesen Film einfach hierzulande in „Krank“ umgetauft, es wäre plausibel gewesen.

De:Bug 01/07


It – Women In Toilets (Electro-Choc)

Posted: January 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Nur gelegentlich gibt es Sichtungen vom Franzosen Stefan Manceau, der einst vor zehn Jahren in Detroit das Label Starbaby gründete, das er jetzt in seiner Heimat weiterführt. Dabei finden sich nicht nur bemerkenswerte Eigenproduktionen, sondern auch Veröffentlichungen und Remixe von Fabrice Lig, Dan Curtin und Morgan Geist im übersichtlichen Backkatalog. Für das französische Label mit dem dusseligen Namen nun also dieser Track, der verhalten an „Rej“ erinnert, vor dessen Opulenz aber stets auf weniger befahrene Straßen ausweicht, auf denen sich versprengte Spuren zu einem kribbeligen Funk zusammenschließen. Für Stefan Goldmann hingegen scheint das nur eine Startformation zu sein, denn sein Remix macht sich zielsicher in die Tiefe davon und ist dabei so umsichtig konstruiert, dass clevere Geräuschtransformationen und angezählte Melodieschlieren zwischen Vorder- und Hintergrund Kreise ziehen können. Das bewegt sich dann so kompakt voran als hätte man modernem Deep House zwischen Berlin und New York gerade noch rechtzeitig mit einem Stahllineal auf die Finger gepatscht, bevor sich das Arrangement ausladend zum großen Gefühl hochduseln konnte. Formstark.

De:Bug 01/07


Sally Shapiro – Disco Romance (Diskokaine)

Posted: January 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Der Schwede Johan Agebjörn hat sich neben seinen Ambient-Projekten schon etwas länger in die Plastikherzen der Italo-Disco-Revisionisten gepoppt. Den Backkatalog muss er aber auch wirklich erschöpfend studiert haben und derart entschlossen beteuert er die für Italo typische falsche Unschuld, ersetzt aber die mediterrane Skrupellosigkeit in der Herangehensweise an Pop mit dem Anspruch eines mit Produktionsmitteln gut ausgestatteten Tüftlers, der sich ehrlich um den guten Song bemüht. Damit erreicht er zwar nicht den billigen Charme von Valerie Dore-Platten, aber die durchaus ähnliche Stimme von Sally Shapiro singt durchaus ähnliche Melodien in Stücken von elastischer Finesse und Texten voller ungeschickt zögerlicher Intimität und doch kalkulierender Verführungskraft, zu denen man eigentlich nur Getränke bestellen sollte, die in der Dunkelheit fahl leuchten, und wer zuerst auf der Tanzfläche den Blick erwidert, hat verloren.

De:Bug 01/07


Yentown (Rapid Eye Movies)

Posted: January 5th, 2007 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Yentown bezeichnet sowohl Nicht-Japaner, die am Rande Tokyos dem Gaunerglück hinterherhustlen, als auch deren tristen Peripherie-Lebensraum, der mit dem schicken urbanen Futurismus anderer japanischer Megacity-Filme nicht mehr viel gemein hat. Chinesische und amerikanische Immigranten, die den gesellschaftlichen Statuscheck nicht bestanden haben, bilden hier eine streetsmarte Gemeinschaft von kleinkriminellen Stehaufmännchen, Huren, Junkies und kaputten Bohemiens, die wie gesellschaftliche Parasiten auf den Wirt warten, der sie in die Stadt bringt und doch schon zuviel trotzigen Stolz und Integrität entwickelt haben um sich im dortigen Milieu assimilieren zu können. Als die städtischen Yakuza bei einem Ausflug in dieses Niemandsland eine Blaupause für Falschgeld verlieren gerät dieser Haufen in Bewegung und drängt sich durch den Spalt zur sozialen Akzeptanz, doch das Leben dahinter ist ein ungastliches Terrain, das sich nur für den Preis der Selbstverleugnung und des Verrats besiedeln lässt. Je weiter die Individuen wieder nach Yentown zurückgedrängt werden, desto mehr laden sie sich wieder mit dessen Kraft auf und schlagen drastisch gegen die Zirkel der Großstadt aus. Im steten Bildstrom der flirrigen Handkamera wirft dieser Film den Zuschauer zwischen Momenten poetischer Intimität, karger Schönheit, kaputter Tragik und heftiger Gewalt hin und her die lange nachhallen und die Inszenierung wirkt nicht nur beim schrägen Ensemble und offensichtlichen Zitaten so, als wäre Inwai in einer dieser infernalischen Opiumhöllen Fellini erschienen, und beide hätten sich auf die Zersiebung filmischer Konventionen geeinigt.

De:Bug 01/07