Basement Jaxx – Crazy Itch Radio (Edel)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Ich finde überladene Musik eigentlich prima und auf den verheißungsvollen EPs bis zum ersten Album passierte auch schon eine ganze Menge. Aber da gab es auch bewusste Gegenpole und Ruhephasen und der Stilmischmasch erschien wie ein gültiges Statement. Dann entschieden sie sich irgendwann das auf die Spitze zu treiben und wurden dabei nicht immer vielfältiger, sondern immer beliebiger. Die wissenden Eklektiker verrannten sich zu quietschbunten Grinsebären mit dauerhaftem Straßenkarnevalsapostel-Anspruch, abgesegnete Brixon-Multikulti-Wurzeln hin oder her. Es wurde viel auf einmal abgefeuert, aber letztendlich traf eigentlich auch nicht viel. Es bringt vermutlich nix aufzuzählen, was hier so alles erschallt, möglichst gleichzeitig. Da das hier eh eine rappelnde Radiosendung suggerieren soll, denk dir dein Lieblings-Spartenthema, es ist ganz bestimmt auch als Ganzes in den Gumbo-Topf geworfen worden. Der Schirmherr der Parade könnte noch Lord Kitchener sein, aber eben auch André Heller.

De:Bug 09/06


Der ewige Gärtner – Special Edition (Kinowelt)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Ein gegensätzliches Paar sind Justin Quayle (Ralph Fiennes) und seine Frau Tess (Rachel Weisz). Er ist ein gleichmütiger Bürokrat im Dienst Ihrer Majestät in Nairobi und entspricht meiner Überzeugung, dass Spione in ihrem Verwaltungsapparat ungleich wirkungsvoller anzuschauen sind als ihre sich vom Hubschrauber ins Casino abseilenden Kollegen. Sie ist eine Vollzeitaktivistin der enervierenden Art, immer auf der Suche nach der nächsten Ungerechtigkeit. Am Anfang des Films steht ihre Ermordung und er sucht nach den Zusammenhängen und einer Erinnerung von ihr, die er für immer behalten kann. Er stößt dabei auf Verwicklungen der Pharmaindustrie und der Diplomatie, welche in den Armensiedlungen ein wahrhaft zynisches Joint Venture unterhalten. Von da an führt der Weg über Verrat und Bauernopfer zu Machenschaften, die sich durch Idealismus höchstens vorübergehend beeinträchtigen lassen. Fernando Meirelles und John le Carré sind auf den ersten Blick auch eine ungleiche Paarung. Der Regisseur wurde mit dem großen kinetischen Brimborium seiner Ghetto-Studie „City Of God“ bekannt, der Autor der Vorlage mit kühlen Sezierungen internationaler Geheimdienstaktivitäten. Meirelles lenkt seinen Einfallsreichtum hier jedoch auf optische Akzente und narrative Verschachtelungen, die der bitteren Konsequenz der Handlung keine Kraft nehmen. Die Sonderauflage bietet eine reichhaltige Auswahl von Extras ( Making of, Deleted Scenes, Erweiterte Szenen, TV-Spots, Featurettes, Interviews, Szenen vom Dreh, Trailer) für einen ohnehin sehenswerten Film.

De:Bug 09/06


Lindsay J & Sneak Thief – Open The Door (Mighty Robot Recordings)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Teile der Glasgower Szene fungieren schon etwas länger als ideologischer Außenposten des Cybernetic Broadcast System von I-F und dessen vorwiegenden Soundkoordinaten Italo, Electro und WBMX. Nach bereits bemerkenswerten Releases von Ra-X, Voigt Kampff und Martin van der Vleuten folgt jetzt diese EP von Sneak Thief und Lindsay Joy-Griffin, deren Stimme sehr sweet an die großartige Rah Band erinnert. Im Original ist „Open The Door“ noch ein delikater Space-Lovesong, der dann in den Bearbeitungen von den Polygamy Boys, Truffle Club und Imatron Voima ebenso schön in die Gefilde von Dub-Boogie, Sewer Electro und futuristischem R&B übertragen wird. Die Vocoder sind auf sachte Verführung geschaltet, der Bass glitscht zufrieden und die 808 schnurrt wie die Tigerkatze. The long hot summer just passed me by.

De:Bug 09/06


Rotorik – Live At The Rotodrôme (Acido)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Auf den vorherigen drei Releases des Labels Acido wurden auch schon auf höchst bemerkenswerte Art und Weise Parameter elektronischer Möglichkeiten abgeklopft, doch Rotorik macht wirklich Ernst. In seinem Kopf muss es wahrlich wüst zugehen. Anders als bei seinem Projekt TET, wo er auch mal in Tarnhose und fachgerechter Sonnenbrille EBM-Parolen in den Verzerrer jagt, geht es auf diesen sieben Tracks um experimentellen Techno für irrsinnige Tanzflächen, der unbequem und störanfällig durch die Echokammer kracht. Harter, aber auch sehr faszinierender Tobak, der wie eine archaische Gesteinsformation ewig lange Zeit über dem Tunnelausgang in der Ferne hing und dann doch irgendwann als chaotischer kleinteiliger Regen heruntergerauscht ist und keiner kommt jetzt mehr raus.

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V.A. – 7“ Up (Crippled Dick Hot Wax!)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , , | No Comments »

Diese Compilation schreibt sich auf die Fahne, dem Medium 7“ Inch den nötigen Respekt zu zollen und Vergessenes vor der endgültigen Vergessenheit zu bewahren. Das ist löblich, aber wird auch sonst flächendeckend und stilübergreifend auf dem Reissue-Markt praktiziert, ob man sich da speziell auf 7“s wirft, das Prinzip ist identisch. Der Trackauswahl zufolge geht es vor allem darum, einem bestimmten Sound Tribut zu zollen und zwar britischem Post Punk der Zeit von 78 bis 82, also die Hochphase von Rough Trade, Cherry Red, Y Records usw. Das bietet sich natürlich an, da der entsprechende US-Gegenpart im Schwung der 80er-Rückbesinnung schon fast erschöpfend aufgearbeitet wurde. Man möchte sich fast wünschen, dass diesen Songs ein ähnlich ruppiger Transfer in den heutigen Hip-Diskurs samt Clubanbindung erspart bleibt. Allerdings geht es hier nicht um Tanzflächen, sondern um exzentrische Popentwürfe, die man sich auf billigem Equipment ausdenkt, in grauen Städten mit Dauerregen. Da entsteht dann solch derangierter Synthpop wie der von Gerry & The Holograms oder Henry Badowski, Powerpop von den Moondogs und den Cult Figures, es gibt störrische Einzelkämpfer wie Mark Beer und Thomas Leer, aber auch zeitlos Großartiges wie die mythenumflorten Monochrome Set und Weekend. Alles immer noch so fein wie damals. Überhaupt damals.

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V.A. – Collectors Series Pt. 1 – The Modernist – Popular Songs (Faith Recordings)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , , | No Comments »

Diese neue Compilation-Serie soll ein Forum für Tanzmusikgeschichte werden, in dem Prominente ihre persönliche Auswahl präsentieren. Den Anfang macht Jörg Burger, der eine aussagekräftige Ansammlung poppiger Kölner Elektronik und Buddies zusammengestellt hat, gelegentlich eingestreute Lieblingszitatopfer wie Green Gartside, Paddy McAloon und Basic Channel inklusive (Zitat Promowisch: „Moritz von Oswald mit seinem brandneuen Future Classic Round Two“. Sauber!) Für einen Nicht-DJ hält Burger das Ganze sehr schön im Fluss, arbeitet eigene Exklusivproduktionen und Edits ein und beweist treffsicheren Sinn für Dramaturgie und Originalität. Da gibt es gar nichts zu beanstanden. Im Gegenteil, so manche Mix-CD in diesem Sektor liegt da abgeschlagen zurück. Musiker sind vielleicht die besseren Computerjockeys.

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V.A. – Movements 2 (Perfect Toy Records)

Posted: September 6th, 2006 | Author: | Filed under: Rezensionen | Tags: , | No Comments »

Der aktuelle Stand deutscher Funkforschung unter Federführung von Tobias Kirmayer. Beim verschwisterten Buddelgebiet Northern Soul ließ man in früheren Tagen bei der Auswahl ja eher den Erhältlichkeitsgrad entscheiden, daher finden sich dann auch im Plattenregal beispielsweise Kent-Compilations mit gefühlten zwei Highlights und einem blassen Rest von Mitläufern, die sich allein über ihre Seltenheit anbieten. Die anderen Highlights, die man noch in petto hatte, wurden einfach knauserig über die nächsten Veröffentlichungen verteilt. Zu jener Zeit gab es allerdings auch nicht so viel Reissue-Konkurrenz in den entsprechenden Fachgebieten. Dementsprechend rutschen die 15 hier vertretenen, schwitzigen Raritäten ohne Ausfälle munter durch und decken dabei das ganze Stilspektrum ab.

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